Sonntag, März 25, 2012

„Die verändernde Kraft des Evangeliums“


 

Ein zentraler Punkt in unserem Studienprogramm Gesellschaftstransformation ist, dass wir an die verändernde Kraft des Evangeliums glauben. Dies zieht sich durch all unsere Module und zeigt sich ganz praktisch in den vielen Praxisprojekten. Diese verändernde Kraft haben wir nun von unterschiedlichen Perspektiven und von vielen Dozierenden unseres Programms in unserem 4. Band unserer Transformationsstudien zusammengetragen. Mit spannenden Beiträgen von N. T. Wright, Johannes Reimer, Miroslav Volf, Volker Rabens, Guido Baltes, Thomas Weißenborn, Monika Deitenbeck-Goseberg und vielen mehr. Sie beschreiben das Evangelium, die gute Nachricht von Gottes anbrechender neuer Welt, als eine verändernde und befreiende Kraft für das eigene Leben und die bestehenden (Un-)Ordnungen dieser Welt. Jedoch wurde das Evangelium in der Vergangenheit allzu oft in unsere, oft zu einseitigen, menschlichen Denkschemata gepresst. Die Beiträge versuchen das Evangelium in seiner ursprünglichen Größe im Kontext des Judentums des 1. Jahrhunderts freizulegen und dieses daraufhin zeitgemäß für unsere Lebenswelt auszudrücken, damit es seine verändernde Kraft entfalten kann in unserem Leben, unseren Gemeinden, unseren Dörfern und Städten und der gesamten Gesellschaft.

Einleitung in das Buch gibt es hier zu lesen!


Kommentare:

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ich wundere mich immer wieder, wie die Emergent-Missionalen es schaffen, zum einen herkömmliche Gemeinden als sozial unrelevant und Jenseits-orientiert hinzustellen, zum anderen das Evangelium in erster Linie als ein Programm zur Herstellung sozialer Gerechtigkeit zu deuten.

David Jäggi hat gesagt…

@Hans-Christian: Ich komme selber aus einer "herkömmlichen Gemeinde". Ich glaube nicht, dass es den Emergent-Missionalen darum geht, diese als sozial irrelevant darzustellen. Es ist aber auch meiner Meinung nach in der Tat so, dass die Evangelikalen das Evangelium auf die persönliche Bekehrung reduziert und daher vieles einhergehendes vergessen haben. Um einen Paradigmenwechsel zu vollziehen braucht es daher immer auch Extrempositionen, welche die Mitte zum Weiterdenken bewegen. Daher bin ich Tobi und den anderen dankbar. Denn auch wir in unserer Gemeinde haben erkannt, dass wir den Bereich der sozialen Gerechtigkeit, und hier hat Jesus gewirkt, das steht ausser Frage, lange vernachlässigt haben. Die Frage ist immer, wie kann beides gelebt werden, ohne selber in ein Extrem abzudriften... Da helfe uns Gott.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Harald Sommerfeld refererierte auf dem Transforum 2012 in Berlin über englische Kirchengeschichte und vertrat die Auffassung, dass die großen Glaubens- und Erweckungsbewegungen als soziale Werke begonnen hätten, die von Gläubigen getragen und vorangetrieben wurden. Die Methodisten, die Heilsarmee und andere hätten vor allem die soziale Ungerechtigkeit der damaligen Gesellschaft im Blick gehabt und seien aufgestanden, um etwas daran zu ändern.

Das Gegenteil war der Fall. Aus damaligen Berichten, u. a. John Wesleys „Journal“, ist ersichtlich, dass ihr eigentliches Anliegen ganz klar geistlich und moralisch war.
Wesley war Jahrzehnte hindurch ununterbrochen auf Pferderücken unterwegs, um den Ärmsten das Evangelium zu predigen.

Als er im Mai 1742 in Newcastle upon Tyne eintraf, schrieb er in sein Tagebuch:
"Ich war überrascht; so viel Trunkenheit, Flüche und Verwünschungen (selbst aus den Mündern kleiner Kinder) in einem so kurzen Zeitraum kann ich mich nicht entsinnen, je erlebt zu haben. Wahrlich, dieser Ort ist reif für Ihn, der 'kam, um nicht die Gerechten, sondern die Sünder zur Buße zu rufen'."

Diese ganze Debatte um Diesseits- und Jenseitsorientiertheit des Evangeliums kommt mir vor wie Dostojewskis Großinquisitor reloaded.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

David, ich störe mich an der Betonung. "Vor allem", "die ursprüngliche Größe des Evangeliums". Am Anfang standen in der Vergangeneit immer geistliche und moralische Erweckungen. Soziale Gerechtigkeit war die Folge. Paulus ist auch nicht auf die Straße gegangen, um gegen Sklaverei zu demonstrieren, doch nach ein paar Jahrzehnten kam das ganze römische System in Bedrängnis, weil alle neubekehrten Christen ihre Sklaven freiließen und andere freikauften.
Der Calvinismus betont von Anfang an das Thema des sozialen Engagements. Es ist fester Bestandteil des Christentums.

