Dienstag, Mai 21, 2013

„Eisenkinder – meine Jugend zwischen Lenin und Jesus“



Nach Esther Maria Magnis („Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung“) legt jetzt Sabine Rennefanz („Eisenkinder. Die stille Wut der Wendegeneration“) ihre biographische Auseinadersetzung mit ihrem Leben und Glauben vor. Auf den ersten Blick gibt es viel gemeinsames, zwei junge Frauen, beide aus Berlin, beide gebildet und mit existenziellen, religiösen Erfahrungen und einer intensiven Auseinandersetzung damit. Und doch gibt es kaum inhaltliche Parallelen und einen ganz unterschiedlichen Ausgang.
Eine kurze Warnung voraus:
Der Prozess gegen Beate Zschäpe läuft seit einigen Tagen und wer noch die passende „Ost-Lektüre“ dazu sucht, und einfache Antworten in der ostdeutschen Jugend als Nährboden der „Zwickauer Zelle“ finden möchte, dem sei das Buch von Sabine Rennefanz „Eisenkinder“ nicht empfohlen.
Wer aus einer pietistisch-evangelikal-charismatischen (Frei-)Kirche kommt, Missionseinsätze in anderen Ländern gemacht hat, für den Freundschaftsevangelisation und die vier geistlichen Gesetze keine Fremdwörter sind, dem sei gesagt, dass dieses Buch den eigenen Glauben hinterfragt.
Aber der Reihe nach. Sabine Rennefanz, Journalistin in Berlin (BZ) und 1974 in der Nähe von Eisenhüttenstadt geboren, schreibt über ihr bisheriges Leben. „Eisenkinder“ ist kein Geschichtsbuch, erhebt keinen Anspruch auf Objektivität, sondern ist eine Autobiographie und genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Es geht um ihren Weg, ihre Identität als „Ostfrau“ zu suchen und zu finden. Mit 15 Jahren wird ihr durch die Wende die Heimat genommen und sie muss lernen sich in einem neuen System zurechtzufinden. Ihr beschriebener Weg zwischen Selbstzweifel und westlichen Vorurteilen ist dabei witzig, klug und ironisch zugleich geschrieben. Eingebettet in das Geschehen um die gleichaltrigen Protagonisten der „Zwickauer Zelle“, die aus ähnlichem Milieu kommend, fragt sie, warum ihr Leben diesen Verlauf genommen hat und nicht einen anderen? Ob eine ostdeutsche Jugend rechtsradikales Gedankengut fördert und wie Ideologien entstehen. Sabine Rennefanz Leben verlief aber ganz anders, sie wurde weder rechtsradikal, noch linksradikal, sondern bekehrte sich zu Jesus und begann ihm radikal nachzufolgen. Das Spannende: Es vermischen sich die Ebenen, Motive, Hoffnungen und Hintergründe. Der Herrschaft im Osten entkommen, kommt Sabine Rennefanz in ein Milieu evangelikaler Freikirchen und lernt die Herrschaft ihres Lebens jemand ganz anderem hinzugeben. Schnell eignet sie sich den frommen Habitus an, lässt sich taufen, arbeitet in der Gemeinde mit und macht Missionsarbeit (bis nach Russland). Sie schreibt über diese Zeit nicht neutral, nicht verbittert, distanziert, vielleicht etwas anklagend, aber nicht so sehr gegenüber den Mitchristen der damaligen Zeit, sondern sich selbst gegenüber: Wie konnte ich denn so naiv sein? Wie konnte mir das passieren, wo ich doch gebildet und gescheit bin. Die Lösung sieht sie im Systemwechsel von DDR zur BRD und der fehlenden „Betriebsanleitung“ für das neue Leben. Da kamen freikirchlichen Evangelikalen mit ihrem Fundamentalismus gerade recht.
Sabine Rennefanz schreibt ein interessantes und kurzweiliges Buch. Die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte liest sich spannend wie ein Krimi: Ihre ostdeutsche Jugend, die Frage nach Identität und Heimat in einem „übernommenen“ Staat, die religiöse Auseinandersetzung mit der Anskar Kirche Hamburg, die Parallelen der Systeme, all das reicht aus, um einen nachdenklich zu machen, so dass es die Klammer um die „Zwickauer Zelle“ am Anfang und Ende des Buches nicht unbedingt nötig gewesen wäre. 
Was bleibt: Ein grandioser Mittelteil, der mitreißend geschrieben ist und mein Bild von der Wende und Ostdeutschland durch ihren Blickwinkel der Geschichte erweitert hat und eine Auseinandersetzung mit meinem eigenen Glauben, der einige geschichtlichen Parallelen aufweist. Wie deute ich die Naivität meiner früheren Missionsversuche? Was darf und muss in gemeindlichen Strukturen hinterfragt werden? Wo fängt Fundamentalismus an und hört Manipulation auf?
Esther Maria Magnis kam in ihrem Glauben nach langer Auseinandersetzung zu einer „zweiten Naivität des Glaubens“, Sabine Rennefanz nicht, sie stieß ihren Glauben mit all ihren Erfahrungen wieder ab. Zwei Frauen, zwei Wege und beide helfen mir meinen eigenen zu gehen. Danke.

