Samstag, Dezember 31, 2011

"Jahreswechsel 2011/2012: Schwachheit & Hoffnung"



Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein tolles, ereignisreiches und gesegnetes Jahr 2012. Die diesjährige Jahreslosung aus 2. Kor 12,9 „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ ist für mich Ermutigung und Ermahnung gleichermaßen. Ermutigung sicherlich in dem Maß, dass die Kraft Gottes auch in der subjektiv empfundenen oder auch objektiver Schwachheiten des Lebens mächtig wirkt, weit über die eigene Vorstellung hinaus. Aber ich glaube, und dies ist die Ermahnung, dass sich viele Gemeinden in Deutschland selbst schwächen, in dem sie die „Schwachen“ nicht in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Dietrich Bonhoeffer hat es mal auf den Punkt gebracht als er gesagt hat: „Jede christliche Gemeinschaft muss wissen, dass nicht nur die Schwachen die Starken brauchen, sondern dass auch die Starken nicht ohne die Schwachen sein können. Die Ausschaltung der Schwachen ist der Tod der Gemeinschaft.“ Ein hartes Wort, welches aber an Wahrheit gewinnt, wenn ich die Jahreslosung nicht nur individuell deute, sondern im Kontext der weltweiten Christenheit, dann muss ich feststellen, dass wir als „westliches Christentum“ zu den Schwachen geworden sind. Zu sehr haben wir uns in den letzten Jahrzehnten auf uns selbst konzentriert, uns in theologischen Richtsungsdebatten verzettelt und (teilweise) unsere missionarische und prophetische Kraft verloren.
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ ist deshalb für mich ein Vers, ein Motto für 2012 was voller Hoffnung steckt. In dieser Hoffnung möchte ich ins neue Jahr gehen, deshalb habe ich den „Header“ des Blogs auch darauf ausgerichtet. Das Bild stammt aus der Reformationskirche in Berlin/Moabit. Dort läuft ein hoffungsvolles Projekt unseres Studienprogramms Gesellschaftstransformation in dieser Kirche. Eine Gemeinschaft von über 20 Leuten erweckt diese alte Kirche zu neuem Leben. Herausforderung & Hoffnung gehen manchmal Hand in Hand. Hier die Projektbeschreibung...

Motiv: Aquarell "Triumphkreuz" von Angelika Litzkendorf

Dienstag, Dezember 27, 2011

"Maria und Josef im Ghetto des Geldes"

Nach dem ich das Weihnachtsfest auch dieses Jahr im Kreise der Familie mit allem was dazu gehört genießen durfte, bleibt die Frage, ob ich in den mittlerweile vielstimmigen Chor der Konsumkritik einstimme oder mich tatsächlich anders verhalte. Auch wenn ich nicht zu den "Supereichen" in Deutschland gehöre, gibt es viel zum Teilen. In der Zeit gibt es diese Woche eine etwas andere Weihnachtsgeschichte, fast aus der Nachbarschaft im "Speckgürtel" des Taunus. Die Schauspielerin Viola Heeß und der Zeitredakteur Henning Sußebach haben sich – als obdachloses Paar verkleidet – kurz vor Weihnachten auf den Weg gemacht. Ihr Geschichte ist entlarvend und erschütternd und gerade deshalb so notwendig. Sie könnte sich wahrscheinlich auch ohne Charity und Whisky-Dinner bei uns in der Nachbarschaft abspielen und ich weiß nicht, ob das Ergebnis besser wäre...

Hier die ganze Geschichte zum Nachlesen.

Ach, es lohnt sich in die Kommentare rein zu schauen, wir scheinen die Diskussion zum Thema "arm und reich" tatsächlich zu brauchen...

Samstag, Dezember 24, 2011

„Weihnachten 2011“




Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest und grüße euch mit dem Vers aus Lukas 2,14 (den Aimée ausgesucht hat):

Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel, denn sein Friede ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt!

Was für eine Zusage, was für ein Evangelium! Ich wünsche mir, dass ich diesen Frieden lebe und erlebe und weiter trage, damit die Herrlichkeit zwischen Himmel und Erde weiter zunehme! In diesem Sinne: Friedvolle Weihnachten!


Bild c by SueSchi

Dienstag, Dezember 20, 2011

"Neumer & Ort: Heilung. Eine Kurzgeschichte"



Die Theaterpädagogin Annette Leu hat die Kurzgeschichte "Neumer & Ort: Heilung" neu eingelesen und interpretiert. Technik: Tobias Roth.

Vielen Dank, bin wirklich beeindruckt.

Die Kurzgeschichte ist aus dem Buch Buch "Würde Jesus bei Ikea einkaufen" (Neufeld Verlag)

Sonntag, Dezember 18, 2011

„5. Marburger Studientag Gesellschaftstransformation“




Unter dem Thema "Die Welt verstehen - das Evangelium leben" findet am 18. Februar 2012 in Marburg der „5. Marburger Studientag Gesellschaftstransformation“ statt. In den letzten Monaten wurden in vielen christlichen Gemeinden und Werken Aussagen wie diese diskutiert:

„Die gute Nachricht vom Reich Gottes ist nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für ein ganzes Dorf oder einen ganzen Stadtteil von entscheidender Bedeutung.“
„Es reicht nicht, das Evangelium nur zu verkündigen, es muss in Wort und Tat gelebt werden.“

In Aussagen wie diesen drückt sich die Bewusstseinsbildung hin zu einem ganzheitlichen Missionsverständnis aus, die in den letzten Jahren in vielen Gemeinden stattgefunden hat. Vielen Gemeinden fällt es jedoch sehr schwer, diese grundsätzlichen Einsichten vor Ort umzusetzen. Unter dem Motto „Die Welt verstehen – das Evangelium leben“ und mit der Methodik der Kontextanalyse versuchen wir mit diesem Studientag, konkrete Anschauungsbeispiele, Handwerkszeuge und Anwendungsmaterialien zur Verfügung zu stellen. So wollen wir Gemeinden dabei helfen, ihren lokalen Kontext zu verstehen und in diesem das Evangelium zu leben.

Wie schon in den letzten Jahren (N.T. Wright, Alan Roxburgh etc.) ist es uns auch dieses Mal gelungen zwei Topreferenten einzuladen.
Rev. Dr. Vinay Samuel (Oxford Centre of Mission) wurde in Indien geboren und lebt und lehrt heute vor allem in Indien und England. Er gehört zu den führenden Transformationsexperten weltweit, er ist Executive Director of The Oxford Centre for Religion and Public Life und Autor zahlreicher Bücher (aktuell: „Faith and Modernity“) und Artikel zu den Themen Mission, Transformation und Gemeinde.
Prof. Dr. Johannes Reimer ist Professor für Missionswissenschaft an der Universität von Südafrika und lehrt am Theologischen Seminar Ewersbach und innerhalb des Studienprogramms Gesellschaftstransformation. Neben seiner Lehrtätigkeit berät Johannes Reimer Gemeinden in Veränderungsprozessen hin zu gesellschaftstransfromatorischen Gemeinden und wendet dort die Kontextanalyse regelmäßig erfolgreich an.

Dazu gibt es:
11 Praxisseminare mit praktischen Umsetzungs- und Vertiefungsübungen
15 transformatorischen Praxisprojekten aus ganz Deutschland
Ausstellung von gesellschaftstransformatorischen Werken und Initiativen
2 Buchpremieren: „Die Welt verstehen“ und „Die verändernde Kraft des Evangeliums

Dazu gibt es viele Begegnungen und Inspirationen...

Noch mehr Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier!

Wer Flyer und/oder Plakate braucht kann sich gerne bei mir melden.

Montag, Dezember 12, 2011

"Himmel & Hölle, jetzt noch mal Rob Bell persönlich"

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Es gab letzte Woche doch eine größere Diskussion zum Thema "Himmel & Hölle" als ich dachte. Aber es waren viele gute und weiterbringende Gedanken dabei. Vielen Dank an alle! Ich finde es gut, auch wenn es kontrovers ist, so lange man den Respekt vor dem Anderen nicht verliert. Das Thema wird mich weiter beschäftigen und ich werde dazu sicher noch mal was bloggen. Zuerst soll aber noch Mal Rob Bell zu Wort kommen, ein freund hat mir dieses Interview geschickt und es ist deshalb interessant, weil es fast eine Stunde geht und auch dort wild diskutiert wird. Neben allen Argumenten, ist es interessant zu sehen, wie man einander nicht verstehen kann...

Samstag, Dezember 10, 2011

„Biller aus Berlin & Žižek in der Zeit“

Ein untrügliches Zeichen für eine volle Woche ist, wenn die neue „Zeit“ im Briefkasten ist und die alte noch nicht gelesen wurde. So diese Woche, aber es lohnt sich nachzuholen, da in der Zeit vergangener Woche ein paar sehr spannende Artikel zu lesen sind.
Zum einen freut es mich, dass einer meiner Lieblingsschriftsteller, Maxim Biller, eine eigene Kolumne (Über den Linden) bekommen hat. Hier die Erste! Zum anderen gab es ein sehr lesenswertes und witziges „Portrait“ von Slavoj Žižek. Dazu noch ein etwas älteres Interview mit ihm. Wenn wir schon bei Kapitalismuskritik sind, dann noch der Hinweis auf die sehr lesenswerte Reihe zum Thema. Passend wird das Ganze abgeschlossen mit einer wunderbaren Kolumne von Martenstein zum Thema „Kritik an den Kapitalismuskritikern“.

Ach, noch ein schönes Zitat von Žižek: »Natürlich, ich bin alles andere als ein Postmodernist.« Er glaube an die objektive und an die subjektive Wahrheit. Lächelnder Philosoph: »Um es noch schlimmer zu machen: Ich glaube an die universelle Wahrheit. Beispiel: Man soll nicht sagen: ›Der Kapitalist hat seine Wahrheit, der Kommunist hat seine Wahrheit, lass uns den Kompromiss suchen.‹ Nein! Die Wahrheit liegt niemals in der Mitte, sondern immer klar auf einer Seite.«

Dienstag, Dezember 06, 2011

"Himmel & Hölle"

Gestern war ich eingeladen zum Thema „Himmel & Hölle“ zu sprechen. Ein weites und wichtiges Thema, was an diesem Tag vor allem vor Hintergrund der „Bell Diskussion“ und seinem Buch „Love wins“ verstanden werden sollte. So gab es, wie erwartet, eine anregende Diskussion, die aber bei weitem nicht die Schärfe unserer amerikanischen Geschwister hatte, wie das folgende Zitat zeigt:
„Wir haben die nicht nur die Pflicht, Rob Bells Irrtümer herauszustellen, zu widerlegen und außer Gefecht zu setzen, sondern auch die Leute unter seinem Einfluss zu drängen, so schnell und so weit wie möglich von ihm wegzurennen, damit sie sich nicht in der ewigen Hölle wiederfinden, die er leugnet. Es ist nicht damit getan, untätig herumzusitzen, während jemand, der die Gefahr der Hölle leugnet, in Mengen Söhne der Hölle hervorbringt."
John MacArthur in einem offenen Brief, April 2011

