Donnerstag, März 05, 2015

"10 Jahre tobys blog"



Nach zehn Jahren, über 1000 Posts und über 7000 Kommentare schließt dieser blog heute. Danke für alles begleiten, lesen, kommentieren und herzlich willkommen zu meinem neuen Blog.

Wir lesen uns. :)

Dienstag, März 03, 2015

Wider den Wohlfühlfaktor oder ein Plädoyer zum Hinschauen und Hinhören. Zur 3. Auflage von: Warum ich nicht mehr glaube“



"Was ist tragfähiger Glaube, mündiges Christsein, gelingendes Leben, gesunde Theologie? Mit acht sorgfältig gewählten Bohrern behandeln drei Zahnärzte vier wurzelvereiterte Stellen im brüchigen frommen Gebiss: Bibelverständnis, Gottesbild, Theologie, Ethik. Fair gegenüber Zweiflern, heilsam für Gläubige, aufbauend für Gemeinden - ein schmerzhaft notwendiges Buch!"
Andreas Malessa, Hörfunk- und Fernsehjournalist, Theologe, Buchautor

'Warum ich nicht mehr glaube' scheint eine Thematik angesprochen zu haben, die bei vielen schon länger unter der Oberfläche schwelte, denn letztlich ist fast jeder einmal damit konfrontiert, der sich im Umfeld von christlichen Kirchen und Gemeinden bewegt.  Die Lektüre dieses Buches wirft wohl mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Doch gerade darin liegt aus unserer Sicht eine große Chance. Verdrängung ist keine Lösung und Fragen sollten gestellt, bedacht und besprochen werden, damit dann gemeinsam mit anderen Antworten gefunden werden können. Gerade die Fixierung auf eine vermeintlich einzige denkbare Antwort, die nicht zu hinterfragen ist, stellt ja häufig ein großes Problem dar.
Das Ziel unserer Studie und des Buches war vor allem eines: Wir wollten eine Debatte, einen Diskurs, einen Austausch über dieses oft verdrängte Thema anstoßen. Außerdem wollten wir denen, die nicht mehr glauben können oder wollen, eine Stimme verleihen, ihnen die Möglichkeit geben, ihre Geschichte zu erzählen. Es freut uns, dass viele an diesen Geschichten Anteil genommen haben. Wir haben gerade aus der Gruppe der „Entkehrten“ viele Rückmeldungen bekommen, dass sie sich wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen. Dies hat uns sehr ermutigt.
Schon bei der Durchführung der Studie merkten wir, dass wir mit dem Thema auf eine ungewöhnlich große Resonanz stießen. Dieser Eindruck wurde im letzten Jahr bei verschiedenen Lesungen in ganz Deutschland bestätigt, ganz unabhängig davon, ob wir auf einem großen christlichen Kongress waren, auf der Frankfurter Buchmesse oder in einer bestimmten Gemeinde: „Mir ist klargeworden, dass unsere Gemeinde an diesem Punkt ähnliche Strukturen aufweist wie beim Beispiel von Y.“ – „Endlich kann ich meine Cousine Z ein bisschen besser verstehen.“
Aber auch die Tragik, die viele Entkehrungen mit sich bringen, kam zutage. So haben sich viele Eltern bei uns gemeldet, deren Kinder nicht mehr glauben und die dies als sehr schmerzhaften Prozess erleben. Viele Fragen, die aus dem ganzen Themenkomplex „Familie und christliche Erziehung“ erwachsen sind, müssen in Zukunft noch tiefgreifender bearbeitet werden.
Mit einer Frage wurden wir im Laufe des letzten Jahres immer wieder konfrontiert: „Was können wir jetzt anders machen?“ Damit verbunden war oft der Wunsch, ein paar Maßnahmen vorgestellt zu bekommen, wie man verhindern kann, dass nahestehende Personen den Glauben verlieren. Es wäre der Komplexität und Individualität der einzelnen Menschen und ihrer Geschichte aber nicht angemessen, einfache Ratschläge und Rezepte abzuleiten. Im schon erwähnten letzten Kapitel des Buches ziehen wir trotzdem einige Konsequenzen, die sich für uns aus den Ergebnissen und Geschichten ergeben haben. Was wir hier jedoch nur ansatzweise machen konnten und wollten, wird in einem nachfolgenden Buch mit dem Titel Warum wir mündig glauben dürfen. Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben konkreter zur Sprache kommen (Erscheintermin vrsl. September 2015). Aus diesem Anlass sind wir mit verschiedenen Menschen in Kontakt getreten, die eine neue, vertiefte und inspirierende Sicht auf einige der in diesem Buch behandelten Themen haben. Es wird um praktische und grundsätzliche Fragen aus dem alltäglichen Glaubens- und Gemeindeleben gehen wie z.B.: Wie vermeiden wir Überforderung im Ehrenamt? Kann man sich gemeinschaftlich mit der Bibel beschäftigen, ohne dass jemand aus der Gruppe in die Rolle des Lehrers für alle treten muss, sodass jede Stimme einen gleichberechtigten Beitrag leistet? Wie schlimm sind Glaubenszweifel wirklich? Was ist eigentlich das berühmte „geistliche Wachstum“?