 Einige Zitate: 
„Es geht nicht darum, die Taten des NSU-Trios zu verharmlosen, es geht um die Jugendlichen, die abdrifteten und Halt in einem radikalen Weltbild suchten. Nicht bei allen fand das so extrem statt, aber viele erlebten Absetzbewegungen, Erschütterungen, Ausbrüche. Bei vielen klafft bis heute ein Loch in der Biografie. Manche suchten Halt in den festen Strukturen der Bundeswehr, die nächsten reisten um die Welt und wandten sich von der Zivilisation ab, wieder andere richteten ihre Aggressivität gegen sich selbst und wurden magersüchtig. Auch Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sieht Bürgel als Teil einer "verlorenen Generation".“ (242)

„No compromises ist drei Mal unterstrichen, Kompromisse sah ich als Zeichen der Schwäche und Unterordnung. ... Jesus ist für mich gestorben, er hat mich neu gemacht, ich will ihn durch mich erleben lassen, ich unterwerfe mich seinem Willen. Herr, gib mir Weisungen, wo ich wirken soll.“ (141)

„Sechs Jahre nach der Wende sehnte ich mich nach Vorbildern, nach Halt, nach Orientierung. Wenn Katharina eine clevere Neonazie-Frau gewesen wäre oder eine radikale Muslimin, hätte sie mich vielleicht ganz genauso auf ihre Seite gezogen. Der Inhalt schien fast austauschbar. Ich kam aus einer Welt, in der Gut und Böse unterschieden wurde. Man konnte nichts beides sein, man musste sich entscheiden. Das machte mich anfällig für einfache Wahrheiten.“ (138)

Interview mit Sabine Rennefanz in der Zeit.

Freitag, Mai 17, 2013

„Von Macht, Mächten & Milieus“







Spätestens seit der Finanzkrise sind uns die mächtigen Kräfte die in unserer Gesellschaft einwirken wieder neu bewusst geworden. Dank Uli Hoeness ist auch das Thema Steuerflucht und die ganze „Offshore“ Diskussion in den Fokus der Öffentlichkeit gekommen. Dazu gibt es natürlich viele Fragen und noch mehr Antworten. Einigen sind wir in Modul 3 (Analyse sozialer Strukturen und Dynamiken) in unserem mbs Studienprogramm diese Woche nachgegangen: Die Frage nach einer Gesellschaftskritik am Bsp. sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Exklusion. Wie sehen Zusammenhänge von sozialen und individuellen Transformationsprozessen praktischen aus? Und als Grundlage: Wie können wir eine Kulturananalyse in Milieus und Lebenswelten in Deutschland verstehen lernen. Die Frage, wie wir als Christinnen und Christen darauf antworten, hat sich dabei wie ein roter Faden durch die Woche gezogen. Welchen biblisch-theologischen Auftrag haben wir dabei? Aus welcher Tradition kommen wir? Wie können wir das Evangelium Gottes verstehen und in den verschiedenen Milieus leben und kommunizieren? Wo sind bei der Umsetzung von Kontextualisierungsprozessen Grenzen und Notwendigkeiten? Dr. Joachim Drechsel, Direktor des DGD, führte beispielhaft in die diakonische Geschichte und Identität ein und zeigte eindrucksvoll auf, welche gesellschaftlichen Dynamiken es in der alttestamentlichen Zeit gab und wie das Volk Israel darauf reagierte, sowohl strukturell als auch individuell. Markus Meinzer von tax justice network, am Abend vorher noch in der ARD, hat uns dann aktuell mit hineingenommen in die Mächte und Ohnmächte innerhalb der Finanzwelt. Tobias Künkler führte bei der theoretische Aufarbeitung des Themas in das Konzept Bourdieus (und des Begriffs des Habitus ein) ein. Insgesamt eine tolle und volle Woche und die spannende Frage, wie das Gelernte und Diskutierte jetzt in den ganzen Praxisprojekten umgesetzt wird, wo 'Habitustransformation' ganz praktisch wird...

