Dienstag, Oktober 20, 2009

"Kinderarmut und die Folgen"

Heute entscheidet das Bundesverfassungsgericht über den Regelsatz von Hartz 4 für Kinder und das Ergebnis kann eigentlich nur sein, dass der Satz erhöht wird und zwar um mindestens 25%. Ich muss zugeben, dass mir die ganze Debatte zuwider ist und ich nicht verstehen kann wie wir in Deutschland unser größtes Kapital so behandeln können. 1,67 Millionen Kinder unter 15 Jahren sind aktuell betroffen und müssen von
215 Euro für Kinder bis fünf Jahren und auf 251 Euro für Kinder von sechs bis 13 Jahren leben.
Das heißt beispielweise auf einen Monat gerechnet: 61 Cent bleiben täglich fürs Frühstück, 91 Cent für Schulbücher, Eintrittsgelder und Spielzeug, 300 Euro pro Jahr für Jacken, Pullover, T-Shirts, Hosen, Socken, Unterwäsche, Sandalen, Winterstiefel und Halbschuhe. Hier sind Frisör, Fahrrad, Geschenke etc. nicht mit eingerechnet. Was mich am meisten daran aufregt ist die Tatsache, dass diejenigen die darüber entscheiden und/oder öffentlich urteilen zur Oberschicht gehören und sehr gut für sich und die eigenen Kinder sorgen und zwar um ein vielfaches mehr! Wenn diese Leute selbst nach den Regelsätzen leben würden, dann...
Die Folgen werden wir in den nächsten Jahren zu spüren bekommen, da Ernährung, Sozialverhalten und Bildung für eine ganze „Hartz 4 Generation“ Auswirkungen haben wird. So beschreibt der Armutsbericht der Bundesregierung, dass "Bildungschancen in Deutschland stark an die soziale Herkunft der Menschen gekoppelt sind". Danach sind die Chancen eines Kindes mit hohem sozialen Status, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, rund 2,7 mal so hoch wie die eines Facharbeiterkindes. Die Chance, ein Studium aufzunehmen, ist sogar um das 7,4-fache höher als die eines Kindes aus einem Elternhaus mit niedrigem sozialen Status. Das Ergebnis ist offensichtlich: Die Verhärtung der Milieus und die daraus entstehenden Folgekosten sind um ein vielfaches höher.

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Kommentare:

Sandra hat gesagt…

Oh, ja, ich kann Dir nur beipflichten! Das ist so traurig und denjenigen, die es dennoch schaffen, all das zu überwinden, versperren dann noch unnötigerweise Studiengebühren den Weg, die nachgewiesenermaßen überhaupt garnix bringen, weil sie in Relation zu den Negativzahlen des Bundeshaushalts eine verschwindend geringe Einnahmequelle darstellen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist von Hartz IV zu leben ohne sich kulturell und gesellschaftlich zu isolieren.
Schlimm, wenn einem Kind so von Anfang das Recht auf Chancengleichheit verwehrt bleibt!
Ganz, ganz schlimm ist das!

k. hat gesagt…

hallo toby, hallo sandra,
wieviel gebt ihr denn für eure kinder aus? die ganze debatte um's geld bei hartz 4 geht doch am sozialdilemma vorbei. und wenn wir so weiter machen, reden wir am ende die hartz 4-empfänger noch mehr zu boden. ich finde, die kinderbeträge sind knapp, aber auf keinen fall menschenverachtend bemessen. man kann davon leben, nicht üppig, aber man wird satt, hat es warm und kann gute bildung bekommen. wenn letzteres scheitert, dann jedenfalls nicht wegen des geldes. k.

