Freitag, Januar 11, 2008

"Predigt, Homosexualität & Bayern München"

Danke für die vielen Reaktionen auf meine Frage gestern. Habe im Christustreff gepredigt und noch etwas Inspiration gebraucht und es als Einleitung verwendet. Danke!

Die nächste Frage, die mich gerade beschäftigt: „Hört die christliche Nächstenliebe bei Homosexualität auf?“ Durch die Absage eines Seminars beim Christival (Gofi berichtete) gab es eine Welle der Empörung sowaohl auf christlichen als auch auf säkularen Foren wie hier, hier, oder hier zu sehen ist.

Ach und dann wurde auch noch Klinsi Trainer von Bayern München, aber dazu hat ja seine mutter alles gesagt: „Nee, das wusste ich noch nicht. Ach du Scheiße." Martha Klinsmann. Mehr gibt es dazu bei Simon!

Kommentare:

Sabine hat gesagt…

Das ist aber eine Themenvielfalt puh!!!!

Also ich bin immer noch zwiegespalten, freu mich auf Bundesliga mit Klinsi, aber bei den Bayern... Das geht doch nicht..
komm nach Kölle, lieber Jürgen

Tobias Faix hat gesagt…

Aber ihr habt doch den Fastbundestrainer Daum! Ist der nicht mehr gut genug? :)

Suse hat gesagt…

was findest du von seiten der christen lieblos in dieser lage?

beate u. michael wesner hat gesagt…

Ja, ich verstehe die Frage auch nicht:

„Hört die christliche Nächstenliebe bei Homosexualität auf?“

Kannst du ein wennig mehr dazu schreiben, wie du sie verstehst und wie du sie nicht verstanden wissen willst
besten Gruß

michael wesner

Tobias Faix hat gesagt…

Ja, als ich mich so durch de Foren geklickt habe, bin ich einfach erschrocken wie lieblos und verurteilend über Beck im Speziellen und Homosexualität im Allgemeinen geschrieben wurde, dass ich mich fragte, ob die christliche Nächstenliebe bei Homosexualität aufhört. Bei aller Auseinandersetzung würde ich doch von Christen ein anderes Verhalten erwarten, was ja eine sachliche Auseinandersetzung nicht ausschließen muss. Aber diese habe ich nicht gefunden, genauso wenig wie eine theologische Reflexion. Aber dafür sind Foren wahrscheinlich auch nicht da, aber Populismus hilft auch nicht weiter.

suse hat gesagt…

also, ich kann die verurteilung gegen Beck nicht finden (kannst du da mal quellen nennen?) Was ich unter der unten angegebenen seite lese, verschlägt mir von Seiten v.beck eher die sprache. wie sieht denn deiner meinung nach eine "sachliche auseinandersetzung" aus?
http://www.abgeordnetenwatch.de/volker_beck-650-5916--f90299.html#frage90299

Tobias Faix hat gesagt…

Sorry, ich merke mir die Seiten beim Surfen nicht. Aber es waren so Sachen wie "schlimmste Sünde", "Homosexuelle gehören nicht in die Gemeinde Gottes" oder "Sünde muss beim Namen genannt werden und aus der Mitte der Gemeinde entfernt werden!" Da hätte ich was anderes erwartet, von BEck übrigens nicht ....

suse hat gesagt…

ich bild mir gern selbst eine meinung - deshalb hätte ich gern auch mal nachgelesen, was dich berührt hat ... mh, nix zu machen?

Tobias Faix hat gesagt…

das ist auch gut so...

Daniel hat gesagt…

Tja, leider nutzt beim Christival ja nun niemand die Gelegenheit dem Beck und allen anderen Homosexuellen zu zeigen wie wir christliche Nächstenliebe leben können, angesichts der Homosexuellen Menschen in unserer Gesellschaft und gleichzeitig angesichts der biblischen Botschaft. Ich finde das schade. Zumal in der Öffentlichkeit wohl kaum ankommt, das das Seminar abgesagt wird, weil das Thema nicht im Mittelpunkt des Christivals steht". Mir sagt das zunächst einmal: Die intollerante und oberflächliche Fundamentalistenklatsche von Beck hatte Erfolg. Wirklich Schade.

Matthias H. hat gesagt…

Ich finde "intolerante Fundamentalistenklatsche" ist das falsche Wort, man kann sich ja auch vorher ausmalen, dass man einfach eine Menge Angriffsfläche bietet. Es wäre wohl einfacher gewesen, den Titel anders zu wählen und nicht von Heilung zu sprechen. Jeder, der so was organisiert (sorry heiko :-)), weiß ja auch, dass da in ca. 2000 Jahren Christentum in diesem Punkt eine Menge schief gelaufen ist. Und dann hat man zwei Möglichkeiten, man nennt direkt das Seminar anders oder man lebt halt mit der Satire/ Kritik. Es ist ja auch eine interessante Frage, warum bei Christen der Humor aufhört, sobald Satire über etwas Christliches auftaucht...

Daniel hat gesagt…

nun ja, laut Pressemeldung vom Christival hiess das Seminar
Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung weiss jemand ob im Inhalt was von heilung stand?

