Donnerstag, Juli 24, 2008

„Die Zukunft des Christentums“ von Philip Jenkins


Der Religionswissenschaftler Philip Jenkins, Professor der Pennsylvania State University, hat mit „Die Zukunft des Christentums – Eine Analyse zur weltweiten Entwicklung im 21. Jahrhundert“ im englischsprachigen Raum einen Bestseller abgeliefert. Ausgezeichnet mit dem „Gold Medallion Book Award“ für das beste Buch des Jahres, zieht Jenkins darin die großen Linien des Christentums nach und wagt einen interessanten Ausblick zur Entwicklung der großen Weltreligionen bis ins Jahr 2050. Zuerst versucht Jenkins mit einigen landläufigen Vorurteilen aufzuräumen: Das Christentum ist nicht am Aussterben und der Islam wird bis 2050 nicht die Weltherrschaft erlangen. Und Jenkins macht dies an aktuellen Zahlen sehr überzeugend deutlich und erklärt das zustande kommen der angewandten Statistiken sehr lebendig mit Ausflügen in die Kirchengeschichte, so dass man als Leserin und Leser einen guten Überblick über die weltweite Entwicklung des Christentums bekommt. Auffallend ist dabei, dass Jenkins von Anfang an die globale Entwicklung des Christentums auf den drei Kontinenten (Europa, Afrika & Asien) beschreibt und sich nicht nur auf Europa konzentriert. Diese Entwicklungslinie (erweitert um Süd- und Nordamerika und Australien) zieht Jenkins dann konsequent durch das ganze Buch, was sehr spannend ist, da sich die Entwicklungslinien immer wieder verschieben. Dabei liegt ein Hauptaugenmerk auf der Entwicklung der „Süd- und Nordkirche“ und der gegenseitige Beeinflussung. Auch hier fällt Jenkins nicht in ein schwarz-weiß Bild herein, das die schwächende Nordkirche in der säkularisierten aufgeklärten Welt einerseits und die Erweckungen und die Aufbrüche in der Südkirche andererseits sieht. Differenziert versucht er die unterschiedlichen Entwicklungen zu beschreiben und gegenseitige Abhängigkeiten aufzudecken. Ein besonderes Augenmerk legt Jenkins dabei immer wieder auf die Entwicklung der Pfingstkirche und der Anglikanischen Kirche. In seinen Zukunftsprognosen stützt sich Jenkins weitgehend auf die Zahlen der World Christian Encyclopedia. So beschreibt er, dass sich das Bild der Christenheit bis ins Jahr 2050 weltweit dramatisch verändert wird. Die „Südkirche“ wird allein von ihrer Population 4/5 der weltweiten Christenheit ausmachen. Das alles ist sehr spannend und interessant zu lesen, ob es dann so eintrifft, wird man sehen. Jenkins Stärke sind die großen Linien, denen man gut folgen kann. Immer wenn er anfängt seine Ergebnisse zu werten verlässt er seine sonst neutrale Linie, was eher störend wirkt. Ansonsten ist es ein interessantes und lesenswertes Buch, was mit vielen populistischen Endzeitszenarien aufräumt und dem Christentum eine wichtige und entscheidende Rolle in den nächsten Jahrzehnten einräumt. Lesenswert.

Kommentare:

The_Editrix hat gesagt…

Jenkins ist kein Religionswissenschaftler, nicht einmal im Nebenfach. Er lehrt "Humanities" und ist von Hause aus Historiker und Kriminologe. Das ist nicht schlimm, man sollte sein Sich-Befassen mit religiösen Themen aber als das ansehen, was es ist, das Hobby eines gebildeten Laien, und ihn nicht noch als WISSENSCHAFTLICHE Kapazität auf diesem Gebiet vorstellen. Insbesondere seine demographischen Zukunftsprognosen sind, höflich formuliert, hinterfragenswürdig.

Tobias Faix hat gesagt…

Alle Zukunftsprognosen sind fragwürdig, weil sie immer nur vermutet werden. Es stimmt, dass Jenkins "von Hause aus" Historiker und Kriminologe ist, er hat aber eine Lehrstuhl für "Religious Studies" an der Pennsylvania State University und ist darüber hinaus Distinguished Senior Fellow am Institute for Studies of Religion an der Baylor University. Das qualifiziert ihn zumindest m.M. über das Thema zu schreiben. Oder liege ich mit meinen Infos etwa falsch?