Sonntag, Mai 12, 2013

"Die Zukunft gehört der Jugend?"




Unter dem Schlagwort „Generation Maybe“ wird seit einiger Zeit intensiv über Jugendliche und junge Erwachsene diskutiert, verwöhnt, entscheidungsunfähig und bindungsarm sind nur einige Attribute, die sich dabei finden lassen. Jetzt haben Tanja und Johnny Haeusler letzte Woche auf der re:publica-Konferenz ihren Beitrag zur Diskussion  beigesteuert und dieser ist sehr hörens- bzw. lesenswert. Dabei sind sie einseitig und manchmal sogar polemisch und nicht alles teile ich, aber die Gründer und Grimme-Preisträger von spreeblick.com  verstehen es mal wieder das Gefühl für eine Generation in Worte zu packen, das mehr aussagt als so mache Analyse.

Die Zukunft gehört der Jugend?

 ...


Die Jugend in Deutschland ist so behütet
wie in kaum einem anderen Land.
Doch kaum eine andere Jugend ist so unglücklich
wie die in unserem Land.

Trotzdem sie so dringend gebraucht wird,
fühlt sie sich
nutzlos,
ausgeschlossen,
kontrolliert,
unerhört.

Diese Jugend.
Mehr geduldet,
denn erwünscht.

Diese Jugend wünscht sich
Par-ti-zi-pa-tion.

Und sie hätte viel zu bieten,
würde die Öffentlichkeit erkennen:
Das, wofür sie brennen,
ist sinnvoll erspieltes Können.

Par-ti-zi-pa-tion
Für die digitale Generation.
Ein Kinderspiel!

...

Die Generation der digital Aufwachsenden
Ist die erste Generation,
die vielleicht unbewusst,
aber völlig selbständig
die Zeichen der Zeit erkennt
und die Zügel in die Hand nimmt.
Die sich selbst ausbildet.
Freiwillig.
In ihrer Freizeit.
Ohne die Hilfe und sogar gegen den Widerstand derer,
die sie auf ihr zukünftiges Leben vorbereiten sollen.
Die sagen:
Dieser Generation fehlt die Tugend.

Wir sagen:
Applaus für diese Jugend!


Hier der ganze Text

Und hier noch ein weiterer sehr interessanter Text zur "Generation Praktikum" von der frisch gebackenen Geschäftsführerin der Piraten Katharina Nocun. 

Und noch ein spannender Text zum Thema aus der FAZ:
"Der permanenteAlarmzustand und seine Folgen für die Seele." Von Melanie Mühl

Letzten Monat waren Tanja und Johnny Haeusler in der Ev. Jugend Rupelrath und haben dort ihr Buch Netzgemüse vorgestellt, hier der Podacst des Abends, informativ und unterhaltsam:


Mittwoch, Mai 08, 2013

„Kulturökumeniker trifft Ökomittelstand. Kurzer Rückblick auf den Kirchentag.“










Es hatte schon etwas von Volksfest, der 34. ev. Kirchentag letzte Woche in Hamburg. Wir waren als Familie da und haben eine Woche mitgefeiert, zugehört, diskutiert, Neues kennen gelernt und ab und zu mal wundern, was und wen man auf dem Kirchentag alles so trifft. 