Anonym hat gesagt…

Hi Toby, hier mal wieder ein Gruß aus HD! Wir haben dieses Jahr einen Coaching-Prozess mit Johannes Reimer gestartet und letzten Samstag war er zur Potenzialanalyse bei uns. In 2 Monaten ist Kontextanalyse angesagt und ich bin echt gespannt, was noch so passieren wird mit uns und in HD ;) Bislang finde ich den Prozess sehr gut und es scheint mir, dass sich unser bunter Haufen anfängt zu "formieren" - wie auch immer das dann letzten Endes mal noch aussehen wird... Hoffe, euch Faixens geht's gut! Liebe Grüße, Julia

Tobias Faix hat gesagt…

@julia: Schön von dir zu hören! Ich hoffe Marlin hat dir meine Grüße ausgerichtet!! Er hat ein bisschen erzählt, was ihr so vor habt. Sehr spannend.
Ja, uns geht es gut, die Kids wachsen udn gedeihen und wir freuen uns gerade auf die Osterferien. :)
Wie geht es dir?
Herzliche Grüße,
toby

Tobias Faix hat gesagt…

@Hans-Christian: Es geht doch nicht um ein "entweder oder", sondern um ein "sowohl als auch"! Das Evangelium betrifft immer beides, ich zumindest kann es gar nicht trennen. Je nach Kontext gibt es dann sicherlich verschiedene Ausprägungen, je nach Blickwinkel, auch verschiedene geschichtliche Interpretationen...

Wie hat Wichern so schön gesagt: Diakonie ohne Evangelisation ist ziellos und Evangelisation ohne Diakonie ist fruchtlos!

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Die Ausgewogenheit Wicherns kann ich bei den emergent-missionalen Gesellschaftstransformatoren nicht entdecken.
Ihre vielseitigen Bemühungen wirken, angesichts des dominierenden Evangeliumsverständnisses, von dem diese flankiert werden, in der Tat etwas ziel- und zusammenhanglos.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

..., wobei ich mit "dominierenden Evangeliumsverständnis" natürlich die neue Hermeneutik des geschichtlichen Bewusstseins, der jüdischen Perspektive, gekoppelt mit der neuen Suche nach dem historischen Jesus und der neuen Paulusperspektive meine.
Das Ganze wird als Paket mit der Aufschrift "authentisch und neu" geliefert. Neu ist es natürlich keineswegs, denn es befindet sich in bester Tradition moderner post-kantianischer Prozess-Theologen wie Fuchs, Ebeling, Pannenberg und Moltmann.

Tobias Faix hat gesagt…

Lieber Hans-Christian,
ich bin sehr froh und dankbar, das sich Gott oft zu den plan- und ziellosen gestellt hat. ☺ Ich bewundere immer wieder deine Urteilskraft und frage mich aber woher du sie nimmst? Wie viele Menschen, Gemeinden, Projekte und Initiativen kennst du denn wirklich, also hast nicht nur irgendwas gelesen, sondern warst in den Gottesdiensten, im Unterricht und hast mit den Menschen gesprochen, sie kennen gelernt und mit ihnen gesprochen.

Zur reformatorischen Theologie Calvins. Er hat tatsächlich eine sehr starke gesellschaftstransformatorische Dynamik in seiner Theologie und in der Umsetzung in Genf, was zum einen beeindruckend ist und zum anderen stört mich der christliche „Triumphalismus“ und die Gewalt der Durchsetzung seiner Ideen, da bin ich froh, dass auch die reformatorische Theologie historisch einzuordnen und zu bewerten ist....

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Lieber Tobias,
Welche Rolle spielt es, wie viele Gemeinden ich besuche? Ich bin ein interessierter Beobachter aktueller christlicher Gedankenwellen und –strömungen.
Es gibt, wie du selbst (in „Weltbild&Wahrheit II“) schreibst, keine „neutrale Theologie“. Immer liegen notwendiger Weise Denkvoraussetzungen zugrunde. Und um diese Voraussetzungen geht es mir: Sie sind Bestandteil unserer Theologie und bestimmen ihren Verlauf. Gedanken haben Folgen.
Ich wiederhole, was ich dort bereits kommentierte: Je nachdem, ob ich den absolut bewussten, selbstbestimmten, souveränen Gott und sein selbst-beglaubigendes Wort, die Bibel voraussetze, oder einen Gott, über den wir „an sich“ gar keine Aussagen machen können – weil die Bibel auch keine verwertbaren, strukturierten Aussagen über ihn machen möchte, es sei denn „ad beneficio“, soweit es dem Wohl und Heil des Menschen dient, einen Gott, der sich in Beziehung mit dem Menschen „ereignet“ –, entwickle ich dem entsprechend meine Theologie in entgegengesetzte Richtungen: zur klassisch orthodoxen (du würdest sagen, „objektiven, rationalistischen, scholastischen“) Theologie der Reformation, oder zur modernen „Pro-Me-„, oder Prozess-Theologie des Christusereignisses.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s.
zu Calvin und Genf: Wenn du die turbulenten Ereignisse im Genf des 16. Jhds. geschichtlich einordnen möchtest, empfehle ich J. H. Merle de’Aubigné: „Die Geschichte der Reformation in Europa zu den Zeiten Genfs“. Daraus geht hervor, dass die Reformation zweierlei war: Zum einen eine geistliche Erweckung, zum anderen ein Befreiungskampf gegen die rigorose Herrschaft Roms. Das war buchstäblich ein Kampf bis aufs Blut. Calvin wurde von der Genfer Bürgerschaft um Hilfe gebeten und hat sich zunächst zögerlich dazu bereit erklärt; er war keineswegs alleiniger Bestimmer des Geschehens.

Tobias Faix hat gesagt…

Stimmt, wir wiederholen uns. Ich denke, dass deine theologische Aufteilung und Bewertung nicht stimmt und du wirst von dieser nicht lassen, deshalb ist es müßig weiter zu diskutieren.