Für die Meinung von Rob Bell spricht ganz gut das folgende Zitat:
„Eine Geschichte zu erzählen, in der Milliarden Menschen für immer irgendwo im Universum in einem schwarzen Loch endloser Qual und Pein ausweglos gefangen sind, ist keine besonders gute Geschichte. Eine Geschichte zu erzählen über einen Gott, der mitleidlos und unnachgiebig Strafen über Menschen verhängt, weil sie in dem kurzen Zeitfenster, das Leben genannt wird, nicht die richtigen Dinge getan oder gesagt oder geglaubt haben, ist keine besonders gute Geschichte. Umgekehrt: Dass alle Gottes gute Welt gemeinsam genießen, ohne Erniedrigung, ohne Scham, dass Gerechtigkeit siegt und alles Unrecht richtig gestellt wird, ist andererseits eine bessere Geschichte. Sie ist größer, liebevoller, umfassender … als jede andere Geschichte über den letztgültigen Verlauf, den die Welt nehmen wird. Man kann sicher Einwände gegen diese Geschichte haben. Aber man muss zugeben, dass sie passend und angemessen ist und dass es christlich ist, sich zu wünschen, dass sie wahr ist, und zu erwägen, ob sie möglich sein könnte.“

Was mir bei der Vorbereitung wieder neu bewusst wurde, ist, dass es in der Kirchengeschichte von Anfang an über dieses Thema Uneinigkeit gab und dass sich dies wie ein roter Faden durchzog. Deshalb sollte uns die heutige Diskussion nicht überraschen, egal ob klassische Höllenlehre, Fegefeuer, Allversöhnung, Annihilationismus oder diversen Mischformen. Und vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm. Nachdenken sollte man darüber trotzdem und in guter Art und Weise streiten auch. Dazu ein passend ein Zitat von Jürgen Moltmann:

„Die Logik der Hölle scheint mir nicht nur inhuman, sondern extrem atheistisch zu sein: hier der Mensch in seiner freien Entscheidung für Hölle oder Himmel – dort Gott als der Ausführende, der diesen Willen vollstreckt. Gott wird zum Diener des Menschen degradiert. Wenn ich mich für die Hölle entscheide, muss Gott mich dort hinstecken, obwohl es nicht sein Wille ist. Drückt sich so die Liebe Gottes aus? Und wo bleibt die Allmacht Gottes? Menschen würden selbst ihrem Schicksal überlassen, sie brauchen Gott eigentlich nicht, denn nur der Mensch bestimmt, was passiert.“
Theologie der Hoffnung

Wie schrieb Richard Rohr so passend:
"Wenn Gott Richter ist, dann sind Sie und ich es nicht.
Wenn Gott Richter ist, dann ist es die menschliche Kultur nicht.
Wenn Gott Richter ist, dann sind es die Kirchen nicht.“

Mittwoch, November 30, 2011

"Emergent Forum 2011: Ein kurzer Rückblick"






Am Wochenende waren Christine & ich auf dem Emergent Forum in Berlin. Das Thema war "WeltKulturErbe" und es war eine tolle und spannende Zeit, was zum einen an den vielen kreativen Leuten und zum Anderen an dem spannenden Thema lag. Der Freitagabend begann mit einem leckeren Essen, Livemusik, Infos fürs Wochenende und Zeit für Begegnung. Am Samstag gab es drei Impulsreferate zu den Themenbereiche "Welt", "Kultur" und "Erbe", die sehr herausfordernd waren und meine Sichtweise gegenüber unserem kulturellen Erbe geschärft haben. Interessant war auch, dass die drei Referate nicht nur unterschiedliche Themenbereiche bearbeiteten, sondern auch theologisch unterschiedliche Akzente setzen. Am Nachmittag gab es Workshops, die Initiativen stellten sich vor, es gab eine virtuelle Stadtführung und abends gab es Pecha Kucha und eine „Pixelreise“ mit „mredit & udosson“. Am Sonntagmorgen wurde mit der gastgebenden Gemeinde gemeinsam Gottesdienst gefeiert und mit einem sehr schönen Abendmahl abgeschlossen (Danke Walter!). Haso beendete das Forum, in dem er das Wochenende gekonnt zusammenfasste und uns auch eine Ermahnung mit auf den Weg gab: „Die kulturelle Frage kann elitär machen, die soziale Frage macht solidarisch!“ Gute Worte, die gelebt werden wollen und eine Verknüpfung von Schönheit und Gerechtigkeit fordern. Insgesamt ein gelungenes Forum, das Lust auf mehr macht....

Zwei Anmerkungen noch, zum einen wurde der Kaffee von Coffeecirle geliefert und aufgebrüht einem tollen und unterstützenswerten Projekt und zum Anderen wird es einige Beiträge des Forums in den nächsten Tagen auf der Homepage geben.

Dienstag, November 22, 2011

"Die Leugnung der Auferstehung"

Vor einiger Zeit habe ich das neue Buch von Peter Rollins angefangen zu lesen. Es ist durchaus anregend und wird in der internationalen blogwelt schon heftig diskutiert, wie beispielsweise hier. Aber auch in Deutschland schreibt Peter und Daniel darüber. Bei letzterem habe ich ein interessantes Zitat von Rollins gelesen, was gar nicht im Buch vorkommt, mich aber seit ein paar Tagen nicht beschäftigt:

Man fragte mich einmal ob ich die Auferstehung leugne. Ich antwortete: Selbstverständlich. Jeder der mich kennt weiß, dass ich die Auferstehung leugne. Jedes Mal wenn ich meinem Nächsten nicht helfe, jedes Mal wenn ich an Menschen vorüber gehe die arm sind, verleugne ich die Auferstehung. Jedes Mal wenn ich an einem ungerechten System teilnehme, verleugne ich die Auferstehung.
Und ich bestätige die Auferstehung. Ab und zu bestätige ich die Auferstehung, wenn ich mich für diejenigen einsetze die am Boden sind. Ich bestätige die Auferstehung wenn ich für die Menschen spreche deren Zungen gelähmt sind, wenn ich für die Menschen weine die keine Tränen mehr haben. Das ist es, was wir zu tun versuchen.

Donnerstag, November 17, 2011

"Wie Steueroasen mit der Finanzkrise, Armut in der Welt und unserem Lebensstil zusammenhängen"



Im Rahmen unserer Studienwoche Gesellschaftstransformation hatten wir heute Markus Meinzer als Gastdozenten vom tax justice network zu Gast. Das Tax Justice Network setzt sich für Transparenz auf den internationalen Finanzmärkten ein und lehnt Geheimhaltungspraktiken ab. Zuerst referierte Markus Meinzer über den Sinn von Steuern und der daraus entstehenden Gerechtigkeit. Dabei zeigte er auf, dass vor allem die Steuereinnahmen aus Kapitel in den letzten Jahren drastisch gesunken sind. Die eigentlich gute Idee von Steuern wird in Deutschland zunehmend ausgehöhlt in dem die Durchlässigkeit des Kapitals in Steueroasen gefördert wird. Das Problem der Steueroasen (ein besseres Wort ist Schattenfinanzzentren) ist nicht, dass dort niedrige Steuern sind, sondern, dass die dortigen Finanzgebärden keinerlei Transparenz bieten.
Der alle zwei Jahre von TJN erstellte Schattenfinanzindex führt erstaunlicherweise im Jahr 2011 Deutschland auf Platz 9 (auf dem ersten Platz steht wie erwartet die Schweiz).
Nach TJN-Schätzung werden 11,5 Billionen US$ an Privatvermögen in Offshore-Zentren geparkt, dies bedeutet 255 Mrd. US$ Steuerverluste (Vgl: Hilfszahlungen der gesamten OECD-Staaten an Entwicklungshilfe beträgt 100 Mrd. pro Jahr). Gerade die illegalen Kapitalströme sind ein großes Problem, wie bspw. aus Entwicklungsländern. Für jeden US$ an öffentlicher Hilfe, der nach Afrika hineinfließt, verlassen Afrika unter dem Tisch 10 US$ illegal (ca. 5% Bestechung; 35% kriminelle Gelder – Drogen, Waffen, Kinder; 60% Preismanipulationen im Außenhandel). Gerade die Preismanipulationen im konzerninternen Handel stellen ein riesiges Problem dar. (OECD 2002: ca. 60%; Gesamtvolumen Welthandel 2010: 16 Billionen USD, WTO 2010).
Daneben ging es um die aktuelle Wirtschaftskrise und es gab eine theologische Einordnung zum Thema Besitz und Geld und die Gefahr der Gier und Verführung durch den Überfluss in reichen Gesellschaften.
Sehr herausfordernd.

Den Vortrag und die PP dazu gibt es in den nächsten Tagen auf der HP vom Studienprogramm Gesellschaftstransformation

Sonntag, November 13, 2011

„Religionsfreiheit & Verfolgung“

Heute ist der „Weltweite Gebetstag für verfolgte Christen“ und glaubt man den Statistiken, so ist dies auch bitter nötig, da es noch niemals so viele verfolgte und bedrängte Christinnen und Christen auf der Welt gab, wie heute. Deshalb ist war es gut heute im Gottesdienst davon zu hören, informiert zu werden und sich Zeit für das Gebt zu nehmen. Aber es neben dem Gebet gilt es auch das „Gute zu tun“ und dies ist manchmal gar nicht so einfach, zum einen, weil die Informationen nicht eindeutig sind, wie zum Beispiel im „arabischen Frühling“, der auf der einen Seite ein Wunder ist, Freiheit und Demokratie bringen könnte, aber vielleicht sind ausgerechnet die Christen die Verlierer, wie die Zeit letztens berichtete. Zur Zeit besucht „Blogger Andrew“ Ägypten und berichtet von der dortigen Situation, sehr lesenswert. Zum anderen liegt das Problem auch auf der persönlichen Ebene, denn es ist schon fast zynisch, wenn ich gegen die Christenverfolgung bete, aber von den „Ergebnissen“ in Form von günstigen Waren profitiere. Politisch aktiv sein, ist eine andere Möglichkeit die heute mit einfachen Mittel anzuwenden ist, zum Beispiel, dass man eine ">Petition unterschreibt, was hier möglich ist. Aktuelle Informationen zum Thema Religionsfreiheit und Christenverfolgung gibt es regelmäßig vom International Institute for Religious Freedom. Allerdings sollte uns dieser Tag auch daran erinnern, dass Religionsfreiheit nicht nur für Christen, sondern für alle Religionen gelten muss, in Deutschland und in jedem anderen Land.

Donnerstag, November 10, 2011

"Gesellschaftsrelevanter Gemeindeaufbau in ländlichen Gebieten"

Durch die weltweite Urbanisierung hat sich in den letzten Jahres vieles auf die Veränderung von "Stadtgemeinden" konzentriert, was auch sehr gut ist. Leider sind die traditionellen Dorfgemeinden etwas vergessen worden. Deshalb veranstalten wir zu dem Thema "Gesellschaftsrelevanter Gemeindeaufbau in Kleinstädten und ländlichen Gebieten" am Samstag, 26. November 2011 in Herrenberg einen tollen regionalen Studientag. Mit dabei sein werden: Prof. Johannes Reimer, Reinhold Krebs, Dr. Volker Brecht, Dekan Ralf Albrecht, Klaus Schönberg und Studenten des Studienprogramms GT. Neben den beiden Hauptvorträgen ("Die Gesellschaft – Was geschieht, wenn die Gesellschaft sich verändert und die Gemeinde bleibt wie sie ist?" und "Das Gebiet – Wie baut man Gemeinde in einem Kontext, wo jeder jeden kennt und sich positioniert hat?") gibt es sehr interessante Seminare:

1. Transformation – Wie geschieht Veränderung in einer traditionell verwurzelten Gemeinde?
Prof. Dr. Johannes Reimer, Bergneustadt und Klaus
Schönberg, Waldeck

2. Die Zukunft gestalten – wie gesellschaftsrelevante Ideen konkret im Kontext der Gemeinde umgesetzt werden können
Dr. Volker Brecht, Böblingen

3. Herausforderung Arbeitsplatz, was tun damit dort Reich Gottes erlebt und der Alltag verändert wird?
Michael Dreher, Herrenberg & Team

4. Zukunftsfähige Gemeinde – wie in Kleinstädten der missionarische und diakonische Auftrag Hand in Hand umgesetzt werden kann.
Ralf Albrecht, Nagold

5. Wie können Eltern, Lehrer und Schüler Verantwortung für die Schule übernehmen?
Heinz Veigel, Egenhausen & Horst Koch, Altensteig & Team

6. Mission shaped communities – geistliche Großgruppen mit missionaler Perspektive
Reinhold Krebs, Herrenberg

Hier kann man sich anmelden und hier gibt es noch mehr Infos!