Kulturökumeniker trifft Ökomittelstand
Der Kirchentag war schon immer vielfältig, aber ich habe den Eindruck, dass es dieses Mal noch bunter war. Unglaublich viele unterschiedliche Menschen und Programme. Schön sieht man das bei Eltern mit ihren Kindern, da gab es den Satz "Sixtus, könntest du bitte das Mandala akkurater ausmalen" neben Hannah  und ihrem "Ganzkörperlatz", ach ja und dazwischen waren wir und unsere Kids. 

Gerechtigkeit für alle
Neben Ökumene war das zentrale Thema soziale Gerechtigkeit. Jedes Mal, wenn das Wort auf einer Bühne genannte wurde, brannte Applaus auf. Jedes Mal, wenn es darum ging, dass die Politik mehr dafür machen muss, wurde es noch lauter und jedes Mal, wenn es darum ging, dass es doch auch an jedem Einzelnen liegt, wurde es still. Dabei ist das Thema schon in der Mitte der Kirchentagsbesucher angekommen, was man an der Selbstverständlichkeit von fairen Produkten und deren gebrauch erkennen konnte.

Kritik an der Kritik
Große Diskussionen gab es um faire Löhne und Arbeitsbedingungen. Was viele Rednerinnen und Redner der Kirche für Wirtschaft und Politik vehement forderten, fordernden die Gewerkschaften ihrerseits von der Kirche. Dies ergab zum Teil hitzige Diskussionen. Ansonsten war sehr viel Glaubensfest und wenig Kontroversen.

Vorstellung der Gerechtigkeitsbibel
Zu dem Thema passt die Vorstellung der Gerechtigkeitsbibel durch die Michainitative. Bei all den Diskussionen war dies ein guter Hinweis sich immer wieder an der Bibel auszurichten, gerade bei dem Thema Gerechtigkeit.

Ansonsten gab es viele tolle Begegnungen, viel Sonnenschein, herausfordernde Themen und eine schöne Zeit als Familie.

Hier noch ein paar lesenswerte Berichte:
Ev. Allianz: Fazit von Michael Diener
Christ & Welt: „Ihr braucht uns gar nicht“


Sonntag, Mai 05, 2013

„Wider das seichte Christentum. Kierkegaard zum 200.“


  

„Unzweifelhaft besser als die gleichgültige Beibehaltung des Christennamens und zugleich ein Zeichen von echtem Leben wäre es, wenn in unserer Zeit ein paar Menschen sich selber offen eingestehen wollten, daß es ihnen lieber wäre, das Christentum wäre überhaupt nicht in die Welt gekommen oder sie selber wären keine Christen geworden. Doch muß dieses Bekenntnis ohne Hohn, ohne Spott und ohne Zorn abgelegt werden. Wozu sollte das auch frommen? Vor etwas, was man nicht in sich selber hineinzuzwingen vermag, kann man recht gut Ehrfurcht haben. Christus selber sagt, er habe Gefallen an dem Jüngling gefunden, der sich gleichwohl nicht entschließen konnte, sein Hab und Gut den Armen zu geben. Ein Christ wurde der junge Mann nicht, und trotzdem fand Christus Gefallen an ihm. Also lieber Aufrichtigkeit als Halbheit. Das Christentum ist nämlich eine herrliche Anschauung, in der man sterben kann; es ist der einzige wahre Trost, und der Augenblick des Todes ist die dem Christentum gemäßeste Lage. Vielleicht will deshalb selbst der Gleichgültige das Christentum nicht aufgeben. Vielmehr, so wie man in eine Sterbekasse einzahlt, um hernach die Unkosten bestreiten zu können, verwahrt man sich das Christentum bis zuletzt auf: Christ ist man, und trotzdem wird man es erst im Augenblick des Todes.“

Aus: „Erbauliche Reden"