(aus dem Vorwort zur dritten Auflage)

aktuelle Lesungen:
13. März 2015 in Marburg
17. März 2015 in Siegen 

Mittwoch, Februar 25, 2015

„Pastor Latzel & der Zwang zur Häresie“




Nachdem die Diskussionen um die Predigt des Bremer Pastors Olaf Latzel nicht abreißen und zum Teil immer skurrilere Züge annehmen (siehe hier, hier oder hier), frage ich mich, was wir daraus lernen können, denn es scheint mir, dass zwar über die gesellschaftlichen Umbrüche und den Pluralismus seit Jahren diskutiert wird, aber doch viele überrascht sind, wenn sie dies im Alltag erleben. Nicht nur das Leben zerfällt in episodenhafte Erlebnisse, auch der institutionelle Glauben tut dies. Nach Hunderten von Jahren des ‚christlichen Abendlands’ verändert sich substantiell, institutionell und strukturell vieles, denn Religion bzw. Spiritualität zeigt sich heute ausdifferenzierter als jemals zuvor. Dies bedeutet, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die Plausibilitätsstruktur des christlichen Glaubens verloren geht. Der Religionssoziologe Peter L. Berger hat schon vor 30 Jahren dazu ein interessantes Buch geschrieben, das er ’Der Zwang zur Häresie’ nannte und in dem es um die Frage nach dem Glauben in einer sich wandelnden modernen Gesellschaft geht.
Die verlorenen Plausibilitätskulturen des Glaubens
Die moderne Kultur hat über Jahrhunderte den christlichen Glauben als logische Plausibilitätskultur anerkannt. Der Maßstab für diese Plausibilitätskultur ist, so Berger, der ‚Maßstab der Vernunft’ der jeweiligen Zeit. Abweichungen davon wurden als Häresie betrachtet und oftmals auf unterschiedliche Weise sanktioniert. Häresie beschreibt ursprünglich das Treffen einer persönlichen Entscheidung, die sich von der jeweiligen (religiösen) Tradition löst. Peter L Berger sagt nun, dass in einer modernen pluralen Gesellschaft der christliche Glauben immer häretisch sein muss, da es keine allgemein anerkannten Glaubenswahrheiten mehr gibt. In diesem Zusammenhang spricht Berger vom ‚Zwang zur Häresie’, dem die Glaubenden heute unterworfen sind. Sie werden also gezwungen sich zu entscheiden. In einer pluralen Gesellschaft haben wir im öffentlichen Raum also konkurrierende Wahrheitsansprüche der verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Berger trifft dann eine hilfreiche Einteilung, in dem er den öffentlichen und privaten Raum unterscheidet. Da es keine gesellschaftlich festgelegte religiöse Wahrheit gibt, müssen die verschiedenen religiösen Akteure sich im öffentlichen Bereich miteinander auseinandersetzen.
Lernfeld öffentlicher Raum
Welche Argumente sind im öffentlichen Raum plausibel? Der erste Reflex ist der Ruf nach der Wahrheit, aber gerade in einer pluralen Gesellschaft führt dieser Reflex nicht zu der erwarteten Lösung, sondern in den Konflikt, da natürlicher Weise jede Religion (ja, selbst jede spirituelle Spielart und/oder Weltanschuung) von ihrem Wahrheitsanspruch überzeugt ist. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie die verschiedenen Akteure auf dem Marktplatz der religiösen Möglichkeiten miteinander umgehen. Entweder es kommt jetzt zum Wettstreit der Religionen (mit verschiedenen Mitteln und Intentionen) oder aber zu einer Vereinheitlichung der Religionen (Synkretismus). Beide Wege sind meiner Meinung nicht zielführend, sondern müssen durch einen dritten ergänzt werden, der in einer gewissen Spannung Teile der beiden Weg aufnimmt, aber durch eine andere Haltung getragen wird. Diese Haltung zeigt sich zuerst in der eigenen religiösen Identität. Und wie jede Identität braucht diese, bei aller Offenheit, auch Grenzen und Abgrenzungen. Je sicherer ich meiner Identität (in Christus) bin, je offener und angstfreier kann ich den Menschen mit anderen Meinungen, Religionen und Erfahrungen begegnen. Während also die einen die Grenzen sehr weit ziehen, setzen Andere die eigenen Grenzen sehr eng. Dies hat auch mit der eigenen Sozialisation und Weltanschauung zu tun, mit den eigenen Erfahrungen und dem daraus entstehenden Gottesbild und dem hermeneutisches Verständnis der Bibel. Glaube wird nicht im luftleeren Raum gelebt, sondern mitten in den verschiedenen Gemeinschaften unseres Lebens. Jede Identität braucht dabei Grenzen und ist dabei herausgefordert, nicht ausgrenzend zu sein. Dies ist ein feiner Balanceakt, der immer wieder überprüft und reflektiert werden muss. Christina Brudereck hat am Samstag gesagt, dass Frieden in einer pluralistischen Gesellschaft wichtiger ist als Wahrheit. Darüber bin zuerst gestolpert, aber es ist eine interessante Beobachtung, denn wenn alle religiösen Akteure und Weltanschauungen die eigene Wahrheit vertreten, dann machen diejenigen, die Frieden bringen den Unterschied.
Was ist die geistliche Haltung und Motivation?
Dass man dabei zu unterschiedlichen Einschätzungen gerade bei den verschiedenen Religionen kommt, ist sowohl theologisch als auch gesellschaftlich auszuhalten. Die Frage nach der Motivation und Haltung ist aber entscheidend. Wenn ich mich im öffentlichen Raum bewege, bin ich nun Mal ein Akteur und nicht der alleinige, deshalb geht es nicht nur um was ich sage, also z. B. mein Verständnis vom Evangeliums, sondern es geht immer auch darum, wie ich es sage. Jesus selbst bringt das ‚was’ und das ‚wie’ in Mt 7,12 zusammen: „Handelt den Menschen gegenüber in allem so, wie ihr es von ihnen euch gegenüber erwartet. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.“ Diese Worte Jesu sind wie eine Brücke zwischen dem privaten und öffentlichen Bereich, dem was und dem wie. Und dies hängt wieder mit der eigene Identität zusammen, mit der eigenen Charakterentwicklung. Dies zeigt sich beispielsweise ganz praktisch, dass ich andere (Religionen) nicht schlecht machen muss, wenn ich mir meiner eigenen gewiss bin. Denn lauter heißt nicht automatisch richtiger.

Freitag, Februar 20, 2015

"Wie hältst du’s mit der Religion? Kirche zum Wohl des ganzen Stadtteils"