Danke für den Buchtipp zu Calvin in Genf, nehme ich gerne auf....

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Wieso müßig? Könnte doch für uns beide ganz nützlich sein, gegenseitig unsere apologetischen Krallen zu wetzen;-)
Nicht alle gehen so unvorbereitet in eine solche Unterhaltung wie dein "Mann" aus "Weltbild&Wahrheit I" ...

Tobias Faix hat gesagt…

Ja, da hast du sicher recht.
Ich glaube, dass die "apologetischen Krallen" eher zu dir gehören. :)
Außerdem ist ein ungleicher Dialog, wenn du davon ausgehst, dass nur du die Wahrheit hast....

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Du bist es doch, der die reformatorische Position ständig in Zweifel zieht.
Das bedeutet, dass du ebenfalls eine Position hast, nenn sie wie du willst, "geschichtliches Bewusstsein" oder "Kontingenz" ..., aus der heraus du das kannst.
Ich versuche, diese ausfindig zu machen und wäre dankbar, wenn du mir dabei behilflich wärest.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

o.k., dann formuliere ich die Frage um: Wenn es keine objektive Theologie gibt, wie ist dann Kommunikation möglich?

Tobias Faix hat gesagt…

Vielleicht ist es eine Frage der Definition: Was ist Objektivität? Und von welchem Standpunkt gehe ich aus? Die reformatorische Theologie ist für mich deshalb subjektiv, weil ich sie von meinem Standpunkt aus bewerte. Wie jede andere Theologie auch. Eine Theologie versucht immer Gott aus einem bestimmten Blickwinkel zu beschreiben, Gottes Offenbarungen in dieser Welt zu deuten, sei es durch die Bibel, der Schöpfung oder durch eigene Erfahrungen.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Man könnte eine Theologie "objektiv nennen, die Gottes Selbstoffenbarung in seinem selbst-beglaubigenden Wort, der Bibel, sich selbst deuten lässt.
Gäbe es keine objektive Offenbarung, dann gäbe es zudem keinen historischen Übergang von Gottes Zorn zur Gnade. Das hieße, wir alle befänden uns weiterhin unter dem Zorn Gottes.
Oder wir schauen bei Barth und Bultmann nach, wie wir Gottes Heilshandeln subjektiv umdeuten können, damit der postmoderne, autonome Mensch frei bleiben kann.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Das kann dann beispielsweise so aussehen, dass ein Mr. N. T. Wright sich in dem emsigen Bemühen, die gebildeten postmodernen Verächter für den Glauben zu erwärmen, der Aufgabe widmet, „im Rückblick auf die Erzähltradition der Bibel praktisch zu entdecken, was die Äquivalenz der Auferstehung innerhalb unserer Kultur und für unsere Zeit sein könnte.“ Gesellschaftstransformation, das wäre doch ein Vorschlag.
Dadurch, dass Sünde nicht mehr moralisch, sondern systemisch verstanden wird, wird die Individualisierung des („amputierten“) Heilsgeschehens sowieso überflüssig.
Es wird nur schwierig sein zu erläutern, wozu wir in alledem eigentlich Jesus brauchen.

Tobias Faix hat gesagt…

"Man könnte eine Theologie "objektiv nennen, die Gottes Selbstoffenbarung in seinem selbst-beglaubigenden Wort, der Bibel, sich selbst deuten lässt."

Kannst du mir diesen Satz erklären? Also, ich verstehe ihn formal schon, aber in dem Moment in du dieses beglaubigte Wort deutest, ist es ja wieder subjektiv.

Ich glaube, du hast NT Wright nicht gelesen, sonst würdest so Aussagen nicht machen.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Dann ist also Gott gleichbedeutend mit seiner Offenbarung, welche wiederum, ebenso wie der Mensch, den Zufallselementen der Geschichte unterworfen ist.
D. h. der Mensch als Schnittstelle zwischen purem Determinismus und purer Kontingenz.
Ich frage mich, wozu unbedingt eine christianisierte Variante von Heidegger gebraucht wird.

Das Wright-Zitat stammt aus "The Challenge of Jesus" S. 170

Tobias Faix hat gesagt…

Ich weiß nicht, ob du mich nicht verstehen kannst oder willst und/oder umgekehrt. Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass du nicht auf meine Post eingehst, sondern immer wieder deine in sich geschlossene Argumentationsreihe abfährst.

Zu NT Wright. Es geht nicht um ein Zitat, sondern um seinen Ansatz, der nicht das Moralische aus der Sünde nimmt, sondern sich gegen eine individuell-moralische Verengung des Sündenbegriffs wendet.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

apropos ich hätte Wright nicht verstanden ...
Gibt es denn ein objektives N.T.Wright-Verständnis?;-)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Wright ist ein Beispiel für "have the cake and eat it, too". Er will als anglik. Bischof auf den konservativen Ansatz nicht völlig verzichten, sieht jedoch die Notwendigkeit, um die individuell-moralische Verengung des Sündenbegriffs zu vermeiden, die biblische Darstellung von Schöpfung, Sündenfall und Erlösung zu entmythologisieren.
Allein, der Ballanceakt gelingt nie. Er steht eindeutig auf Seiten der Existenztheologen.

Tobias Faix hat gesagt…

Nein, es gibt kein objektives Wrightverständnis. Stopp, außer deines natürlich. Ich bin mir sicher, dass du ihn besser verstehst als er sich selbst....

