Mittwoch, Januar 03, 2007

„Jedermann“ von Philip Roth


Anfang und Ende des Buches spielen auf dem Friedhof. Dazwischen das Leben. So ist es bei Jedermann. So ist es bei uns. Passend umrahmt Roth seinen lebensmüden Inhalt, literarisch als Ringroman verpackt, endet ein Leben und beginnt doch wieder ein Neues. Ein Neues, ja, aber doch wieder dasselbe. Das Leben ist austauschbar, zumindest das der Männer. Das ist ein zentrales Thema des neuen Romans vom amerikanischen Bestellerautor Philip Roth (geboren 1933, was mir für den Roman durchaus wichtig erscheint). Sein schlanker Roman „Jedermann“ lässt ein beklemmendes Gefühl zurück: Ist so das alt werden? Ist so das Leben? Viel bleibt bei Jederman nicht übrig: "Er war nicht mehr, befreit vom Sein, ging er ins Nichts, ohne es auch zu merken. Wie er befürchtet hatte von Anbeginn." Das erinnert an Sartre und „das Leben ist ein langsames Sterben und dann der Tod“. Doch dazwischen nimmt Roth geschickt den faden des Lebens auf, in Rückblicken fragt sich Jedermann: Was bleibt vom Leben übrig? Diese Frage zieht sich wie roter Faden durch die dünn skizzierte Lebensgeschichte Jedermanns. Übrig von was, lautet zwangsläufig die Frage beim Lesen. Und Roth geizt nicht mit Antworten: Übrig, wenn Krankheit den Körper zernagt. Übrig, wenn Sex wegfällt. Übrig, wenn einem die Schuld des Versagens und des Versäumens überfällt. Wortgewandt und erstaunlich leichtfüßig führt Roth durch die Abgründe des älter werdenden Mannes bis zu seinem Tod und gibt im Leben von Jedermann düstere Antworten. Viel übrig bleibt nicht und so fragt man sich als Leser zwangsläufig, ob es sich nicht lohnt selber Antworten auf die Fragen zu bekommen, ehe der Verfall einsetzt. Ist das Leben im Alter ein Leben aus den Rückblicken in die Jugend? Da wo es frisch, erfolgreich und voller sexueller Höhenflüge war? Jedermann leidet an seinem Alter und so kommt er zur erschütternden Einsicht: "Das Alter ist kein Kampf; das Alter ist ein Massaker." Morbide und voller Sarkasmus schreibt Roth ein Buch von der Unerträglichkeit des Altwerdens. Jedermann ist der Durchschnitt, sollen Du und ich sein, aber manchmal mit sehr viel Altmännerphantasie und Selbstverliebtheit. Vielleicht bin ich dafür einfach noch zu jung. Jedermann stirbt. Das Buch ist aus. Keine Erlösung. Keine Hoffnung. Was bleibt? Ein hervorragendes Stück Literatur und ein nachdenklicher Mann. Jedermann? Nein, mit Hoffnung.

Kommentare:

Manni hat gesagt…

Wie schnell liest Du eigentlich?

Toby Faix hat gesagt…

Sind ja schon zwei Wochen Ferien...

Anonym hat gesagt…

schön ich hoffe du hast noch ein paar wochen ferien. deine blog regen zum lesen an und zum entdecken neuer oder alter schätze.

mir ist es ähnlich ergangen, ich habe das buch gehört und bin dabei immer wieder eingeschlafen. ich weiss was ich jetzt sage klingt paradox abver ich finde er ist schon ein grosser erzähler und kann charaktere aufzeigen.

und dann spielen viele seiner bücher an der ostküste der usa, in newark und in den vororten von new york, und da ich diese gegend auch sehr mag, und ich finde die gegend für passt einfach zu ihm und den menschen, deren geschichte er erzählt oder erfindet.

ich glaube bei auster ist es ähnlich. so jemand kann doch nur in new york leben und von dort erzählen- aber du kennst ihn besser

Toby Faix hat gesagt…

Schön wärs, aber ein paar Tage bleiben noch...
Ja, bestimmte Autoren schreiben nur da gut wo sie selbst herkommen, können somit das Gefühl/die Stimmung ihres Leben, ihres Ortes perfekt ins Buch übertragen, was sicher eine Besonderheit beim Lesen ist. Und Auster gehört mit Sicherheit dazu! MAn nehme nur die New York Trilogie!

The Haarbüschel hat gesagt…
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