Dienstag, März 06, 2007

„Mangos oder Bananen?“ – vom Einfluss der Kultur auf unseren Glauben Teil 2

Gott redet durch die jeweilige Kultur. Gottes Reden würden wir direkt überhaupt nicht verstehen, wir würden im Bruchteil einer Sekunde in seiner Heiligkeit vergehen. Also bedient sich Gott den jeweiligen Mittel der Kultur, sein Reden verändert sich also und ist nicht statisch und schon gar nicht berechenbar. Die zehn Gebote wurden in Stein gehauen und nicht per Fax oder eMail vom Himmel gesendet. So spielen Träume beispielsweise in der orientalischen Kultur des Volkes Israels eine viel größere als in weiten Teilen der griechischen Kultur des Neuen Testaments. So kommen heute durch Träume in arabischen Ländern immer noch Menschen zum Glauben in dem ihnen Jesus im Traum erscheint. Bei uns heute in Deutschland kommt dies kaum vor. Gott offenbart sich den Menschen so, dass sie es verstehen können, das ist ein Teil seiner Gnade. Dies geschieht hinein in die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation und in den religionsgeschichtlichen Kontext. Ein paar Beispiele sollen dies verdeutlichen. Wir lesen in Samuel, dass das Volk Israel einen König möchte. Gott ist eigentlich dagegen, aber das Volk sieht, dass alle anderen Völker einen König haben und wollen auch einen König haben. Gott lässt sich auf diese kulturpolitischen Forderungen seines Volkes ein und gibt ihnen einen König. Lässt diesen König salben, gibt diesen König sogar seinen Heiligen Geist und stellt sich zu ihm (am Anfang zumindest). Gott schließt seine Bünde mit Noah oder Abraham nach klassisch orientalischem Brauch, universale Bünde, die ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren haben. Auch im Neuen Testament finden wir viele Beispiele wie Gott sich in der gegenwärtigen Kultur offenbart, nicht zuletzt durch die Inkarnation Christi selbst. Christus ist als realer Mensch mitten in die religionsgeschichtliche und kulturpolitische Situation geboren worden. Er ist typisch jüdisch aufgewachsen mit allem was dazu gehört, hat die Kleidung der damaligen Zeit getragen, den Beruf seines Vaters gelernt und auch in seinem geistlichen Dienst sich an die kulturellen Gegebenheiten gehalten. So war es typisch und nichts außergewöhnliches, dass Rabbis „Jünger“ um sich scharrten und mit ihnen durch das Land zogen. Jesu Auftrag war universal und gilt allen Menschen und trotzdem ist er zuerst zu den Juden gekommen, in das Volk in das er hineingeboren wurde. Auch die Evangelien wurden je nach kultureller Zielgruppe unterschiedlich geschrieben und haben deshalb andere Gewichtungen, was für uns heute ein großer Gewinn. So ist das Matthäusevangelium für Judenchristen geschrieben und deshalb vor allem durch das AT zu verstehen, während Lukas an Heidenchristen schrieb und ganz andere Begrifflichkeiten wählt bzw. sie mit der griechischen Bedeutung füllt, während Matthäus sie nach typisch hebräischem Verständnis interpretiert. Ohne die kontextuelle Deutung ist das Evangelium weder in seiner historischen Zeit zu verstehen noch heute.

Kommentare:

David Woitkowski hat gesagt…

Hallo,

interessanter Artikel. Ich finde es spannend, wie Gott durch die Zeiten zu seinen Leuten spricht, durch Mose und Aaron, , durch die Richter, durch seine Propheten, durch die Evangelien; zu einem Nomadenvolk mit Hilfe eine Anführers und zu einem sesshaft gewordenen Volk durch die Salbung eines Königs (steht übrigens nicht bei Mose, sondern WIMRE bei Samuel), den Babyloniern durch Träume und den Griechen durch Logik.

Matthias hat gesagt…

Hallo,

die kontextuelle Deutung des Evangeliums ist meiner Meinung nach unerlässlich. Was ich nur persönlich daran schade finde ist, dass so immer mehr 'christliche Splittergruppen' enstehen und 'jeder mit seiner Idee' versucht vorwärts zu gehen. Und mir stellt sich die Frage nach der Grenze der 'kontextuellen Deutung' des Evangeliums bzw. dessen Vermittlung. Eine ganz fromme Aussage wäre wohl: "Alles für Jesus!" Aber wie vieles ist auch einfach schlecht gemacht, oder so plaktiv, dass gegenteiliges erreicht wird. Schade, wie sich manchmal in das eigene Fleisch geschnitten wird.

Gruß,

Matthias



Gruß,

Matthias

Tobias Faix hat gesagt…

@david: Ja, klar, Samuel. Danke, werde das gleich korrigieren!

Tobias Faix hat gesagt…

@matthias: Das mit den grenzen ist wichtig, da gebe ich dir Recht, für die einen ist "alles wörtlich" und für die anderen "alles kulturell", die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte...

Matthias hat gesagt…

Hallo Tobias,


Du schreibst, dass die 'Wahrheit" in der Mitte liegt. Nun denn, zum einen denke ich das Gott dem Menschen eine 'Eigenverantwortung' gegeben hat; welche sich vor Gott mal als 'Subjektive und letzte Instanz' rechtfertigen muss. Dennoch stoßen wir dabei an Grenzbereiche des menschlichen Denkens - wenn wir versuchen diesen Gedanken zu Ende zu führen. Allerdings ist dies für mich kein
'Freibrief' meinen persönlichen 'Individualismus' in 'frommer Perspektive' zu leben. Wo ist die Grenze zwischen Indivudalität und Selbstaufgabe?
Oder bedingt nicht das eine (Selbstaufgabe) die Individualität - auch und gerade was die 'kontextuellen Interpretationen' des Evangeliums anbelangen. Manchmal wünschte ich mir zumindest etwas mehr 'Halt und Stabilität' in den Aussagen der Christen, welche sich außerhalb eines festen kirchlichen Kontextes bewegen.
Dies sind mal 'ungefilterte Gedanken' von mir.

Tobias Faix hat gesagt…

@matthias: Aber gute Gedanken. Danke. Jesus hat das ja ein Stück weit vorgelebt, auf der einen Seite aufgegangen in der Kultur, in der er gelebt und gelitten hat und individuell auf die einzelnen Leute eingegangen ist (er hat niemals die Menschen über einen Kamm geschert) und doch gibt er uns auch klare Anweisungen und Lebenshilfen die wir umsetzen können und die mich in meinem Alltag herausfordern (Doppelgebot der Liebe zum Beispiel).