Mittwoch, Februar 09, 2011

Weltanschauung & Wahrheit. Kritischer Realismus nach NT Wright. Part 1

Zur Einstimmung auf die Studientage mit NT Wright werde ich die kommenden Tage ein paar grundlegende Dinge zur Arbeitsweise und zum Verständnis von NT Wright posten.

Viel Streit unter Christen könnte vermieden werden, ja wäre vielleicht sogar unnötig, wenn wir uns im klaren darüber wären, dass jeder Mensch seine Biographie und sein Vorverständnis zur Bibel mit bringt. Dieses Vorverständnis ist ein Teil unseres Weltbildes, welches uns seit unserer Kindheit auf ganz unterschiedliche Weise prägt. Es leitet unser Denken und unseren Glauben wie eine unsichtbare Hand und es ist hilfreich und erhellend diese Hand sichtbar zu machen. NT Wright beginnt deshalb seine theologischen Überlegungen im ersten Band seines theologischen Werkes mit einer Darstellung seiner erkenntnistheoretischen Position. Er beschreibt, wie er zu Wissen kommt, wie er an die Bibel herangeht und wie er sie dann versteht und auslegt. Dies ist sehr transparent und natürlich macht sich NT Wright dadurch auch angreifbar. NT Wright beschreibt seinen erkenntnistheoretischen Ansatz als „kritischen Realismus“ und er möchte sich von zwei großen anderen Positionen abgrenzen, die kurz skizziert werden müssen, damit Wright richtig verstanden wird. Dabei unterscheidet er zwischen Positivismus und Phänomenologie als erkenntnistheoretische Gegensätze. Wright beginnt mit dem Optimismus der positivistischen Position, die davon ausgeht, dass zu mindestens gewisse Dinge als grundlegend wahr und richtig, also objektiv, erkannt werden können. Dies soll vor allem durch empirische Methoden geschehen. Dies bedeutet konsequent weiter gedacht, dass über nicht messbare Dinge eigentlich nicht gesprochen werden kann. Subjektivität und Relativität sind somit die Gegenspieler des Positivismus. Diese Position wird zwar von Philosophen größtenteils fallen gelassen, hält sich aber in verschiedenen Formen, vor allem im Bereich der Naturwissenschaften (zum Beispiel der Psychologie), oder bei denen, die als Nichtwissenschaftler über Wissenschaft sprechen. Auch in manchen evangelikalen Kreisen hält sich ein versteckter Positivismus in der „vorurteilsfreien Exegese“.

Part 2: Phänomenologie