Montag, Juli 21, 2008

"Sommerurlaub 2008"

Die Ferien sind zu Ende. Schade. Zwei erholsame Wochen an der Nordsee liegen hinter uns. Die erste Woche waren wir mit einer befreundeten Familie (den Mops) zusammen in der Nähe von Wilhelmshaven, die zweite Woche alleine in Cuxhaven. Beides war sehr schön und hatte seinen eigenen Reiz. Nur das Wetter, das war nicht so toll. Ein Sonnentag ist nun mal nicht so viel, aber wer wird denn gleich für schönes Wetter beten? Anyway, die Sonne schien in unseren Herzen, so gab es keine größeren Skandale und wir hatten Zeit für die verschiedensten Ausflüge (von der Mühlenerkundung über Wattwandern bis Sealife) und Zeit der Muße. Wie solch eine Zeit der Muße aussieht? Hier ein kleiner Auszug aus meinen „ unveröffentlichten Aufzeichnungen“:

„Perfekter Nachmittag: der Regen prasselt gleichmäßig gegen die Scheibe, Tori Amos singt „Past the mission“, die Kinder spielen ruhig vor sich hin, Christine sitzt neben mir und ich lese den letzten Teil von Kraussers Tagebüchern. Ein kurzer Moment des Glücks.“

Aber die Harmonie täuscht über die Realität etwas hinweg. Beides ist von Nöten, Dualität des Alltäglichen. Schnell kann das Schöne durch das Andere ersetzt werden, manchmal schneller als man denkt:

„Habe soeben Kraussers Tagebücher fertig gelesen. Nach dem letzten Satz das Buch zur Seite gelegt und einen kurzen Seufzer des Respekts und der Trauer ausgestoßen. Christine schaut von ihrem Buch hoch und fragt was sei. Ich versuche diesen wichtigen Moment zu erklären, was aber offensichtlich nicht gelingt. Ihr lapidarer Kommentar: „Der schreibt mal wieder was!“ Nichts verstanden. Es gibt Dinge die lassen sich nicht wiederholen. Sind Geschichte. Zwölf Jahre ging die Geschichte der Tagebücher. Jetzt ist diese Geschichte zu Ende. Ignoranz. Christine kann meine Sentimentalität nicht verstehen und verlässt brummelnd den Raum. Die Kinder streiten lauthals um ein rotes Kissen, obwohl sieben Identische um sie herum liegen und Tori Amos hört auf zu singen.“

Aber in diesem Urlaub haben die schönen Momente bei weitem überwogen, worüber ich sehr dankbar bin. Wiederholenswert...

Samstag, Juli 05, 2008

"Begegnungstag 2008"



Heute war am mbs Semesterende mit dem großen Begegnungstag. 38 Studierende wurden ins Anerkennungsjahr ausgesandt und das wurde gebührend gefeiert. Morgens mit einem tollen Gottesdienst (Christine & ich haben zusammen gepredigt) und nachmittags mit vielen kreativen Angeboten auf dem mbs Campus. Neben vielen kulinarischen Leckerein gab es Lesungen (von Gofi Müller, Thomas Weißenborn und mir), open Stage (mit Musik und einer lustigen Versteigerung), Niederseilparcour (für große und kleine) und viel Tolles für Kids (Pferdereiten, Schminken etc.). Ein Höhepunkt war dann der „Spatenstich“ für unser neues Studentenwohnheim. Insgesamt bin ich sehr dankbar für das vergangene Studienjahr und stolz auf die Studierenden die jetzt ausgesandt wurden. Sie haben nicht nur an Fachkompetenz gewonnen, sondern auch Persönlichkeitskompetenz, die gemeindepädagogischen und sozialpädagogischen Stellen in denen sie nächsten Monat anfangen können sich freuen!

Mittwoch, Juli 02, 2008

"Vater-Tochter-Dialog Part 28"

Heute. Lilly entdeckt ein neues Wort und sucht die richtige Anwendung dafür:

Lilly sitzt auf der Toilette mit den Füßen in einer Wanne.
Vater: Was machst du denn?
Tochter: Fußbad und strullern.
Vater: Hey, das geht nicht zusammen...
Tochter: Doch. Ich kann beides. Ich bin nämlich Multitasking.

Lilly rülpst und pupst gleichzeitig.
Vater: Das ist aber nicht die feine Art...
Tochter: Doch. Dann grinst sie mich an und sagt: „Ich bin nämlich Multitasking“

Wir sitzen beim Abendbrot und Lilly erzählt, was sie am Nachmittag erlebt hat:
Vater: Ich verstehe nichts. Kannst du bitte den Mund erst leer machen und dann weitererzählen?
Tochter: Das brauch ich nicht!
Vater: Warum?
Tochter: Ich bin Multitasking, ich kann beides auf einmal: Essen und Erzählen!

To be continued....

Freitag, Juni 27, 2008

"Literarische Alternative zu König Fußball"

Ich möchte nicht vermessen klingen, aber wem die Zeit bis zum Endspiel zu lang wird, kann in Österreich bleiben und sich mit guter Literatur die Zeit vertreiben. In Klagenfurt findet alle zwei Jahre der Ingeborg Bachmannpreis statt. 14 junge Autorinnen und Autoren lesen ihre Texte vor einer kritischen Jury und hoffen auf die begehrte Ehrung. Es ist immer wieder spannend die unterschiedlichen Texte zu hören und die oftmals komplett subjektive Wertung der Juroren zu hören. Spannend. Dabei entdeckt man immer wieder Perlen (auch wenn diese nicht immer gewinnen), die einem dann für mehrere Romane, Erzählungen und Jahre begleiten. Entdeckungen der letzten Jahre waren für mich bspw. Terézia Mora, Thor. L. Kunkel, Julia Franck, Zoë Jenny oder Ingo Schulze. Wer die Lesungen und Diskussionen nicht live in 3Sat verfolgen kann, kann auf der exzellenten Homepage alles auf Video gemütlich nachschauen. Sehr gut und viel Spaß!

