Sonntag, März 26, 2006

"Mein Ohr & die Angst vor Nikki Lauda!"


Tja, mein Kühlen hat wohl nichts genützt. Heute Nacht ist mein Ohrläppchen auf ein vielfaches seiner normalen Größe angeschwollen und ich konnte kaum schlafen, in meinem Ohr pochte es und die Schmerzen zogen sich langsam vom Ohr über die ganze linke Gesichtshälfte. In diesem Dämmerzustand begannen sich meine Gedanken zu verselbstständigen und ich malte mir aus, wie die schnell wachsende Geschwulst über das ganze Gesicht ausbreitete und was mit meinem Ohr alles passieren könnte. Ich sah mich schon als eine Mischung zwischen Quasimodo und Nikki Lauda. Morgens dann doch zum Notarzt gegangen. Der schickte mich gleich in die Hals-Nasen-Ohren-Klinik. Dort angekommen begann das typische Prozedere eines nicht im Sterben liegenden Notfallpatienten: Ich wurde von einem Arzt zum anderen, von einer Station zur nächsten geschickt, wartete dann noch mal 150 Seiten lang (Kraussers Tagebücher), bevor ich doch noch drankam. Eine freundliche, energische Ärztin untersuchte mich kurz und stellte dann lakonisch fest, dass man sofort operieren müsse. Ein kleines Geschwulst hätte sich in meinem Ohr abgekapselt und dabei eine Entzündung ausgelöst. Die Entzündung sei schon ziemlich vorangeschritten, so dass man sie sofort herausschneiden müsse (Träume wurden wahr). Dann müsse man das ausgeschabte Ohrläppchen mit einer Antibiotikafüllung ausstopfen, jeden Tag spülen und in 4-5 Wochen noch mal operieren. So war der Plan, so wurde er – fast – umgesetzt. Die örtliche Narkose wurde gesetzt und ich sollte 15min warten. Das Wartezimmer war voll und in der Zeit kam auch noch ein Notfallpatient herein. Ein 70jähriger Mann, der bei seinem Wahlgang frontal auf sein Gesicht gefallen war (alle kausalen Zusammenhänge sind rein zufällig). Diagnose: Trümmerbruch der Nase mit Knochenverlust, dazu eine Fraktur der Stirn und größere Hautabschürfungen. Ich saß daneben und dankte Gott für mein vereitertes Ohrläppchen und wurde zunehmend friedlicher. Diese Wärme und Friedensgefühl verschwand nach einer Stunde, als ich in den OP geführt wurde. Der Test, ob die Narkose noch wirkte, erwies sich als definitiv negativ! Die Ärztin, taff und mittlerweile gestresst, befahl der Schwester, das Ohr zu vereisen und sagte mir, dass ich jetzt die Zähne zusammenbeißen müsste, außerdem könnte man ein Ohr eh nie ganz betäuben. So schnitt sie mein „erotisches Ohr“ (um meinen alten Schulleiter Hartwig Schnurr zu zitieren) auf, dass der Eiter nur so spritzte und mir die Tränen aus den Augen schossen. Hört sich so dramatisch an, wie ich es empfand. Anyway, habe es überlebt, schlucke kräftig Antibiotika und gehe jetzt jeden Morgen ins Krankenhaus, um mein Ohrläppchen pflegen zu lassen. Vielleicht bekommt es jetzt die Zuwendung, die es jahrelang vermisst hat.


Abends im COKE gepredigt („Heiligkeit & Gnade“). Tolle Arbeit, sehr interaktiv und ansprechend. Hat mir nach diesem Tag gut getan – Gott begegnet.

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