Tobias Faix hat gesagt…

@k: Vielleicht bin ich kein guter Haushalter, aber ich gebe definitiv wesentlich mehr für meine Kinder aus. Wenn ich nur Musikschule, Sportverein und Schulbetreuung rechne ist schon über die Hälfte des Geldes weg, da ist noch nichts gegessen und von Kleidern ganz zu schweigen. Die Probleme liegen definitiv tiefer und sind alleine mit Geld nicht zu lösen, aber wenn wir es nicht schaffen die Milieus zu vermischen wird die soziale Determinierung weiter steigen. Da wir eine lokale Grundschulpflicht in Deutschland haben sind gerade VEreine und Musikschulen (und Gemeinden!) eine große Chance. Und noch was: Der Zusammenhang zwischen einseitiger ERnährung und Bildungsschwäche sind eklatant.

Daniel hat gesagt…

Ich bin auch für eine sinnvollere Berechnung der Kindersätze.
Das in meinen Augen noch wichtigere Problem hast Du mit der Durchmischung der Milieus angerissen. Die ist aber nicht nur (nicht einmal in erster Linie) durch Geld zu erreichen. Staatliche Transferleistungen können da sogar kontraproduktiv wirken, wenn ich an Phänomene wie "erlernte Hilflosigkeit" denke. Nach mehr Geld zu rufen, ist ein naheliegender Reflex und mag im betreffenden Fall auch gerechtfertigt sein. Geld ist aber auch nicht die Lösung für alle Probleme (weiß nicht, ob ich das jetzt gut oder schlecht finden soll ;-)).
Was stattdessen die Lösung ist, weiß ich leider auch nicht. Aber wenn ich es wüsste, hätte ich ja vielleicht auch einen tollen, einflussreichen Job und wäre nicht selbst auf staatliche Unterstützung angewiesen. ;-)

Jo D. hat gesagt…

Die Frage ist doch ob das Geld am Ende auch bei den Kindern ankommt?

Was nützt es wenn die Regelsätze erhöht werden, die Eltern mehr in der Tasche haben, am Ende aber nichts bei den Kindern ankommt da die Eltern es anderweitig verbraucht haben.

Ich fände es wichtig den Kindern in der Schule Essen umsonst anzubieten (ohne Bürokratie), Bücher und Arbeitsmaterialien für alle, Kindergärte umsonst ... .

Es müsste es eine Umverteilung der Investitionen von der Sozialhilfe zur Bildung geben.

Die Eltern haben genug Geld zum Überleben. Jetzt gilt es Wege zu finden die Kinder zu unterstützen ohne den Umweg Eltern.

Natürlich dürfen die Eltern nicht außenvor gelassen werden, aber ich glaube das ein Großteil der Sozialhilfeempfänger nur schwer mit Geld umgehen kann. Oft fehlt die Weitsicht um das Richtige für das Kind zu machen. Vielmehr zählt der Kampf ums tägliche Überleben.

Tobias Faix hat gesagt…

Was mich an der Diskussion stört, ist die suggestive Annahme, dass alle Harz4 Empfänger nicht mit Geld umgehen können. Wenn sie das könnten, dann wäre es kein Problem. Natürlich weiß ich auch, dass es tatsächlich Menschen gibt, bei denen das so ist und die ihr Geld unnütz ausgeben. Aber ist das die Mehrheit? Ich glaube nein, immer mehr Menschen fallen aus der einst so sicheren Mittelschicht heraus und da klingt es für mich sehr zynisch, wenn man fragt, ob das Geld tatsächlich bei den kindern ankommt. Ich glaube, wir sollten bei unseren Überlegungen nicht von den "schwarzen Schafen" ausgehen, sondern von den wirklich Hilfsbedürftigen und das werden immer mehr...

Anonym hat gesagt…

Mein Bruder ist Altenpfleger - Einkommen ca. 1900 netto - 2 Kinder mit 6 und 11 Jahren.

Ich denke, er macht was falsch!