Noch eine Legende: Klagenfurt 93 mit meinen verehrten und wertgeschätzen Biller in der Jury und Krausser als Teilnehmer. Subjektiv und amüsant nachzulesen bei Kraussers "Tagebücher Juni 1993". Ein Appetizer:

"Die Lesungen des Tages, soweit ich sie verfolge, sind langweilig oder dilettantisch. Biller legt sich sofort mit den restlichen Juroren an, stolpert von einem Fettnapf in den nächsten. Was er sagt, ist zwar im Kern wahr, aber er stellt sich argumentativ so ungeschickt an, daß er mit jedem Satz ins offene Messer läuft. Immerhin kann man sich über ihn ärgern, während die anderen aalglatt zu Werke gehen, ungeheuer selbst kontrolliert.
...
Als Biller es zu bunt treibt und den restlichen Jujoren die Fähigkeit abspricht, über jüdische Literatur, im konkreten Fall Benjamin Stein, zu reden, platzt Demetz der Kragen: Ob es nicht genüge seine Mutter in Auschwitz verloren zu haben, ob er sich das alles weiter anhören müsse? Folgen einiger metaphorischer Blutgrätschen. Biller muss schwer einstecken, schluckt, schweigt pikiert eine Viertelstunde, aber länger auch nicht. "

Dienstag, Juni 24, 2008

"Circus Krone"


Heute war ausnahmsweise nicht Zirkus bei den Faixens, sondern die Faixens im Zirkus und zwar im Circus Krone. Pünktlich zum 100. Jubiläum stationiert Circus Krone auch in Marburg und so haben wir uns zur Freude der Kids aufgemacht, die spannende Welt von Tieren, Clowns und Akrobaten zu entdecken. Und wir wurden nicht enttäuscht, der größte Zirkus Europas hat ein dreistündiges Feuerwerk abgebrannt, in dem kein Klassiker fehlte: lustige Clowns, waghalsige Akrobaten, massenhaft Tiernummern (Elefanten, Kamele, Pferde, Hunde etc.), chinesische Schwertkünstler, mystische Körperverdreher, russische Trapezkünstler und natürlich ein weißer Löwe mit seinem berühmten Schmuseherrchen Martin Lacey Jr. Nach der Show war uns allen ganz schwindlig und Aimée & Lilly waren völlig aufgedreht. Wunderbar. Eine Frage blieb dann doch noch: Warum gibt es Pudel?

Ach und noch eine Anmerkung, die verschiedenen Shows des Circus Krone sind in Marburg sehr gut besucht, so dass das 5000 Menschen fassende Zelt immer gut gefüllt ist, nur für morgen Abend sind erst 13 Tickets abgesetzt worden…

Freitag, Juni 20, 2008

"Wenn die Zeit knapp wird..."

Ein signifikantes und visuelles Zeichen von zu viel Arbeit ist die „Zeit“, die immer Donnerstag per Post ins Haus flattert. Das Problem ist dabei nicht die aktuelle Ausgabe, sondern die Tatsache, dass die Ausgabe der Vorwoche noch unberührt auf ihrem Platz wartet gelesen zu werden. So auch diese Woche, ein untrügsames Zeichen, dass das Semester zu Ende geht und duzende von Klausuren, Semesterarbeiten und Praktikumsberichte korrigiert werden müssen. Dazu hatten wir diese Woche zwei Klausurtage für das Studienprogramm Gesellschaftstransformation, das im Herbst startet. Es waren sehr intensive Tage, die bei aller Arbeit, so richtig Lust aufs Studium gemacht haben. Tolle Themenkomplexe und interessante Praxisprojekte versprechen eine interessante Mischung zu werden.
Aber auch privat gab es Höhepunkte: Lilly hat ihre erste „Verkehrerziehung“ mit dem Fahrrad mit Spaß und Bravur bestanden und Aimée hat heute ihr erstes Zeugnis bekommen und wir sind alle mächtig stolz auf sie.

Dienstag, Juni 10, 2008

"Vernetzung: Möglichkeit oder Notwendigkeit"

Die letzten beiden Tage war ich in Berlin auf der Lausanne Tagung. Erst gab es ein Treffen der Young Leaders, bei dem ich als Mentor teilgenommen habe. Ziel ist es junge Leiterinnen und Leiter in Deutschland zu fördern und sie in ihrem geistlichen Leben und Persönlichkeit zu fördern und Vernetzungen untereinander zu fördern. Aber es geht auch noch um eine weitere Ebene, die meines Erachtens noch wichtiger ist, nämlich ganze Netzwerke miteinander zu vernetzen. Wir leben in einer spannenden Zeit, in der gerade im geistlichen Bereich einiges passiert. Aus diesen Ideen, Bewegungen und Ansätzen bilden sich kleine Netzwerke, die sich meist um ein gemeinsames Anliegen gruppieren. Leider ist es bisher kaum gelungen diese vielen Netzwerke miteinander zu verbinden. Kleine Ansätze sind geschafft, über Personen, die in mehreren Netzwerken sind oder Annäherungen über ein Thema wie bei Kirche 21 und emergent. Aber ich glaube, wenn wir tatsächlich etwas bewegen wollen, müssen wir uns besser vernetzen und dürfen uns nicht über Abgrenzungen definieren. Es nützt nichts, wenn wir dies an älteren Generationen kritisieren und dieselbe Falle wieder rein laufen. Was hindert uns am vernetzen? Zeit? Eitelkeit? Vorurteile? Theologie? Stolz? Macht? Ignoranz?
Wissen wir überhaupt von verschiedenen neueren Bewegungen und Netzwerken?
Sind wir bereit unsere eigenen Interessen unterzuordnen?
Viele Fragen die mich momentan bewegen und auf die ich auch noch keine Antwort habe, aber ich merke, es wird Zeit, dass wir darüber ins Gespräch kommen.

