Freitag, April 22, 2011

„Die Sündenbockmentalität. Von Kindern, Fußball und dem Kreuz“



Ein Zimmer, dutzende Spielsachen, Aimée nimmt sich eine Sache und spielt. Lilly kommt ins Zimmer, dutzende von Spielsachen, sie will aber nur die eine Sache, mit der Aimée spielt. Der französisch-amerikanische Kulturanthropologe René Girard nennt dieses Verhalten mimetisches Begehren, aus dem eine Rivalität erwächst, die wiederum einen Konflikt zur Folge hat, mit all dem Potenzial einer existenziellen Krise von Aggression bis zur Gewalt. Girard sieht dieses Verhalten nicht nur bei Kindern, sondern bei allen Menschen, egal welcher ethnischen Abstammung oder Religion. Der mimetische Kreislauf sei von uns Menschen nicht zu durchbrechen und sei die Ursache alle Konflikte, egal ob im privaten Bereich oder in der Politik. Die Möglichkeit, den Konflikt zu beenden, sei einen Sündenbock zu finden und zu opfern. Die Konsequenz dieses Opfermechanismus ist Wiederherstellung des gemeinschaftlichen Einheit und Ruhe. In unserer öffentlichen und medialen Welt ist dieses Verhalten sehr schön und trivial im Fußball zu sehen. Die verschiedenen Stadien des Begehrens, der Rivalität, der Schuldzuweisungen, der verbalen Gewalt nehmen ständig zu, bis der Sündenbock gefunden und öffentlich geopfert wird. Meist ist es der Trainer. Dann herrscht wieder Ruhe, die alte Ordnung ist wieder hergestellt und der Kreislauf beginnt von neuem. In Vereinen wie Hamburg oder Stuttgart kann sich dies auch mehrmals jährlich wiederholen...
Girard zeigt nun auf, dass es nur einen Ausweg aus diesem andauernden Dilemma gibt, dass diese Gewaltspirale des Begehrens gestoppt werden muss. Es überrascht nicht, dass die Passion Christi alle Merkmale eines mimetischen Zyklus beinhaltet; das mimetische Begehren, die Rivalität, die Krise und den Opfermechanismus. Der gewaltsame Tod Jesu macht ihn zum „unschuldigen Sündenbock“ und stoppt die Spirale. Mit dem irdischen Muster wird der Menschensohn zum Sündenbock, so dass wir Menschen dies begreifen und verstehen können und nicht nur das, wir können dadurch aus dem eigenen mimetischen Kreislauf ausbrechen. Die Kraft des Begehrens kann nun umgewandelt werden in die Kraft der Nachfolge, des Nachahmens. Die Konsequenz ist ebenso einfach wie herausfordernd: Die Nachfolger Christi durchbrechen durch die Anerkennung des letztes Opfers die Spirale und sind Botschafter des Friedens. Christus hat durch seinen Tod am Kreuz die Mächte entwaffnet, sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert.

Dienstag, April 19, 2011

„Der etwas andere Trainer“



Seit heute steht es fest: Michael Oenning wird auch in der nächsten Saison der Cheftrainer beim HSV sein. Gute Entscheidung. Oenning passt nämlich so gar nicht in die klischeehaften Vorstellungen des Bundesligageschäftes. Grimme-Preisträger, Germanist, Klavierspieler, Schöngeist – und Bundesligatrainer. Hilfe, so werden einige sagen, ein Intellektueller in der Bundesliga. Aber wenigstens hat er seine Doktorarbeit nicht beendet. Aber Spaß beiseite, Oenning hat Sport studiert und schon jede Menge Erfahrung an der Außenlinie sammeln können. Im Vereinsfußball fasste er zuerst als Verbandstrainer beim Württembergischen Fußball-Verband und im Trainerstab der deutschen U18- und U20-Jugendnationalmannschaft Fuß, bevor er Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach und anschließend beim VfL Wolfsburg wurde. Seine eigentliche Trainerkarriere begann 2008 beim 1. FC Nürnberg. Nach dem Rücktritt von Thomas von Heesen besetzte Oenning zum ersten Mal den Posten eines Chef-Trainers. Im Sommer 2009 gelangt es ihm sogar, den 1. FC Nürnberg in die Bundesliga zurück zu führen. Seit der Saison 2010/11 arbeitet Michael Oenning beim Hamburger SV als Co-Trainer und jetzt als Cheftrainer. Der 45jährige Familienvater steht für eine offensive Fußballphilosophie und gilt als äußerst kommunikativer Typ mit einem „Händchen“ für Talenete. Gute Vorraussetzungen für eine gute Saison. Ich freue mich....

Sonntag, April 17, 2011

"Was ist das Evangelium? - nach NT Wright"

Es wurde ja auf diesem blog hier und da schon über die Frage nach dem Evangelium diskutiert. Während den 4. Marburger Studientagen Gesellschaftstransformation mit NT Wright bat mich ein Freund unbedingt bei Wright nachzufragen, wie er das Evangelium mit einem Satz zusammenfassen würde. Also nutze ich die Gelegenheit nach einem guten Essen bei einem noch besseren Glas Wein und es entstand dieser kurze Dialog:
Toby: Tom, wie würdest du das Evangelium in einem Satz beschreiben?
Tom: In einem Satz, das ganze Evangelium?
Toby: Ja, sozusagen die Essenz der guten Nachricht?
Tom: Mmhh, ein Satz sagst du? Nun ja, ich sage es dir in einem Wort: Jesus!
Beide lachen....

Wer über das Thema mit diskutieren möchte, ist herzlich eingeladen: 30. April in Frankfurt.