Hans-Christian Beese hat gesagt…

;-)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Wenn du meinst, ich spule abgeschlossene Argumentationsketten ab, dann solltest du dich selbst mal reden hören. Jedesmal wenn einer objektiv verifizierbare oder konzeptionelle Wahrheit oder historisch identifizierbares Heilsgeschehen zur Sprache bringt, wie der arme „Mann“ in Weltbild&Wahrheit I“, kommt reflexartig nach Art der Sophisten der Hinweis, dass in dem Augenblick, in welchem er solches denkt, diese Gedanken ja schon wieder subjektiv sind, weil er sie ja denkt.
Das ist wie ein Schwarzes Loch, das alles einsaugt, am Ende sich selbst!

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Die "neue" Hermeneutik von Männern wie N. T. Wright beinhaltet eine Synthese zwischen Christus und Kant, wie die Hermeneutik des Römisch-Katholizismus eine Synthese zwischen Christus und Aristoteles beinhaltet.
Sie möchten dem postmodernen Menschen das Evangelium Christi nahe bringen, doch in ihrem Bemühen reduzieren sie das Evangelium in einer Weise, dass der postmoderne Mensch keinen Anstoß mehr daran nimmt.

sönke hat gesagt…

Wow..

So ganz folgen kann ich hier glaub ich nicht mehr.. ;)

Was mir nur immer rätselhaft bleibt, ist folgendes:

"Man könnte eine Theologie "objektiv nennen, die Gottes Selbstoffenbarung in seinem selbst-beglaubigenden Wort, der Bibel, sich selbst deuten lässt."

Ach, tatsächlich?

Das Neue Testament, das ich lese, spricht allerdings sehr deutlich davon, dass Gottes Offenbarung mit Jesus (meinetwegen auch dem "Christusereignis" ..oder der Auferstehhung..oder oder..) ABGESCHLOSSEN ist!

Beispiele gefällig?

Hebr. 1,2, Joh.1,1, 1.Kor. 3,11 und viele andere mehr..

Mit anderen Worten:

Die Bibel ist ein Produkt der Kirchengeschichte, NICHT der Heils (oder Offenbarungs-) geschichte!

Sie bezeugt die Offenbarung!
Sie zeigt die Anwendung des Evangeliums in einer bestimmten geschichtlichen Situation!

Was beides sehr kostbar ist..und für die heutige Situation auch sehr lehrreich!

Aber sie ist eben selber nur insofern Offenbarung, als sie von Jesus spricht.

Oder mit Luther gesagt:

"Schlicht und gering sind die Windeln, aber teuer ist der Schatz (Christus), der darin liegt."

Von daher wundere ich mich immer etwas über die Selbstverständlichkeit, mit der die Bibel als "Gottes Selbstoffenbarung" reklamiert wird.. geradeso als wäre SIE das "Bild Gottes" aus Kol. 1,15!?

Selbstverständlich kommt der Bibel eine zentrale Stellung für den chrstlichen Glauben zu, und das wird auch bestimmt immer so bleiben!

Nur sollte das nicht die Unterschiede verwischen, die zwischen ihr und der "irrtumslosen Selbstoffenbarung" Gottes (nämlich Jesus!) bestehen.

Just my 2 cents.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Hey Sönke. Ebenfalls wow!

Du sagst es, denn deinem Lutherzitat aus der Vorrede zum AT gehen die Sätze voraus:

„Darum lass dein Meinen und Empfinden fahren und erachte die Schrift als das allerhöchste, edelste Heiligtum, als die allerreichste Fundgrube, die nimmermehr genug ausgeschöpft werden kann, auf dass du die göttliche Wahrheit finden mögest, welche Gott hier so einfältig und schlicht vorlegt, dass er allen Hochmut dämpfe.“

Nach reformatorischer Auffassung ist das Wort Gottes nur in der Bibel zu finden (sola scriptura), deren Mitte Jesus Christus ist. Der gute Luther lässt sich für die von dir vertretene Auffassung also nicht einspannen.

In der dialektischen Theologie Karl Barths hingegen wird das Wort Gottes als die fundamental von der Welt und dem in ihr Erkennbaren verschiedene Offenbarung verstanden. Diese Offenbarung hat ihr Zentrum im Christusereignis, von dem aus sich alles andere herleitet. Daher ist für Barth allein Jesus Christus Wort Gottes im eigentlichen Sinne. In sekundärem Sinne ist die Bibel als Zeugnis von Christus ebenfalls Wort Gottes.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Bitte verzeih das Copy&Paste aus Wiki im letzten Absatz. Ist sonst nicht mein Stil, aber ich hatte das ja schon alles geschrieben.

sönke hat gesagt…

Also, in Deinem Lutherzitat gibt es kein Wort, dass ich nicht unterschreiben könnte.

Aber könntest Du die Schrift mit Luther als [abgesehen von Christus] "schlicht und gering" ansehen?

Noch "schlimmer" ist ja die Sicht Jesu selbst auf alles ihm Vorausgehende:

Man muss sich nur mal vor Augen führen, was ein Satz wie "niemand kennt den Vater, als nur der Sohn.." (Matth. 11,27) für die gesamte Offenbarungsgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt bedeutet!

Im Übrigen liegt mir nichts daran, irgendwelche Autoritäten "einzuspannen".