Mittwoch, Juni 04, 2008

"Schwerkraft & Kraft"

Die letzten Tage waren geprägt von der Schwerkraft dieser Welt. Gestern war die Beerdigung meiner Oma und heute war ein Fasten- und Gebetstag für einen Studierenden, der an Krebs erkrankt ist. Es ist ein ungewolltes Herausgerissen sein aus dem Alltag und dem Trubel um einen herum. Dann wird plötzliches alles ganz ruhig und vieles ganz nichtig. Und mitten in dieser Schwere des Herzens gibt es die Chance manches neu zu überdenken und zu priorisieren. Ungewollt und bedrängt und doch bedenkenswert. Hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Trauer, Tod und Leben, Lakeland und Ewigkeit…

Freitag, Mai 30, 2008

"Review 3: Was uns das Christival lehren kann"

Es wurde mittlerweile schon sehr vieles und gutes über das Christival berichtet und ich kann mich dem nur anschließen, es war ein echtes Glaubensfest. Aber wir müssen auch selbstkritisch sein und einige Probleme sind auch über das Christival wie eine Wunde offen geblieben. Die grundsätzliche Frage von Volker Beck bleibt bestehen und ist nicht beantwortet: Wie gehen wir Evangelikalen mit dem Thema Homosexualität um? Über 30 Jahre haben sich viele Gemeinden um dieses Thema gedrückt oder mit oftmals platten Antworten aus der Verantwortung heraus geflüchtet. Während des aufgeheizten Klimas war auf dem Christival keine konstruktive Auseinandersetzung möglich. Jetzt ist die Stimmung abgekühlt und es ist die Verantwortung und Pflicht von uns Christen sich diesem Thema zu nähern. Kein Bibelverswestern, in dem man seine Gegner einfach mit drei gezielten Versen über den Haufen schießt, sondern eine besonnene und theologische Reflexion und eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Vorschnelle Verurteilungen und blinde Apologetik sind hier fehl am Platz, stattdessen sind leise und auch selbstkritische Töne angesagt. Vielleicht nicht in der Öffentlichkeit, nicht Angst gesteuert, nicht ergebnisorientiert, sondern ringend um ein Verständnis das Gott ehrt und Menschen versteht.

Sonntag, Mai 25, 2008

"Mein Lauf zwischen den Welten"

Ich lese gerade ein Manuskript von einem Freund der als Missionar in Johannesburg untern den Ärmsten der Armen arbeitet (siehe letzten Post). Er hat ein Buch über seine Arbeit, seine Gottesbeziehung, seine Familie und sich selbst geschrieben, was mich wirklich sehr berührt. Er beschreibt ehrlich und einfach wie das Leben als Missionar ist, mit allen Kämpfen und Verzweiflungen, mit allen Siegen und Alltagsschwierigkeiten. Keine Heroisierung der Mission, wie ich sie aus meiner Jungscharzeit kenne, sondern eine geistliche Herausforderung die authentisch und kraftvoll mitten aus dem Leben kommt und mitten in mein Leben hineinspricht. Mich manchmal zu Tränen rührt, wenn er beschreibt, wie er mit den Obdachlosen auf der Straße Abendmahl feiert und manchmal das Alltagsleben karikierend auf den Punkt bringt wie in folgenden Ausschnitt:

„Warum haben wir unseren Lebensrhythmus so sehr entsinnlicht, dass wir um das Gespür kämpfen müssen, welches Verhalten sich richtig anfühlt? Wir fressen Junkfood bis unsere Leiber platzen, wir arbeiten bis wir ausgebrannt sind, wir hängen vor dem Bildschirm bis die Birne qualmt und wir gehen shoppen bis wir ratlos vor dem Kleiderschrank stehen. Ach ja und wir dröhnen uns in der Öffentlichkeit gegenseitig mit handlichen MP-3 Telefonen die Ohren voll. Das ist doch nicht normal.“

Dazwischen gibt es jede Menge Fragen, Trost und Herausforderungen für mein eigene Leben, die einfach und doch wahr sind, oft stellt er Fragen, auf die jeder selbst seine Antwort geben muss:

Warum bestimm ich Diskussionen, als hinge alles von mir ab?
Mach ich mir doch noch Illusionen, dass ich allein den Durchblick hab?
Was treibt mich, wenn ich heftig streite, wenn mich die Sicht des andern stört?
Ist das die Angst vor zu viel Weite, die offenbar zu mir gehört?
Mein Wert ist nicht das, was ich leiste! Mein Wert ist einfach: Dass ich bin!

Aus Matze Dichristin „Mein Lauf zwischen den Welten“

Wir können uns auf ein starkes Buch freuen!

Donnerstag, Mai 22, 2008

"Wenn China & Südafrika in mein Wohnzimmer kricht"


In den letzten Tagen ist mir das Fernsehen plötzlich sehr nah gekommen. Schon die Nachrichten von der Naturkatastrophen in China sowie die blutigen Unruhen in Südafrika gingen mir nach. In den letzten Tagen wurden diese Tragödien durch persönliche Kontakte plötzlich noch lebendiger. Ein ehemaliger Mitstudent von mir baut im Südwestchina Gemeinden auf und ist jetzt mit seiner Familie wie weitere 5,2 Millionen Chinesen obdachlos. Wenn ich seine Bilder sehe und seine eMails lese, dann schockt mich das Ausmaß der Katastrophe ungemein und ich bin beschämt über den Glauben und die Zuversicht, die er und viele andere Christen dort ausstrahlen, mitten in der Katastrophe. Ähnlich und doch ganz anders geht es in Südafrika zu. Da ein guter Freund von mir mit seiner Familie in den Townships von Johannesburg arbeitet (in einem Aidsprojekt) bekommen die Nachrichten über die Aufstände plötzlich eine ganz andere Bedeutung. 3 Millionen Flüchtlinge, meist aus Simbabwe und Mozambique, bevölkern die Townships und es kommt immer wieder zu Gewaltexzessen. Mittlerweile musste selbst das Militär eingreifen und ich hoffe, dass sich die Lage bald beruhigt.
Durch solche „Erlebnisse“ wird mir auch klar, wie oft ich solche Nachrichten verdränge um leben zu können. Ich möchte aber auch lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen in dem Rahmen, der für mich möglich ist, angefangen von täglichen Gebet, der politischen Auseinandersetzung und dem praktischen Geben.

