Dienstag, Februar 20, 2007

"Tribute to Kurt Cobain"


Heute wäre Kurt Cobain 40 Jahre alt geworden. Der Nirvanasänger war nicht nur eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der 90er Jahre und ein Aushängeschild für eine ganze Generation, sondern hatte auch auf mein Leben eine große Relevanz. Dabei war es nicht in erster Linie die Musik, sondern vielmehr seine radikale Haltung und die Ambivalenz zwischen vermarkteter Popikone und radikalen Verweigerung, die ihn zuletzt in den Selbsttod trieb. Ich habe seine Verweigerung immer bewundert, die Flucht vor der Vermarktung, die doch kläglich scheiterte. Cobain wollte sich nicht kaufen lassen und wusste doch, dass er dadurch nur noch attraktiver für die Massen wurde. Verweigerung als Merchandising – was eine Ironie. Ich war im Jahre vor seinem Tod für ein Praxissemester in Amerika und dort wurden mir die Ausmaße und der Einfluss auf eine verwirrte und verlassene Generation erst so richtig deutlich. Ich wohnte mit einem jungen Musiker zusammen (Blind Melon), der, wie viele seiner Freunde, jobbte & jammte und versuchte sich zu verweigern, indem er zum Beispiel den Fernseher rausschmiss um dem Kommerz zu entfliehen. Diese Radikalität, die bis ins Denken und in den Lebensstil hineinging, habe ich nach meiner Rückkehr in Deutschland nirgends erlebt. Alle Radikalität schien im Atlantik verloren gegangen zu sein. Überhaupt war die ganze „GenX-Welle“ in Deutschland eher idiologiefrei und paradoxerweise sehr kommerzialisiert. Das war für mich eine Enttäuschung, obwohl auch in Deutschland eine ganze Generation von Kurt Cobain und dem Grunge beeinflusst wurde.

Aus dem Abschiedsbrief von Kurt Cobain:

The fact is, I can't fool you, any one of you. The worst crime I can think of would be to rip people off by faking it and pretending as if I'm having 100% fun…I must be one of those narcissists who only appreciate things when they're gone. I'm too sensitive. I need to be slightly numb in order to regain the enthusiasm I once had as a child.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

vielleicht verstehe ich die Ironie in dem Beitrag nicht - aber ich frage mich, wie um alles in der Welt jemand ein Vorbild sein kann, der so tragisch mit seinem Leben gescheitert ist? Der offensichtlich nur unter Drogeneinfluss glücklich werden konnte, dessen Radikalität ihm nicht geholfen, sondern ihn letztlich dazu gebracht hat, sich die Flinte an den Kopf zu setzen? Bitte versteht mich richtig, ich will mich nicht über Kurt Cobain lustig machen. Auch wenn ich mit seiner Musik nichts anfangen konnte. Aber ich frage mich ob man so viele Jahre nach seinem Selbstmord nicht etwas kritischer darüber nachdenken sollte, wie man als Gesellschaft mit Menschen wie K. Cobain umgeht. Die Zeilen aus dem Abschiedsbrief zeigen mir einen Menschen, der einfach kaputt ist. Der nicht in der Realität leben kann. Aus was weiss ich was für gründen. Wir sollten doch dringend davon weg kommen Menschen weiterhin zu iconisieren, die in und an unserer Gesellschaft gescheitert sind. Ist es nicht traurig, dass Kurt Cobain, so wie er wirklich war, keine Chance mehr auf ein Leben gesehen hat? Dass am Ende nur die Überdosis und das Gewehr als scheinbare Lösung existiert? Ist es nicht traurig, dass Kurt Cobain Jesus (nach allem was ich weiss) vermutlich nie wirklich kennengelernt hat?

Manni hat gesagt…

hammer!

du hast mit einem von blind melon zusammen gewohnt?
jetzt bin ich aber mal zu tiefst neidisch.

