Freitag, März 18, 2011

"Was Japan für unser Land bedeuten sollte?"

Heute bekam ich einen Anruf und mir wurde die Frage gestellt: "Was Japan für unser Land bedeuten sollte?". Keine einfache Frage, zum einen weil die Katastrophe in Japan noch im vollen Gange ist und meine Gedanken und Gebete überhaupt erst versuchen zu verstehen, was dort gerade passiert, zum anderen kommen reflexartig Gedanken hoch, die schon lange schlummern und durch die Katastrophe an die Oberfläche drücken. Fragen nach der Atom- und Energiepolitik der Regierung und meinen eigenen Umgang mit Ressourcen. Fragen nach einer Sozial- und Umweltethik? Die Frage, warum Sünden in vielen unserer Gemeinden auf der moralischen Ebene gesehen, aber in strukturellen Zusammenhängen eher übersehen werden? Und dies sind nur einige Fragen, es gibt sicher noch mehr, doch die Grundfrage bleibt: Was sollen wir von Japan lernen? Und ist das überhaupt möglich? Oder ist in ein paar Monaten eh wieder alles "business as usual"?

Kommentare:

Ilona hat gesagt…

Gute Fragen...

"business as usual"... Ja, ich fürchte, für die Meisten wird es darauf hinauslaufen. Auch wenn man im Moment betroffen ist - Japan ist ja sooo weit weg...

Und selbst wenn ich von mir behaupten kann, eine andere Energiepolitik zu wollen, und mir Mühe geben, mit Ressourcen sorgsam umzugehen - ich glaube nicht, dass "Japan" langfristig und nachhaltig mein Handeln verändern wird. Ich bin schon geschockt. Aber irgendwie bin ich auch ganz schön träge... (Nein, toll finde ich das nicht.)

Wirft für mich die Frage auf: Wodurch ändert der Mensch denn dann bloß sein Handeln!?

Tobias Faix hat gesagt…

gute Frage :)

ich lese gerade das neue Buch von NT Wright "Glaube und dann? Von der Transformation des Charakters" darin geht es genau um diese Frage, wie wir uns nachhaltig verändern. NT Wright kommt von der Tugendlehre und beschriebt den Prozess der langsamen Veränderung durch die Einübung von Tugenden. Ich würde noch hinzufügen, das viele Veränderungsprozesse mit der Transformation unserer Gedanken anfängt (Röm 12,1-2). Und dann kommen so Abstimmungen wie heute im Bundestag, wo wieder gegen den (sofortigen) Atomausstieg gestimmt wurde und ich frag mich schon, was hier im Land los ist.....

James hat gesagt…

Ich frage mich was es für Alternativen gibt zum Atomstrom! Wir hören zwar immer regenerative Energien und so weiter, aber Deutschland kann es sich nicht leisten von jetzt auf gleich umzurüsten! Deutschland ist das Land welches Umweltpolitisch auf dem ersten Platz weltweit liegt. Der Atomstrom kann nicht in alle Ewigkeit produziert werden. Das ist klar. Aber wer solls bezahlen. Dazu kommen noch die ganzen anderen Dinge die wir auch verlangen wie soziale Gerechtigkeit, Bildungskosten, Rente, Medizinische Versorgung...! Alles ein Fass ohne Boden. Wir wollen für alle diese Bereiche mehr Geld, aber woher nehmen. Nur durch Umstrukturierung und Verlagerung wird das nicht bezahlt werden können. Was ist mit den Atommeilern in Frankreich in der Tschechei oder Polen? Schalten wir unsere Reaktoren ab ist der erste Schritt gemacht, aber wir haben auch noch nahe Nachbarn. Denen müssten wir wahrscheinlich einen Umstieg auch noch bezahlen. Ich bemäkel ja ziemlich viel in der Politik an Fehlentscheidungen, mittlerweile ist es aber so das wir ellenlange Listen haben was verändert werden muss. Zum guten Schluss das persönliche handeln, wie Solarzellen auf die Dächer oder Windräder neben das Haus (was sogar staatlich gefördert wird). Da könnte man beginnen. Trotzdem wird der Ausstieg noch Jahrzehnte dauern. Selbst wenn die Grünen an der Macht wären, würden die vllt. alles abschalten. Den Strom aber bei den EU Nachbarn kaufen müssen.

Tobias Faix hat gesagt…

@james: Ja, du hast sicher in einigen Punkten recht, aber gerade weil der Atomausstieg nicht so einfach ist, müssen die Kräfte dafür gebündelt werden udn er gut und langfristig durchgeführt werden. Genau dies hat die Regierung mit der Laufzeitverlängerung nicht getan. Es ist sehr unglücklich, wenn dies erst durch solch ein Unglück korrigiert werden muss. Dass der Atomausstieg innerhalb der nächsten zehn Jahre möglich ist, gilt unter Experten als gesichert. Dies wäre ein erster Schritt, der auch Vorbildcharakter für die gesamte EU hätte...