Sonntag, Mai 18, 2008

"Fußballwochenende"


Ein freies Wochenende neigt sich dem Ende entgegen und so auch die diesjährige Bundesligasaison. Irgendwie ein versöhnlicher Abschluss, der HSV fegte Karlsruhe 7:0 vom Platz und schäfte den UEFA Cup Platz und die Tränen Hitzfeld machten selbst den 21. Meistertitel der Bayern erträglich. Kahn hört auf Fußball zu spielen und wird Kommentator im ZDF, nun ja, Olli Pocher wird’s freuen, darf er vielleicht doch einige Wochen länger bei Schmidt bleiben. Aus altem Lokalpatriotismus freue ich mich jetzt natürlich auch auf Bundesligafußball aus meiner alten Heimat: Hoffenheim ist aufgestiegen. Unglaublich, die kenne ich noch aus der Kreisliga A. Aber Hopps Millionen und Taktiker Rangnick haben eine junge Mannschaft geformt, die auch in der Bundesliga für Furore sorgen kann.

Mittwoch, Mai 14, 2008

"Vater-Tochter-Dialog Part 27"

Wir sitzen beim Abendessen und es ergibt sich ein Dialog mit Aimée & Lilly über Taufe (bitte nicht nachfragen wie wir auf das Thema gekommen sind!):

Lilly: Ich will mich als Baby taufen lassen.
Mutter: Das ist ein bisschen zu spät.
Lilly: Dann taufe ich mich jetzt selber.
Vater: Ja, wie denn?
Lilly: Ich tauche mich im Babybecken unter...
Vater: Oh, untertauchen... (fröhlich)
Aimée: Nein, wir sprengen Wasser auf die Stirn (spielt es vor), wie bei Fynn...
Vater: Oh, besprengen... (nicht so fröhlich)
Lilly: Nein, dann taufe ich mich nicht.
Aimée: Ich weiß wie das geht: Man sagt nämlich dazu im Namen des Sohnes, des Vaters und des Heiligen Geistes und dann ist man fertig.
Vater: Ja, so ähnlich. Weißt du auch was Taufe bedeutet?
Aimée: (gelangweilt) Ja, klar, dann gehört man zu Jesus.
Lilly: (lauthals) Und Jesus gehört mir!
Aimée: Ich finde taufen blöd.
Vater: Aha?
Aimée: Ja, ich gehöre jetzt auch zu Jesus, wenn ich mich taufen lasse, gehöre ich auch zu Jesus. Also, was soll denn da der Unterschied sein?
Vater: Ja, da gibt es schon ein paar Gründe, Taufe ist auch ein Bekenntnis...
Lilly: Nein, keine Lust mehr!

Samstag, Mai 10, 2008

"Aus dem Leben einer Siebenjährigen Part 2"

video

Freitag, Mai 09, 2008

"Christival Review Part 2"

Manchmal steht ein kleiner Dialog stellvertretend für vieles Großes. Erlebt während des Christivals in Bremen in der Straßenbahn.

Ein Mann lautstark zu Christival-Teilnehmern: „Ihr Scheiß-Christen unterdrückt die Frauen!“

Seine Freundin, die neben ihm sitzt, zu ihm: „Pssst!“

Er zu ihr: „Halt’s Maul!“

Donnerstag, Mai 08, 2008

"Albtraum Birma"


Manchmal stockt einem der Atem und der eigene Mikrokosmos scheint für Momente an Bedeutung zu verlieren. Kaum ganz erfüllt vom Christival zurück, kam die Nachricht von der Flutkatastrophe in Birma, die mich bis heute fest umschlungen hält. Aller Ärger des Tages erscheint bei den Nachrichten plötzlich nichtig und ich bekomme Gänsehaut, wenn ich höre, dass immer noch keine Hilfsgüter ins Land gebracht werden dürfen. 1,5 Millionen Menschen sind von der Katastrophe betroffen, zehntausende Tod, wer weiß wie viele vermisst. Manchmal ist diese Welt nicht zu verstehen und die Menschen auch nicht. Und dann geht mein Tag wieder weiter als wäre nicht geschehen, bis zu den nächsten Nachrichten…

Samstag, Mai 03, 2008

Christival Review Part 1


Die Hälfte des Christivals ist vorüber und die letzten Tage waren voller Emotionen, Hektik, Ärger und heiliger Momente. Das Christival polarisiert, zumindest in Bremen. Auf der einen Seite ist es ein riesiges Glaubensfest mit einer unglaublichen kreativen Kraft, auf der anderen Seite können viele Veranstaltungen nur unter massiven Polizeischutz stattfinden. Es war schon paradox und traurig zugleich, wie Demonstranten im Namen von „Freiheit & Toleranz“ auf Christivaler losgegangen sind, manche auch gewalttätig angegriffen haben. Der Nährboden für solche Gewalttaten wurde erstaunlicher Weise von einigen Bremer Politikern genährt, die sich zum Teil defamierend, polemisch und populistisch zum Christival geäußert haben. Das war schon beschämend und ich werde mich dazu später, mit etwas Abstand, dazu äußern.
Erfreulicher ist die Stimmung auf dem gesamten Christivalgelände. Kreativ, innovativ, herausfordernd, besinnlich, ausgelassen und begeistert feiern tausende ihren Glauben in großen und kleinen Veranstaltungen. Ich hatte im Vorfeld immer wieder Zweifel, ob so ein „Event“ überhaupt noch dran ist, aber ich muss sagen, dass mich selbst die Dynamik erfasst hat. Ein Höhepunkt war sicher gestern das Bergfest, ein interaktiver Konzeptabend in vier Stationen, begleitet von vier Symbolen (Auge, Kreuz, Herz & Hand). Es war eine inhaltliche spirituelle Reise auf die sich 16 000 Jugendliche aufgemacht haben. Ein Höhepunkt dabei war sich das gemeinsame Abendmahl, das Bischof Huber eingesetzt hat. Ein bewegender Moment.
Vom vielfältigen Programm bekomme ich leider nicht so viel mit, da ich mit den Zentralveranstaltungen sehr beschäftigt bin, aber es gibt am Rande sehr viele schöne und wertvolle Begegnungen/Vernetzungen mit alten und neuen Freunden und Bekannten.

