Montag, Dezember 04, 2006

"Die Geschichte von Marie"

Marie, ist 17 Jahre alt, seit einem Jahr glücklich befreundet und geht in eine Freikirche ihrer Stadt. Dort besucht sie regelmäßig den Jugendkreis und engagiert sich außerdem im Anbetungsteam (Klavier & Gesang) und im Bibelkreis ihres Gymnasiums. Alles läuft wunderbar, in ihrer Familie und bei ihren Freunden ist sie beliebt und auch sonst eher unauffällig, fleißig und pünktlich. Das alles ändert sich schlagartig an dem Tag an dem sie ungewollt schwanger wird. Ihre Eltern können es nicht fassen und eine Welt bricht zusammen. Hatten sie ihre Tochter nicht richtig aufgeklärt? In der Gemeinde machten schnell die schlimmsten Gerüchte die Runde und bald hieß es, dass es bei ihrem Lebenswandel ja irgendwann passieren musste. Sie wurde vor den Ältestenkreis geladen und man verlangte nach einer Erklärung, so komisch sich das jetzt wiederum anhört. Vielleicht erwarteten die Ältesten auch eine Entschuldigung, aber ganz bestimmt nicht das, was Marie ihnen etwas unsicher mitteilte. Sie hätte eine Vision gehabt und sie glaubte, dass das Kind irgendwie von Gott selbst sei, sie sei jedenfalls absolut unschuldig. Außerdem wolle Gott sie benutzen um alle Menschen zu retten, auch sie, die Ältesten der Gemeinde. Die Ältesten waren außer sich, fühlten sich komplett verschaukelt und wiesen sie scharf zurecht. Sie hielten ihr Gotteslästerung und Fanatismus vor und drohten ihr mit einem Gemeindeausschlussverfahren, wenn sie diese blasphemischen Gedanken nicht losließe. Außerdem wurde sie von allen ehrenamtlichen Ämtern enthoben und zum Besten therapeutischen Seelsorger der Stadt geschickt. Viele mieden sie in der Gemeinde, so dass sie bald nicht mehr in den Gottesdienst kam. In ihrer Familie hielt sie es nicht mehr aus und so beschloss sie, die Stadt zu verlassen. Ihr Freund schloss sich ihr an, weil er auch eine Art Offenbarung bekommen hatte und so zogen sie gemeinsam los. Leider hatten sie kaum Geld und so zockelten sie in einem alten Polo durch halb Deutschland um bei Verwandten unterzukommen. Das klappte aber nicht und so suchten sie verzweifelt eine Unterkunft, was wegen der WM mehr als schwierig war. In einem stillgelegten Parkhaus richteten sie sich eine provisorische Bleibe ein und dort kam, unglaublicher weise, auch ihr Sohn zur Welt. Ohne Hebamme und Ambulanz, kaum vorstellbar, auf einem alten Autositz. Die ersten Tage waren mehr als schwierig und so waren sie froh, dass sich ab und zu auch andere Leute ins Parkhaus verirrten, die sie mit dem Notwendigsten versorgten. Besonders hilfsbereit waren neben den Leuten von der Müllabfuhr, ein paar polnische Wahrsagerinnen, die das geheimnisvolle Parkhaus auf wunderbare Weise gesucht und gefunden hatten. Da die junge Familie auf Dauer nicht dort bleiben konnte hat sie sich auf den Weg nach Italien gemacht um unterzutauchen. Danach verlor sich erstmal ihre Spur.

Kommentare:

Timdon hat gesagt…

Und wie gehts weiter? Erinnert mich doch stark an eine bereits geschehene Begebenheit :-)

Thomas hat gesagt…

Nach ein paar Jahren kommen sie wieder nach Deutschland, wohnen aber in einer anderen Stadt. Sie besuchen auch den Willow Creek Kongress, wo sie aber ihren Sohn aus den Augen verlieren. Sie finden ihn wieder, mit Bill Hybels und Rick Warren in ein Gespräch über Emerging Church und die Seeker Sensitive Bewegung vertieft. Die beiden sind außer sich über die Bibelkenntnis des Jungen.

Toby Faix hat gesagt…

Sehr gut! :) Und weiter...

Benni hat gesagt…

Wow, die Story find ich echt gut. Da kann man so ein bisschen nachvollziehen, wie die beiden sich gefühlt haben.

marcussplitt hat gesagt…

vielleicht ging es so weiter... Nach dem informellen Treffen mit Rick und Bill wurde es um den Jungen wieder eher stiller. Er war mit seinen Eltern im Leben unterwegs und hat von ihnen gelernt dieses zu meistern. Die Arbeit in der Firma seines Vaters half ihm das Leben auch von dieser Seite kennen zu lernen. Im Laufe der Zeit jedoch kristalisierte sich für diesen Jugend immer stärker heraus zu was er eigentlich da war. Er erinnerte sich an die Gespräche mit Rick und Bill. An die Geschichten ihrer die ihm seine Mutter immer wieder erzählt hat. Dann kam das Signal. Ein Verwandter machte von sich reden. Er hatte eine bemerkenswerte und anstößige Botschaft. Wie kann dieser Mensch es wagen so über den "common sense" zu sprechen. Politik und Kirche waren alarmiert. Unerhört was sich da ein gewisser John da leistet. Für unseren Jugen war aber klar. Da muss ich hin...

Ramona & Conny hat gesagt…

Die Story ist echt klasse.Wie schon von Benni geschrieben,kann man so voll gut nachvollziehen,wie es Maria und Josef damals ging.Aber nur so lange man es nicht zur "eigentlichen"Geschichte macht!!!
Finden auch die Weiterführungen echt genial!Du hast echt super kreative Blogleser!!!!