Sandra hat gesagt…

Ich denke, wir sollten an dieser Stelle nicht über Hartz IV im Allgemeinen diskutieren. Hier ging's doch erstmal um die Kinder, für die Hartz IV nunmal existenziell ist, weil ihre Eltern, aus welchen Gründen auch immer, nicht erwerbstätig sind und selbst auf Hartz IV angewiesen sind.
Ich finde es ganz wichtig, dabei erstmal die Eltern und deren Lebenssituation aussen vor zu lassen, denn nur so ist es doch möglich, den Bedürfnissen der Kinder - egal aus welcher sozialen Schicht sie kommen, egal mit welchem familiären Hintergrund sie aufwachsen - einigermaßen gerecht zu werden.
Hartz IV ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Stigma und ein Kind sollte nicht von vornherein mit Vorurteilen konfrontiert sein müssen, die ihm aufgrund seiner Lebenssituation entgegengebracht werden.

JO D hat gesagt…

@ Tobi
Ich glaube nicht das es hier nur um die schwarzen Schafe geht. Wenn ich mir zum Beispiel das Rauchverhalten in der Gesellschaft anschaue merkt man z.B. schon wo das Geld hingeht (immerhin Rauchen fast 50% der Männer in der Unterschicht).

Anonym hat gesagt…

achja, noch der Link
http://www.who-nichtrauchertag.de/pdf/FactDKFZ04.pdf

Tobias Faix hat gesagt…

@jo D: Aber die Studie zeigt ja auch das ganze Dilemma der letzten Jahrzehnte auf. Mit der "Schrumpfung" der Mittelschicht und der Verfestigung niedriger Einkommensschichten nehmen die Probleme der Leute zu. Es geht nicht um eine Entschuldigung oder Rechtfertigung, sondern um die Frage was in den einzelnen Milieus an Identitätsmerkmalen und Lebensstilen vorhanden ist und wie diese evtl. aufgebrochen werden können. Und zur Ausgangsfrage: Wie können Kinder so gestärkt aufwachsen, dass sie zum Beispiel nicht automatisch Rauchen. Um sozial determinierte Kreisläufe zu durchbrechen brauchen wir sicherlich mehr als einen erhöhten Kindersatz für Hartz4, aber das ist ein Anfang...

Andrea hat gesagt…

Hallo Toby, ich finde jetztpflegst Du die Klischees. Mein Bruder , der Altenpfleger und Geringverdiener lebt auch mit sehr wenig Geld zusammen mit seiner Familie. auch ihre Familien durchbringen müssen. Mein Bruder würde sich sehr ärgern, wenn man seiner Familie wegen seinem niedrigen Einkommen Identitätsmerkmale, Lebensstile oder gar mangelnde Chancen für seine Kinder zuordnen könnte.

Für ihn ist die öffentliche Diskussion in der Hartz IV = wenig Geld = automatische Zugehörigkeit zur Unterschicht - ein Schlag ins Gesicht.

Daniel hat gesagt…

@Andrea: Das ist ja gerade der Punkt. Jemand wie Dein Bruder (ich hoffe, ich kann das Beispiel übernehmen, ohne die Diskussion unnötig zu emotionalisieren) hat vermutlich insgesamt nicht sehr viel mehr Geld zur Verfügung als ein HartzIV-Bezieher mit vergleichbarer Familie. Trotzdem gibt es in der Lebenswelt, bzw. dem Erfahrungsraum einen deutlichen Unterschied.

Vielleicht sollten wir erstmal definieren, worüber wir hier sprechen. "Armut" lässt sich ja nicht nur materiell festmachen und erst Recht nicht nur am Einkommen.

Für mich scheint der Begriff der "Teilhabe" zentral zu sein. Ich vermute, dass Tobys Einwürfe zu den Milieus in eine ähnliche Richtung weisen. Es geht zB um Teilhabe am sozialen Leben, das sich bei Deinem Bruder vermutlich anders gestaltet als bei einem HartzIV-Empfänger. Ähnlich könnte das bei der Teilhabe an Bildungschancen, Berufschancen etc. aussehen.