Sonntag, April 27, 2008

"Emergent conversation Part 3"

Auf einer Tagung (vor einiger Zeit)gab es eine Podikumsdiskussion über emgering church. Im Anschluss kam eine Frau mittleren Alters auf mich zu und es ergab sich folgendes Gespräch:

Frau: Darf ich kurz mit Ihnen reden?
Toby: Klar.
Frau: Ich habe so eine Wut! So eine Wut auf sie und die ganze emerging church!
Toby: Ah, was hat Ihnen die emerging church getan?
Frau: Das so eine künstliche Organisation von ein paar Intellektuellen die sich was ausdenken und alles andere schlecht machen?
Toby: Wie kommen Sie denn da drauf?
Frau: Das habe ich aus dem Internet.
Toby: Aber da steht ja viel...
Frau: Bisher habe ich herausbekommen, dass es 12 vielleicht auch 15 junge Leute sind, die sich überlegen wie Gemeinde aussehen könnte und das beschreiben sie dann, dass ist dann total theoretisch und sie machen alle anderen Gemeinden schlecht. Das ist total arrogant. Emerging chuch ist eine absolut künstliche Sache, die aber die ganze Welt verändern wollen. Und das ist alles schon geplant.
Toby: Also, die Version habe ich noch nie gehört.
Frau: Aber die stimmt, oder?
Toby: Tut mir leid, dass ich Sie enttäuschen muss. Aber das ist ehrlich absurd. Es gibt keine Weltverschwörung der emerging church.
Frau: Was haben sie denn geplant, ehrlich?
Toby: Ehrlich? Es ist nicht mal ein nächstes Treffen geplant. Auch keine neuen Gemeinden. Und schlecht machen wollen wir die bisherige Arbeit von Gemeinden bestimmt nicht. Manches hinterfragen, ja, bestimmt. Und dass es dabei auch Fehler gibt, dass Leute auch negatives schreiben oder sagen, das kann ich nicht ausschließen. Ich rege mich auch schon Mal auf...
Frau: Wissen Sie, ich mache seit 15 Jahren Frauenarbeit und das macht nicht immer Spaß und ist auch nicht sonderlich erfolgreich, aber ich liebe diese Frauen und finde das sehr wichtig.
Toby: Aber das ist doch gut. Ich glaube nicht, dass irgendjemand ihre Arbeit schlecht machen möchte. Wirklich.
Frau: Das beruhigt mich jetzt etwas.
Toby: Darf ich Ihnen trotzdem ein bisschen erzählen, was der emerging Bewegung wichtig ist?
Frau: Ja, gerne.


Manchmal bin ich über die „Stilblüten“ überrascht und anderseits wird auch klar, wie viel „Aufklärungsarbeit“ notwenig ist und wie viel „Ängste und Missverständnisse“ es gibt, die es auch ernst zu nehmen gilt. Gerade die Heterogenität der emerging Bewegung und das nicht einfache „definieren können“ macht es nicht einfacher. Und trotzdem bin ich guter Hoffnung, dass wir in Deutschland Stück für Stück ein Verständnis dafür schaffen.

Montag, April 21, 2008

"Gesellschaftstransformation Part 8"

Mann nannte ihn einen Utopisten, einen hoffnungslosen Träumer, der die Realität der Wirklichkeit nicht anerkennen wolle. Die liberale Theologie schimpfte über die einfältige Theologie und die Konservativen über seinen naiven Pragmatismus. Die Presse machte sich lustig über seinen Idealismus und die hoffnungslosen Fälle, deren er sich annahm. Die Rede ist von Johann Hinrich Wichern, Hamburger Pastor, der sich von der himmelschreienden Not der damaligen Zeit berühren lies und nicht länger „nur predigen“ wollte. Durch regelmäßigen Hausbesuche war er nah dran an der Not seiner Zeit und diese Not lies ihn nicht los. Er fasste den Plan, umfassend und ganzheitlich zu helfen. Sozialarbeit, Bildung, Gesellschafts- und Kirchenkritik und praktischer Gottesglauben gehört für Wichern untrennbar zusammen. Und so finden junge Streuner, Kriegverletzte, Kriminelle und Obdachlose eine neue Heimat in von ihm gegründeten Rauhen Haus. Er selbst bildet die Erzieher für die „Familiengruppen“in Pädagogik, Psychologie und Bibellehre aus. Nicht Strenge und Härte sind seine pädagogischen Mittel, sondern Liebe und Respekt vor dem Kinde. So hieß er die Neuankömmlinge willkommen mit folgenden Worten: „Nur mit einer strengen Kette binden wir dich hier, du magst das wollen oder nicht, du magst sie zerreißen, wenn du magst. Diese Kette ist die Liebe und ihr Maß ist die Geduld.“ Seine Erziehungsmethoden waren für die damalige Zeit freiheitlich und erstaunlich erfolgreich. Aus der Arbeit erwächst nicht nur in Hamburg eine wachsende Arbeit, nein, Wicherns Vision ist größer, er baut Netzwerke und schreibt bis zu 5000 Briefe pro Jahr und kämpft um eine gesellschaftliche Erneuerungsbewegung in Staat und Kirche. Er hält 1848 eine beeindruckende Rede uf dem evangelischen Kirchentag in Wittenberg und mischt sich in die Politik ein. Vitaler Glaube statt verurteilender Moral, so kämpft Wichern manchen Kampf des Glauben und muss auch Rückschläge einstecken. So wollte er das Berliner Gefängnis „Moabit“ mit seinen „Methoden der Liebe“ verändern, was kläglich scheiterte. Aber er gab nicht auf. Seine Bemühungen blieben auch strukturell nicht unerhört. 1848 entstand die „Innere Mission“ die in der diakonischen Arbeit in Deutschland bis heute fortgeführt wird.
Heute vor 200 Jahren wurde Wichern geboren. Ein Grund mehr über Wichern, unsere Gesellschaft, die Kirche und Gerechtigkeit nachzudenken.

