Dienstag, Juni 01, 2010

"und ich bin raus!"

Rücktritte scheinen in Mode zu kommen. Jetzt also auch der Bundespräsident. Sicher, er und alle anderen hatten ihre subjektiv plausiblen Gründe und doch denke ich, auch ganz subjektiv: So geht das nicht. Wer wie Koch, erst vor gut einem Jahr gewählt wurde und somit noch für Jahre in der Pflicht steht (wie Köhler übrigens auch) kann nicht einfach sagen: Sorry Jungs, aber ich hab einen besseren Job in Aussicht. Oder die Kritik ist mir zu scharf oder zu viel. Auch eine Alkoholfahrt ist meiner Meinung noch kein Grund alles hinzuschmeißen. Vielleicht gibt es noch andere Reaktionen als schwarz und weiß, und als Bürger dieses Landes fühle ich mich bei den ganzen Rücktritten nicht ernst genommen. Bei der nächsten Wahl geht das Gejammere wieder los, dass die Beteiligung auf einem neuen historischen Tief ist. Ja, wundert sich irgendjemand darüber, wenn ich nicht mehr weiß, ob die Leute die ich wähle vielleicht in einem Jahr noch Lust haben oder vielleicht doch was besseres vor haben?

Kommentare:

Stefan Herzog hat gesagt…

Ach, Tobi - seit der Milliarden-Bankenboni-Finanzierung, den Griechenland-Bonzen-Garantien und der Arbeiterschröpfung all over Europe für das Alles ist mir's um ein paar populistische Rücktritte gar nicht mehr so arg. Die Wahlbeteiligung soll nur weiter so sinken (also ich geh schon wählen - immer - aber so überzeugt bin ich schon lang nicht mehr), denn in einem Land wo es auffällt, wenn ein Bundespräsident mal aus Versehen die Wahrheit spricht (WELCHER Krieg ist KEIN Wirtschaftskrieg?!??) ist jede weitere Augenwischerei doch nichts besonderes mehr ...

Jesus hat schon Recht, wenn er uns auffordert, dem Kaiser zu geben, was des Kaiser ist, aber ihn nicht mit Gott zu verwechseln. Also erwarte ich von der Politik nicht solche Dinge wie "Authentizität, Glaubwürdigkeit, Sinn, Aufrichtigkeit, Praxisbezogenheit, ..., ..." Das ist und bleibt ne Show, das reale Leben spielt sich zwischen mir und meinem Nächsten ab und das ist - weiß Gott - nicht einfach (man denke da mal an Vermieter und so ... ; - ))

LG


Stefan

Stefan Herzog hat gesagt…

Ach, Tobi - seit der Milliarden-Bankenboni-Finanzierung, den Griechenland-Bonzen-Garantien und der Arbeiterschröpfung all over Europe für das Alles ist mir's um ein paar populistische Rücktritte gar nicht mehr so arg. Die Wahlbeteiligung soll nur weiter so sinken (also ich geh schon wählen - immer - aber so überzeugt bin ich schon lang nicht mehr), denn in einem Land wo es auffällt, wenn ein Bundespräsident mal aus Versehen die Wahrheit spricht (WELCHER Krieg ist KEIN Wirtschaftskrieg?!??) ist jede weitere Augenwischerei doch nichts besonderes mehr ...

Jesus hat schon Recht, wenn er uns auffordert, dem Kaiser zu geben, was des Kaiser ist, aber ihn nicht mit Gott zu verwechseln. Also erwarte ich von der Politik nicht solche Dinge wie "Authentizität, Glaubwürdigkeit, Sinn, Aufrichtigkeit, Praxisbezogenheit, ..., ..." Das ist und bleibt ne Show, das reale Leben spielt sich zwischen mir und meinem Nächsten ab und das ist - weiß Gott - nicht einfach (man denke da mal an Vermieter und so ... ; - ))

LG


Stefan

Tobias Faix hat gesagt…

Viellicht klinge ich ja wie ein frustrierter Idealist! ;)
Ich erwarte keine "Wunder" von unseren Amtsträgern, aber sie wissen ja was auf sie zu kommt, zumindest bei der zweiten Amtszeit!!