@anonym

ich kann tobi nur beipflichten.
ein ehrlicher, aber leider verzweifelter, mann.

wenn die leute in "der kirche" nur halb so ehrlich wären wir kurt coabin, dann wäre das leben so viel besser.

und, natürlich ist es traurig.

http://www.nirvana-music.de/abdeu.htm

Toby Faix hat gesagt…

@anonym: Ich weiß nicht, ob Kurt Cobain ein Vorbild für mich war, aber seine Art sich nicht vereinnahmen zu lassen finde ich faszinierend und wünsche ich mir, wenn auch auf anderem Gebiet, für mein Leben auch. Gerade im christlichen Bereich gibt es zuviel Konformisten und zu wenig Menschen mit Charakter. Auch finde es tragisch und traurig wie Cobain gelebt und geendet ist und habe mich immer gefragt, wie das wohl wäre, wenn er Gott kennen gelernt hätte...

daniel hat gesagt…

@Manni

ist das dein ernst? Cobain war so ehrlich, dass er nicht einmal sich selbst sein konnte und wird in der Gesellschaft genau für das stilisiert, was er in seinem Abschiedsbrief als unehrliche Show bezeichnet hat (oder verstehe ich das so falsch?)
Man sollte nachdenklich werden, weil Kurt Cobain Selbstmord begangen hat und ihn nicht dafür zu einem Held abstempeln, der in einer "verlogenen Gesellschaft der einzige ehrliche war". Ich sage nicht, dass in unserer Gesellschaft alles in Ordnung ist. Aber ich sage, dass Kurt Cobain für mich kein Vorbild ist. Weder in Punkto Ehrlichkeit noch in Punkto Leben. Der Mann ist an sich, seiner Geschichte und an unserer Gesellschaft zugrunde gegangen und hat sich mit 27 Jahren umgebracht, vermutlich weil er keinen Weg für sich mehr sah. Wir sollten seinen Selbstmord ernst nehmen, ernst nehmen, dass er nicht der Held sein wollte und sein konnte, zu dem die Menschen ihn machen. Er wollte sich selbst sein. dazu hat er keinen WEg gefunden. Warum nur?

Manni hat gesagt…

ich nenne ihn keinen helden.

is mir auch scheiß egal. die ambivanlenz von wollen und was dabei rauskommt, hat tobi ja schon beschrieben.

nein, ich bin nicht so schlau, wie daniel.

daniel hat gesagt…

sorry, ich wollte niemanden verletzen
@tobi --> läsch doch bitt meine beiden Kommentare

Toby Faix hat gesagt…

@daniel: Ich würde die posts ungern löschen, weil ich die Diskussion gut finde. Die Frage die du aufwirfst: "Darf ich Kurt Cobain als Vorbild nehmen, obwohl er es nicht wollte?" finde ich sehr gut. Wenn ich ihn ernst nehme, dann muss ich auch seine Verweigerung ernst nehmen. Auf der anderen Seite ist jede öffentliche Person ein Vorbild, egal in welche Richtung und beeinflusst andere Menschen. Hier stehen wir in einer ähnlichen Spannung wie Cobain, nur nicht so existenziell. Ich finde übrigens auch, dass das vielen Mitarbeitern in der Gemeinde so geht, sie empfinden es oft als Last , dass sie als Vorbild gesehen werden. Wollen mitarbeiten, aber beispielsweise für die Jugendlichen kein Vorbild sein. Interessant, aber schwierig.

Toby Faix hat gesagt…

@manni: Du kennst Blind Melon? Respekt. leider ist der Sänger an einer Überdosis gestorben, Parallelen????

Manni hat gesagt…

Das Lied "No rain" finde ich am besten. Das habe ich "früher" ganz oft bei meiner Cousine gehört.

Gefällt mir halt.

@Daniel nicht gleich angemacht fühlen!
Ich denke nur, dass Kurt oft "herhalten" muss. Er kann ja nichts mehr sagen. Da kann ihm jede Partei ihre Meinung in den Mund legen.

Ich finde eben seine Musik ehrlich. Sie hat das transportiert, was das Lebensgefühl war. Außerdem waren da viele Leute, die echt anderes gelebt haben.

"Vorbild" ist echt grenzwertig (Dorgen, Lebenshass, Gewalt, sexuelle Orientierung, Suizid, Depression).

PS: Löschen ist nicht gut. Wenn Deine Meinung fehlt, machen andere Meinung. Laut sein.

Dichristins Blog hat gesagt…

War Kurt ein Vorbild? Eher nicht! Naja, irgendwie sind doch alle Vorbilder und nicht nur die Perfekten. Aber in einer Reihe mit Radikalen und gescheiterten Existenzen fühle ich mich als Christ ganz gut aufgehoben. Ist Jesus eigentlich gescheitert? War es vielleicht sogar Selbstmord eines ansonsten doch eigentlich allmächtigen Gottes? Das Leben ist nicht so leicht!

