Samstag, Januar 10, 2009

"Die ganze Komplexität des Nahostkonfliktes: Ein Gespräch unter Müttern"

Im Zeitmagazin "Leben" ist diese Woche ein Gespräch von zwei Müttern abgedruckt, sowie die Geschichte dazu. Es ist ein besonderes Gespräch, die palästinensische Mutter einer 17jährigen Selbstmordattentäterin tritt auf die israelische Mutter, deren Tochter bei dem Anschlag getötet wurde. Es ist kein schönes Interview, eher beklemmend, niederschmetternd und traurig. Er spiegelt für mich die ganze Spannung, Dramatik und Hoffnungslosigkeit des Krieges wieder:

Eine junge Palästinenserin tötet bei ihrem Selbstmordattentat eine junge Israelitin. Jahre später verabreden sich die Mütter zum Gespräch:
Avigail: »Um Ayat, wusstest du, wo Ayat an jenem Tag hinging? Was sie vorhatte?«
Um Ayat: »Nein, ich wusste es nicht. Keine Mutter würde ihrer Tochter erlauben, so etwas zu tun. Sie ging zur Schule. Wir haben es aus dem Fernsehen erfahren, wie du.«
Avigail: »Du willst mir erzählen, dass sie ganz allein entschied, nach Jerusalem zu fahren und sich selbst zu töten?«
Um Ayat: »Sie war eine reife Frau, fast 18. Sie hat ihren eigenen Weg gewählt.«
Avigail: »Ich werde dir etwas sehr Hartes erzählen: Deine Tochter und meine Tochter sind für nichts ermordet worden.«
Um Ayat: »Für dich war es nichts – aber für unsere Sache bedeutet es etwas. Du hast nicht das durchgemacht, was sie durchgemacht hat. Wir leben in einem Flüchtlingslager. Unser Fenster öffnet sich in das Fenster unseres Nachbarn – eine Straße ist einen Meter breit.«

Kommentare:

Anika hat gesagt…

Sie "tritt auf die israelische Mutter"?
Das ist aber nicht schön... :))

Tobias Faix hat gesagt…

Danke, sehr aufmerksam, muss natürlich "trifft" heißen... :)

David, ekkaleo hat gesagt…

Erstmal danke für den Hinweis zum ZEIT-Artikel! Ich finde diese Auseinandersetzungen seit Jahrzehnten auch Mist!!! Leider ist Israel aufgrund der Existenzfrage mehr oder weniger zum Handeln "verdammt", was keinesfalls heißen soll, dass sie alles richtig machen (was mehr als genug eben nicht passiert).

So, und nun sage ich, auch wenn es manche nicht hören mögen oder vielleicht als "Klischee" empfinden: nur in Jesus Christus halte ich eine Versöhnung und eine echte Lösung für möglich. Wenn ich mir die Passagen der beiden Frauen durchlese, bricht es einem das Herz. Gibt es nicht nur im Menschensohn Jesus Christus diese Chance zusammenkommen zu können bzw. auch selber Heilung zu finden und um z.B. diese Träume loszuwerden? Ich persönlich glaube, dass es nur so gehen kann. (Stichwort Jahreslosung 09). Was wäre, wenn wir z.B. für diese beiden Frauen beten, dass sie in ihrem Leben noch dies erkennen, verstehen und erleben, wie sie vielleicht doch als Frauen bzw. Familien Versöhnung leben können, gestiftet durch ihr jeweiliges Vertrauen auf Jesus?

P.S. Die Christen sitzen im Nahen Osten sowieso zwischen allen Stühlen. Gerade auf palistensischer Seite gibt es viele, leider berichtet darüber niemand.

Tobias Faix hat gesagt…

Lieber David, da gebe ich dir Recht. Selten hat die Jahreslosung so treffend gepasst wie in diesem Fall!

Ralf hat gesagt…

Den Artikel kriege ich demnächst zum Lesen... Sehr guter Roman (vorsicht!) zu dem Thema: "Die Attentäterin" von Yasmina Khadra. Gruss, Ralf