Mittwoch, November 02, 2011

"Stille & Gelassenheit"




Ich arbeite in einem Werk, welches das große Vorrecht bietet zwei Mal im Jahr einen Stillen Tag zu haben. Alle Mitarbeitenden, Studierenden und Dozierenden nutzen den Tag für Stille, Einkehr und Begegnung. Zu Beginn des Tages haben wir uns in der Marburger „Kugelkirche“ getroffen und mein Kollege Martin Rauh hat uns auf diesen Tag eingestimmt. Dabei hat er uns den „Dekalog der Gelassenheit“ vorgelesen, der Papst Johannes XXIII. zugeschrieben wird. Dieser begleitet mich heute und ich teile ihn gerne, da er viele gute Gedanken enthält:

1. Leben: Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben - ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
2. Sorgfalt: Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern... nur mich selbst.
3. Glück: Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin ... nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.
4. Realismus: Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.
5. Lesen: Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.
6. Handeln: Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen - und ich werde es niemandem erzählen.
7. Überwinden: Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.
8. Planen: Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.
9. Mut: Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, und mich an allem freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.
10. Vertrauen: Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten – , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt. -
Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und mit Geduld.

Samstag, Oktober 29, 2011

"GBFE Forschungstage in Marburg"


In dieser Woche haben in Marburg die Forschungstage der Gesellschaft für Bildung und Forschung in Europa stattgefunden. Neben den deutschsprachigen Dozierenden und Studierenden auch fünf Professoren von der Universität Südafrika (UNISA), die Vorlesungen zu verschiedenen Themenbereichen (NT, AT, Systematische Theologie und Missionswissenschaft) gehalten haben. Dazu gab es Forschungswerkstätten, in denen Studierende den Forschungsstand ihrer Master- und Doktorarbeiten vorgestellt haben. Der Höhepunkt war dann die Absolvierungsfeier mit einem Festvortrag vom Vizepräsidenten der UNISA, was eine große Freude und Ehre für uns alle war. Es war eine sehr intensive Woche mit vielen tollen Begegnungen und einem großen Lerneffekt für mich.

Freitag, Oktober 21, 2011

"Weltbild & Wahrheit" Part 2

Der letzte Blogeintrag hat doch mehr Diskussionen hervorgebracht als ich es gedacht hätte. Dabei sind es ja erst die Vorüberlegungen und die spannenden Fragen kommen ja erst noch. Anyway, mal sehen was noch passiert, ist ja auch ein sehr spannendes und herausforderndes Thema, das man auch ohne die beiden Schlagwörter (Weltbild& Wahrheit) populärer mit der Frage ausdrücken könnte: Ist die Biographie ist stärker als Theologie? Gerade der Blick in die eigene Geschichte, die eigene Biographie ist, in diesem Zusammenhang von Nöten. Prof. Dr. Arbogast Schmitt, Philologe der Philipps Universität Marburg, sagte auf seiner Abschiedsvorlesung diesen Sommer zum Thema „Wissenschaft und Bildung“ den schönen Satz: „Es ist ein großer Irrtum zu glauben, die Geschichte beeinflusst einen nicht, solange man sie nicht kennt.“ Es ist deshalb geradezu unsere Pflicht sich dem eigenen Vorverständnis und der kulturellen Prägung zu stellen, besonders, wenn es um das Thema Religion und dort im speziellen um den Glauben an Gott geht. In christlichen Kreisen gibt es eine große Vielfalt und Unterschiedlichkeit, dies ist auch sehr zu begrüßen – weniger zu begrüßen ist oftmals der Umgang damit. Es gibt Streitigkeiten und gegenseitige Verletzungen, Kirchenaustritte und Ausschlüsse, ja sogar ganze Kirchen können sich darüber spalten. Dabei werden oftmals exegetische oder theologische Diskussionen geführt, die aber manchmal nur „Scheingefechte“ sind, da die Ursachen viel tiefer liegen, nämlich in unterschiedlichen Weltbildern. Deshalb lohnt es sich, die großen und kleinen Geschichten und Biographien der Anderen kennen zu lernen und die tiefere Konstruktion des Gesagten zu verstehen und darauf dann angemessen zu reagieren. Vielleicht ließen sich so sehr viele Streitigkeiten vermeiden, vielleicht sogar die meisten....

Freitag, Oktober 14, 2011

„Weltbild & Wahrheit“ Part 1

Vor einiger Zeit hatte ich eine interessante Diskussion in der es um die (subjektive) Wahrnehmung unserer Wirklichkeit ging und somit auch um unseren Glauben und die alte Frage nach der Wahrheit. Die Diskussion ging in etwa so:

Mann: Also Herr Faix, jetzt mal Butter bei de Fische, gibt es jetzt die eine unverfälschte Wahrheit oder nicht?
Ich: Wenn Sie jetzt meinen, ob ich diese eine unverfälschte Wahrheit für alle Menschen besitze, dann würde ich sagen: Nein.
Mann: Aha, sie glauben also nicht an die Wahrheit. Das ist typisch für diese postmoderne Generation, alles ist relativ.
Ich: Haben sie denn die unverfälschte Wahrheit?
Mann: Ja, es ist das Evangelium von Jesus Christus welches sich auf der ganzen Welt zeigt.
Ich: O.k., und wie zeigt sich das Evangelium?
Mann: Nun, es ist das Kreuz und die Auferstehung Christi.
Ich: Und was bedeutet das?
Mann: Wie was bedeutet das?
Ich: Was heißt das für ihr Leben?
Mann: Das ich mich für diesen Jesus entscheide, ihn als Herrn anerkenne, ihm kompromisslos Nachfolge und anderen davon erzähle, damit sie nicht verloren gehen.
Ich: Das verstehe ich, es ist aber auch eine sehr westliche Interpretation des Evangeliums, in Südamerika oder Afrika würde man dies vielleicht an manchen Stellen ganz anders sehen und wir sind ja noch nicht in Details.
Mann: Ich verstehe sie nicht.
Ich: Was ich sagen will, wir verstehen das Evangelium immer aus unserer Biographie , aus unserem Weltbild heraus. Dies bedeutet, dass es bestimmte Verständnisse gibt, die in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich wahrgenommen werden.
Mann: Aber alle müssen sich an das Evangelium Gottes halten!
Ich: Ja, aber alle nehmen dies nur subjektiv wahr.
Mann: Nein, denn es gibt eine objektive Wahrheit und an die müssen sich alle halten.
Ich: Und die haben ausgerechnet Sie?
...
Das Gespräch drehte sich dann noch etwa eine Stunde im Kreis und wir kamen nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Deshalb nehme ich dies zum Anlass ein paar Gedanken zum Thema „Weltbild & Wahrheit“ zu machen, ein großes Thema, dem ich mich aus meinem subjektiven Blick annähern möchte.

Warum trage ich lieber Jeans als Salwar Kameez? Warum esse ich lieber Hühnchen statt Meerschweinchen? Warum assoziiere ich Jesus eher mit einem langhaarigen, weißen Mann mit langem Gewand als mit einem zornigen Che Guevara, der sich für die Armen und Unterdrückten einsetzt? Oder einfach gesagt: Warum denke, glaube und lebe ich so, wie ich es tue? Dies ist sicherlich eine der zentralen Fragen, wenn es um die subjektive Wirklichkeitsdeutung vom eigenen Leben bis hin zur Deutung des eigenen Weltverständnisses geht. Jeder Mensch wird in eine bestimmte Kultur und Zeit hineingeboren und in ihr erzogen. Der Soziologe Eickelpasch bezeichnet die kulturelle Prägung unseres Alltags als „Grammatik des Denkens, Fühlens und Handelns“, die uns fast unsichtbar einen Katalog von Spielregeln und Verhaltensmustern diktiert, die uns als Menschen helfen in unserem Dasein Orientierung und Sicherheit zu finden. Diese kulturelle Einbindung des Menschen und ihre Folgen für unser Denken, Sein und Verstehen versuchen wir in den Begriff „Weltbild“ zu fassen.
Die Rede über unser Weltbild ist immer auch selbst Ausdruck eines eigenen spezifischen Weltbildes. Dieses ist so tief in unserem modernen Sein verankert und so selbstverständlich für uns, dass wir es uns kaum anders vorstellen können. Der Begriff, oft auch in der Verknüpfung von Weltanschauung (jeder Mensch hat ein Weltbild, aber nicht jeder macht eine Weltanschauung daraus) gebraucht, gehört zu den am meisten diskutierten Themenfeldern in der Wissenschaft. Wenn man in die westliche Weltbildforschung hineinschaut stellt man fest, dass bis zur Aufklärung der Themenkomplex der Religion sehr stark mit dem jeweiligen Weltbild verknüpft war. Erst durch die Religionskritik (Feuerbach, Marx etc.) und die dadurch beginnende Emanzipation der theoretischen Weltbildkonstruktion von der Religion, bildeten sich Zunehmens säkulare Weltbilder heraus.
Einer der wichtigsten Forscher auf diesem Gebiet war der im 19. Jahrhundert lebende Philosoph Wilhelm Dilthey. Er nennt das Weltbild die Grundlage der Lebenswürdigung und des Weltverständnisses. Sein Hauptsatz für die Weltanschauungslehre lautet daher: „Die Weltanschauungen sind nicht Erzeugnisse des Denkens. Sie entstehen nicht aus dem bloßen Willen der Erkenntnis. Aus dem Lebensverhalten, der Lebenserfahrung, der Struktur unserer psychischen Totalität gehen sie hervor.“ Um also die philosophischen Systementwürfe als Ausdruck eines Weltbildes und seiner Grundstimmung zu verstehen, versuchte Dilthey verschiedene Klassifikationen der Hauptformen der Philosophie zu bestimmen. Seit dem gibt es hunderte von Definitionen und Versuche verschiedene Weltbilder zu konstruieren und wieder zu dekonstruieren. Die Liste der Versuche, ließe sich quer durch fast alle Disziplinen, Sprachen und Länder ziehen, was zeigt, dass es ein ebenso wichtiges wie faszinierendes Forschungsfeld ist.