Diese Woche ging es in Modul 2 unseres Studienprogramms Gesellschaftstransformation um die Frage der Zuordnung von Kirche und Gemeinwesen. Welche Aufgaben haben Christen und Gemeinden für die Menschen ihres Ortes und wie verhält sich ihr Handeln zu anderen Religionen und den demokratischen Grundwerten unserer Gesellschaft. Ein sehr spannendes und herausforderndes Thema. Dazu passt eine Rede (Wie hältst du’s mit der Religion? Religion kann die Demokratie fördern) unseres Außenministers Frank-Walter Steinmeier, die in der letzten ‚Zeit‘ abgedruckt war, hier ein Auszug:
"Ich weiß, dass Religion sich mit der Demokratie nicht nur vertragen, sondern sie fördern kann! Ein deutscher Richter am Bundesverfassungsgericht hat einmal gesagt: Der Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann. Demokratie braucht einen ethischen Nährboden – und Religion kann ihn bereiten helfen.
Ich will dazu etwas Persönliches sagen. Auch ich lebe meinen Glauben. Ich bin Christ und bin in der protestantischen Kirche aktiv. Natürlich hat mein Christsein mit meinem Handeln in der Gesellschaft zu tun: Meine Religion gebe ich nicht an der Garderobe ab, wenn ich morgens ins Büro gehe.
Im Koran heißt es an einer Stelle: "Gott hat dem Menschen nicht zwei Herzen in die Brust gelegt, sondern eines." Ja, auch mein christlicher Glaube inspiriert mein Handeln. Aber: Mein Glaube darf nicht selbst zum Gegenstand der Politik werden und schon gar nicht zur Waffe gegen Andersgläubige.
Deswegen sagt der Apostel Petrus in der Bibel: "Ehret jedermann." Das Gebot der Nächstenliebe gilt aber nicht nur unter Christen. So gesehen ist eine Moschee, eine Kirche oder eine Synagoge nie nur für die Gläubigen da, sondern für das Wohl des ganzen Stadtteils. Wenn Religion niemanden ausgrenzt, kann sie die Gesellschaft stärken."

Montag, Februar 16, 2015

„Hinken ist ein Zeichen des Segens. Rückblick auf den 8. Studientag Gesellschaftstransformation.“