Hans-Christian Beese hat gesagt…

„Schlicht und gering“ ist ihre Form, verglichen mit ihrer erhabenen Bedeutung. Sie ist eben kein Buch, das „vom Himmel gefallen“ ist wie der Koran oder die goldenen Tafeln von Mr. Smith, sondern sozusagen dynamisch oder organisch über langen Zeitraum und durch viele sehr unterschiedliche (Sekundär-) Autoren entstanden.
Was Luther meint, ist, dass wir bei alledem nicht vergessen sollen, dass sie das einzigartige, vollmächtige Wort des lebendigen Gottes ist.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s. Gerade zu dem Thema hatte mal eine Endlosunterhaltung mit Günter J. Matthia:
http://gjmatthia.blogspot.de/2011/11/bibel-wort-gottes.html

Hans-Christian Beese hat gesagt…

"Man muss sich nur mal vor Augen führen, was ein Satz wie "niemand kennt den Vater, als nur der Sohn.." (Matth. 11,27) für die gesamte Offenbarungsgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt bedeutet!" (Sönke)

Es bedeutet,
(1) dass Offenbarung fortschreitend und wachsend ist
(2) dass unser Erkennen Stückwerk ist
(3) dass Offenbarung, obwohl in Gottes Wort, der Bibel objektiv vorliegend, dennoch erst durch das souveräne Eingreifen des Sohnes („…und wem es der Sohn will offenbaren“) und die Kraftwirkung des Heiligen Geistes wirksam wird.

Ebenso wie unser Erkennen, obwohl es unvollständig ist, dennoch wahr ist, solange es analog zu Gottes Offenbarung erfolgt, ist auch Gottes Wort, die Bibel, von Anfang an wahr und irrtumsfrei.

sönke hat gesagt…

Ich habe mir das Buch gerade bestellt..bin gespannt! ;)

Tobias Faix hat gesagt…

@sönke: Bin auf dein Feedback gespannt! :)

sönke hat gesagt…

Mal gucken, ob ich da auch noch meinen Senf zugeben muss..

aber vielen Dank für die Einladung! ;)

Tobias Faix hat gesagt…

ja, bestimmt, denn wenn ich in etwas hans-christian zustimme, dann sind es seine Punkte 1 und 2 im letzten Post! :)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Das freut mich (um 23.45h) zu lesen! Gib dir einen Ruck, und stimm dem Rest der Aussage auch noch zu. Wie wär's?

Tobias Faix hat gesagt…

Danke! :)
Aber der hermeneutische Dreisprung Bibel - Calvin - Faix ist dann doch nichts für mich...

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ich vergaß: Dein Sport ist hermeneutischer Staffellauf: Kant – Heidegger – Fuchs - Barth - Faix!

Hans-Christian Beese hat gesagt…

… und hin und wieder zum Ausgleich ein epistemologischer Bungeesprung in die phänomenologischen Tiefen des geschichtlichen Bewusstseins.

Tobias Faix hat gesagt…

Deine Einschätzung ehrt mich ja, aber du irrst dich. Ich gebe zu, dass ich in meiner Jugendzeit einen Faible für Kierkegaard und Barth hatte, aber diese Liebe ist doch etwas abgekühlt.... :)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Man muss die Vorläufer nicht unbedingt lieben, um ihren Stab dennoch in dieselbe Richtung weiter zu tragen.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s. ja, die Jugendzeit … Witzigerweise habe ich als Teenager – noch vor den üblichen Verdächtigen: Kafka, Sartre, Camus und Hesse – Kants „Prolegomena“ und Heideggers „Sein und Zeit“ gelesen. Frag mich nicht, wie viel ich damals davon verstanden habe;-)

Tobias Faix hat gesagt…

Ja, das liebe ich an den Leuten die die Wahrheit besitzen, sie wissen alles. Das Lustige ist, dass einer deine "New Calvinist Kollegen" mir vor einiger Zeit einen Brief geschrieben hat udn mir genau das Gegenteil vorgeworfen hat, nämlich, dass ich Barth weder verstehen noch ihm folgen würde. Aber es ist ja schön, dass sich so viele Leute Gedanken über mich machen...

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Wenn die Speerspitze der deutschen emergent-missionalen Bewegung explizit und öffentlichkeitswirksam gegen das protestantische Bibel- und Hermeneutik-Verständnis zu Felde zieht, dann sollte er sich nicht wundern, dass sich Leute dafür interessieren.

Tobias Faix hat gesagt…

Auch hier irrst du meiner Meinung wieder, ich befinde mich mitten im "protestantische Bibel- und Hermeneutik-Verständnis", genau das ist ja das Problem von den "New Calvinist", deine Position ist in Deutschland so exklusiv, dass ihr alle anderen ausschließt bzw. anschließt. Wir könnten friedlich nebeneinander existieren. :)

sönke hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hans-Christian Beese hat gesagt…

Tobias, vermutlich meint mein „new-Calvinist-Kollege“, (den ich nicht kenne und der natürlich kein Kollege ist, weil ich kein New-Calvinist bin), dass du mit deiner Position „über Karl Barth hinausgehst“. Theologie geht weiter. Nach Barth kommt Ebeling, der wiederum von Wittgensteins Sprachphilosophie beeinflusst wurde. Die Entmythologierung muss weitergehen!