Sonntag, Oktober 09, 2011

"Versuche des nachhaltigen Lebens Teil 6: Kunst & Konsum"





Ende September habe ich über zwei Bilder gepredigt, die mich im letzten Jahr sehr bewegt haben. Beide Bilder stehen in einem engen Zusammenhang. Begonnen habe ich mit dem Berühmten Gemälde von Vincent van Gogh: „Sternennacht“. Eines der bekanntesten Bilder der Gegenwart. Dies war nicht immer so. Wie bei vielen Bildern liegt das Verständnis des Bildes auch in der Biographie des Malers. Van Gogh wurde in einer Pfarrfamilie geboren und genoss eine strenge religiöse Erziehung, die ihn sein ganzes Leben begleitete. Ein anderes Interesse lernte er ebenfalls in seiner Familie, die Liebe zur Kunst. So arbeitete van Gogh nach der Schule in einer Kunsthandlung, doch wurde bald klar, dass dies nichts führ in war. Von Natur aus eher eigenbrötlerisch, war er nicht für den Verkauf geeignet, außerdem las er nur ein einziges Buch, die Bibel. Deshalb arbeitete er als Hilfsprediger und fing an Theologie zu studieren. Nach einem Jahr gab er das Studium wieder auf, weil er den „ganzen Schwindel und das Pharisäertum“ nicht mehr länger aushalten konnte. Er besuchte stattdessen ein Seminar für Laienprediger, wurde dort aber wegen Unbelehrbarkeit hinausgeworfen. Dann arbeitete wieder als Hilfsprediger in Belgien unter Bergleuten. Er lebte in völliger Armut und teilte das Wenige was er hatte mit den Bergarbeitern. Aber seine radikale Art den Glauben zu leben fand wenig Anklang und zu wurde er auch dort entlassen. Diese negativen Erfahrungen mit der Kirche und die ständige Zurückweisung von Christen waren für van Gogh schwer zu ertragen und so zog er sich völlig zurück und begann 1880 sich aufs Malen zu konzentrieren. In den folgenden zehn Jahren malte er 864 Gemälde und über 1000 Zeichnungen bevor er mit 37 Jahren starb. Van Gogh verkaufte selbst kein einziges seiner Bilder und auch sein Bruder und „Manager“ verkaufte nur wenige Bilder, so dass er in Armut und Verzweiflung die letzten Jahre lebte. Diese Skizze seiner Biographie ist natürlich sehr grob, doch hilft sie das Bild „Sternennacht“ etwas zu verstehen. Van Gogh hinterließ nicht nur seine Bilder, sondern auch über tausend Brief an seinen Bruder, in denen er seine Werke erklärte. So stehen die Zypressen im Bild für seine Auseinandersetzung mit dem Tod, die Farbe gelb steht für Gott. Interessant ist, dass aus den Häusern Gott heraus leuchtet, aus der Kirche aber nicht. Alles im Bild ist eine Einheit, Himmel & Erde, Gott, Mensch & Natur, alles mit derselben Technik gemalt und ineinander verbunden.
Der amerikanische Künstler Ron English nahm vor einigen Jahren das Motiv von “Sternennacht” auf und veränderte es stark. Zwar ist das Grundmotiv weiter zu erkennen, aber das Bild wurde verändert, es wurde zu: “Starry Night Urban Sprawl”. Die Einheit wird zerstört, die Häuser verschwinden und werden durch Konsumgüter ersetzt und mit ihnen verschwindet auch das Licht. Das Licht in der Kirche ist nicht mehr das Licht Gottes, sondern ein strahlendes weißes Licht der Konsumgesellschaft: McDonald hat übernommen. Die Konsumgesellschaft ist an der Macht und frisst ihre Kinder. Die Ausbreitung und die Machtübernahme ist nicht mehr zu stoppen – Gott hat verloren, es herrscht eine neue Religion, der Konsum.
Die beiden Bilder haben mich sehr bewegt, da ich denke, dass sie sehr viel über mein Leben, die Christen und unsere Gesellschaft aussagen. Unsere Konsumgesellschaft hat längt die Macht übernommen und sich auch in das religiöse Leben eingeschlichen. Was leuchtet noch aus unseren Kirchen? Was aus unseren Häusern? Nach welchen Maßstäben leben wir? Beurteilen wir unsere Gottesdienste? Unser geistliches Leben? Sind wir nicht zu einer christliche Subkultur verkommen, statt eine Kontrastgesellschaft zu leben? Fragen denen ich mich stellen möchte, da ich nicht wie “Starry Night Urban Sprawl” enden möchte.

Die Bilder & Inspiration stammen aus dem empfehlenswerten Buch von Skye Jethani: "The Divine Commodity: Discovering a Faith Beyond Consumer Christianity"

Freitag, Oktober 07, 2011

"Pispers, Lilly & die Frage nach Gerechtigkeit"




Gestern Abend war ich mit Christine bei Volker Pispers, der in der Marburger Stadthalle gastierte. Der wortgewaltige Gesellschafts- und Kapitalismuskritiker hat wieder ordentlich ausgeteilt, zum Nachdenken angeregt und ist wie erwartet auch ein paar Mal übers Ziel hinausgeschossen. Aber, seit langem nicht mehr so gelacht.
Heute habe ich mir noch mal die eine oder andere Szene auf youtube angeguckt und die Kids haben mitgeschaut. Aimée wollte darauf hin wissen, was der Mann denn gegen die arme FDP hat und mit Lilly ergab sich dieser kleine Dialog:

Lilly: Also, ich würde nur eine Partei wählen die auch für die Armen ist...
Ich: Ja, aber das ist gar nicht so einfach für die Regierung.
Lilly: Warum?
Ich: Ja, wie soll man das machen?
Lilly: Ganz einfach, den Reichen muss man etwas Geld abnehmen und dann den Armen geben und dann haben alle so Mittel. Das wäre doch gerecht....
Ich: aha
Lilly: (lacht) Ist doch nicht so schwer...

Samstag, Oktober 01, 2011

„David Bosch: Ganzheitliche Mission“




Es gibt immer wieder Bücher und Autoren die einen besonders prägen und die einen großen Einfluss auf die eigene Theologie und das eigene Glaubensleben haben. Dazu gehört bei mir zweifelsfrei der südafrikanische Missionstheologe David Bosch. Seine Werken haben mich maßgeblich beeinflusst und ich freue mich, dass seine Missionstheologie jetzt endlich auf deutsch erschienen ist: Ganzheitliche Mission: Theologische Perspektiven. Obwohl das Buch erstmals vor über 30 Jahren erschienen ist, hat es nichts an seiner Aktualität verloren. Bosch versteht es wie kein zweiter das Gute aus evangelikaler und liberaler Theologie zu einer eigenen kreativen Spannung auf. In vier Teilen beschreibt Bosch seine Vorstellungen von Mission:
Teil I: Die gegenwärtige Missiontheologie
Teil II: Die biblische Grundlagen der Mission
Teil III: Die Missionstheologie im Verlauf der Jahrhunderte
Teil IV: Auf dem Weg zu einer Theologie der Mission
Absolut lesenswert und ganz nebenbei beschreibt und beantwortet Bosch viele Fragen die heute unter dem Themen „missional“ und „emerging church“ diskutiert werden.

Mittwoch, September 28, 2011

Donnerstag, September 22, 2011

„INNO 2012: Innovationsforum für Kirche von heute“



Wir leben in einer spannenden Zeit in der es viele Unsicherheiten aber auch viele Aufbrüche gibt. So viele, dass ich manchmal den Überblick über die tollen neuen Projekte, Bewegungen und Kirchen verliere und gar nicht auf alle Veranstaltungen der Treffen gehen kann die gerade überall aufbrechen. Jetzt hat sich willow Deutschland bereit erklärt eine Plattform für alle diese neuen und innovativen Menschen, Projekte etc. bereitzustellen und sie INNO 2012 zu nennen. Eine tolle Sache, weil es zum einen inspirierend wird und zum anderen eine gute Möglichkeit zur Vernetzung bieten. Das Ganze soll sehr partizipativ ablaufen, also nicht der „nächste Kongress“ sein. Alle können ausstellen und inhaltlich beitragen! Ein Vorbereitungsteam aus völlig unterschiedlichen (blu:boks Berlin, Church Convention, City Church Ulm, City Church Würzburg, Die Fabrik CVJM, Dreisam3, Emergent Deutschland, epic-church, FeG-Rebland, GMPC/ Aussendungshaus, Greifbar Greifswald, GVC Winterthur, ICF-Karlsruhe, Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeenhttp://www.blogger.com/img/blank.giftwicklung, Junge Kirche Berlin, Kirche im Prisma, Kraftwerk, nebenan, NetworkXXL & Network Junge Gemeinde, New Generation, Novavox, projekt_X, Soul Devotion, Vineyard D.A.CH. Studienprogramm Gesellschaftstransformation und weitere) Menschen hat schon einiges an Vorbereitung geleitest, aber es wird erst richtig bunt und kreativ, wenn du auch dabei bist. Die ganze Veranstaltung wird von den Menschen leben, die dort kommen, vom Austausch, den Fragen, den Diskussionen, der Vernetzung...

Das ganze findet Dienstag, 24. Januar 2012 (ab 18.00) bis Mittwoch, 25. Januar 2012 in Stuttgart in der Porschearena statt.

Hier das geplante Programm & Anmeldung

Rund um INNO 2012 soll eine kulturelle Künstlermeile stattfinden in der besonders die malende Zunft an Christinnen und Christen die Möglichkeit haben sollen ihre Werke auszustellen. Also, wenn du dabei sein möchtest, dann melde dich doch bitte!

Montag, September 19, 2011

"Geburtstag Lilly"




Heute haben wir Lillys 9. Geburtstag gefeiert. Eine wilde Bande von 17 Kids machte nicht nur unsere Wohnung, sondern das halbe MBS Gelände unsicher. Kuchen & Saft, Schatzsuche, Hüpfburg, Klettern und kreatives Malen machte den Nachmittag kurzweilig und abwechslungsreich. Außerdem wird es bei so viel Kids weder langweilig noch ruhig! Aber Lilly ist heute Abend glücklich und müde ins Bett gefallen und dasselbe gilt wohl bald für mich….

Dienstag, September 06, 2011

"Versuche des nachhaltigen Lebens Teil 5"

DU wolltest George Clooney schon immer mal eine persönliche Botschaft schreiben? Kein Problem. Hier ist die Möglichkeit dazu. Bekanntheit & Reichtum können ja auch was Gutes bewirken. Obwohl das ziemlich herausfordernd ist, denn wie sagte Mahatma Gandhi so schön:http://www.blogger.com/img/blank.gif

Die kapitalistische Wirtschaft hat sieben Sünden hervorgebracht:
Politik ohne Prinzipien,
Wohlstand ohne Arbeit,
Handel ohne Moral,
Vergnügen ohne Gewissen,
Erziehung ohne Charakter,
Wissenschaft ohne Menschlichkeit und
Religion ohne Opfer.

Da ist leider viel wahres dran...

Nachtrag: Hier ist eine Dokumentation über Nespresso.

Donnerstag, September 01, 2011

"Emergent Forum 2011 in Berlin"


Ich freue mich, dass dieses Jahr wieder das Emergent Forum stattfinden. Dieses mal in der Hauptstadt, vom 25. bis 27. November 2011, unter dem dem schönen Thema. "WeltKulturErbe" statt. Es ist immer ein Höhepunkt des Jahres, weil ich das was dort angekündigt wird, wirklich erlebe: Das Emergent Forum ermöglicht kreative und mutmachende Gespräche jenseits von Denkverboten und Fraktionszwängen: über Christsein in einer unvorhersehbaren Welt, Interaktion mit einer vielschichtigen Kultur und eine frische Interpretation unseres Erbes.
Hier eine kurze Programmübersicht:

Das Forum wird am Freitag Abend um 20:00 Uhr mit einem gemeinsamen Abendessen eröffnet. An diesem Abend werden wir uns für das Forum aufwärmen und uns den Fragestellungen des Wochenendes annähern. Den Samstag beginnen wir um 09:30 Uhr. Am Vormittag werden wir Kurzreferate erleben die uns inspirieren werden und auf die wir reagieren können. Danach bekommen die Initiativen Zeit sich vorzustellen, zu treffen, neu belebt zu werden oder sich neu zu formieren. Am Nachmittag wird es eine ganze Reihe von Workshops geben, in denen aus unterschiedlicher Sichtweise das Thema vertieft werden wird. Nach dem gemeinsamen Abendessen findet eine Pecha-Kucha-Session statt. Den Abend werden Udosson://Mredit mit ihrem audiovisuellen Nachtstück abrunden.
Apropos Workshop, wir haben hier ein Formular vorbereitet über das du deihttp://www.blogger.com/img/blank.gifnen Workshop bei uns einreichen kannst. Wir freuen uns auf deine Ideen: Dein Workshop auf dem Forum.
Am Sonntag werden wir ab 10:00 Uhr gemeinsam mit der Gemeinde einen Gottesdienst feiern, in den einige Aspekte des Forums einfließen werden. Im Anschluss daran werden wir noch eine gemeinsame Zeit der Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer haben, und kurz nach Mittag gemeinsam das Forum abschließen.
Begegnen, Reden, Genießen, …

Während des gesamten Forums wird eine Lounge geöffnet sein in der ihr euch nach Herzenslust unterhalten könnt. Dort wird es neben den üblichen Softdrinks und Bier in diesem Jahr auch den exzellenten Kaffee von Coffee Circle geben.