Tobias Faix hat gesagt…

@Daniel: Ich glaube es gibt viele Gelegenheiten christliche Nächstenliebe zu leben, nicht nur das Christival! :)

Tobias Faix hat gesagt…

Ach so, das Seminar hieß: "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung: Viele Menschen leiden unter ihren homosexuellen Neigungen. Im Seminar geht es um Ursachen und konstruktive Wege heraus aus homosexuellen Empfindungen."

daniel hat gesagt…

@tobias:

Klar gibt es viele Möglichkeiten christliche Nächstenliebe zu leben & das will ich auch gerne tun.

Aber wenn ich das mal ganz offen sagen darf: Mir gelingt das nicht immer, meistens nicht auf anhieb und ich brauche dazu auch Vorbilder.
Bei so einem heissen Eisen bedarf es schon Heiligen Geistes, viel Fingerspitzengefühl, göttlicher Leitung und Fachwissens um die richtigen Worte zu finden.
Auch wenn viele anderer Meinung sind: Mir hätte das Vorbild von christlichen evangelikalen Leitern gut getan, das mir & der (nichtchristlichen) Öffentlichkeit gezeigt hätte, wie man so ein Thema gut angehen kann. Ich meine nur: Wenn man den lieblosen Stil der anderen beklagt, dann wäre es besser den liebevollen Stil vorzuleben. wie du ja selbst sagst:

Bei aller Auseinandersetzung würde ich doch von Christen ein anderes Verhalten erwarten, was ja eine sachliche Auseinandersetzung nicht ausschließen muss. Aber diese habe ich nicht gefunden, genauso wenig wie eine theologische Reflexion. Aber dafür sind Foren wahrscheinlich auch nicht da, aber Populismus hilft auch nicht weiter.

Ich frage mich einfach wo Christen den guten Stil herbekommen sollen. Das Christival pflegt ja weder eine sachliche Auseinandersetzung, noch eine Kultur der theologischen Reflexion, noch eine Kultur des Diskurses in Bezug auf "Homosexualität".

OK, aber wir müssen hier keine ellen lange Diskussion starten (scheint dafür sowieso kein Bedürfnis zu geben). ich hab einfach meine Meinung sagen wollen :-)

Suse hat gesagt…

@daniel: och, ich finde, wir können durchaus weitermachen ...
Aber es ist ja nicht so, als wenn es noch nie eine Veranstaltung zu diesem Thema in christlichen Kreisen gegeben hätte (oder in Zukunft geben wird). Falls Du also wirklich interessiert bist, die OJC macht da eine sehr solide, gute (und ich denke auch von Liebe geprägte) Arbeit (seit etlichen Jahren) zu diesem Themenkreis mit einigen Veranstaltungen. Ich glaub schon, dass man von ihnen sehr viel lernen kann, auch wenn sie einigen wie Beck nicht in den kram passen.

daniel hat gesagt…

Hi Suse. Ich kenne die Arbeit der OJC & ich habe zu diesen Fragen auch schon andere Sachen gelesen. Ich durfte letztes Jahr sogar in einer Schulklasse zum Thema Sexualität sprechen - und da habe ich am eigenen Leib wieder mal den Druck gespührt, der entsteht, wenn man gefragt wird, wie man zum Thema Homosexualität steht. Vor allem dann, wenn das was man sagt am Ende - egal wie man es verpackt - in den Ohren der Zuhörer intolerant ist.
Da hilft es mir absolut nicht, wenn ich den Kopf für eine biblische Überzeugung hinhalte und das Christival die Birne einzieht. Mir ist schon klar, dass die dort konservativ denken. Aber dann sollen sie es doch auch sagen und nicht vor dem machtpolitischen Druck/Diktat der homosexuellen Lobby einknicken. Absage ist und bleibt für mich die schlechteste Variante.

Tobias Faix hat gesagt…

@daniel: Mir gelingt das auch nicht immer! Und trotzdem finde ich es schon merkwürdig, dass sich Christen beim Thema Homosexualität zu aufregen und bei anderen Sachen überhaupt nicht. Da stimmen die Verhältnismäßigkeiten meiner Meinung nach nicht.
Ich glaube, dass das Christival sehr breit angelegt ist und in der Vorbereitung würde meine Nächstenliebe öfters auf die Probe gestellt! :) Bin sicher, dass das auch während dem Christival geschieht. Wir können dort ja mal ausführlich darüber diskutieren...

Suse hat gesagt…

@daniel: grundsätzlich gebe ich dir total Recht - zurückstecken ist nicht gut, aber man sollte nur in eine Auseinandersetzung ziehen, wenn man vorbereitet ist (und ich vermute, dass man das bei dem Planungsteam nicht war).
@tobi: ich lese seit langem deine u. andere foren. Mir fällt bei dir auf: Du scheinst große Sorge vor dem moralischen Zeigefinger zu haben. Ich stimme dir zu, dass Christen manchmal so ihre "Lieblingssünden" haben (auf die man dann mit Distanz zeigen kann - und da ist wichtig, innerlich wach und selbstkritisch zu bleiben – in sofern ist auch gut, wenn Du es einforderst), aber andererseits muss unter Christen auch möglich sein, Sünde, die in der Bibel als diese genannt wird, zu thematisieren ohne gleich unter dem Generalverdacht der fehlenden Lieblosigkeit oder mangelden Tolerenanz zu stehen. Gott nennt Sünde beim Namen – und das tut mir sehr weh. Aber es ist heilsam. Und um Heil und Heilung geht es doch, oder?

daniel hat gesagt…

@tobias
Ich werde leider nicht beim Christival dabei sein - aber nicht wegen der Entscheidung zu dem Seminar. Eigentlich wäre ich schon gerne ... aber geht halt nicht.