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Sönke, du gabst das Stichwort:

Die C.E. sagt in Kapitel XIX:

„Wir bekennen, dass ein Bekenntnis der völligen Autorität, Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Schrift für ein gesundes Verständnis des ganzen christlichen Glaubens lebenswichtig ist. Wir bekennen ferner, dass solch ein Bekenntnis dazu führen sollte, dass wir dem Bild Christi immer ähnlicher werden.
Wir verwerfen die Auffassung, dass ein solches Bekenntnis zum Heil notwendig sei.
Wir verwerfen jedoch darüber hinaus auch die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit ohne schwerwiegende Konsequenzen, sowohl für den Einzelnen, als auch für die Kirche, verworfen werden könne.“

Im Kommentar heißt es dazu u. a.:

„Im Christentum gehört die Autorität Gott in seiner Offenbarung, was einerseits Jesus Christus, das lebendige Wort, andererseits die Heilige Schrift, das geschriebene Wort, meint. Die Autorität Christi und die der Schrift sind jedoch eins. Als unser Prophet hat Christus bezeugt, dass die Schrift nicht zerrissen werden kann. Als unser Priester und König widmete er sein irdisches Leben der Erfüllung des Gesetzes und der Propheten und starb sogar im Gehorsam gegen die Worte der messianischen Weissagungen. So wie er die Schrift als Beglaubigung für sich und seine Autorität sah, beglaubigte er durch seine eigene Unterordnung unter die Schrift ihre Autorität.

So wie er sich unter die in seiner Bibel (unserem Alten Testament) gegebenen Weisungen seines Vater beugte, erwartete er dies auch von seinen Jüngern, nicht je doch isoliert vom apostolischen Zeugnis über ihn selbst, sondern im Einklang mit diesem, dessen Inspiration er durch seine Gabe des Heiligen Geistes bewirkte.
Christen erweisen sich somit dadurch als treue Diener ihres Herrn, dass sie sich unter die göttlichen Anweisungen in den prophetischen und apostolischen Schriften, die zusammengenommen unsere Bibel ausmachen, beugen. Indem Christus und die Schrift sich gegenseitig ihre Autorität beglaubigen, verschmelzen sie zu einer einzigen Quelle der Autorität. Von diesem Standpunkt aus sind der biblisch interpretierte Christus und die Bibel, welche Christus in den Mittelpunkt stellt und ihn verkündigt, eins.

So wie wir aus der Tatsache der Inspiration schließen, dass das, was die Schrift sagt, Gott sagt, können wir aufgrund der offenbarten Beziehungen ebenso bekennen, dass das, was die Schrift sagt, Christus sagt.“

sönke hat gesagt…

Danke für das Zitat.
Und nun?

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Nun, Christus selbst zeugt im Wort von der göttlichen Autorität des geschriebenen Wortes.
Dies ist kein Zirkelschluss, weil es überhaupt kein Schluss ist, sondern eine Präsuppostion.

Im Übrigen ist es wenig sinnvoll, losgelöst von Inhalten, über Begriffe wie „Irrtumslosigkeit“ zu diskutieren, weil dadurch nur auf beiden Seiten Sprachreflexe ausgelöst werden.

Immerhin schreibt Thomas Schirrmacher im Anhang zu seiner Übersetzung der C.E.:kritisch (und das müsste euch doch entgegenkommen):

„Wenig ausgeprägt ist unter Bibeltreuen das Bewusstsein der Gefahr, die westliche Theologie für die biblische Theologie schlechthin zu halten. Wenn es in der 2. Erklärung in Artikel XII heißt: „Wir bekennen, dass bei der Aufgabe, die Bibel zu über setzen und sie im Kontext jeder Kultur zu lehren, nur solche funktionellen Äquivalente verwendet werden sollten, die dem Inhalt der biblischen Lehre getreu entsprechen“, so fehlt dabei die Demut der westlichen Theologie, dass sie sich selbst zugesteht, dass ihre eigenen Übersetzungen der biblischen Botschaft in die jeweiligen Kulturen diesem hehren Standard allzu oft nicht gerecht werden und deswegen nichtwestliche Kulturen in ihrer Auslegung und Übersetzung der Bibel im Rahmen ihrer Kultur nicht automatisch an Standards der westlichen Theologiegeschichte gemessen werden dürfen.“

Schon Calvin geriet in den Geruch der Häresie, als er die Ableitung der Dreieinigkeitslehre aus der Schrift nicht automatisch an den Formulierungen der frühkirchlichen Konzilien festmachen wollte – gerade dadurch hat er aber auf Dauer zu einer Erneuerung und Festigung der Trinitätslehre beigetragen.

Heute müssen wir noch viel mehr betonen, dass die griechisch­lateinische und westliche Lesart der Bibel und der Theologie nicht mehr und nicht weniger kulturell bedingt sind, wie die anderer Kulturen, die derzeit zahlenmäßig immer stärker in den Mittelpunkt des Christentums rücken.

Tobias Faix hat gesagt…

Ja, dies ist auf alle Fälle ein Schritt in die richtige Richtung! Denn jede Theologie ist kontextuelle Theologie! ;)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

o.k., da wir das geklärt haben, können wir zu den Inhalten kommen. Weshalb starb Christus? Worin liegt das Verständnis und die Botschaft der Auferstehung? Und wie lässt sich Glaube an die Auferstehung beschreiben?

Tobias Faix hat gesagt…

da würde ich es mit Paulus und den ersten Christen halten:

"Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:1 6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters."