Fabse hat gesagt…

John erinnerte an einen kulturfremden Menschen (Birkenstock, Hornbrille, Schnäuzer und Fokohila) bzw. an einen Menschen aus vergangener Kultur. Aber er hatte gute Sprüche drauf und nahm kein Blatt vor den Mund. John hatte einen Mac dabei, auf dem sich jeder der wollte seiner "Aktion gegen Schlechtes durch Kapitalismus" anschließen konnte. Man musste sich nur registrieren. Als sich unser Kollege registrierte, flog eine Taube an ihm vorbei und kotete ihm auf den Kopf. "Die wollte bestimmt nur ihr Gebiet markieren", lachte John. Unser Jung ging wieder nach Hause, etwas verwundert aber sichtlich erfreut, sich an der längst nötigen Aktion zu beteiligen.

Nach einiger Zeit, ging er von seinem kleinen Wohnort Niederschlonsenhausen, in dem ihn jeder kannte (er hatte eine Ausbildung zum Schornsteinfeger gemacht - Anmerkung AN die Red.), für 30 Tage nach Berlin um das sprituelle Etwas zu suchen (er wurde von einer spirituellen Erkenntnis dazu inspiriert). Er aß nichts und wollte so durch die "Fastentherapie nach Dalai Lama" zu seiner Mitte, einem anderen Bewusstseinszustand, kommen. Nach einiger Zeit begegnete im ein Mann der ein T-Shirt mit der Aufschrift trug: "Ich bin Kapitalist und das ist gut so!". Dieser Mann schien äußerst reich, schön und erfolgreich zu sein. Er hieß übrigens Kapitalismus. Kapitalismus erzählte wie er von einer Schlange zu seiner jetzigen menschlichen Erscheinung reinkanierte. Aber das war unserem Freund egal, denn er hatte Hunger. "Kapi" bot unserem Freund an, ihm einen Döner (sie waren in Berlin - Neukölln) in etwas Essbares zu verwandeln. Doch unser Freund lehnte dankend durch Zitate aus der Kochbuch seiner Mutter (Titel: Nachhaltig für die Natur und vegan leben - Bio leichtgemacht) ab. Als ihn Kapi fragte, woher er komme und wer er überhaupt sei, fing unser Freund an seine Geschichte von Geburt bis Heute zu erzählen. Kapi war verwundert und zweifelte an der Geschichte. Er führte unseren Freund zur Siegessäule und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Unser Freund erklärte, das es in der Siegessäule gerade schon passiere und außerdem Gott nicht auf Beweise angewiesen ist... es ginge immerhin um Glauben, also Hoffen auf eine unsichtbare Realität.
Aber Kapi liess nicht locker. Er zeigte unserem Freund die Börsen der Welt und die reichsten Unternehmergroups, denen letzlich alle Märkte gehörten. Dabei summte er das Lied "Mein Block" von Sido/ Aggro Berlin. Er bot ihm an, einen Platz in der Chefetage des reichsten Unternehmens zu bekommen, wenn er ihm nur sagen würde, das der Kapitalismus letztlich siegen würde. Unser Freund wurde unwohl bei dem Gedanken an Macht, Geld und Sex und wies Kapi forsch zurück: "Nichts und niemand werden mich von meinem Auftrag abbringen!". Kapi verschwand. Unser Kollege kehrte an Erfharungen reicher nach Niederschlonsenhausen zurück. Seltsam was er alles erlebte. Zu Hause angekommen las er auf Johns Blog, das dieser wegen fundamentalistischen Reden ins Gefängnis geworfen wurde. Wie krass diese Zeit gerade wird, dachte er sich...

dan hat gesagt…

cool Idee und super Umsetzung.
Finde es ist weitesgehend eine gelunge moderne Variante der Weihnachtsgeschichte.
Was mich nur überrascht ist der Exkurs mit dem Ältestenrat. Deshalb würde ich persönlich die Geschichte nicht in dieser Variante verwenden. Denn so klingt sie für mich einfach zu sehr nach Rechtfertigung von vorehelichem Geschlechtsverkehr und macht gleichzeitig den ÄR lächerlich - und das alles ohne Not. Denn ist biblisch ja nicht belegt, dass Maria vor die jüdischen Instanzen geladen und geprüft wurde. Gleichzeitig ist die Jungfrauengeburt sicher nicht so zu verstehen, als sei vorehelicher Geschlechtsverkehr in Ordnung und der Ältestenrat übertrieben gesetzlich. Bei Maria handelt es sich ja tatsächlich nicht um vorehrlichen Geschlechtsverkehr :-)
Aber sonst wirklich gelungen.

Toby Faix hat gesagt…

@Dan: Du kannst dich mit meiner Frau zusammen tun, die sieht das ganz ähnlich. Mir ging es gar nicht um eine "getreue" Übertragung der Lukasgeschichte, sondern nur um den Gedanken, wie das wohl heute aussehen würde, wenn Jesus geboren würde. Wer würde ihn erkennen? Ich?

Manni hat gesagt…

Wie kann man eigentlich gegen Kapitalismus sein und einen MAC dabei haben?

Wie ist man überhaupt gegen Kapitalismus? Stellt man sich dann den ganzen Tag barfuss auf eine nicht gemäht (oder im Winter nicht) geräumte Wiese und sagt: Ich verachte den Kapitalismus?

Toby Faix hat gesagt…

Danke für alle kreativen Ideen. Hat Spaß gemacht.

sara hat gesagt…

habe die Geschichte im Hauskreis vorgelesen, und alle haben einen rechten Moment gebraucht um zu begreifen, um wen es da geht.... sehr eindrücklich.

Steffi hat gesagt…

Sehr coole Story und auch die weiterführungen sehr interessant!