Die Halle war voll, über 400 Teilnehmende hatten sich auf den Weg gemacht, die Musik spielte und dann es ging los. Immer wieder ein bewegender Moment für mich persönlich und viele, die mit geplant und geholfen haben. Dieses Mal gilt ein besonderer Dank unserem Partner Jumpers und ihrem Leiter Thorsten Riewesell. Der Studientag wurde eröffnet mit einem Vortrag von Prof. Dr. Paul M Zulehner aus Wien und er begann das Thema GottesSehnsucht anthropologisch auszulegen. Alle Menschen, egal welcher Herkunft oder Religion haben die Sehnsucht nach Leben in sich, suchen nach Erfüllung und sind stets hinterher dem her, was wir sein wollen und nicht sind. Das eint die Menschen, egal ob sie atheistisch, pragmatisch oder religiös sind und alle suchen nach der Sinnhaftigkeit des Lebens, wollen diese Momente festhalten und können es doch nicht. Dabei leben viel unter dem Leben unter dem Diktat der Diesseitigkeit. Unsere Kultur vertröstet uns auf das Diesseits. Leben als letzte Gelegenheit. Das maßlose Glück in mäßiger Zeit? Viele wollen den verschlossenen Himmel hier auf Erden haben. Wir arbeiten, leben, amüsieren uns zu Tode – weil wir getrieben sind das Leben ausnutzen, zu quetschen und nur nichts zu versäumen.  Daraus entsteht, so Zulehner, die Kernangst unserer Zeit: Ich komme zu kurz!  Und er fragt weiter: Was stimmt mit unserem Leben nicht! Escapismus ist eine Antwort von vielen. Entkommen, raus aus dem Kreislauf des mehr Haben Wollens, aber was gibt es als Alternative? Sucht als holprige Lesehilfe für unsere Sehnsucht? Diese Sehnsucht nach Maßlosigkeit spiegelt die Maßlosigkeit Gottes wider. Der Gott, der gerne gibt, der sich verzehrt nach dem Menschen. Der in Christus alles gegeben hat und so Anfang der Vollendung der Liebesgeschichte Gottes ist. Und wir? Empfänger. Wir dürfen bei Gott werden, was wir sind. Können nicht alles verstehen, aber dürfen in Gott wohnen lernen: Das Geheimnis Gottes in mir. Aber es geht dabei nicht nur um mich und meine Sehnsucht, sondern: In Gott eintauchen heißt neben den Armen auftauchen. Handfeste Liebe üben als Gnadenzeit Gottes in unserem Leben. Abendmahl und Fußwaschung gehören beim Maler Simon von Taisten zusammen und so erwächst aus der ‚Spiritualität der Fußwaschung’ ein vierfaches: 1) offene Augen: hinschauen; 2) wacher Verstand: analysieren; 3) mitfühlendes Herz und 4) engagierte Hände. Nach einer kurzen Reflexionsphase baute Christina Brudereck auf diesen Gedanken auf und führte sie weiter mit ihrem Vortrag:  Mutig Gemeinde lieben. „Der Mut beginnt ja manchmal klein und fein. Ich bete eins: Ich möchte niemals feige sein.