Matze

Maren langweilt sich hat gesagt…

Ich denke, dass wir oft die Menschen als "ehrlich" und "authentisch" wahrnehmen, die gegen den Strom schwimmen und rebellieren, weil sie auffallen und sich mit ihrer Meinung von der Masse abheben.

Dagegen gelten oft diejenigen, die sich an ein bestehendes System anpassen und sich in die Gesellschaft eingliedern, als Mitläufer und manchmal sogar als charakterschwach.

Das finde ich ziemlich schwierig.
Kurt Cobain hat sicher ein "authentisches" Leben geführt, aber mit seiner außenstehenden Rolle und seiner rebellischen Haltung hat er sich selbst nur in den Tod treiben können.
Ohne Anpassung funktioniert kein System.

Damit will ich keine unreflektierte und unhinterfragte Anpassung propagieren. Ich denke einfach nur, dass zu oft so getan wird, als wäre eine extrem rebellische Haltung ehrlicher und spräche für einen starken Charakter. Diese Meinung trifft total den Zeitgeist. Bands, die in irgendeiner Weise individuell und unangepasst erscheinen (ob durch Musik oder durch das Erscheinungsbild) liegen im Trend. Das finden die Leute gut.

Dabei denke ich, dass beide Extreme schwierig sind.

Toby Faix hat gesagt…

Ich glaube, dass es ganz normal ist sich Menschen zu suchen, die die Werte vertreten, die man selbst gut findet (und ich rede hier nicht von Drogen etc.). Das ist völlig normal und auch in Ordnung. Das trifft auch auf angepasst und unangepasst zu, hat zum einen was mit der persönlichen Entwicklung als auch mit der eigenen Persönlichkeit zu tun. Und da ist es ja wunderbar, dass wir alle verschieden sind und uns ergänzen können...

e-MiX hat gesagt…

es ist ja schon eine paradoxe situation. will man sich völlig von der gesellschaft abgrenzen, und sich z.B. bewusst dem kommerz entziehen, dann zieht das die aufmerksamkeit anderer auf sich. nimmt das ganze extreme außmaße an, dann grenzt man sich zwar vom kommerz ab, wird aber selbst zum kommerz. ich meine mal ehrlich: wenn du heute was verkaufen willst, dann kommt es in einer bestimmten bevölkerungsschicht doch viel besser an, wenn ein kurt cobain gesicht drauf ist. wieviele male lacht uns ein kurt cobain gesicht an, wenn man durch die stadt geht? ist das es, was er erreichen wollte? irgendwie nicht wirklich eine abgrenzung vom kommerz.

den aspekt der bands ist natürlich noch ein wenig weitgreifender denke ich. klar liegt tokio hotel im trend, weil sie mit ihrem aussehen (von cleveren plattenbossen wurden die nicht umsonst ausgewählt und gepusht) eine bestimmte schicht bedienen. sie werden cool gefunden als vorbilder.

bei bands die von sich aus versuchen vorwärts zu kommen, mit verschiedenen zielen ist das alles nicht so einfach über einen kamm zu scheren denke ich.


@toby: ich hab dir deine frage bzgl. des buches "der ungezähmte mann" auf meinem blog beantwortet, hab erst gestern gecheckt das du was gefragt hattest.

Onkel Toby hat gesagt…

1993 habe ich in Texas gelebt und nachts auf MTV lief immer das Video zu "no rain" mit diesem dicken Mädchen im Bienenkostüm. Tat mir damals leid, dass sich kein Schwein für den Tod des Sängers (wie hiess der gleich... irgendwan mit Hoon, oder) intessierte. Hatte der nicht auch eine kleine Tochter (an was für Zeug ich mich so erinnern kann...)

Toby Faix hat gesagt…

@onkel tobi: Der Sänger von Blind Melon hieß Shannon Hoon und starb 1995 an einer Überdosis. Ob er eine Tochter hinterließ weiß ich nicht. Abre cool, dass du die Band kennst. Richtig gute Musik, sollen gerade wieder iM Studio sein und mit einem neuen Sänger ein Album aufnehmen. Man darf gespannt sein...

Toby Faix hat gesagt…

Hab gerade noch mal nachgeschaut, du hast recht, er hatte eine Tochter deren Name Nico Blue war, sie war erst drei Monate als Hoon starb. Furchtbar.