Mittwoch, Juli 25, 2007

"Tour de Farce. Das Ende der Unschuld"


Eigentlich bewundere ich die harten Jungs, wie sie die Alpen und Pyrenäen hochklettern, der Hitze trotzen und fast unmenschliches in den drei Wochen der Tour vollbringen. Aber genau hier liegt wohl das Problem: unmenschlich! Nicht die Höhe der Berge ist daran schuld, dass seit Jahren (Jahrzehnten) gedopt wird, sondern der Ehrgeiz der Fahrer. Es geht nicht darum wie schnell man den Berg bezwungen hat, sondern dass man ihn als erstes bezwungen hat. Und der Mensch will gewinnen, auch wenn er dabei alles verliert. Die bewundernswertesten Leistungen reichen nicht aus, es muss von den verbotenen Früchten des Dopings genommen werden. Und so nehmen sie alle und reichlich. Die Tour 2007 läuft und noch immer weiß keiner wer die Tour 2006 gewonnen hat. Die Gerichtsverfahren laufen. Der jetzige Träger des gelben Trikots Michael Rasmussen kommuniziert nur noch über seine Anwälte und sein schärfster Verfolger (Vinokourov) wurde mit seiner gesamten Mannschaft wegen Dopings disqualifiziert. Der Tourzweite, ist Gast beim Dopingarzt Nummer 1 Fuentes und wie tief der Sumpf ist, sieht man am deutschen Fahrer Sinkewitz, ein so genannter „Wasserträger“, der seinem Kapitän selbstlos zufährt und dessen eigene Platzierung überhaupt keine Rolle spielt. Aber selbst im Mittelmaß der Tour wird gedopt und beschissen und betrogen. Immer mit der Hoffnung: Ich werde nicht erwischt. Die Früchte des Dopings schmecken süß, doch eines bringen sie nicht: Erkenntnis. Sie sind alle Unschuld. Opfer. Haben nie von den verbotenen Früchten genascht und können sich überhaupt nichts erklären. Fassungslos geben sich die Überführten und schwören, dass sie im Leben noch nie Doping genommen haben, auch was, sie wissen gar nicht was Doping ist und sie sind sich für keine Ausrede zu Schade. Mein momentaner Favorit neben einem zehnfachen überhöhten Testosteronwert, der natürlich nur daher kommt, dass der Fahrer die ganze Nacht Sex mit seiner Frau hatte, ist Tyler Hamilton, in dessen Bluttest fremdes Blut nachgewiesen wurde, worauf er völlig lapidar antwortete, dass die fremden Blutzellen in seinem Körper von den Stammzellen eines noch vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert wurden. Danke. Gab es eigentlich je einen Baum der Phantasie? Er muss im Land des Radsports liegen. Und jetzt kommen wir zum eigentlich Problem. Die Tour ist zum Alkoholiker verkommen, der strahlend verkündet, dass er sein Alkoholproblem natürlich im Griff hat. Er torkelt und lallt, er stolpert und fällt. Rafft sich auf und verkündet: Alles wird sich ändern, morgen ganz bestimmt. Ehrlich. Wir haben doch jemand erwischt, die Dopingkontrollen greifen. Alles ist gut. Während der dänische Nationale Radsportverband seinen Fahrer Rasmussen wegen vier verpasster Kontrollen für alle weiteren Rennen gesperrt hat, darf dieser fröhlich die Tour de Farce gewinnen. Das verstehe wer will, ich nicht. Aber was sagte die einstige Radsportikone Jan „Ihr habt doch alle keine Ahnung und ich genügend Geld“ Ulrich gestern so schön: „Ich werde reden, wenn Deutschland so weit ist!“ Ja, mein lieber Jan, wir sind noch nicht so weit. Wir begreifen es nur ansatzweise, wie duzende Radsportler sich in ihrer Parallelwelt verfangen und jegliches Gefühl für richtig und falsch verloren haben. Aber vielleicht werden wir es nie begreifen und Jan für ewig schweigen.

Kommentare:

Christian hat gesagt…

Schon krass wie ein Sportereignis und damit eine ganze Sportart so zum Witz wird.

kapeka hat gesagt…

Tja, ich versteh das auch nicht mehr. Das macht alles keinen Sinn. Wenn eh jeder doped, dann braucht keiner mehr dopen, weil es am Schluss wieder keinen Unterschied macht. Ausser man veranstaltet Wett-Dopen: wer hat das bessere Mittelchen. Aber damit sind wir weit weg vom eigentlichen Sport.

Auf der anderen Seite: Erschaffen wir uns unsere Doping-Monster nicht selber in unserem Wahn als Konsumenten, immer neue Höchstleistungen zu sehen? Wieviel Schuld am Schlammassel haben wir, die Fernsehzuschauer, die wir durch unsere Quoten den ganzen Spaß erst finanzieren?

Ich bin dafür in allen Sportarten die Dopingkontrollen massiv auszuweiten. Der Radsport ist gerade total im Mittelpunkt, zurecht. Aber würde man woanders genauso penibel nachschauen, dann würden noch viel mehr Sportarten mit einem mal schmutzig werden.

Und dann konsequent jede Sportart boykottieren, in der systematisch gedopt wird.

Peter Aschoff hat gesagt…

Jetzt ist Rasmussen auch draußen, endlich, Cofidis hat sich zurückgezogen und es wird deutlich, dass die "weiter so"-Fraktion der Verharmloser das Hauptproblem war.

Friede, Friede, und eben doch kein Friede...

Tobias Faix hat gesagt…

Rasmussen wurde von seinem eigenen Team gefeuert. Ein Schritt in die richtige Richtung...

Tobias Faix hat gesagt…

@kapeka: Also, den Schuh, dass jetzt wir Fernsehzuschauer am Doping schuld sind zieh ich mir nicht an. Von den Fernsehrechten und den Quoten leben die Radsportler ja erst überhaupt und keiner verlangt Doping oder noch spektakuläreres. Nein, ich glaube, dass es am System liegt. Wie sagte Jaksche so schön, wenn jeder dopt ist es doch für alle gerecht...

Anonym hat gesagt…

AMEN!!!!!