Ausführliche Informationen und Anmeldung gibt es hier!

Dienstag, August 23, 2011

"Bekehrung 2010"


Letztes Jahr haben wir mit dem Institut empirica eine Meinungsumfrage zum Begriff "Bekehrung durchgeführt. 1.846 Personen haben über jesus.de an der Studie teilgenommen. Das Ziel war ein Stimmungsbild der Zielgruppe zum Begriff „Bekehrung“ einzufangen. In den 21 Fragen ging es sowohl um das eigene inhaltliche Verständnis des Begriffs „Bekehrung“ als auch um das eigene Erleben und die gemeindliche Verortung. Das Ergebnis war doch überraschend , Einzelheiten gibt es hier:

Hier ist die Pressemeldung

Hier ein Interview von mir zur Studie und den Ergebnisse

Hier gibt es die Ergebnisse der Studie

Freitag, August 19, 2011

„Vater-Tochter-Dialog 47“

Wir sitzen in Italien am Strand und ich lese Christine ein Zitat von Slavoj Žižek vor: „Es gibt einen Gott, er ist gut und reagiert auf unsere Wünsche, doch weil er nicht besonders gut hört und unsere Gebete häufig missversteht, ist er auch die Ursache des Bösen und unseres Unglücks“. Kaum bin ich fertig, entsteht plötzlich dieser Dialog:

Aimée: (an mich gewendet und entrüstet) Der glaubt aber nicht an Gott?
Vater: Äh, wer?
Lilly: Die Person, die das gesagt hat?
Vater: Žižek?
Lilly: (entschlossen und vorwurfsvoll) Ja, keine Ahnung wie der heißt, aber der Satz klingt als wenn er nicht an Gott glaubt!
Vater: Ja, stimmt, er sagt von sich dass er Atheist ist.
Lilly: (fragend) Was ist er?
Vater: Atheist heißt, dass er nicht an Gott glaubt. Allerdings denke ich, dass er eigentlich Agnostiker ist, also er weiß nicht so recht, ob er an Gott glauben kann. Er schließt es zumindest nicht aus, dass es einen Gott gibt.
Aimée: Also, wir glauben ja an Gott und er weiß nicht so recht, oder?
Vater: ja, so ungefähr....
Aimée: Und du glaubst aber auch an die Fabelwesen?
Vater: (irritiert) Was?
Aimée: Also die Dinger aus dem Wasser?
Vater: Hä???
Mutter: Ich glaube sie meint Einzeller?
Aimée: Genau, aus denen dann alles Leben kommt...
Vater: Ach so, ja kann ich mir zumindest vorstellen...
Lilly: Ich glaub das nicht!
Aimée: Vielleicht hat Gott durch Einzeller die Tiere geschaffen?
Vater: Ja, könnte sein.
Lilly: (etwas herablassend) Aber das muss man auch glauben!
Vater: Genau, wissen tut man das nicht. Das ist gar nicht so einfach mit dem Glauben, da hat der Autor von dem Satz (Žižek) schon recht und er weiß nicht so recht, aber er verteidigt den Glauben an Gott dann doch...
Lilly: (unterbricht mich, stellt sich hin und sagt sehr dominant) Doch, ich entscheide es selber und ich sage: Ich glaube und damit glaube ich, fertig.
Alle lachen

Montag, August 15, 2011

„Wenn die Kinder älter werden...“



verändern sich nicht nur die Spiele und die dazugehörigen Utensilien, sondern auch der Tagesrhythmus, zumindest im Urlaub. So haben wir dieses Jahr die ersten Ferien erlebt in denen die Kids morgens länger geschlafen haben als ihre Eltern (nach zehn Jahren!). Dafür sind wir abends (fast) gleichzeitig ins Bett gegangen. Aimée hat mehr Bücher gelesen als ich und zieht mich auch noch im Canasta ab. Lilly ist im Lago Maggiore geschwommen wie ein Fisch und kennt sich in meinem iphone besser aus als ich! Tja, was soll ich sagen, die Kinder werden älter...

Donnerstag, August 11, 2011

„Lob des Zweifels. Was ein überzeugender Glaube braucht“ von Peter L. Berger & Anton Zijderveld



Der bekannte Religionssoziologe Peter L Berger hat sich für sein neues Buch Verstärkung vom Kultursoziologen und Philosophen Anton Zijderveld geholt. Zusammen entwerfen sie ein Bild des Glaubens, wie er in unserer westlichen Kultur leben und überlegen kann. Dies könne zum einen durch Abgrenzung (von Fundamentalismus und Relativismus) geschehen und zum anderen durch den Zweifel, der genau davor bewahren könne. Das Buch beginnt mit einer kurzen Beschreibung der Moderne als aufklärerischem Zeitalter (Voltaire, Comte etc.), dem Beginn der modernen Soziologie (Marx, Durkheim, Weber) und dem Irrtum der Säkularisierungsthese (sehr sympathisch wie Berger hier eigene Irrtümer zugibt). Auf dieser Grundlage erklären sie den Unterschied zwischen Pluralität und dem Pluralismus als Ideologie. Während die Pluralität Mensch, Gesellschaft und Religion durch die „Qual der Wahl“ oder wie Berger es schon in einem seiner früheren Bücher nannte, dem „Zwang zur Häresie“ zwar enorm herausfordere (manchmal bis zur Grenze), aber auch gleichermaßen bereichere, zwänge der Pluralismus durch seine ideologische Kraft die Menschen in den Relativismus. Damit sind die beiden Autoren auch schon beim ersten ihrer beiden „Feindbilder“, dem Relativismus. Ausgehend von einer Geschichte des Relativierens“ durch die letzten Jahrhunderte beschreiben die beiden die philosophischen und theologischen Vor- und Nachteile des Relativierens und enden bei den französischen Denkern Foucault und Derrida und dem Amerikaner Rorty, die aus dem Relativieren einen Relativismus gemacht haben und somit für das stehen, was heute Postmodernismus genannt wird. Und hier entwerfen Berger/Zijderveld eine düstere Zukunft, die aus dem guten Zweifel (des Relativierens) eine epistemologische Ideologie des Relativismus gemacht haben. Dieser, so die Autoren führe zwangsläufig zum Nihilismus und zur Dekadenz. Deshalb sei der Relativismus als mangelhaft abzulehnen (Seite 81). Das zweite abzulehnende Phänomen, welches gesunden Glauben verhindere, sei der Fundamentalismus. Berger/Zijderveld fangen wieder geschichtlich an und beschreiben die Anfänge des Fundamentalismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amerika und kommen dann zum religiösen und säkularen Fundamentalismus heute. Sie sehen Fundamentalismus als ein explizit modernes Phänomen, welche zum einen in totalitären Staatsformen (wie dem Nationalismus) und kleineren Glaubensgemeinschaften (Sekten oder andere Glaubensgemeinschaften etc.) vorkomme und eines gemeinsam hätten: Es gibt eine übergeordnete allumfassende Wahrheit und es darf keinen Zweifel geben. Der Fundamentalismus toleriere keine Zweifel, dies ist ein zentrales Merkmal, an dem man fundamentalistische Gruppen erkennen kann. Alle Zweifel daran werden im Keim erstickt, indem die „Leiter“ sie durch ihre Apologetik eindämmen (Um beten zu können, muss man nicht glauben, sondern betet einfach.) und die jeweilige Weltsicht im Individuum verortet wird . Damit endet für die Autoren sozusagen die Beweisaufnahme, denn indem sie feststellen, dass Relativismus durch ein Übermaß an Zweifel und Fundamentalismus durch zu wenig Zweifel sowohl für den Glauben als auch für die Gesellschaft von Nachteil sind, ja sogar eine Gefahr für die Demokratie darstellen (Seite 100). In der zweiten Hälfte des Buches zeigen Berger/Zijderveld ihre „mittlere Position“ auf, die mit einem „redlichen Zweifel“ einhergeht.
Sie beginnen ihre Argumentation mit der Grundlage, dass Gewissheit und Zweifel ein unauflösbares Paar seien und Gewissheit sich in grundsätzlichen Wahrheiten der Menschheit zeigten, wie zum Beispiel der Mathematik. Die Wahrheit, dass fünf plus fünf zehn ergibt sei keine erlernte Wahrheit, sondern eine angeborene Wahrheit und gehöre in allen Kulturen zum gesunden Menschenverstand. Ebenso ist es mit der Sterblichkeit oder anderen menschlichen Logiken, die niemand bestreiten würde. Hierzu zähle auch der philosophische und theologische Wahrheitskanon, der einem helfen würde, die eigenen Zweifel einzuordnen und zu prüfen. Darauf aufbauend gäbe es aber eine ganze Menge menschliche Errungenschaften, die sich in unterschiedlichen Kulturen in unterschiedlichen Werte und Normen zeigten und die eine große „Grauzone“ darstellten. Um hier zu einer Gewissheit zu kommen, sei der Zweifel enorm wichtig, um nicht zu einem „fraglos Gläubigen“ zu werden, der wieder in den Fundamentalismus abrutscht. Auch hier sehen Berger/Zijderveld wieder die „mittlere Position“ des Zweifels, der nicht alles (um nicht auf der anderen Seite in den Relativismus abzugleiten) anzweifle, sondern im richtigen Maß zweifle. Dazu geben sie den Lesern sieben Grundlagen an die Hand, die dabei helfen sollen: 1. Die Differenzierung zwischen dem Kern der Position und eher marginalen Komponenten 2. Eine Offenheit für die Anwendung der modernen historischen Wissenschaft und der eigenen Tradition 3. Ablehnung des Relativismus als Ausgleich zur Ablehnung des Fundamentalismus 4. Akzeptanz des Zweifels als Träger einer positiven Rolle in der je eigenen Glaubensgemeinschaft 5. Definition des „Anderen“ die nicht die eigene Weltsicht teilen, auf eine Art und Weise, die sie nicht als Feinde kategorisiert 6. Entwicklung und Instandhaltung von Institutionen der Zivilgesellschaft, die friedliche Debatten und Konfliktlösungen ermöglichen und 7. Akzeptanz von Wahlmöglichkeiten , und zwar nicht nur als empirische, sondern als moralisch wünschenswerte Tatsache. Darauf aufbauend erklären die Autoren auch die Grenzen des Zweifel als einen wichtigen Punkt, da es auch für den Zweifel kognitive und moralische Grenzen gäbe. Das letzte Kapitel versucht das bis hier Gelesene praktisch in einer „Politik der Mäßigung“ anzuwenden.
Berger/Zijderveld haben ein kluges und in sich plausibles Buch geschrieben, welches, durch viele philosophische und theologische Beispiele angereichert, leicht zu lesen ist und in sich stringent und überzeugend ist. Die große Linie von Hegel über Durkheim hin zur Frage der konstruierten Wirklichkeit (und dem berechtigten Zweifel daran) wird plausibel erklärt. Mit ihrer Grundthese der „mittleren Position“ haben sie meiner Meinung auch grundsätzlich Recht. Doch auch hier sind Zweifel angebracht. So schlüssig ihre Argumentation auch ist, so schwierig wird sie, wenn man einige Positionen anzweifelt. Dies kann an mehren Stellen geschehen, eine möchte ich kurz aufgreifen. Was ist, wenn der Relativismus sich nicht nur in einem Postmodernismus zeigt, also in einer extremen Form, die alles anzweifelt und dekonsturiert? Was ist, wenn trotz der stringenten Argumentation von der Aufklärung bis heute durch viele Fragen nicht schlüssig beantwortet werden? Wenn die daraus gefolgerten sieben Schlüsse für die Moderne gut funktionieren, aber keine universalen Antworten geben? Die Reformatoren kommen beispielsweise nach der Beurteilung von Berger/Zijderveld schlecht weg, weil sie nach ihrem Verständnis fundamentalistisch glauben und zu wenig zweifeln. Aber müsste man sie nicht aus ihrem Weltbild und ihrer Situation bewerten und nicht von einem modernen Weltbild her? Inhaltlich fehlt meiner Meinung eine Diskussion über die große soziologische und theologische Debatte um die Nachmoderne. Warum? Ob sie es nicht für nötig halten oder ob es nicht in ihrer Plausibilitätsstruktur passt, sei dahin gestellt. Schade ist es allemal.
Berger/Zijderveld haben ein spannendes, gutes und populär geschriebenes Buch verfasst (leider komplett ohne Quellenangaben), dessen Plädoyer für einen gesunden Zweifel hilfreich ist Wer einen gut lesbaren Überblick zum Thema funktionaler Glauben (nicht substanzieller!) und Zweifel im gesellschaftlichen Kontext sucht, ist hier richtig. Aber auch hierbei sollte auf die Autoren gehört und das Buch mit einem gesunden Zweifel gelesen werden.