Freitag, April 18, 2008

"Schweizer Emperie"

Ich bin gerade für ein paar Tage in der Schweiz, um am igw „Empirische Theologie“ zu unterrichten. Ich muss sagen, dass es eine echt gute Studentengruppe ist, die die ersten zwei Tage Methodologie gut verkraftet hat. Jetzt geht es in die empirische Praxis und ich freue mich über zahlreiche Projekte, die in den nächsten Wochen entstehen werden. Das Schöne an diesem Kurs ist, dass sich alle Bemühungen in tatsächlichen Forschungsprojekten wieder finden. Diesmal geht es von missionalen Milieustudien über Ehe bei Führungskräften bis zu Relevanz von Christen bei der Dorfidentität. Forschung kann so spannend sein...
Außerdem genieße ich die schweizer Freundlichkeit, die exzellenten Cremeschnittli und meinen alten Mentee Leo.

Sonntag, April 13, 2008

"Der kurze Weg von empirischer Theologie zu emerging church"

Am Freitag und am Samstag war ich auf der ISERT Konferenz im „Exerzitienhaus Himmelspforten“ Würzburg. Eine beeindruckende Kulisse für ein wissenschaftliches Symposium. Forscherinnen und Forscher aus der ganzen Welt kamen zusammen, um über das Thema „Public Significance of Religion“ zu diskutieren. Es wurde in sechs verschiedenen Hauptvorträgen referiert und in unterschiedlichen Seminaren diskutiert. Methodisch hat mir sehr gut gefallen, dass es nach dem Hauptvortrag immer ein direkten Antwortvortrag gab und dann eine allgemeine Diskussion. Dadurch war es sehr interessant und kurzweilig. Thematisch ging es von methodologischen Fragen der empirischen Theologie über Säkularisierungsthesen bis zu Religiosität in der Öffentlichkeit und Politik. Dazwischen gab es viele Gespräche und Kontakte, wie das auf so Tagungen nun mal ist. Interessant war ein längeres Gespräch mit einem Professor aus Princeton. In seinem Department wird viel über emerging church geforscht und unter anderem schreibt Tony Jones seine Doktorarbeit dort. Er kennt McLaren und Wallis und so gab es viel zu erzählen, was mich sehr ermutigt hat, dass wir auch in Deutschland auf einem guten Weg sind. Insgesamt eine lehrreiche und ausgefüllte Zeit.

Donnerstag, April 10, 2008

„Prophetischer Dialog des Tages“

Ich schaue Fußball (Getafe – Bayern) und meine Frau kommt ins Wohnzimmer, es ergibt sich folgender Dialog:

Frau: Was guckst du?
Mann: Getafe – Bayern.
Frau: Oh, das interessiert mich überhaupt nicht...
Kurze Pause
Frau: Wie steht es?
Mann: 3:1 für Getafe
Frau: Wie lange noch?
Mann: 7 Min in der Verlängerung.
Frau: Gab es ein Hinspiel?
Mann: Ja, 1:1.
Frau: Dann kommen sie mit einem 3:3 weiter...
Mann: Quatsch, die spielen nur Mist.
Frau: Glaub mir, die schaffen das noch!
Mann: Niemals. (Gedacht habe ich: Frauen haben keine Ahnung von Fußball!)
Frau: Mich erinnert das an Manchester.
Mann: Jaja...

....kurze Zeit später: Triumph der Ehefrau und kleinlauter Ehemann

"1. Studientag Gesellschaftstransformation"

Heute war der 1. Marburger Studientag zum Thema Gesellschaftstransformation und es war echt Klasse. Ich bin sehr dankbar, dass um die 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer da waren. Das erste Hauptreferat hielt Prof Reimer, der einen biblischen Abriss zum Thema Gesellschaftstransformation gab, der in einer inkarnatorischen Typologie anhand der Apostelgeschichte endete. Danach gab es eine anregende Diskussion, bevor das Studienprogramm Gesellschaftstransformation vorgestellt würde. Am Nachmittag gab es verschiedene Seminare die das Thema auf unterschiedlichen Ebenen vertieften (mein Lieblingsthema dabei war: „Warum guter Wille allein nichts nützt“ von Tobias Künkler). Den Abschluss machte wieder Prof Reimer, der aus der transformatorischen Praxis berichtete, sehr inspirierend. Insgesamt ein wirklich gute Tag, für den ich sehr dankbar bin.

Freitag, April 04, 2008

"Martin Luther King"


Heute vor 40 Jahren wurde Martin Luther King in Memphis ermordet. Es lohnt sich nicht nur an diesem Tag über sein Leben, sein Glauben und sein Werk nachzudenken. Ein großer Kämpfer, ein leiser Revolutionär, ein menschlicher Heiliger und ein Vorbild - bis heute.
Wer in den USA ist, sollte in Atlanta (Georgia) vorbeischauen und ins (sehr interaktive) King Center gehen. Ein unvergessener Besuch. Garantiert. Original Predigten inklusive!

"I have a dream..."

Donnerstag, April 03, 2008

"Autos, Ikea und Jesus"

Nachdem einige meiner geschätzten Leserinnen und Leser ein „Ikeabuch“ nicht kennen, gibt woanders erste Nachahmer. Franz Alt, Friedens- und Umweltaktivist der ersten Stunde (Frieden ist möglich, Politik der Bergpredigt), hat ein neues Buch geschrieben mit dem schönen Titel „Sonnige Aussichten“ in dem es um den Klimaschutz als Chance geht. Franz Alt hat als Christ immer theologisch argumentiert und stellt auch dieses Mal die Frage: „Was für ein Auto würde Jesus fahren?“ Ähmm, irgendwie kommt mir diese Fragestellung bekannt vor. ☺ Anyway, vom Auto direkt zu IKEA. Als Autor eines Buches ist man nach Erscheinung immer auf die Reaktionen der Leserinnen und Leser gespannt und wie es in der Öffentlichkeit angenommen wird. Ich war schon ein bisschen angespannt beim Erscheinen und bin jetzt umso glücklicher, da es bisher ausschließlich positive Reaktionen gab. Eine Rezension hat mich besonders erfreut, da so was nicht so oft vorkommt. Sie ist im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels erschienen. Dort gab es ein Special über Theologie und mein IKEA Buch wurde von der Redaktion empfohlen:
„Ja, würde er dort einkaufen? Die Frage soll anregen zum Nachdenken darüber, aus welchen Ländern Produkte stammen und wie denn unser Lebensumfeld beschaffen ist. Konsequent bis radikal führt Faix den weich gespülten, selbst zusammengestellten Patchworkglauben vor und zeigt in vielen äußerst knappen Kapiteln, wie entschieden die Nachfolge Jesu sein, wie sehr der Einzelne die seelischen und geistlichen Bedürfnisse der Menschen um ihn herum wahrnehmen sollte. Es sind unbequeme, aufrüttelnde Texte – aber gerade darin den Evangelien so ähnlich. Nicht für Weicheier im Glauben“