Und schnell sind wir beim Gerechtigkeitsbegriff. Aber dieses Fass ist so groß, dass ich ein bisschen Angst davor habe, es hier zu öffnen. ;-)

Tobias Faix hat gesagt…

Danke Daniel. Das Problem ist, dass wir kaum aus "Kategorien" herauskommen ohne wieder in neue hineinzukommen. Ich wollte eben genau gegen das Klischee angehen, dass alle mit Niedrigeinkommen nicht mit GEld umgehen können oder es nicht bei den eigenen Kinder ankommt. Es reicht einfach oft nicht und grenzt dadurch aus, auch wenn dies sicher nicht der einzige GRund ist.
Und Daniel, ich würde das "Fass Gerechtigkeit" gerne aufmachen, auch wenn es keine einfache Lösung gibt...

Matthias H. hat gesagt…

das gerechtigkeitsfass lässt sich in so einer diskussion ohnehin nicht vermeiden...

das problem ist, dass wohl jeder gerne kindern viel mehr geben würde, die frage ist halt immer, wo das geld herkommen soll. und wenn immer mehr leute aus der mittelschicht herausfallen, dann heißt das gleichzeitig, daß auch immer weniger leute viel steuern zahlen. wenn es 8 millionen erwerbslose und dazu noch kinder und rentner gibt, dann bleiben nicht mehr so viele leute übrig. wie gerecht ist es, dass sie alles tragen sollen? ich meine, ich zahle steuern und finde auch einiges sinnvoll, was damit gemacht wird. aber es gibt ja auch grenzen der belastbarkeit, wenn nur noch ein kleiner teil der bevölkerung wirklich steuern zahlt. ohne jetzt darauf einzugehen, wo vielleicht steuergelder sinnvoller genutzt werden könnten...

Daniel hat gesagt…

Ich habe ja nichts gegen eine solche Diskussion, frage mich aber, ob das hier der richtige Rahmen ist, um ein so komplexes Thema angemessen zu bearbeiten.

"Angemessen" kann ja nur heißen, dass wir uns zunächst dem Begriff einigermaßen systematisch nähern um überhaupt eine Grundlage zu finden, auf der wir diskutieren können (und ich fürchte, dass da die Probleme schon anfangen). Leider fehlt mir gerade die Zeit für eine ausführliche Erörertung.

Aber vielleicht will ja jemand meinen Faden aufnehmen, wenn ich zu Beginn Aristoteles in den Ring werfe: Gerechtigkeit ist kein Wert, sondern die gleiche Distanz zu allen Werten.

Tobias Faix hat gesagt…

@matthias: die Rechnung könnte man aber auch umgekehrt machen: Je mehr Leute aus der Arbeitslosigkeit kommen, je mehr Steuergelder werden gespart. Bildung ist sicher eine Grundvoraussetzung dafür...

Tobias Faix hat gesagt…

@daniel: Ich würde sogar noch früher anfangen als Aristoteles anfangen, im Alten Testament beschreibt zedaqah (hebräisches Wort für Gerechtigkeit) in erster Linie die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk, dann die Beziehungen innerhalb des Volkes und schließlich die Beziehung zu Tieren und zur Umwelt. Das steht im deutlichen Gegensatz zu unserem heutigen Verständnis, in dem wir Gerechtigkeit oft nur als eine ausgleichende Gerechtigkeit (justitia) verstehen, also auf der Sachebene: Wir suchen nach einer übergeordneten Norm zur Ausrichtung, die bei Missbrauch für Gerechtigkeit sorgt. Im Alten Testament geht es aber nicht nur um eine ausgleichende, sondern darüber hinaus um eine wiederherstellende Gerechtigkeit. Dabei wird der Begriff ganz praktisch auf die Menschen um einen herum angewandt also die, die einem am Nächsten sind: sie brauchen unsere Hilfe, bei ihnen sollen wir anfangen, Gerechtigkeit zu leben...

