Montag, September 13, 2010

"Noch mal: Teilen ist Leben"

Auf meinem letzten Eintrag gab es ja eine lebhafte Diskussion an der ich nur bedingt teilnehmen konnte, deshalb wollte ich noch mal etwas ausführlicher auf Andreas antworten. Erstmal finde ich es gut und wichtig die Dinge zu hinterfragen und es ist sicherlich nicht so „schwarz-weiß“ wie wir (und ich) es manchmal gerne hätten. Wir sind bei allen nachdenken und ringen um die „Wahrheit“ doch Abhängige von unserem Weltbild, unserer Prägung, unserer Geistesgeschichte. Weshalb ich das jetzt extra betone? Weil ich glaube, dass es gerade bei der Thematik „Armut und Gerechtigkeit“ eine auffällige und auch existenzielle Rolle spielt. So ist ja nicht verwunderlich, dass Menschen unter Bedrängnis nach Gott schreien und auch die Bibel so verstehen. Dies war in der Bibel selbst schon so. Der Exodus geschah, weil die Israeliten so laut unter ihrer Last klagten und Gott ihr klagen hörte. Im mosaischen Gesetz ist die Armenfürsorge ein wichtiger Bestandteil und die Propheten ermahnten die Israeliten, wenn sie einander unterdrückten. Im Neuen Testament geht das weiter, Jesus ermahnt nicht die Armen, sondern die Reichen und die ersten Gemeinden teilten alles was sie hatten miteinander (zum Beispiel mit den hungernden griechischen Witwen). Die Bibel beschreibt sehr realistisch die Ungerechtigkeiten dieser Erde und sieht in Christus und dem Reich Gottes eine sichtbare Alternative. Dies hat nichts mit einer Ideologie zu tun und auch nicht mit einer Theologie, die besagt, dass Armut rettet oder alle Armen gerettet werden. Jesus kündigt in seiner ersten öffentlichen Rede sein Wirken und sein Reich an und er tut dies bewusst mit „materiellen Dingen“ mitten aus der Gesellschaft, denn da wo die Menschen tatsächlich leiden.
»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, 19 zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.« 20 Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. 21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie diese Worte Jesu zu deuten sind? Wörtlich oder symbolisch? Wenn wir dann das Lukasevangelium lesen stellen wir auf fast jeder Seite fest, dass Jesus sich für die Armen, Kranken und Entrechtenden einsetzt und sich genau dieses Wort erfüllt. Dies bedeutet nicht, dass die geistliche Dimension bei Jesus fehlt und bei uns heute fehlen sollte. Beides gehört untrennbar zusammen, Wort & Tat. Es gibt deshalb kein Evangelium ohne Kultur und ohne soziales Handeln, damals bei Jesus und heute bei uns.