Sonntag, August 07, 2011

"MusikTipp: TimTom Guerilla"



Wer noch den perfekten Sommersound sucht, hier kommt mein Sommertipp: TimTom Guerilla. Eine Internetindependentband die eine Mischung aus Punk, Rock, Reggae und eingängige Melodien spielt und sich textlich kritisch mit gesellschaftlich und christlichen Themen auseinandersetzt. Ironisch, witzig, nachdenklich und wunderbar groovig. Sehr cool!

Mehr Infos zur Band gibt es hier und hier.
Die EP ist frei zum Download.

Mittwoch, August 03, 2011

"Mentoring als Chance!"




Nach dem ich vor einigen Wochen von einem Professor angesprochen und gefragt wurde, was denn Mentoring sei, dachte ich, das es gut wäre noch mal auf die tolle Möglichkeit des Mentoring hinzuweisen.
Seit vielen Jahren habe ich einen Mentor und profitiere sehr davon und gebe auch gerne meine Erfahrung an meine drei Mentees weiter. Dabei geht es vor allem um die Themenbereiche geistliches Leben und Persönlichkeitsentwicklung und das reflektieren der eigenen Prozesse, Gedanken und Handlungen. Mentoring gibt dem Ganzen einen verlässlichen und regelmäßigen Rahmen. Empfehlenswert!

Das christliche Mentoringnetzwerk Deutschland (cMn) vermittelt übrigens Mentorinnen udn Mentoren, vielleicht auch in deiner Gegend.

Eine Ausbildung zum Thema Mentoring gibt es auch, sechs Module in denen kompetent udn praxisnah das Thema durchgearbeitet wird.

Wer mehr zu dem Thema Mentoring wissen will, dem sei das Praxisbuch Mentoring empfohlen.

Sonntag, Juli 31, 2011

„Der Versuch des nachhaltigen Lebens Teil 4“

Im Urlaub habe ich Colin Beavan „Barfuss in Manhatten. Mein ökologisch korrektes Abenteuer“ (Kiepenheuer, 2010) gelesen. Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich so ratlos zurückgelassen hat wie dieses. Dabei passt der Inhalt des Buches in meine aktuellen Überlegungen zum Thema Nachhaltigkeit, aber vielleicht ist genau dass das Problem. Colin Beavan, amerikanischer Sachbuchautor beschließt, ein Jahr möglichst ohne Strom, ohne Müll, ohne CO2 Ausstoß zu leben und dazu nur noch Lebensmittel, die im Umkreis von 400 km angebaut werden, zu essen. Seien Frau und seine kleine Tochter begleiten ihn auf diesem Abenteuer. Das Buch beginnt mit Beavans ehrlichen Motivationen, seinen Überlegungen und dem Grund, warum er so radikal vorgehen möchte: Er will bei sich selbst anfangen, keine moralischen Vorträge halten, nicht die Schuld auf die böse Industrie oder Politik schieben, sondern sein Leben soll sich ändern. Aber genau dies klappt in dem Buch nur bruchstückhaft, zwar bleibt er selbstkritisch und ausgesprochen ehrlich, aber er „predigt“ doch auf „jeder zweiten Seite“ und die ständige Weltuntergangsstimmung verdirbt einem die vielen positiven Erfahrungen, die Beavan gemacht hat. Denn sein Grundansatz ist wirklich beeindruckend, er will etwas verändern, fängt wie gesagt bei seinem eigenen Leben an und will auch nicht alles auf einmal, sondern hat sich die verschiedenen Schritte auf das Jahr verteilt. Er beginnt mit dem Müll vermeiden, geht dann zum CO2 Ausstoß etc. Das macht Sinn und Beavan beschreibt, wie er ahnungslos durch seine neue Welt tapst und Stück für Stück lernen und sich zurecht finden muss. Das ist ehrlich, oft selbstironisch und macht Spaß beim Lesen. Es motiviert mich über genau die Dinge nachzudenken, die hinter meinem konsumierenden Selbst stehen, nämlich die Fragen, wer ich bin und was mich in meinem Alltag leitet und prägt. Beavan deckt schonungslos den Kreislauf unserer Konsumwelt auf und unserer Hoffnung sich darin zu verwirklichen. Das tut weh, tut mir aber gut. Leider geht diese „Kraft des Buches“ mehr und mehr verloren, da Beavan mehr und mehr moralisch wird, mit sich selbst (sein eigenes „Joch von Regeln) und mit allen anderen, das beginnt mich zu nerven, dazu kommt, dass man seine amerikanische Naivität (Was, nur von Plastikgeschirr zu essen, ist schlecht und produziert Müll?) am Anfang noch mit einem Schmunzeln ignoriert, gegen Ende des Experiments aber kaum mehr aushält, wenn es pausenlos darum geht, die Welt zu retten. So endet das Buch dann auch mit folgenden Sätzen:

„Mit diesem Buch wollte ich zeigen, dass es in meiner Verantwortung liegt, die Welt zu retten. Ich habe mir große Mühe gegeben, nicht zu predigen. Aber nachdem ich ein Jahr ohne Klopapier ausgekommen bin, habe ich mit das Recht erworben, Ihnen eines mit auf den Weg zu geben: Es liegt auch in Ihrer Verantwortung. Also, was werden Sie tun?“

Ehrlich, ich bewundere die konsequente Haltung von Beavan und vor allem sein ehrliches Hinterfragen, warum wir so handeln. Doch ich teile seinen „missionarischen Eifer“ nicht. Ich denke nicht, dass es mein Auftrag ist die Welt zu retten und damit auch noch allen Menschen um mich herum auf die “Nerven“ zu gehen. Aber um aus der gesellschaftlichen Konsumtretmühle herauszukommen, muss man manche Dinge radikal angehen, nicht alle auf einmal, aber Stück um Stück anfangen und dies hat seinen Wert und seine Qualität, zuerst in meinem eigenen Leben und dann auch für die Menschen um mich herum.

Mehr Infos zu Buch, Film etc. gibt es hier

Donnerstag, Juli 28, 2011

„Vater-Tochter-Dialog 46“

Wir sind im Urlaub am Lago Maggiore und wollen am Anfang die Gegend erkunden. Die Nachbarn erzählen, dass der Strand ca. 15min zu Fuß weg ist. Wir wollen uns auf den Weg machen, als folgender Dialog entsteht:

Vater: Komm Lilly, zieh dir Schuhe an...
Tochter: Warum?
Vater: Wir erkunden den Strand.
Tochter: Ich will nicht laufen!
Vater: Es sind nur 15min...
Tochter: Ich durchwandere doch nicht das ganze Land...
Vater: Ähh?

Sonntag, Juli 24, 2011

„Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet“



Er war befreundet mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, Professor für Soziologie an der Universität Genf und UN Sonderberichterstatter für Menschenrechte und dies ist nur ein kurzer Auszug aus seiner bunten Vita. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt und beschäftigen sich vor allem mit dem Zusammenhang von Globalisierung, Kapitalismus und Armut in der Welt. Seine Name ist Jean Ziegler. Jetzt war er eingeladen auf den Salzburger Festspielen vor den Schönen und Reichen die Festrede zu halten, aber dazu kam es nicht, er wurde ausgeladen. Offiziell, weil er Kontakte zu Gadhafi hat, was Ziegler vehement bestreitet, inoffiziell, was Ziegler vermutet, dass die Sponsoren des Festivals ihn und seine Botschaft nicht hören wollen, da sie die Hauptadressaten sind. Wie auch immer. Die Rede ist geschrieben und kann jetzt in der „Süddeutschen“ nachgelesen werden. Die Rede ist provokativ, so wie man Ziegler kennt, geizt weder mit Fakten noch mit inneren Zusammenhängen die er als Ursache der Hungerkatastophe in Somalia etc. sieht. Auf alle Fälle ist sie nachdenkenswert. Denn wenn Zehntausende zu sterben drohen, dürfen wir nicht einfach wegschauen....

Die vollständige Rede von Jean Ziegler


Lesenwert auch der Bericht der „Zeit“ zur Rede und der Diskussion in den Kommentaren!

Donnerstag, Juli 07, 2011

„Die Kolonialisten kehren zurück.“

Der ehemalige Präsident von Südafrika, Thabo Mbeki, hat einen nachdenkenswerten Artikel in der letzten Zeit zum Umgang mit dem Libyenkonflikt geschrieben: „Die Kolonialisten kehren zurück.“ Der jetzige Leiter des African Leadership Institute an der Universität von Südafrika beklagt darin, dass der Westen Afrika noch immer keine Mitsprache in der Lösung des Libyenkonflikt zubilligt, ja noch schlimmer, während die Afrikanische Union eine diplomatische Lösung des Konflikt mit Gaddafi ausgehandelt hat, greifen die westlichen Alliierten militärisch ein. Sicherlich, ein schwieriges Thema in dem es keine einfache Lösung gibt, aber es zeigt mal wieder, dass die postkolonialistische Zeit noch längst nicht vorbei ist und der Westen weiter lernen muss, die afrikanischen Staaten als Partner zu akzeptieren.

"Einst wird in den Geschichtsbüchern stehen, dass der Westen über den UN- Sicherheitsrat das Konzept »Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme« verworfen hat. Weil man Afrika das Recht verweigert, seine Probleme selbst zu lösen, wird es unvermeidlich zu einem Opfer immerwährender Konflikte. Wird ausgerechnet der Volksaufstand in Libyen, der eine willkommene demokratische Transformation einleitet, den Traum von der afrikanischen Renaissance ersticken?"

