Freitag, April 01, 2011

"Die Möglichkeit des Dialogs"

Im Missiologieunterricht haben wir uns am mbs in den letzten Wochen mit dem Thema „Theologie der Religionen“ beschäftigt und haben heute über die (Un-)möglichkeit eines Dialoges diskutiert. Dabei ist mir erneut die Bedeutung des Missionstheologen David Bosch wichtig geworden, der leider schon vor 20 Jahren tötlich verunglückt ist. Bosch hat acht Thesen zum missionstheologischen Verständnis des Dialoges geschrieben, die ein gutes Fundament darstellen (Bosch 1991:483-485):

1. Die Beziehung zwischen Mission und Dialog ist in erster Linie eine Entscheidung des Herzens und nicht des Verstandes. Es gilt nicht nur die Existenz von verschiedenen Glaubensrichtungen zähneknirschend zu akzeptieren, sondern dies von Herzen anzuerkennen.
2. Ein wahrer Dialog setzt ein eigenes Bekenntnis voraus und bedeutet nicht, dass die eigene Position aufgegeben werden muss. Genau das Gegenteil tritt ein, ohne meine eigene Hingabe an das Evangelium verkommt der Dialog zum „Geschwätz“.
3. Ein Dialog ist nur möglich, wenn wir davon ausgehen, dass wir nicht diejenigen sind, die Gott zu anderen bringen – als diejenigen, die ihn besitzen. Gottes Geist wirkt in jeder Kultur und bereitet Menschen auf eine Begegnung mit ihm vor. Die in den Dialog Tretenden sind Empfänger derselben Gnade. Unsere Herzenshaltung sollte Ehrfurcht vor den anderen Religionen sein und gespannte Erwartung, wie sich Gott zeigt.
4. Ein Dialog zwischen Christen und nichtchristlichen Religionen sollte durch echte Demut gekennzeichnet sein. Christlicher Glaube ist eine Religion der Gnade, die frei und ohne Zutun empfangen wird. Im Zentrum steht das Kreuz, das auch die Christen richtet.
5. Jede Religion hat ihre eigenen Axiome und somit ihren eigenen Mittelpunkt - daraus kann nur folgen, dass man jeder Religion auf verschiedene Art und Weise begegnen muss. Es reicht also nicht aus, „theozentrisch“ Gott in die Mitte zu stellen, sondern jede Religion muss ihre Mitte behalten, sonst verliert sie ihre Identität und ihre Dialogfähigkeit.
6. Der Dialog ist weder Ersatz noch Ausflucht für Mission. Dialog und Mission sind weder identisch noch absolut gegensätzlich. Beide, Dialog und Mission, haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, jeder kann dem anderen (mittlerweile) zuhören. Der christliche Glaube kann die Überzeugung nicht aufgeben, dass Gott, nachdem er Christus in unsere Mitte gesandt hat, einen eindeutigen Kurs eingeschlagen hat, und uns Menschen Vergebung, Rechtfertigung und ein neues Leben angeboten hat, worauf der Mensch antworten muss.
7. Die Frage, ob andere Religionen retten können, ist laut Bosch schon im Ansatz verkehrt, weil es darum gar nicht geht. Es geht nicht um eine Rettung, die sich nur aufs Jenseits bezieht; vielmehr geht es darum, sich ganz Gottes Herrschaft in Gehorsam zu unterstellen.
8. Die Spannung zwischen dem einzigartigen Rettungsangebot von Jesus und dem unbegrenzten Rettungswillen Gottes und Gottes Macht dazu bleibt für Bosch bestehen (creative tension).

Sonntag, März 27, 2011

"Werte & Wahlen"



Heute ist ja großer Wahltag in Baden Württemberg und Rheinland Pfalz und kleiner Wahltag in Hessen (dafür mit 141 Stimmen! ). Es gibt ja ganz unterschiedliche Gründe was jeder so wählt und die Subjektivität der Wahrheit ist dabei unbestritten. Dabei hat jede wahlberechtigte Person eine innere Agenda von Werten die ihr wichtig sind und nach denen dann die Kreuze gemacht werden. Eine dieser Werte ist die Frage nach weltweiter Gerechtigkeit, die von Christinnen udn Christen der Micha-Initiative unterstützt wird. Am 10.10.10 gab es einen weltweiten "Michatag" an dem auch die (kommunalen) Politikerinnen und Politiker aufgefordert wurden sich an ihre eigenen Entschlüsse zu erinnern und bis 2015 mindestens 0,7 % des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zur Verfügung zu stellen. Alle Abgeordnete des deutschen Bundestags haben einen Brief bekommen und wurden aufgefordert sich zu dem selbstgesteckten Ziel zu stellen und einen Aufruf zu unterschreiben. 72% der Abgeordneten sind diesem Aufruf gefolgt. Wenn du wissen möchtest, ob deine Bundestagsabgeordnete oder dein Bundestagsabgeordneter teilgenommen hat, kannst du hier nachschauen.