Mehr gibt es kaum zu sagen, besonders nicht am Karfreitag! :)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ja, das Zitat ist treffend. Um allerdings nachvollziehen zu können, was du darunter verstehst und wie du das Geschehen deutest, wäre es natürlich hilfreich, ein paar eigene Worte anzufügen.
Wie du sicher weißt, kursieren in der modernen Theologie die verwegensten Vorstellungen, was Tod und Auferstehung Christi zu bedeuten hatte und hat.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Du weißt ja: Bei den Allgemeinplätzen herrscht große Einigkeit, an den Details scheiden sich die Geister. Wobei hier "Details" nicht mit "bedeutungslos" gleichzusetzen wäre.

sönke hat gesagt…

Das Bekenntnis zum auferstandenen Jesus ist also ein "Allgemeinplatz"?!

Interessant.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ja klar. Wenn das nicht näher erklärt wird, kann das alles Mögliche bedeuten, was ja auch heutzutage der Fall ist.
Deshalb frage ich ja, was du denn darunter verstehst.
Ist doch angesichts unseres grundverschiedenen Hermeneutik- und Autoritätsverständnisses keine so absurde Frage, oder?

Tobias Faix hat gesagt…

Naja, als guter Protestant ist hier meine Antwort: sola scriptura! Das Wort legt sich selbst aus! :)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Von dir unwidersprochen sagt Sönke zum Thema "sola scriptura":
"Die Bibel ist ein Produkt der Kirchengeschichte, NICHT der Heils (oder Offenbarungs-) geschichte!
Sie bezeugt die Offenbarung!
Sie zeigt die Anwendung des Evangeliums in einer bestimmten geschichtlichen Situation!"
Die Bibel selbst spricht vom Karfreitags- und Ostergeschehen als fest im AT-Kontext eingebunden: "Auf dass die Schrift erfüllt werde" ist wie ein roter Faden. Den Emmaus-Jüngern brannte ds Herz, als der eigenartige Fremde ihnen anhand der Schrift aufzeigte, dass alles sich verhalten musste. Und die Apostel legten immer wieder in ihren Predigten dar, dass Mose und die Propheten Christus angekündigt hatten. Für die neue Hermeneutik hingegen ist dieselbe Schrift bestenfalls "die Anwendung des Evangeliums in einer bestimmten geschichtlichen Situation", also kontextlich, subjektiv.
Ein weiterer nicht unwesentlicher Detailunterschied ist, dass die Bibel vom Tod Christi als Sühneopfer für die Sünden von Menschen spricht und auch der Fokus der apostolischen Predigt auf Sündenerkenntnis, Buße und Bekehrung Einzelner lag, während die Vertreter der neuen Hermeneutik keine Mühe scheuen, immer wieder zu betonen, wie "verstümmelt" dieses individuelle Heilsverständnis, das sie nun endlich im weiteren Kontext aufzeigen, sei.
Fazit: Nicht die Schrift legt ich selbst aus, sondern der postmoderne Mensch legt sie, nach gründlicher Entmythologisierung, gemäß den Prinzipien post-kantianischer Epistemologie und der Maßgabe existentialistischer, phänomenologischer Hermeneutik, selbst aus.
Die Sprache ähnelt sich, doch der Inhalt ist ein völlig anderer.

Tobias Faix hat gesagt…

Frage: Was ist der postmoderne Mensch? Du sprichst immer von Anderen, die beeinflusst sind von diesen udn jenen Philosophien. Was ist eigentlich mit dir? Bist du aus der Zeit gefallen? Ist es Calvin?
Du legst Analogien hin, die wahrlich abenteuerlich sind, wie dein letztes Fazit. Sorry, da vergeht mir der Spaß am diskutieren, selbst an einem so schönen Ostersonntag. Wenn dein Urteil bereits gefällt ist, du schon alles weißt und am Ende sowieso die objektive Wahrheit hast, warum dann das alles?

sönke hat gesagt…

Hans-Christian, könnte es - rein eventuell versteht sich ;) - wohl sein, dass Du eine Menge Vorurteile vor Dir her trägst, die Du überall bestätigt sehen möchtest - egal ob es nun gerade passt oder nicht?!

Von "Neuer Hermeneutik" habe ich noch nie etwas gehört.

Vor allem:

Ich bestreite weder die AT-liche Einbindung des Evangeliums, und noch viel weniger Jesu Tod als Sühneopfer oder die Notwendigkeit von Sündenerkenntnis und Buße.

Wo liest Du das bloß alles heraus?

Tatsache bleibt:
Das NT weist stets von sich selbst weg auf Jesus.

ER - und nur er! Hier gibt es keine "Verschmelzung"! - ist die grundlegende Offenbarung Gottes!

Da die "bibeltreue" Auslegungspraxis bereits diesen ersten Schritt nicht mitvollzieht, ist es leider kein Wunder, dass sie zu einer völlig anderen Sicht von Offenbarung und Schrift gelangt als das NT selbst.

Gleiches gilt für Luther. Ich könnte mühelos seitenweise Lutherzitate bringen, die belegen, wie himmelweit "Chicago" von Luther entfernt ist.

Das werde ich hier aber niemandem zumuten - da es sachlich einfach unbestreitbar ist.

sönke hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hans-Christian Beese hat gesagt…

Sönke, "Das NT weist stets von sich selbst weg auf Jesus." (dein Zitat)

Ein Beweis mehr, dass die Bibel tatsächlich das einzigartige Wort des lebendigen Gottes, nicht nur "die Anwendung des Evangeliums in einer bestimmten geschichtlichen Situation" ist, denn dasselbe tut Gott:

"DIES ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."