Samstag, März 29, 2008

„Olympia ,die Menschenrechte und die Politik“

Das olympische Feuer brennt und wird von verdienten Sportlerinnen und Sportlern der Vergangenheit werbeträchtig um die Welt getragen. Die Vertreter von Olympia bemühen sich derweil zwanghaft, die Olympischen Spiele in China zu verteidigen und die Chancen zu rühmen. Allen voran IOC Vizepräsident Bach, der gerne und oft davon spricht, dass die Olympischen Spiele von der Politik nicht instrumentalisiert werden dürfen. Die westlichen Regierungen müssen andere Mittel finden, um ihre Vorbehalte gegenüber China zu artikulieren. Mit letzterem hat Dr. Bach sicher Recht, aber wenn wir ehrlich sind, geschieht Ersteres schon die ganze Zeit. China instrumentalisiert die Olympischen Spiele nach Herzenslust und führt die westlichen Politiker wie ein Schwein mit goldenem Nasenring durch die olympischen Ringe. Jegliche Einmischung von westlicher Seite verbittet sich die chinesische Regierung mit dem Hinweis auf „innere Angelegenheiten“, die niemand anderen was angehen. China führt einen „Volkskrieg gegen den Separatismus“, der nicht nur notwendig, sondern auch konsequent mit aller Härte zu Ende geführt wird. Ja klar, die Welt feiert (gedopte) Weltrekordler und jubelt zusammen mit dem chinesischen Militär den Stars und Sternchen der Leichtathletik zu, während zeitgleich tibetische Mönche in Internierungslager verschleppt, Christen verfolgt und Regimekritiker verschleppt werden. Die Olympischen Spiele finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern mitten im Leben, in einem Land, das sich wirtschaftlich wunderbar öffnen kann und dies auch im Bezug auf Menschenrechte und Religionsfreiheit tun sollte. Wie das am Besten unterstützt werden kann, ist sicher eine heikle Frage und nicht einfach zu beantworten, aber nur IOC Mitglieder und Sportler zu befragen, halte ich doch für sehr einseitig. Da können sich unsere Politiker nicht einfach raushalten. Apropos Politiker: Unsere Bundesregierung geht einfach nicht zur Eröffnung der Olympischen Spiele hin, war auch noch nie geplant. Sportereignisse interessieren Frau Merkel & Co ja überhaupt nicht. Ehrlich, so einfach darf man sich als Repräsentanten der Bundesrepublik nicht aus der Affäre ziehen. Ich seh nichts, ich hör nichts und ich sag nichts. Tibet – kenn ich nicht. China, kenne ich nur vom Wirtschaftsteil der FAZ und die Menschenrechte werden nach chinesischen Prinzipien penibel genau eingehalten. Ja, dann ist ja alles gut, das Feuer brennt, die Spiele können beginnen...

Dienstag, März 25, 2008

"Von Hauben & Hoffnungen"

Über Ostern waren wir als Familie in Lemförde und haben an der dortigen Osterkonferenz der Diakonissenschwestern teilgenommen. Ich habe gepredigt (Die Wirklichkeit der Auferstehung und die Wirklichkeit unseres Alltags) und wir haben uns alle etwas verwöhnen lassen von den sehr netten Schwestern. Irgendwie ist es schon immer was besonderes so viele „Hauben“ zu sehen und die Geschichten Einzelner und des ganzen Mutterhauses zu hören. Beeindruckend.
Auf der Rückfahrt sind wir dann vom Wintereinbruch überrascht worden, aber noch einigermaßen durchgekommen. Als in Marburg ankamen haben unsere Nachbarn gerade ein Osterfeuer vorbereitet, das wir dann alle gemeinsam genossen haben. Danke.
Diese Woche haben wir uns als Familie reserviert, keine Termine, nur spielen, lachen, lesen, manchmal etwas streiten und einfach Mal Zeit füreinander haben. Hoffnung.

Freitag, März 21, 2008

"Das Problem der Sünde und die Erlösung des Kreuzes"

