Dienstag, August 15, 2006

"Urlaubslektüre Part 2"



Wie schon am 1. August beschrieben, lese ich als „geistliche Lektüre“ diesen Sommer mal wieder Bonhoeffer. Als ich vor 15 Jahren Bonhoeffers „Gemeinsames Leben“ zum ersten Mal las, hat mich vieles angesprochen und begeistert, aber erst jetzt fange ich an die Tiefe dieses Buches zu begreifen. Ein Buch, das sich nicht schnell durchlesen lässt, sondern das einen Stück um Stück durchdringen muss, was nicht nur angenehm ist, sondern mich ständig hinterfragt und in Frage stellt. Dabei ist mir auch wieder deutlich geworden, warum dieses Buch, vielleicht das umstrittenste von Bonhoeffer ist. Es ist eine tiefe Auseinadersetzung mit den Kernpunkten eines gelebten Christentums: Die Beziehung zu Gott, zu mir selbst und zu meinen Nächsten. Dieses Beziehungsnetz lässt sich nicht trennen und ist von einander abhängig. Ich kann nicht sagen, ich liebe Gott und hasse meinen Nächsten. Die Beziehung zu meinem Nächsten ist ein Grandmesser meines momentanen geistlichen Zustandes. Bonhoeffer buchstabiert dies in seinem Buch durch und beschreibt wie geistliche Gemeinschaft auf diesen Ebenen aussehen kann. Und das ist über die Jahrzehnte hinweg, wie in die postmodernen Bedürfnisse von uns heutigen Christenmenschen gemeißelt. Diese Werte des authentischen Lebens, der geistlichen Dienste und Handlungen (Beichte, Abendmahl etc.) stoßen in ein großes Bedürfnis der heutigen Zeit. Das fordert mich persönlich heraus und das ist ein gutes Zeichen. Als Beispiel sollen ein paar Gedanken über die Beichte dienen.
Beichte ist für Bonhoeffer nicht nur ein schnelles Gebet, ein „Vergib mir“ und weiter, sondern ein theologischer und anthropologischer Prozess, der eine innere Veränderung und gedankliche Gewissheit mit sich zieht. Beichte heißt demnach:

Durchbruch zur Gemeinschaft
Durchbruch zum Kreuz
Durchbruch zum Leben
Durchbruch zur Gewissheit

Hier wird mein oberflächliches Christsein getroffen und versenkt und ich hoffe, es bleibt in den Tiefen des Meeres. Für immer.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

urlaubslektüre

meinst du der urlaub kommt bei dir nicht zu kurz

Toby Faix hat gesagt…

Ist wohl eine Frage der Definition, oder?

storch hat gesagt…

das ist doch das beste, was man im urlaub machen kann!
seltsamerweise hat mich bonhoeffer immer kalt gelassen. ich habe ihn aber jetzt noch mal rausgekramt und will noch mal versuchen ihn zu lesen - vielleicht habe ich ja nur nicht verstanden.

martin nagel hat gesagt…

wieder mal muss ich sagen: ein schöner post, der lust macht auf mehr.
auf mehr von dir und bonhoeffer
danke