Im Leben gibt es immer wieder so etwas wie „historische Mentoren“, Menschen, die bereits verstorben sind und trotzdem einen großen Einfluss auf das eigene Leben haben. So eine Person ist für mich Sören Aabye Kierkegaard, der heute seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte (geb. am 5. Mai 1813, gest. am 11. November 1855). Der dänische Theologe und Philosoph prägte mich vor allem in meiner Studienzeit und  ist seither ein mich ständig hinterfragender Begleiter. Kierkegaard war zeitlebens ein Querdenker und schwankte zwischen Genie und Wahnsinn. In einem konservativ-pietistischen Elternhaus aufgewachsen, prägte ihn der depressive Schwermut seines Vaters und der frühe Glaube, dass ein Fluch seines Vaters auf ihm laste. Solange er lebte, war er ein Getriebener, sprachgewaltig und intellektuell, den meisten Zeitgenossen überlegen, zwischen Selbstzweifel und Besserwisserei hin und hergerissen. Seiner großen Liebe Regine Olsen schien er nicht genug zu sein und so löste er die Verlobung und gab sich seinen depressiven Selbstzweifeln immer wieder hin. Unter dem Pseudonym Victor Eremita erschien 1843 sein erstes großes Werk: „Entweder – Oder“, einer Sammlung von Sammlung hochorigineller literarischer Essays zu theologischen und philosophischen Themen. Sie machten Kierkegaard zu einer lokalen Größe Kopenhagens. In den nächsten Jahren experimentierte er mit unterschiedlichen Textformen (Briefe, fiktive Tagebücher, Predigten etc.) unter verschiedenen Pseudonymen weiter. Sein vielleicht wichtigstes Werk war "Furcht und Zittern", eine psychologische Analyse der Existenzsituationen des Individuums gegenüber Gott. Kierkegaard wendete sich darin der gängigen Meinung von der objektiven Wahrheit ab (gegen Hegel), und beschrieb die subjektive Wahrheit und eine radikale Hinwendung zum Einzelnen. So intellektuell überzeugend Kierkegaard auch war, so einsam wurde er. Seine Verachtung des Bürgerlichen und der lauen Kirche waren unübersehbar und legte sich vor allem mit den Kirchenoberen seiner Zeit an. Der Glaube an Gott sei ein "Sprung" ins Ungewisse:  „Es kommt darauf an, dass einer es wagt, ganz er selbst, dieser bestimmte einzelne Mensch zu sein, allein vor Gott, allein in dieser ungeheuren Anstrengung und mit dieser ungeheuren Verantwortung“ (aus Entweder - Oder). Seine theologischen und psychologischen Auslegungen suchen bis heute seinesgleichen und sind faszinierend zu lesen. Obwohl Kierkegaard ohne große Berühmtheit mit 42 Jahren starb, beeinflusste sein literarisches Erbe ganze Generationen in Theologie (Karl Barth, Rudolf Bultmann etc.), Philosophie (Martin Heidegger, Jean Paul Sartre etc.) und Literatur (Franz Kafka, Max Frisch etc.) bis heute.


Tolle HP mit Texten zu seinem Werk und Leben.

Originaltext "Entweder - Oder".




Samstag, April 27, 2013

"Veränderte Zeiten – veränderte Berufung?"


„Experten können uns alles in der objektiven Welt erklären, aber wir verstehen unser eigenes Leben immer weniger. Kurzum: Wir leben in der post-modernen Welt, wo alles möglich ist und so gut wie nichts gewiss.“
Vaclav Havel, Ex Präsident der Tschechischen Republik, Club of Rome

Ich beschäftige mich gerade mit dem Thema Berufung und merke, dass sich das Verständnis im Vergleich zu früheren Zeiten verändert, besonders bei jungen Leuten. Zwar sind die Wege die eigene Berufung zu finden und zu verwirklichen wahrscheinlich so verschieden, wie es Menschen auch sind. Doch bei aller Unterschiedlichkeit gibt es wiederkehrende Themen, Herausforderungen und Muster, die sich gleichen. Hat Berufung in der Bibel oft den Charakter des Herausrufen von einer sicheren Situation (Beruf, Familie etc.) in eine unsichere Berufung Gottes, so zum Beispiel bei Abraham, vielen Propheten oder auch den Jüngern Jesu, so stelle ich fest, dass in der letzter Zeit viele ein umgekehrtes Verständnis von Berufung haben. Sie suchen nach Sicherheit in einer unsicheren Zeit. In einer Zeit der Möglichkeiten und Optionen, in einer Zeit der großen Finanzkrisen, in einer Zeit der Globalisierung, in einer Zeit der veränderten Familienformen, in einer Zeit der Bildungsumbrüche, in einer Zeit, in der viele Antworten nicht mehr tragen, suchen junge Menschen ihren Weg, ihre Berufung, die ihnen in all den Veränderungsprozessen Sicherheit gibt. Berufung bedeutet dann also raus aus der Unsicherheit und rein in die Sicherheit. Das finde ich sehr spannend und mich würde interessieren, ob du das auch so beobachtest? Was sind deine Gedanken, Erfahrungen, Beobachtungen dazu? Welche Rolle spielt Berufung für dich und dein Umfeld?