“ Und die Gedanken der GottesSehnsucht wurden narrativ in das Sterbezimmer von Anna transportiert, eine spirituell Suchende auf ihrem letzten Weg. Wie begegnen wir Anna? Herausfordernd und wortgewaltig führte Christina Brudereck uns an die Grenzen und Hoffnungen unseres Glaubens und die Notwendigkeit von Gemeinschaft und Gemeinde. Wir brauchen die physische Präsenz untereinander. Mutig präsent zu sein, sichtbar, nicht perfekt. Sieh mich an, dann weißt du, wie es mir geht. Gnädig Gemeinde lieben. In der Gemeinde wird meine Sehnsucht größer. Oder wie Bonhoeffer es sinngemäß ausdrückte: Kirche ist der Christus der Erde. Es geht nicht um Perfektion in unseren Gemeinden, sondern um Beziehungen. Hinken ist ein Zeichen des Segens. Wir sind alle verletzlich, Gott und den Menschen gegenüber, deshalb sollen wir einander in Achtung und Dankbarkeit begegnen. Gemeinde liebgewinnen. Mutig Gemeinde liebgewinnen. „Gott ist der Film, die Kirche nur das Dorfkino.“ (Hape Kerkeling) Viele wollen den Film sehen, nicht das Kino. Aber wir brauchen das Kino, um den Film zu sehen. Gemeinde ist die Braut meines Meisters, die Vertraute meines Herrn. Deshalb, so Brudereck, denke ich bei Gemeinde an feiern. Und deshalb ist Gemeinde so schön wie verheiratet sein, und auch so anstrengend. Auch nach diesem herausfordernden Vortrag gab es erst mal Zeit, in Gruppen um das Gehörte zu ordnen und zu überlegen, was es denn für den eigenen Kontext heißt. Dann gab es den Posterpreis der diesjährigen Transformationsstudien und das Kick off von Trafo, des neuen Instituts für Gemeindetransformation. Ziel von Trafo ist es, Gemeinden in ihren Veränderungsprozessen zu begleiten, zu bereichern und zu coachen. Eine tolle Sache. Nach dem Mittagessen gab es zwölf Seminare, die das Gehörte des Vormittags an praktischen Projekten und Themen vertiefte bzw. praktisch umsetzte. Von Evangelisation über milieusensible Arbeit bis zum Thema Menschenhandel war viel Interessantes und Wichtiges dabei. Das Abschlusswort des Tages hatte Frank Heinrich, der für die CDU im Bundestag sitzt und sich für Menschenrechte, gegen Christenverfolgung etc. einsetzt. Sehr herausfordernd führte er das Thema weiter und fragte ganz praktisch, wie wir jetzt gut über Gott reden können? Mit den Menschen in unserem Kontext, am Sonntag und am Montag. Sehr biographisch und schonungslos offen gab Heinrich Einblick in seine Erfahrungen von der Heilsarmee bis in den Bundestag. Klasse. So schloss sich der Kreis, der am Anfang gezogen wurde von der Sehnsucht der Menschen bis hin zu uns und der Frage, wie wir damit umgehen und wie wir diesen Menschen in unserem Alltag begegnen. Nicht perfekt, vielleicht hinkend, sollen wir die Menschen ernst nehmen, ihnen tatsächlich begegnen, mutig unsere Geschichten zu teilen: mitfreuen, mitflehen, mit feiern. Hoffnung teilen. Mutig sein heißt nicht zu fliehen. Mutig zu sein heißt zu fragen: Betest du noch?
Ein toller und herausfordernder Studientag und mein Dank gilt allen, die auf und hinter der Bühne zum Gelingen beigetragen haben. Am 12. März 2016 geht es mit unserem Partner IJM dann weiter, es bleibt spannend, denn es geht um die Frage, wie wir als Christen zum Thema Gerechtigkeit stehen und wie wir in dieser Welt den Unterschied ausmachen können.

Weitere Berichte gibt es hier oder hier. MP3 Aufnahmen von den Hauptvorträgen gibt es hier.