@suse
ich stimme 100 % mit dir überein

Tobias Faix hat gesagt…

@susi: Ich stimme dir so halb zu. :)
Also, auf der einen Seite gebe ich dir Recht und Sünde muss erkannt werden um heil zu werden
Die Frage dabei ist sicherlich der Rahmen und die Art der Sünde. Da geht es auch nicht um Lieblingssünden, sondern um die Bibel. Wenn ich recht informiert bin gibt es verschiedene "Sündenkataloge" (z.B. Galater 5,19-21) die in der Bibel aufgezählt werden und dann werden zwei Sünden besonders herausgehoben aus allen anderen Sünden, das sind zum einen die Sünde wider den HEiligen Geist (Mt 12,31+32) und der so genannten Wurzelsünde (Geldgier, Geiz aus 1. Tim 6,10). Besonders zur letzteren finde ich kaum Hinweise, obwohl es zu keinem anderen Vergehen im NT so viele Warnungen gibt als zum Umgang mit Geld und Reichtum. Die Frage ist also, wie bewertet die Bibel Sünde und geht damit um, und was können wir daraus für uns lernen.
Heil wird man nicht durch moralische Forderungen oder gesellschaftliche Proklamationen, sondern durch die Liebe udn Vergebung Christi. Wir sollen nicht besser Wissen, sondern diese Liebe Christi versuchen zu leben, wir sollen nicht richten, sondern vergeben.

Daniel hat gesagt…

Ich weiss nicht mehr in welchem Buch das stand. Aber da wird eine Begegnung zwischen einem Pastor und einem Homosexuellen geschildert. Als sich der Pastor "outet" (also sagt, dass er Pastor ist) sagt der Homosexuelle zu ihm: "Na dann dürfen sie nicht mehr mit mir reden, denn ich bin schwul. Sie glauben doch, dass ich in die Hölle komme, weil ich schwul bin." Darauf hat der Pastor gesagt: "Nein, du kommst nicht deswegen in die Hölle, weil Du schwul bist, sondern, weil Du ohne Gott lebst."
Und diese Aussage finde ich beim Thema Homosexualität total wichtig: Meiner Meinung nach gibt es keine Sünde, die in irgendeiner Weise gewichtet wird. Gott hasst die Sünde! Aber er liebt den Sünder!
Was mir oft bei den Diskussionen über Homosexualität fehlt, ist der Blick auf den Menschen! Okay, für mich ist das auch strange, warum ein Mann einen Mann liebt und eine Frau eine Frau. Aber verliert er dadurch sein Mensch-Sein! Sein Geliebtsein von Gott? Verliert für ihn Joh 3,16 an Bedeutung?
Ich habe oft den Eindruck, dass Homosexualität die schlimmste Sache ist, die wir tun könnten. Dabei spricht Gott soziale Ungerechtigkeit öfter an, als das Thema Homosexualität.
Manchmal hab ich den Eindruck, dass wir aus Angst vor dem fremden Lebensstil, die unbedingte Liebe gegenüber dem Menschen verlieren und das Gesetz betonen, dass die Sünde betont.
Sünde hasst Gott. Ja das stimmt, weil es unsere Beziehungen untereinander und zu Gott zerstört.
Aber zwingen wir den Menschen mit unserer Ablehnung damit nicht vielleicht sogar noch mehr in die Sünde hinein, weil wir ihnen nicht die Liebe geben, die sie bräuchten um sich zu verändern?

Matthias H. hat gesagt…

Ich glaube, dass es eigentlich selten angebracht ist, das Gesetz zu betonen, gerade von vorne in einer Predigt, weil man immer sehr stark auch seine persönliche Gewichtung der Sünden (wie auch immer die zustande kommt) mit einbringt. Wer hat schonmal eine Predigt über Hochmut in der Gemeinde gehalten oder darüber, dass das Sabbatgebot auch aussagt, dass das Wochenende nur einen Tag dauert?

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die das anders sehen, aber ich glaube, dass man Sünde eben hauptsächlich im persönlichen Gespräch ansprechen und dann auch kritisieren sollte. Das meiste verändert sich ohnehin einfach durch zusätzliche Nähe zu Gott und nicht durch den Versuch, irgendeine Sünde nicht mehr zu tun. Und das klare Bekenntnis der Kirche zu gewissen moralischen Grundsätzen sollten die Außenstehenden im Leben von uns sehen und nicht (oder nur teilweise) in tollen Reden darüber, was man zu tun und zu lassen hat.