Dienstag, Juni 28, 2011

"Der Versuch des nachhaltigen Lebens Teil 3"

Wenn es um Nachhaltigkeit des Alltags geht, hat dies natürlich auch mit meinem Verständnis der Bibel zu tun. Zu Beginn ein paar grundlegende Gedanken, da das Thema Nachhaltigkeit von Anfang an eine Rolle spielte. Gott hat die Erde erschaffen mit allem, was dazugehört: die Natur, die Tiere und den Menschen und er fand alles gut. So beginnt die große Geschichte Gottes mit den Menschen. Gott schafft sich mit dem Menschen (adam) ein Gegenüber nach seinem Ebenbild (Imago Dei). Neben dem Gesamtkunstwerk Erde wurde deshalb besonders der Mensch in der Würde Gottes geschaffen, um an Gottes Stelle Verantwortung für die Erde zu übernehmen (Gen 1,28; Ps. 8,7-9). In der Übertragung dieses Kulturmandates wurde der Mensch zum Repräsentanten Gottes auf Erden. Daran wird die Schöpfungsordnung Gottes deutlich: Alles ist perfekt, aber es ist nicht alles gleich. Alles bekommt seinen Platz, aber nicht alles hat dieselbe Aufgabe. Die Schöpfungsordnung ist die Grundlage der verschiedenen Beziehungsebenen zwischen Gott – Mensch – Natur und der Mensch ist als übergeordnete Ebenbildlichkeit Gottes für die Beziehungen untereinander und zur Natur verantwortlich. Durch den Sündenfall (Gen 3) haben sich die Beziehungen verändert. Die Folge ist eine Entfremdung zwischen den einzelnen Beziehungsebenen. Dies führt zu einer Zerstörung des gesamten Beziehungsgefüges. Betroffen sind sämtliche Dimensionen, die Beziehungen des Menschen zu Gott (Gen. 3,8+22-24) ebenso wie die Beziehungen zur Natur (Gen. 3.16-17; Röm. 3,22b-23) sowie des Menschen zu sich selbst und dem Nächsten (Gen. 3,7). Trotz dieses Falls der Schöpfung und der damit verbundenen Entfremdungen bleibt die Liebe Gottes existent (1. Joh 4,8). Doch das Fremde macht uns Angst, Misstrauen wächst und macht sich in den unterschiedlichen Beziehungen breit. Die Heilsabsicht Gottes ist dadurch nicht gestoppt, aber es geht von nun an um die Wiederherstellung der Beziehungen. Und zwar eine Wiederherstellung der gesamten Welt, nicht nur eine „Rettung der Seelen“ allein. Diese Heilsabsicht Gottes zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel….

Donnerstag, Juni 23, 2011

„Warum erst jetzt? Horst Köhler im Interview“

Gut einem Jahr nach seinem spektakulären Rücktritt hat Horst Köhler vor kurzem sein erstes Interview gegeben und dies hat mich sehr überrascht, nicht wegen der Rechtfertigung seines Rücktritts, den halte ich immer noch für falsch, aber seine inhaltlichen Aussagen sind überraschend deutlich und müssten in der Politik und darüber hinaus dringend diskutiert werden.
Hier drei Zitate, das ganze Interview gibt es hier.

Köhler: Meine Einschätzung ist: Ja, es braucht aber Zeit. Das ging den Europäern in ihrer Demokratiegeschichte nicht anders. Das Wichtigste sehe ich darin, dass die Afrikaner endlich sich wieder selbst entdecken. Bei vielen afrikanischen Gesprächspartnern war die Stimmung früher: Wir wollen Hilfe, weil wir arm sind, weil wir Hunger haben, weil wir Aids haben. In den letzten Jahren hat sich das verändert in den Wunsch, als Partner wahrgenommen zu werden. Manchmal höre ich auch: Das sind keine Hilfen, die wir erbitten müssen, das ist das Mindeste, was ihr geben müsst. Nehmt bitte zur Kenntnis, dass eure Politik als Kolonialmächte bis hin zur Phase des Ost-West-Konflikts einiges dazu beigetragen hat, dass wir jetzt in so einer schwierigen Situation sind.


Köhler: So! Andere Beispiele: An der Überfischung afrikanischer Küstengewässer sind nicht nur Asiaten, sondern auch Europäer beteiligt. Oder: Korruption grassiert in Afrika noch immer mit maßgeblicher Beteiligung ausländischer Investoren. Oder: Die Agrarsubventionen der Industrieländer machen es den Afrikanern immer noch schwer, eine eigene Ernährungswirtschaft aufzubauen. Um nicht missverstanden zu werden: Die Hauptverantwortung für Fortschritt auf dem afrikanischen Kontinent tragen die afrikanischen Regierungen. Die Liste der politischen und wirtschaftlichen Doppelstandards im Umgang mit Afrika ist aber lang. Ich sehe einen Fortschritt darin, dass immer mehr Intellektuelle und politische Führer in Afrika solche Doppelstandards nicht mehr hinnehmen wollen. Glaubwürdigkeit ist auch in der internationalen Politik eine unverzichtbare Ressource, um Vertrauen aufzubauen. Ein besonders guter Ruf Europas im Hinblick auf Glaubwürdigkeit ist mir in Afrika bisher nicht aufgefallen.



ZEIT: Ist Ihnen bewusst, dass Sie, wenn es um Afrika und gelegentlich auch wenn es um die Finanzpolitik geht, wie ein Antiimperialist reden?

Köhler: Möglich, für mich ist es nur die Konsequenz der Frage nach Frieden und Stabilität in der verflochtenen Welt des 21. Jahrhunderts. Ich bin kein Revoluzzer, aber ich sehe Formen des Kapitalismus, Ralf Dahrendorf hätte gesagt des »Schuldenkapitalismus«, die Freiheit und Demokratie gefährden. Geld regiert die Welt, sagt der Volksmund. Das muss so lange nicht beunruhigen, wie mit Geldschöpfung auch Wertschöpfung für die gesamte Gesellschaft verbunden ist. Davon haben sich aber Teile der »Finanzindustrie« verabschiedet. Die internationale Finanzkrise muss als Verpflichtung verstanden werden, den Primat der Politik gegenüber den Finanzmärkten durchzusetzen.

Freitag, Juni 17, 2011

„Vater-Tochter-Dialog 45“

Wir sind in einem Openairfamiliengottesdienst und der worship läuft, als dieser kurze Dialog entsteht:

Tochter: (zeiht an meiner Jacke): Du Papa...
Vater: (leise) Ja?
Tochter: Wie oft müssen wir dieses Lied noch singen?
Vater: mmhh

Montag, Juni 13, 2011

„Pfingsten & Migration“

An Pfingsten ist etwas Eigenartiges passiert, der Geist Gottes hat die Sprachbarrieren der Menschen für einen Augenblick aufgehoben und in Jerusalem haben tausende Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Sprachen die heilsbringende Botschaft Gottes verstanden (Apg 2). Ein Heilsstrahl Gottes, der sich seitdem immer wieder mitten in unsere Welt leuchtet und Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenführt und uns so dem großen, interkulturellen Festmahl aller Nationen (Jesaja 25,6) näher bringt.
Gerade in Deutschland haben wir das Vorrecht, mit vielen Menschen mit Migrationshintergrund zusammen zu leben (15,6 Millionen haben einen Migrationshintergrund, also 19%, davon haben über 10% die deutsche Staatsbürgerschaft) und so in unserem Alltag mit vielen anderen Kulturen und Sprachen in Berührung zu kommen. Und ich weiß, dass da nicht jeden Tag Pfingsten ist und es auch einige „Hürden“ zu überspringen gibt. Aber vielleicht schickt Gott uns viele dieser Menschen, um zu uns zu reden. Gott liebt es ja bekanntlich mit „Migranten“ Geschichte zu schrieben, denn die Bibel ist ja geradezu voll davon (Esau, Abraham, Jakob, Josef, das Volk in der Wüste und später im Exil (Babylon), Jesus, die ersten Christen (Verfolgung) und durch die ganze Kirchengeschichte bis heute ist das Petruswort, dass wir Pilger und Fremdlinge auf Erden sind (1. Petrus 2,11) für die meisten Christen Realität. So haben ca. 50% der Asylbewerber in Deutschland einen christlichen Hintergrund (in Hessen sogar 60%) und die „Migrantengemeinden“ in Deutschland sind die am stärkten wachsenden Gemeinden, so gibt es nach vorsichtigen Schätzungen schon über 2000 Migrationsgemeinden, allein in NRW fast 500. Vielleicht gibt es da für die traditionellen Kirchen und Gemeinden einiges zu lernen, auf dass es immer wieder Pfingsten werden kann.

Sonntag, Juni 05, 2011

"Der Versuch des nachhaltigen Lebens Teil 2"



Eine Möglichkeit nachhaltiger zu leben ist sein Konsumverhalten umzustellen und vermehrt fair gehandelte Produkte zu kaufen. Diese erleben in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung (2010: 27% Wachstum), aber der Anteil fair gehandelter Produkte liegt in Deutschland immer noch unter 1%. Positiv ist, dass es immer mehr Anbieter für fair gehandelten Kaffee, Schokolade oder Früchte gibt, aber Kleidung oder Elektrogeräte sind immer noch schwer zu bekommen. Dazu kommt, dass es eine Skepsis gibt, ob fair gehandelte Produkte überhaupt was bringen und etwas bewirken können. Dabei ist der Ansatz, im Anbauland selbst anzufangen und dort die Strukturen zu stärken ein äußerst sinnvoller. „Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair- Handels-Organisationen engagieren sich - gemeinsam mit VerbraucherInnen - für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“ Auf diese Definition haben sich die internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels verständigt.
Wer sich über die verschiedenen Hintergründe, Organisationen und Siegel informieren möchte, findet dies hier oder hier oder hier.
Interessant ist, dass die Ursprünge des fairen Handels im Jahr 1946 von mennonitische Christen eingeführt wurde, sie haben Stickereien aus Puerto Rico zu fairen Preisen in die USA eingeführt. Die 2. Welle des fairen Handels entsteht 1973 durch die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH. (zunächst als Verein) als deutsche Tochter einer niederländischen Stiftung, heute die größte europ. Fairhandelsorganisation gepa, die aus sechs Gesellschafter besteht die sich in kirchlicher Trägerschaft bzw. kirchliche Organisationen befinden. International hat vor allem das 1942 gegründete Oxford Committee for Famine Relief (Oxfam) den fairen Handel gefördert. Darüber hinaus gab es natürlich viele andere Initiativen und Vorreiter die sich für fairen Handel eingesetzt haben, bevor dieser ab den 1990er Jahren langsam Fuß fasste und jetzt seinen ersten kleinen Boom erlebt, der aber wie gesagt, erst ganz am Anfang steht...

Wichtige Seiten zu fair gehandelten Produkten:
Fair Trade
Fair Trade Deutschland
fairer Handel

Fair Trade praktisch am Bsp. von Baumwolle.