Anonym hat gesagt…

[Teil1]Interresant. Ich denke man kann mit Hartz 4 auskommen, aber man kann keine großen Sprünge machen. Und manches wichitge fällt vielleicht auch unter den Tisch. Desweiteren ist eine Sache die ich schwierig finde den emotionalen Druck den Hartz 4 beziehungweise das Arbeitsamt (oder heute so schön Bundesagentur für Arbeit;)) auf die Leute ausübt (und wie verachtend die Menschen die dort arbeiten sehr oft mit Arbeitslosen menschen umgehen). Mal als Beispiel aus meinem Leben. Ich bin in einer Familie aufgewachsen die Hartz 4 bezieht. Meine Mama kann sehr gut mit Geld umgehen und wir haben immer genügend zu essen gehabt. Dafür sind wir als Familie nie gereist. Mal Verwandte besuchen,das war es dann aber auch. Als ich Älter wurde hab ich allein angefangen zu reisen. Desweiteren bekomme ich manchmal doch recht mitleidige Blick bzw. bekam, wenn mich Leute das erste mal besucht haben. Unsere Wohnung ist sauber und ordendlich, aber schon lange nicht mehr renoviert worden. Geschweige denn neue Möbel...ist alles DDR like und nicht besodners chick. Aber wir können leben und es ist ok. Allerdings haben meine Schwester und ich uns ein Zimmer geteilt bis ich ausgezogen bin und das war mit 4 Jahren unterschied oft nicht so einfach. Ich will mich nicht beklagen, ich find mir ging es gut. Aber manchmal war es eben nicht einfach- vor allem in einer Zeit wie heute wo jeder sein eigenes kleines Reich hat.

Anonym hat gesagt…

[Teil 2]Meine Schwester hat schwierigkeiten mit dem lernen. Sie ist lernbehindert und musste auf eine Förderschule. Eine Zeit lang hat sie eine Sprachtherapie gemacht- bis meine Eltern es einfach nicht mehr zahlen konnten und die Krankenkasse hat es nicht übernommen. Das ist eine Sache die ich finde wichtig gewesen wäre fortzuführen. Und daran mussten wir sparen. Jetzt wird sie bald eine Ausbildung anfangen. Am liebsten im Hasuwirtschaftlichen Bereich- weil sie das kann und mag. Leider hat das Arbeitsamt andere pläne- da sich meine schwester in der Schule ordentlich reingehangen hat und "zu gut" dafür ist. Das was sie ihr jetzt anbieten (irgendwas im Gastronomie bereich) ist aber nichts für sie. Da sind einige Dinge die sie überfordern würden (weil es ja nunmal nicht nur um die Schulnoten geht die gut sein müssen...). Mit welchem Recht frage ich mich darf jeder wählen was er machen will, nur meiner Schwester wird es verwehrt? Es hängt ja immer die Drohung "kein Geld mehr" in der Luft. Letztens hat meine Mama ausversehen einen Fehler in einem Antrag gemacht- es wird sofort gedroht mit Sanktionen. DAS ist es was ich wirklich schwierig finde in dieser Situation: immer die Drohung auf Sanktionen, immer Angst haben ausversehen etwas falsch zu machen. Und sich beweben müssen ohne Ende (was ja grundsätzlich ok ist), aber wenn man nichts findet ist es einfach zum verzweifeln (und dass man nichts findet wird einem ja dann acuh von vielen vorgehalten). Von so vielen hört man dann "die wollen ja gar nicht arbeiten"- obwohl das nicht stimmt.