Anonym hat gesagt…

"...Vielleicht gibt es noch andere Reaktionen als schwarz und weiß..."
Wohl wahr.
Bezeichnend finde ich, dass inzwischen das Wort "Rücktritt" bereits ein Synonym hat: "...die Konsequenzen ziehen/tragen..."
Ich persönlich habe ja noch als Kind gelernt, dass im Falle eines Versagens die "Konsequenz" (also 'das darauf Folgende') bedeutet:
- Schuldeingeständnis
- Bitte um Entschuldigung und
- Wiedergutmachungsversuch mit allen Mitteln und aller Kraft.
Aber das ist großflächig aus der Mode gekommen.

Was hilft es mir als Passagier, wenn der Kapitän nach einem Navigationsfehler über die Reling springt?

Gruß,

Simon.

Bento hat gesagt…

...tja, warum wohl heißen die Dinger, in die wir unsere Stimmen abgeben, Urne? ;-) ...

..im Übrigen teile ich die Aussagen im Artikel und der Kommentatoren - was ist das nur für ein Kasperletheater, in dem ein Präsident abdankt, weil er die Wahrheit sagt?!

Gruß + Segen

Charlotte hat gesagt…

Ich kann Dir da nur bedingungslos beipflichten, Toby. Auch ich denke, dass es kein gutes Signal ist, wenn Leute in verantwortungsvollen Positionen und gerade auch angesichts der schwierigen momentanen Lage, die Brocken "einfach" hinschmeissen. Mag ja sein, dass es hinter den genannten Gründen immer noch eine Metaebene der Wahrheit gibt, aber so lange ich mich nur an das halten kann, was z.B. Köhler und Käßmann mir als Begründung liefern, muss ich ganz klar sagen: keine angemessene oder verantwortungsvolle Konsequenz in Relation zum Vorgefallenen.
Herzlichen Gruß!
Charlotte

christof hat gesagt…

ich geb dir Recht, abgesehen von der guten Margot.
Mit ihrer Verfehlung konnte sie nicht weiter als u.a. moralische Instanz wirken. Konsequent hat sie aus ihrem Fehler Schlüsse gezogen und zu 100% authentisch ihren Rücktritt bekannt gegeben.
Damit hat sie bspw. unseren geliebten Bänkern ganz klar gezeigt was sie ihnen vorraus hat...

Tobias Faix hat gesagt…

@christof: Warum nicht Käßmann? Hätte es eine aufrichte Entschuldigung nicht getan? Wird die Entschuldigung erst wirksam, durch die Konsequenz des Rücktritts? Für welches zukünfte Amt/Aufgabe ist wann wieder geeignet?
I

Manu hat gesagt…

Tobi, ich finde Du hast völlig Recht.Es wird in unserem Land zu einem Trend wegzulaufen und auszusteigen wenn es schwierig wird. Nicht nur in Politik und Wirtschaft, sonder auch in unseren Tobi, ich finde Du hast völlig Recht.Es wird in unserem Land zu einem Trend wegzulaufen und auszusteigen wenn es schwierig wird. Nicht nur in Politik und Wirtschaft, sonder auch in unseren Kirchen und Gemeinden. Wir können nur dort etwas verändern wo wir stehen. Politik ist ein schmutziges Geschäft, doch das sollte uns Christen nicht aus der Veranwortung nehmen.Wir verstecken uns zu oft in den Gemeinden.Gottes Liebe hat die Kraft alle Grenzen zu sprengen.Das hast Du Tobi mir an Pfingsten gesagt und das gilt auch für unser Land. Horst Köhler,ist einer von uns und unser Herr allein weiß was ihn wirklich bewogen hat zu gehen . Wir alle ob nun Horst Köhler, Margot Käsmann Du und ich sind Heilige und Sünde r zugleich.Wir sind noch nicht im Himmel.Wir können in dieser Situa tion nur um Gnade für unser Land beten und darum fehlen,dass Gott wieder einen seiner Leute an Deu tschlandsspitze setzt .Das ein Ath eistischer Gedanke unseren Gesetz en fern bleibt. Und bei nur dort etwas verändern wo wir stehen. Politik ist ein schmutziges Geschäft, doch das sollte uns Christen nicht aus der Veranwortung nehmen.Wir verstecken uns zu oft in den Gemeinden.Gottes Liebe hat die Kraft alle Grenzen zu sprengen.Das hast Du Tobi mir an Pfingsten gesagt und das gilt auch für unser Land. Horst Köhler,ist einer von uns und unser Herr allein weiß was ihn wirklich bewogen hat zu gehen . Wir alle ob nun Horst Köhler, Margot Käsmann Du und ich sind Heilige und Sünde r zugleich.Wir sind noch nicht im Himmel.Wir können in dieser Situa tion nur um Gnade für unser Land beten und darum fehlen,dass Gott wieder einen seiner Leute an Deu tschlandsspitze setzt .Das ein Ath eistischer Gedanke unseren Gesetz en fern bleibt. Wir wissen nicht was kommt,wenn die Bundesversammlung benennt,wer ble ibt und wer nicht ,aber wir wissen wer kommt und wir wissen das der der kommt versprochen hat alle Tag e bei uns zu bleiben bis ans Ende der Welt und dieser Zeit. JE SUS C HRISTUS!!!