Donnerstag, Juni 02, 2011

„Himmelfahrt, Hoffnung & Menschensohn“

Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen. (Mk 14,62)

Jesus werden im Neuen Testament unterschiedliche Titel zugesprochen, die wichtigsten sind Christus (Messias), Kyrios (Herr) und Sohn Gottes, sie sind Ausdruck des vielschichtigen Jesusbildes. Die Bezeichnung Menschensohn ist dabei vielfach die scheinbar Rätselhafteste. Die Evangelien enthalten die Bezeichnung Menschensohn allein 82 Mal (69mal in den Synoptikern, 13mal in Johannes). Dies sicherlich deshalb, weil Jesus immer dann vom Menschensohn sprach, wenn von ihm selbst die Rede war. Der Begriff Menschensohn ist also eine Selbstbezeichnung, in der er immer in der 3. Person über sich selbst spricht. Während alle anderen Titel wie Rabbi, Herr, König oder Messias ihm von anderen gegeben werden, spricht Jesus von sich selbst immer als Menschensohn. Was alle Stellen im AT und NT eint ist, dass in dem Begriff Menschensohn die Spannung zwischen Niedrigkeit und Hoheit liegt. In keinem anderen Begriff wird die Spannung zwischen der Göttlichkeit und der Menschlichkeit Jesu so sichtbar. Herrlichkeit Gottes und die Niedrigkeit des Menschen. 100% Gott und 100% Mensch vereinen sich in Jesus und werden in diesem Begriff Menschensohn sichtbar. Ein Begriff der die Leiden Jesu, die Erniedrigung und die Niedrigkeit beschreiben. Wenn man den Begriff Menschensohn auf dem Hintergrundverständnis der jüdische Apokalyptik versteht fällt auf, dass er vor allem in Hesekiel (87mal) & Daniel gebraucht wird, aber auch in nicht biblischen Büchern wie Hennoch oder dem 4. Buch Esra, der Begriff Menschensohn oder Sohn des Menschen war den Juden nicht fremd, sondern im Gegenteil sehr bekannt und Jesus geht besonders auf Daniel 7 in seiner Verkündigung ein. Der Menschensohn ist der wahrhaftige Mensch, der in einer Welt von Terror und Kriegen, von Armut und Hunger, von Erniedrigung und Herabwürdigung den Menschen ihre eigentliche Bestimmung bringt - Menschenwürde und Menschlichkeit. Er macht Schluss mit der raubtierartigen Herrschaft von Menschen über Menschen und setzt konsequent den Heilswillen Gottes durch. Der Menschensohn kommt für die Menschen in Lybien, Elfenbeinküste und alle anderen 50 kriegerischen Konflikte in dieser gefallenen und egoistischen Welt. Der Menschensohn begründet das Reich Gottes als Ausdruck göttlichen Heils und weist damit den Weg zu einer Zivilisation wahrer Menschlichkeit. Jesus ist Mensch geworden und Gott geblieben, bei der Himmelfahrt ist Jesus Gott geworden und Mensch geblieben. Er sitzt zur rechten Gottes und vertritt uns Menschen. Er ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen, er der Mensch war und auch Mensch geblieben ist, wie uns die Bibel berichtet. So ist sein neuen Leib kein reiner Geistleib ist, sondern einer der Essen und trinken kann und trotzdem durch Türen gehen kann. Der Menschensohn ist unser Hoffnungsträger der Himmel und Erde zusammenbringt, hier auf Erden und in Ewigkeit.

Sonntag, Mai 29, 2011

„Der Versuch des nachhaltigen Lebens. Teil 1“

In den letzten Jahren haben wir als Familie versucht unseren Lebensstil etwas umzustellen, was sich als eine größere Herausforderung herausgestellt hat. Hier und da habe ich schon darüber berichtet und möchte dies nun fortsetzen, in dem ich ab und zu meine Gedanken und Erfahrungen weitergebe und freue mich, wenn ich dabei Anregungen und Hilfe bekomme von Leuten die sich auch auf diesem Weg befinden. Mir hat zum Beispiel Stefan geholfen, der mich in den letzten Monaten immer wieder mit guten „Links“ gefüttert hat. Denn ich merke, dass die Veränderung im Kopf beginnt mit Informationen und Aufklärung und sich dann in Taten des Alltags langsam umsetzt. Dabei möchte ich nicht in zwei „Fallen“ tappen, die mir das Leben immer wieder schwer machen: 1. Die "alles oder nichts Falle", die mir sagt, dass ich entweder mein ganzes Leben sofort umstellen muss und 2. die „das bisschen bringt doch eh nichts Falle“, die die ersten Schritte nicht würdigt. Beide Fallen führen nicht nur in Frustration, sondern spielen unserer Konsumgesellschaft in die Karten und geben uns wunderbare Ausreden das Richtige nicht zu tun. Dazu ein interessantes Zitat:

„Unsere Gesellschaft ist demzufolge auch eine Sofort-Bedürfnis-Befriedigungs- und eine Wegwerfgesellschaft, die - anders als die Staatstheorien der Aufklärung es gerne hätten - nicht an die Vernunft des Bürgers appelliert, sondern an seine Unvernunft, seine emotionale Verführbarkeit: Nur wer sich von den Glücksversprechungen der Warenwelt täuschen lässt, wird im angemessenen Maße konsumieren und damit das Spiel am Laufen halten.“

aus: Zygmunt Bauman, „Leben als Konsum“, 2009

Auch meine emotionale Verführbarkeit ist groß und ich merke, wie schnell die Vernunft sich von Bequemlichkeit und Gewohnheit bestimmen lässt...

Montag, Mai 23, 2011

„Studienwoche GT“




Diese Woche haben wir wieder spannende Module in unserem Studienprogramm Gesellschaftstransformation. Studierende aus ganz Deutschland kommen um sich mit herausfordernden Inhalten auseinanderzusetzen. In Modul 3 geht es um geschichtliche und internationale Transformationsprozesse, von dem Friedenstheologie Howard John Yoders über geschichtliche Transformationsprojekte bis zu den aktuellen Auswirkungen in Nordafrika (mit einem Nahostexperten und Entwicklungshelfer, der bis vor kurzem noch vor Ort war). In Modul 7 beschäftigen wir uns mit nachhaltigen Transformationsprozessen .auf verschiedenen Ebenen, angefangen von kommunikativen Prozessen innerhalb der Gemeinde bis zu sozial-politischen Veränderungsprozesse des eigenen Ortes. Dabei gibt neben den theoretischen Reflektionen auch einige Praxisbeispiele wie das Prisma Seehaus.
Momentan haben wir im Studienprogramm 41 Projekte in Deutschland verteilt, die sich alle zwischen Gemeinde & Gesellschaft bewegen, aus zwei gibt es gerade Berichte und Neuigkeiten, zum einen das Projekt Jumpers und zum anderen das Familienzentrum Märkischen Viertel.

Noch ein Projekt auf das ich sehr gerne hinweise: Inspiration Christentum. Eine interaktive Ausstellung über den Einfluss des Christentums auf unsere Gesellschaft. Lohnt sich!

Freitag, Mai 20, 2011

"Vater-Tochter-Dialog 44"

Aimèe hatte heute in der Schule Besuch von einer Abgeordneten der Grünen und es ging um demokratische Prozesse in der Bundesrepublik. Beim Mittagstisch gab es darauf hin eine wilde Diskussion, an der sich auch Lilly lautstark beteiligte:

Vater: Gab es heute etwas Besonderes in der Schule?
Aimèe: Ja, eine „Grüne“ war da und hat die ganze Zeit geredet und geredet...
Vater: Und was hat sie gesagt?
Aimée: (sichtlich angenervt) Keine Ahnung, sie hat es so kompliziert gesagt mit so vielen Fremdwörtern, es war voll anstrengend und sie hat immer von links und rechts gesprochen und Frau XXX hat versucht es an die Tafel zu malen, aber ehrlich Papa, sie hat selbst nicht gewusst, von was sie redet.
Vater: Aha
Lilly: (energisch) Die Politiker sollen doch zuhause bleiben!
Vater: Naja, sie wird ja auch was Gutes gesagt haben?
Aimée: Ja, sie hat uns erklärt, wie das Parlament funktioniert in Deutschland und in Hessen und in Marburg...
Vater: Ja, das ist auch wichtig. Hat sie euch auch gesagt, was ihr wählen sollst?
Aimée: Nein, sie...
Lilly: (ruft dazwischen) Mann Papa, man darf doch erst mit 18 wählen...
Aimée: Ja, sie hat gesagt, dass es wichtig ist, dass man mit 18 wählen geht und dass es egal ist, wen man wählt...
Lilly: (ruft wieder dazwischen): Das sagt die nur so und sie will dich beeinflussen und ist nett und dann bist du 18 und wählst sie!
Vater: (schweigt und staunt)
Aimée: Aber das ist doch noch so lang...
Lilly: Egal, was hat sie noch gesagt?
Aimée: Dass sie ein kleines Baby hat und ....
Lilly: (ruft wieder lautstark dazwischen): Warum erzählt die so was? Das interessiert doch niemand, die will nur nett sein!
Vater: Ähhh, naja, also ich finde das jetzt nicht so schlimm.
Lilly: Ich wähle die nicht.

Montag, Mai 16, 2011

"Emerging Christianity – Perspektiven einer Kirche der Zukunft"



Am Dienstag, den 7. Juni haben wir den Franziskanerpater Richard Rohr auf einer Stippvisite zu Gast. Er ist in Deutschland bekannt durch Bücher wie „Der Wilde Mann“, „Das Enneagramm“ oder „Ins Herz Geschrieben“. Richard Rohr ist Gründer des „Center for Action and Contemplation“ in Albuquerque, New Mexico, und ein gefragter und motivierender Redner.

Zuletzt habe ich „Ins Herz geschrieben“ gelesen, in dem Rohr die Weisheit der Bibel als spiritueller Weg beschreibt. Er tut dies sehr persönlich und schafft es immer wieder biblische Wahrheiten und Prinzipien in den Alltag umzusetzen. Nicht immer stimme ich ihm in allem zu, aber ich lese Rohr immer wieder mit großen Gewinn.

Seit einiger Zeit beschäftigt sich Richard Rohr mit der Frage, wie die Kirche der Zukunft aussehen wird. Dabei geht es ihm nicht um abstrakte Theorien, sondern um die Frage, was sich konkret und in der weltweiten Christenheit tut: Im Umgang mit konfessionellen und theologischen Unterschieden, in der Entdeckung eines praktisch gelebten Glaubens, in einem Denken, das nicht in Abgrenzungen steckenbleibt und in Strukturen von Gemeinschaft, die überschaubar sind und weniger „institutionell“ erscheinen als es bisher oft der Fall war. Sein Motto: “Wir denken uns nicht in neue Lebensweisen hinein, sondern leben in neue Denkweisen hinein.”

Vieles davon berührt sich dabei eng mit der "emerging conversation" und der Abend ist auch eine Begegnung zwischen “emergenten”, kontemplativen und anderen interessierten Christen. Pfr. Christian Sudermann, der Richard Rohr seit vielen Jahren kennt, hat uns für diesen Abend in die Markuskirche eingeladen.

Beginn ist um 19.00 Uhr, voraussichtliches Ende dann gegen 21.00 Uhr. Zur Deckung der Kosten sammeln wir eine Kollekte ein. Die Veranstalter sind: Emergent Deutschland, ELIA Erlangen und die Kirchengemeinde St. Markus. (St. Markuskirche, Sieglitzhofer Str. 4, Erlangen)

Donnerstag, Mai 12, 2011

"Rob Bell im Interview - uuhh"

Rob Bell im Interview from Jesus.de-Redaktion on Vimeo.



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Nach dem ich Rob Bell in Düsseldorf verpasst habe gibt es jetzt ein Interview mit ihm von Pascal Görtz (dran) und Rolf Krüger (jesus.de), was einen sehr sympathischen Zeitgenossen zeigt. Der richtige Skandal ist leider nicht dabei und ich bin mit dem Buch (Love wins) jetzt zu 2/3 durch und auch da gibt es bisher nichts Spektakuläres. Hab ich was verpasst? Nun ja, Deutschland ist nicht Amerika und wer NT Wright "Surprized by hope" gelesen hat (oder gar "The resurrection of the Son of God"), der wird bei Bell nicht so viel Neues finden. Bell schreibt auf seine Art, sehr leicht, populär und persönlich, theologisch fundiert, aber eben nicht sehr tiefgehend, da es ja auch kein theologisches Fachbuch ist. Über die starke Betonung seiner präsentischen Reich Gottes Auffassung lässt sich bestimmt streiten, aber ob er dann gleich ein Universalist ist? Und wenn ja, was ist das und wäre das überhaupt schlimm? Scott McKnight ist der Frage nachgegangen und hat angefangen zu differenzieren und zu erklären ....

Hier eine graphische Zusammenfassung des Buches, sehr interessant...