Anonym hat gesagt…

[Teil 3]Das alle nicht arbeiten wollen ist genauso klischee, wie das alle rauchen, alle nicht verantwortungsbewusst mit Geld umgehen ect. Und in vielen Familien wo die Kinder vernachlässigt werden muss man auch die Verzweiflung der Eltern sehen oder die Resignierung. Das ist keine Entschuldigung. Aber etwas das man im Blick haben muss. Ich denke auch, das viele Faktoren zusammenkommen, wenn Kinder vernachlässigt werden. Aber ich denke verzweiflung-wegen keiner Arbeit, keinem Geld, dem Abrutschen von einem guten einkommen (und sich durch den plötzlichen Wegfall wegen ebendiesem zu verschulden...passiert vielen) ist ein Punkt dessen.
Ich darf Gott danken, in einer Familie aufgewachsen zu sein, die ihn kennt und ihm vertraut. Das macht einiges nochmal anders. Den Blick auf Gott zu richten nimmt viel von der Verzweiflung. Und trotzdem ist der Druck den das Arbeitsamt auf einen Ausübt enorm.
Ich finde es auch fragwürdig das Kindergeld mit einzurechnen und Geld geschenke. Wenn jemand mehr als 50EUR pro Jahr bekommt wird es angerechnet. So ist die wahrscheinlichkeit sich mal was gönnen zu können noch geringer (wovon auch?). Ist ein sehr schwieriges Thema. Ich denke wir haben ein gutes Leben und eine schöne Kindheit gehabt-trotz wenig Geld. Aber wir haben auch vieles was andere Haben und was für sie selbstverständlich ist bis heute nicht. Als Kind fand ich das schlimmer. Ich würde mich selbst als gesegnet bezeichnen,u.a. weil Gott dafür gesorgt hat dass ich eine Mama hab, die sehr gut mit Geld umgehen kann.

Anonym hat gesagt…

[Teil 4]Aber es gibt viele die Gott nicht kennen und es gibt viele die aus einem hohen einkommen sich stark reduzieren müssen-was schwerer ist als wenn man nie viel hatte...Und was studieren angeht- ich glaube es schreckt viele ab mit dem Studium fertig zu sein und einen Berg Schulden zu haben- oder sie sehen die Eltern und denken dass es eh nichts bringt und sie am Ende eh keinen Job haben werden. Hm. Wie auch immer. Es ist eins schwieriges Thema. Und ich denke auch, dass es knapp bemessen ist. Es ist gut darüber zu disskutieren. Aber ich kann auch nur Ermutigen mal persönlich Hartz 4 empfänger kennenzulernen. Ihnen zuzuhören und vielleicht auch einfach praktische Hilfe zu leisen (und ich meine in dem Fall nicht finanziell). Ermutigen. Sie mal auf eine Unternehmung mitnehmen und ihnen das Spendieren....what ever. Das kann so viel Licht in einen tristen Alltag bringen. und ich bin dankbar, dass wir, als ich Kind war, ein Ehepaar hatten, die uns so sehr geholfen und unterstützt haben-und ich meine das jetzt auch wieder nicht finanziell. Geld ist wichtig- aber Freundlichkeit kann so viel ausmachen. Anstatt ihnen zu unterstellen dass sie Faul sind, einfach mal zuhören wo die Probleme liegen und schaun ob und wie man helfen kann- und manchmal ist es schon toll das Nachbarkind das in einer Hartz 4 Familie lebt zum spielen einzuladen...what ever. Seid kreativ. Ihr könnt einen Impact haben auf das Leben wenigstens einer Familie-wie Jesus:)

Tobias Faix hat gesagt…

@anonym: Vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht, sehr bewegend. . Ich denke, dass deine Perspektive sehr wichtig ist und ich eine Menge lernen kann. Danke.

Tobias Faix hat gesagt…

Wir sind ja nicht die einzigen, die über das Thema diskutieren, heute in der Süddeutschen:
http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/
politik/135/492491/text/

Manchmal kann ich einfach nicht glauben....

Tobias Faix hat gesagt…

Die Diskussion geht weiter, heute in der "Welt", man beachte auch die 67 Kommentare!

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5020672/Der-perfide-Generalverdacht-gegenueber-Eltern.html