Sonntag, Juli 31, 2011

„Der Versuch des nachhaltigen Lebens Teil 4“

Im Urlaub habe ich Colin Beavan „Barfuss in Manhatten. Mein ökologisch korrektes Abenteuer“ (Kiepenheuer, 2010) gelesen. Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich so ratlos zurückgelassen hat wie dieses. Dabei passt der Inhalt des Buches in meine aktuellen Überlegungen zum Thema Nachhaltigkeit, aber vielleicht ist genau dass das Problem. Colin Beavan, amerikanischer Sachbuchautor beschließt, ein Jahr möglichst ohne Strom, ohne Müll, ohne CO2 Ausstoß zu leben und dazu nur noch Lebensmittel, die im Umkreis von 400 km angebaut werden, zu essen. Seien Frau und seine kleine Tochter begleiten ihn auf diesem Abenteuer. Das Buch beginnt mit Beavans ehrlichen Motivationen, seinen Überlegungen und dem Grund, warum er so radikal vorgehen möchte: Er will bei sich selbst anfangen, keine moralischen Vorträge halten, nicht die Schuld auf die böse Industrie oder Politik schieben, sondern sein Leben soll sich ändern. Aber genau dies klappt in dem Buch nur bruchstückhaft, zwar bleibt er selbstkritisch und ausgesprochen ehrlich, aber er „predigt“ doch auf „jeder zweiten Seite“ und die ständige Weltuntergangsstimmung verdirbt einem die vielen positiven Erfahrungen, die Beavan gemacht hat. Denn sein Grundansatz ist wirklich beeindruckend, er will etwas verändern, fängt wie gesagt bei seinem eigenen Leben an und will auch nicht alles auf einmal, sondern hat sich die verschiedenen Schritte auf das Jahr verteilt. Er beginnt mit dem Müll vermeiden, geht dann zum CO2 Ausstoß etc. Das macht Sinn und Beavan beschreibt, wie er ahnungslos durch seine neue Welt tapst und Stück für Stück lernen und sich zurecht finden muss. Das ist ehrlich, oft selbstironisch und macht Spaß beim Lesen. Es motiviert mich über genau die Dinge nachzudenken, die hinter meinem konsumierenden Selbst stehen, nämlich die Fragen, wer ich bin und was mich in meinem Alltag leitet und prägt. Beavan deckt schonungslos den Kreislauf unserer Konsumwelt auf und unserer Hoffnung sich darin zu verwirklichen. Das tut weh, tut mir aber gut. Leider geht diese „Kraft des Buches“ mehr und mehr verloren, da Beavan mehr und mehr moralisch wird, mit sich selbst (sein eigenes „Joch von Regeln) und mit allen anderen, das beginnt mich zu nerven, dazu kommt, dass man seine amerikanische Naivität (Was, nur von Plastikgeschirr zu essen, ist schlecht und produziert Müll?) am Anfang noch mit einem Schmunzeln ignoriert, gegen Ende des Experiments aber kaum mehr aushält, wenn es pausenlos darum geht, die Welt zu retten. So endet das Buch dann auch mit folgenden Sätzen:

„Mit diesem Buch wollte ich zeigen, dass es in meiner Verantwortung liegt, die Welt zu retten. Ich habe mir große Mühe gegeben, nicht zu predigen. Aber nachdem ich ein Jahr ohne Klopapier ausgekommen bin, habe ich mit das Recht erworben, Ihnen eines mit auf den Weg zu geben: Es liegt auch in Ihrer Verantwortung. Also, was werden Sie tun?“

Ehrlich, ich bewundere die konsequente Haltung von Beavan und vor allem sein ehrliches Hinterfragen, warum wir so handeln. Doch ich teile seinen „missionarischen Eifer“ nicht. Ich denke nicht, dass es mein Auftrag ist die Welt zu retten und damit auch noch allen Menschen um mich herum auf die “Nerven“ zu gehen. Aber um aus der gesellschaftlichen Konsumtretmühle herauszukommen, muss man manche Dinge radikal angehen, nicht alle auf einmal, aber Stück um Stück anfangen und dies hat seinen Wert und seine Qualität, zuerst in meinem eigenen Leben und dann auch für die Menschen um mich herum.

Mehr Infos zu Buch, Film etc. gibt es hier

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