Freitag, April 19, 2013

"Wenn Jugendliche über Glauben reden. Spannende Inneneinsichten in das Glaubensleben von Jugendlichen."






„Ich bin gerne evangelisch, da es eine Konfession der Freiheit ist, in der sich Yin und Yang das Gleichgewicht halten.“
Janine, 15 Jahre

„Aber, ist halt immer so ein Thema über das viele dann nicht so gerne reden wollen, weil es dann einfach so tief geht, ich glaub da redet man auch nicht mit jedem gerne drüber. Da möchte man auch wenn nur mit jemandem reden, dem man auch wirklich vertraut, weil es geht ja nicht jeden was an.“
Kathrin, 14 Jahre


Heute ist ein interessantes Buch erschienen, an dem ich die letzten drei Jahre mitgearbeitet habe. Wer mit Jugendlichen in Schule oder Gemeinde arbeitet und dann noch mit Glaubensvermittlung unterschiedlichster Art zu tun hat, dem sei das folgende Buch empfohlen: "Wenn Jugendliche über Glauben reden - Gemeinsame Erfahrungsräume gestalten. Ein Praxisbuch für die Jugendarbeit Basierend auf der empirica-Studie "Spiritualität von Jugendlichen". Ein Team des Instituts empirica hat im Auftrag des Amtes für Jugendarbeit der Kirche Westfalen zwei Jahre lang Jugendliche zu ihrem glauben auf unterschiedlichste Art befragt. Das Ziel war: Jugendliche sollen selbst ausdrücken was und wie sie glauben. Ein sehr spannender Prozess. Jetzt wurden die Ergebnisse für die Praxis der Jugendarbeit interpretiert, von Jugendlichen selbst (sehr spannend) und von Mitarbeitenden aus der Jugendarbeit. Dazu gibt es elf praktische Beispiele aus Jugendarbeit, wie auf die empirischen Erkenntnisse praktisch reagiert werden kann. Was mir sehr gut gefällt, sind zehn Portraits von Jugendlichen, die eine Collage ihres Glaubens gestaltet und diese dann selbst erklärt haben. Sehr interessant. Das war überhaupt das Grundmotto der Studie udn auch des Buches: Jugendliche selbst zu Wort kommen lassen. Sie wissen was sie glauben, was ihre Hoffnung und ihre Ängste sind, wie, wo udn mit wem sie glauben wollen.




Klappentext:
Wie glauben Jugendliche heute? Stimmt das Vorurteil, dass sie mit Religion und Kirche nichts am Hut haben? Das wollten die Autoren der Studie "Spiritualität von Jugendlichen" genauer wissen und den Jugendlichen im Sinne Martin Luthers "aufs Maul schauen".

Dieses Werkbuch nimmt die großangelegte empirica-Studie zur Grundlage und gibt eine faszinierende Innenansicht in das Glaubensleben der Jugendlichen: In Collagen, Interviews und Fragebögen haben sie ihren Glauben selbst dargestellt und kommen in diesem Buch immer wieder zu Wort. Daran anknüpfend fragen die Autoren in einem großen Praxisteil nach den Konsequenzen für die kirchliche Jugendarbeit
heute. Mehrere Experten geben Antworten; Projekte und Beispiele gelingender Jugendarbeit laden zum Ausprobieren ein.

Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse der Studie gibt es hier.