martin hat gesagt…

lieber toby nein da bin ich nicht ganz deiner meinung. ein rücktritt ist eine möglichkeit - und darf nicht immer als "brocken hinschmiesen" verstanden werden. koch - er geht ja erst ende jahr. auf ihn trifft das aufgeben und die aufgabe hinschmeisen m.e. zu.
kässmann konnte nur zurücktreten, weil die alkoholfahrt immer dann wieder zum thema würde, wenn sie sich kritisch geäussert hätte. sie wäre absolut unglaubwürdig und würde bei allem was sie sagte lächerlich gemacht werden. erst durch den rücktritt kann sie wieder neu, wenn auch nicht als bischöfin beginnen, und hat eben durch diesen rücktritt wieder die glaubwürdigkeit und echtheit um sich wieder einzumischen.
bei köhler finde ich es wieder ganz anders. vorab ich finde es schade dass köhler zurückgetreten ist, aber er hat ducrch den rücktritt für mich an format gewonnen. schau dir doch die heutigen politischen herausforderungen an. und schau dir dann die akteure an, die diese probleme bearbeiten. es ist doch sowas von lächerlich und populistisch wie regiert wird. die miliarden für die banken und für griechenland, die verlängerung der laufzeiten für atomkraftwerke, steuergeschenke durch die fdp ans eigene klientel, die kriege mit beteiligung der bundeswehr (natürlich geht es da immer um wirtschaftliche interessen), wo sind die mehrheiten dafür??? und wo werden deines erachtens wirkliche probleme nachhaltig gelöst?
jetzt kommen die sparpläne, und wo soll gestrichen werden? es ist klar und für mich zu hohl um es zu wiederholen.
köhler hat meines erachtens das gesehen und die geplanten veränderungen, für die er als präsident die unterschrift geben soll. und das hat er nicht können und so konnte er nur als aufrechter wahrscheinlich auch als idealist (und auch das bleiben zu können), von vielen unverstanden gehen. m.e. eine moderne tragische figur -ein gegenentwurf zu allem was zur zeit so populistisch nach aufmerksamkeit buhlt.
ich grüsse dich herzlich aus dem süden der republik, martin

Tobias Faix hat gesagt…

@manu: Amen! :)

Tobias Faix hat gesagt…

@martin: zu Köhler: Gute Analyse, falscher Schluss! :) Ich denke, gerade weil er, als eienr der Wenigen, die Dinge gesehen hat, hätte er im Amt bleiben müssen und für Deutschland kämpfen. Gerade jetzt brauchen wir einen Präsidenten/in der/die sich nicht in das kleinklein der Parteien einmischt, sondern einen neutraleren Blick für das Ganze hat. Wer soll das jetzt machen? Wulff? Sorry, kann ich mich nicht vorstellen. Köhler hätte kämpfen müssen, ich bleib dabei...

Tobias Faix hat gesagt…

P.S. Zu Käßmann: Wann ist denn wieder glaubwürdig? Nach einem Jahr? Zwei? Wenn sie den Job wechselt? Das klingt mir zu sehr nach mittelalterlichem Ablasshandel...