Donnerstag, Mai 22, 2008

"Wenn China & Südafrika in mein Wohnzimmer kricht"


In den letzten Tagen ist mir das Fernsehen plötzlich sehr nah gekommen. Schon die Nachrichten von der Naturkatastrophen in China sowie die blutigen Unruhen in Südafrika gingen mir nach. In den letzten Tagen wurden diese Tragödien durch persönliche Kontakte plötzlich noch lebendiger. Ein ehemaliger Mitstudent von mir baut im Südwestchina Gemeinden auf und ist jetzt mit seiner Familie wie weitere 5,2 Millionen Chinesen obdachlos. Wenn ich seine Bilder sehe und seine eMails lese, dann schockt mich das Ausmaß der Katastrophe ungemein und ich bin beschämt über den Glauben und die Zuversicht, die er und viele andere Christen dort ausstrahlen, mitten in der Katastrophe. Ähnlich und doch ganz anders geht es in Südafrika zu. Da ein guter Freund von mir mit seiner Familie in den Townships von Johannesburg arbeitet (in einem Aidsprojekt) bekommen die Nachrichten über die Aufstände plötzlich eine ganz andere Bedeutung. 3 Millionen Flüchtlinge, meist aus Simbabwe und Mozambique, bevölkern die Townships und es kommt immer wieder zu Gewaltexzessen. Mittlerweile musste selbst das Militär eingreifen und ich hoffe, dass sich die Lage bald beruhigt.
Durch solche „Erlebnisse“ wird mir auch klar, wie oft ich solche Nachrichten verdränge um leben zu können. Ich möchte aber auch lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen in dem Rahmen, der für mich möglich ist, angefangen von täglichen Gebet, der politischen Auseinandersetzung und dem praktischen Geben.

Kommentare:

Bernhard hat gesagt…

'De profundis clamavi ad te Domine, Domine exaudi vocem meam...!'

Tobias Faix hat gesagt…

oh du alter Lateiner, habe erbarmen!!!

Br, Manfred hat gesagt…

vlt:

Aus den Tiefen habe ich gerufen - zu Dir Herr,
Herr, erhören meine Stimme.


Mehr is vielleicht auch nich zu sagen.

Anonym hat gesagt…

schade das wir erst dann richtig aufgerüttelt werden, wenn es uns persönlich betrifft.
geht mir genauso.
die menschen brauchen unsere hilfe aber erst, wenn wir in den krisengebieten leute wissen die wir kennen und die wir gern haben werden wir richtig aufgerüttelt und bekommen das ganze ausmas noch mehr zu spüren.
eigentlich sollten wir doch schon eher aufgerüttelt werden und helfen und nicht erst, wenn wir erfahren das bekannte von uns auch betroffen sind.
das soll keine kritik an dich sein. mir geht es da genauso wie dir und das gibt mir immer wieder zu denken auf.

Tobias Faix hat gesagt…

Ja, ich glaube, dass viel Christen das Thema Armut & Gerechtigkeit im globalen Kontext erst entdecken müssen und der persönliche Weg ist ein harter dahin...
Auf der anderen Seite kann ich auch nicht bei allem Unglücken dieser Welt "betroffen" sein, sonst werde ich verrückt...