Auch die Sünde hat eine Geschichte, die es zu verstehen gilt. Angefangen in Gen 3 durch das Alte und Neue Testament bis zu uns heute. Dabei gab es immer wieder verschiedene Qualitäten (Opferkult & Opfer Jesu) und Interpretationen (Bsp. Mittelalter & Reformation). Heute gibt es sie immer noch, die unterschiedlichen Verständnisse und eine der gebräuchlichsten ist die, dass Jesus als Sühneopfer stellvertretend geopfert wurde und somit den Richter Gott besänftigt. Dies stellt durchaus einen wichtigen Aspekt des Kreuzes dar, vernachlässigt aber einen anderen. Paulus beschreibt die Sünde als Knechtschaft der Vergänglichkeit der ganzen Welt (Rö 8,19-23) und nicht nur als Knechtschaft des Einzelnen. Sünde ist mehr als eine Verfehlung, mehr als Zielverfehlung des moralischen Handelns einzelner Menschen, sondern beschreibt die Problematik einer zerstörten Beziehung auf verschiedenen Ebenen (Gott, sich selbst, Nächster und der Schöpfung) und genau so ist der Kreuzestod die Wiederherstellung dieser Beziehungsebenen. Und Gott der Richter ist derjenige, der die Menschheit verdammen will, sondern der Gerechtigkeit ausübt und die am Kreuz besiegelte geistliche Wiederherstellung der Gemeinschaft letztgültig durchführen wird.
Die Reduzierung der Sünde auf moralische Verfehlungen ist ein zutiefst pharisäisches Verhalten. Aus der Angst vor immer neuen Verfehlungen wurden neue moralische Gesetze als Schutzmauer vor dem Bösen gebaut. Jesus reißt diese moralischen Mauern konsequent ab und sucht die Beziehungen zu den Menschen, sucht die Beziehung, die Gemeinschaft, die Heilung und Vergebung bringt. Das Kreuz hat also Auswirkungen auf alle Lebensbereiche eines Christen, auf all sein Verhalten und alle seine Beziehungen. So schreibt Thomas Weißenborn (in seinem im Herbst erscheinenden Buch „Das Geheimnis der Hoffnung“) treffend:
„Mit der Eingrenzung der Erlösung auf das Kreuz und hier speziell auf den Aspekt als Sühneopfer gehen zudem meist noch andere Engführungen einher: Wer im Kreuz vor allem eine Sühneleistung sieht, muss zwangsläufig Sünde in Schuldkategorien beschreiben und die durch das Kreuz erwirkte Rettung in erster Linie als Vergebung. Auch dabei handelt es sich jedoch um eine Verkürzungen, die verfälschend wirken. Sünde ist mehr als Schuld, weshalb Erlösung mehr sein muss als Vergebung. Werden Schuld und Vergebung schließlich nur noch persönlich verstanden, geht der kosmische Aspekt des Neuen Testaments verloren. Aus der Erlösung der Welt wird ein bloßes Nichtahnden privatem Fehlverhaltens.“

Freitag, März 14, 2008

„Kinder Part 3: Defizitäre Wesen?“

Ich war diese Woche in der Arbeitsgruppe Praktische Theologie der AfeT und habe ein paar sehr inspirierende Vorträge und kontroverse Diskussionen miterlebt. Das Thema war Kinder- und Jugendarbeit und vor allem erstes passte sehr gut in viele Gedanken die ich mir gerade mache. Ich habe oft das Gefühl, dass in vielen Gemeinden Kinder als defizitäre Wesen angesehen werden, die in ihr eigenes Programm abgeschoben werden, damit die Erwachsenen so richtig über den Glauben reden können. Natürlich würde das kaum einer so sagen, aber die Praxis ist es oftmals. Die Problematik die dahinter steckt ist aber tiefer: Was ist der Glaube der Kinder wert? Ist für Gott der Glaube der Kinder minderwertig? Kann man Glauben anhand von intellektueller oder moralischer Urteilskraft bewerten? Oder gibt es noch andere Kriterien? Wenn Gott Glauben schenkt, dürfen wir Kindern dann den Glauben absprechen? Wenn der Glaube der Kinder echt ist, warum dürfen sie dann in (freikirchlichen) Gemeinden und Kirchen oftmals nicht am Abendmahl teilnehmen, Mitglieder werden oder sich taufen lassen (ich rede hier nicht von der Säuglingstaufe)? Aus soziologischer Sicht ist ein achtjähriges Kind völlig kompetent und komplett (klar, dass es sich noch entwickelt), aus theologischer nicht?

Diese ekklesiologische Randstellung von Kindern in vielen Gemeinden muss meiner Meinung dringend und konstruktiv angegangen werden. Ich habe selbst noch nicht alle Fragen für mich beantwortet, aber ich möchte mich ihnen in den nächsten Monaten stellen. Die Kinder in unseren Gemeinden haben es verdient. Und die Gottesbilder vieler „Erwachsener“ rufen mir oftmals laut zu, dass diese Fragen schon lang überfällig sind.

Sonntag, März 09, 2008

„Nick Hornby, die Uni und das Leiden!“


Christine und ich waren am Freitag in Köln auf der lit.cologne und haben uns eine Lesung von Nick Hornby genossen haben. Er hat aus seinem neuen Buch „Slam“ gelesen und hat zwischendurch aus seinem Leben und Schreiben erzählt. Ich möchte keine Vorurteile schüren, aber in meinen Gedanken ist der Engländer an sich klein, gnomik und hat eine Nuschelsprache mit extrem britischen Akzent. Danke Herr Hornby. Sie haben mir sehr geholfen. Aber wie der Brite eben auch ist: Charakterstark, ehrlich und voll schwarzen Humor. Was haben wir gelacht. Sowohl bei der Lesung las auch beim Erzählen. Sehr gut. Danke.
Am Samstag war ich auf einem Symposium der Uni Marburg mit dem schönen Thema: „Transformation & Krise - Leben wir in einer postsäkularen Gesellschaft?" Sehr interessante Vorträge und spannende Diskussionen über unsere Gesellschaft, Religiosität und die Kirche. Was mich gefreut hat war, dass die Theologen immer mehr die empirische Forschung entdecken und ernst nehmen, aber wenn viele noch skeptisch sind. Schade fand ich, dass es ausschließlich um einen Analyse ging und kaum um die Folgen und um transformatives Gestalten. Aber vielleicht kommt das noch...
Heute habe ich zweimal über „Leiden“ im CT gepredigt. Eine schwieriges Thema, existenziell und umstritten, dennoch so wichtig, theologisch wie praktisch.

Mittwoch, März 05, 2008

"Studientag Gesellschaftstransformation"

Am 10. April 2008 findet der 1. Marburger Studientag zum Thema Gesellschaftstransformation statt. Das Thema lautet: "Gemeinde erneuern - Gesellschaft verändern. Gesellschaftstransformation im Kontext der Gemeinde". Dazu haben wir verschiedene Gastdozenten eingeladen wie Prof. Johannes Reimer, Dr. Stefan Bösner, Dr. Andreas Kusch, Tobias Künkler u.a. Der Studientag beginnt um 10:00h und wird bestimmt sehr interessant, ich freue mich schon sehr drauf.

Ausführliche Information gibt es auf der Homepage.

Ein weiterer wichtiger Termin ist 28. bis 30. November 2008, dort findet das 2. Forum emergent Forum statt. Schon Mal vormerken!