Samstag, Dezember 10, 2011

„Biller aus Berlin & Žižek in der Zeit“

Ein untrügliches Zeichen für eine volle Woche ist, wenn die neue „Zeit“ im Briefkasten ist und die alte noch nicht gelesen wurde. So diese Woche, aber es lohnt sich nachzuholen, da in der Zeit vergangener Woche ein paar sehr spannende Artikel zu lesen sind.
Zum einen freut es mich, dass einer meiner Lieblingsschriftsteller, Maxim Biller, eine eigene Kolumne (Über den Linden) bekommen hat. Hier die Erste! Zum anderen gab es ein sehr lesenswertes und witziges „Portrait“ von Slavoj Žižek. Dazu noch ein etwas älteres Interview mit ihm. Wenn wir schon bei Kapitalismuskritik sind, dann noch der Hinweis auf die sehr lesenswerte Reihe zum Thema. Passend wird das Ganze abgeschlossen mit einer wunderbaren Kolumne von Martenstein zum Thema „Kritik an den Kapitalismuskritikern“.

Ach, noch ein schönes Zitat von Žižek: »Natürlich, ich bin alles andere als ein Postmodernist.« Er glaube an die objektive und an die subjektive Wahrheit. Lächelnder Philosoph: »Um es noch schlimmer zu machen: Ich glaube an die universelle Wahrheit. Beispiel: Man soll nicht sagen: ›Der Kapitalist hat seine Wahrheit, der Kommunist hat seine Wahrheit, lass uns den Kompromiss suchen.‹ Nein! Die Wahrheit liegt niemals in der Mitte, sondern immer klar auf einer Seite.«

Dienstag, Dezember 06, 2011

"Himmel & Hölle"

Gestern war ich eingeladen zum Thema „Himmel & Hölle“ zu sprechen. Ein weites und wichtiges Thema, was an diesem Tag vor allem vor Hintergrund der „Bell Diskussion“ und seinem Buch „Love wins“ verstanden werden sollte. So gab es, wie erwartet, eine anregende Diskussion, die aber bei weitem nicht die Schärfe unserer amerikanischen Geschwister hatte, wie das folgende Zitat zeigt:
„Wir haben die nicht nur die Pflicht, Rob Bells Irrtümer herauszustellen, zu widerlegen und außer Gefecht zu setzen, sondern auch die Leute unter seinem Einfluss zu drängen, so schnell und so weit wie möglich von ihm wegzurennen, damit sie sich nicht in der ewigen Hölle wiederfinden, die er leugnet. Es ist nicht damit getan, untätig herumzusitzen, während jemand, der die Gefahr der Hölle leugnet, in Mengen Söhne der Hölle hervorbringt."
John MacArthur in einem offenen Brief, April 2011

Für die Meinung von Rob Bell spricht ganz gut das folgende Zitat:
„Eine Geschichte zu erzählen, in der Milliarden Menschen für immer irgendwo im Universum in einem schwarzen Loch endloser Qual und Pein ausweglos gefangen sind, ist keine besonders gute Geschichte. Eine Geschichte zu erzählen über einen Gott, der mitleidlos und unnachgiebig Strafen über Menschen verhängt, weil sie in dem kurzen Zeitfenster, das Leben genannt wird, nicht die richtigen Dinge getan oder gesagt oder geglaubt haben, ist keine besonders gute Geschichte. Umgekehrt: Dass alle Gottes gute Welt gemeinsam genießen, ohne Erniedrigung, ohne Scham, dass Gerechtigkeit siegt und alles Unrecht richtig gestellt wird, ist andererseits eine bessere Geschichte. Sie ist größer, liebevoller, umfassender … als jede andere Geschichte über den letztgültigen Verlauf, den die Welt nehmen wird. Man kann sicher Einwände gegen diese Geschichte haben. Aber man muss zugeben, dass sie passend und angemessen ist und dass es christlich ist, sich zu wünschen, dass sie wahr ist, und zu erwägen, ob sie möglich sein könnte.“

Was mir bei der Vorbereitung wieder neu bewusst wurde, ist, dass es in der Kirchengeschichte von Anfang an über dieses Thema Uneinigkeit gab und dass sich dies wie ein roter Faden durchzog. Deshalb sollte uns die heutige Diskussion nicht überraschen, egal ob klassische Höllenlehre, Fegefeuer, Allversöhnung, Annihilationismus oder diversen Mischformen. Und vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm. Nachdenken sollte man darüber trotzdem und in guter Art und Weise streiten auch. Dazu ein passend ein Zitat von Jürgen Moltmann:

„Die Logik der Hölle scheint mir nicht nur inhuman, sondern extrem atheistisch zu sein: hier der Mensch in seiner freien Entscheidung für Hölle oder Himmel – dort Gott als der Ausführende, der diesen Willen vollstreckt. Gott wird zum Diener des Menschen degradiert. Wenn ich mich für die Hölle entscheide, muss Gott mich dort hinstecken, obwohl es nicht sein Wille ist. Drückt sich so die Liebe Gottes aus? Und wo bleibt die Allmacht Gottes? Menschen würden selbst ihrem Schicksal überlassen, sie brauchen Gott eigentlich nicht, denn nur der Mensch bestimmt, was passiert.“
Theologie der Hoffnung

Wie schrieb Richard Rohr so passend:
"Wenn Gott Richter ist, dann sind Sie und ich es nicht.
Wenn Gott Richter ist, dann ist es die menschliche Kultur nicht.
Wenn Gott Richter ist, dann sind es die Kirchen nicht.“