Sonntag, Januar 29, 2006

"Biographie, Evangelium & Bonhoeffer"

Zurück vom agje Wochenende. Es war eine überraschend gute Zeit. Hatte einige Bedenken, da ich die agje von früher her kannte und ich den Eindruck hatte, dass alles sehr verengt auf die individuelle Bekehrung interpretiert wurde. Aber in den fünf Jahren meiner Abwesenheit hat sich viel getan, der neue Vorsitzende Dieter Braun und viele andere haben aus der agje eine zukunftsfähige Organisation geschaffen, die jungen Christen helfen möchte ihren Glauben in ihrer Umwelt evangelistisch zu leben. Viele junge Evangelistinnen und Evangelisten waren da und es herrschte eine Atmosphäre der Liebe und des Aufbruchs. Das hat gut getan. Die Hauptseminare hielten Hans Peter Wolfsberger zum Thema Auseinandersetzung mit Glauben und der eigenen Biographie. Eine schonungslose und ehrliche Abrechnung mit seinen eigenen Irrwegen. Mutig. Und Reiner Knieling über Biographie, Glaube und Wahrheit. Dazu gab es eine Menge an Seminare und ich habe meine zwei Seminare zum Thema „Von Mann zu Mensch“ predigen gehalten. Es waren sehr lebendige Diskussionen, was sich ja schon in der Vorbereitung abgezeichnet hat. Auch in den Pausen saß ich immer wieder mit einigen „Männern“ zusammen und wir haben über unsere Sprache und deren Auswirkung diskutiert. Das war und ist schon sehr spannend und viele haben gesagt, dass sie zum ersten Mal darüber nachgedacht haben. Christina Riecke und Bettina Becker haben dazu immer parallel zu den Frauen gesprochen. Dazu gab es regen Austausch. Spannend. Bin dankbar wieder heimgefahren (sehr amüsant: Habe die Diakonisse Sr. Christina und den SMD Mann Thomas Schorsch mit nach Marburg genommen, haben beide einen rabenschwarzen Humor, haben viel gelacht – wer hätte das gedacht.) Zuhause angekommen. Schön wieder da zu sein. Lilly hat gekotzt. Das ist das Leben. Vielfältig & schön.
Heute Nachmittag mit der family die fettesten Enten Marburgs gefüttert und abends Bonhoeffer gelesen. Bonhoeffer zu lesen, bedeutet für mich immer wieder grundsätzlich in Frage gestellt zu werden, in meinem Glauben, in meinem Gottesbild und in meinem gesamten Handeln. Das ging mir beim ersten Lesen vor über 10 Jahren so und so geht es mir heute. Bonhoeffer lässt mich nicht kalt, nicht in der Theorie stehen, sondern führt mich zwischen die Gegenwart Gottes und die Wirklichkeit des Alltags. Bei Bonhoeffer kann ich mich nicht aus der Affäre ziehen, nicht davonlaufen, sondern muss Stellung beziehen.

„Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen."


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