Tobias, erzähl du mir, wer der "postmoderne Mensch" ist. Ich habe ihn eurer Terminologie entnommen.
Nach dem, was ich lese, ist er ein Wesen, das dem modernen Menschen folgt und das deshalb eine völlig neue, ganz eigene Darreichung des Evangeliums benötigt, um seinen feinen intellektuellen Sinn nicht abzustoßen oder zu verschrecken. Vor allem darf nichts geschehen, was sein höchstes Gut, seine Freiheit und Selbstbestimmtheit, in unzumutbarer Weise eingeschränkt.
Wenn er schon den willkürlichen Mächten des Zufalls ausgeliefert ist (die ja schließlich auch seine Freiheit ausmachen), dann sollte es Gott und seine Offenbarung wenigstens ebenso sein. Nur so können er und Gott sich auf Augenhöhe begegnen und er kann in Christus am göttlichen Wesen teilhaben.

sönke hat gesagt…

Noch kurz vor dem Schlafengehen ;)

Es bestreitet ja auch niemand, dass die Bibel Gottes Wort ist.

Sie ist es aber nicht als "sich selbst beglaubigende Selbstoffenbarung Gottes", jedenfalls dann nicht, wenn man es vermeidet, dem NT Gewalt anzutun - denn dort wird durchweg Jesus allein als die entscheidende (!) Offenbarung Gottes bekannt - und vereehrt! ;)

Um diese Unterscheidung geht es mir!

M.E. "verschmelzen" die beiden eben NICHT zu einer einzigen Quelle der Autorität.

Als der Auferstandene ist Jesus natürlich auch Herr der Schrift!

Darin, dass die Bibel, insofern sie - wie Gott selbst, da hast Du recht! - auf Jesus hinweist, Gottes Wort ist, sind wir uns bestimmt vollkommen einig.

Und dann noch kurz:

Was hast Du eigentlich mit meiner "Anwendung des Evangeliums in einer bestimmten geschichtlichen Situation"?? ;)

Würdest Du denn nicht sagen, dass wir im NT beobachten können, wie die ersten Christen das Evangelium von Jesus in ihrer damaligen Welt zur Geltung und damit eben auch zur Anwendung gebracht haben?

Tobias Faix hat gesagt…

Lieber Hans-Christian, wenn ich das lese, was du über den "postmodernen Menschen" schreibst, dann bin ich ganz Lernender, weil ich vieles was du schreibst so noch nie gehört habe. Und ich weiß auch nicht, ob das alles so ernst gemeint ist, oder ob du nur provozieren willst.
Also, um die ganze Sache ernst zu nehmen, hier in ein paar Federstrichen meine Meinung dazu: Die gesellschaftlichen Veränderungen werden, meist im Rückblick, in bestimmte Epochen eingeteilt und beurteilt, dies geschieht wiederum in verschiedenen Disziplinen (Architektur, Philosophie, Soziologie, Theologie etc.) auf mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und mit ganz verschiedenen Termini, beim Beispiel Postmoderne lauten diese etwa Zweite Moderne, Nachmoderne, Teil der Moderne, Wissensökonomie etc. Mir persönlich sind diese ganzen Begriffe nicht so wichtig, ich finde die Feststellung von Thomas Kuhn ganz hilfreich, der in der Geschichte von Paradigmenwechsel spricht, die (große Teile) das Denken, Handeln, Arbeiten etc. von Menschen verändern. Nun, ob wir uns in so einer prägenden Zeit befinden, wird wahrscheinlich erst die Geschichte zeigen, aber es ist doch sehr wahrscheinlich. Am deutlichsten wird dies meiner Meinung an der Arbeitswelt, haben vor 40 Jahren noch ca. 75% der Deutschen mit ihren "Händen" gearbeitet, sind es heut von knapp über 20%, diese Veränderungsprozesse haben große Auswirkungen, ebenso ist es in vielen anderen Bereichen.
Theologie kann sich in dem Ganzen deshalb verändern, da in ihr immer Offenbarung Gottes und der Mensch in seiner gesellschaftlichen Verortung zusammen kommen. Deshalb ist bspw. die Bibel durch die Geschichte hindurch immer aktuell und spricht prophetisch in alle gesellschaftliche Situationen hinein.

Hans-Christian Beese hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hans-Christian Beese hat gesagt…

Lieber Sönke, gegen deine Formulierung, die Bibel sei die "Anwendung des Evangeliums in einer bestimmten geschichtlichen Situation" habe ich einzuwenden, dass sie viel zu kurz zielt.
(1) Sie allein enthält das Gesetz, das uns Gottes ewigen, verbindlichen Maßstab vermittelt.
(2) In der Bibel allein redet Gott durch Christus zu uns. Sie allein enthält "Worte des Lebens".
(3) Sie ist das Buch des "Bundes" Gottes mit den Menschen, das "Testament", in dem uns unser Erbteil zugesprochen wird: beides Formulierungen, die von exakter, wortgenauer, absolut verbindlicher Formulierung sprechen.

Lieber Tobias,
ich will niemanden provozieren.
Da wir nicht von Baustilen oder Arbeitsbedingungen sprechen, sondern von Gesinnungen und Selbstverständnissen, halten wir fest, dass das, was ich geschrieben habe, zutrifft: Der postmoderne Mensch ist rational, möchtegern-autonom und freiheitsliebend. Eine Anpassung der Evangliumsbotschaft an seine Bedürfnisse und sein Selbstverständnis müsste dem Rechnung tragen: Die Auferstehungsbotschaft als Signal der siegreichen, grenzenlosen Liebe, Gott wird in Christus wie wir, damit wir in Christus wie Gott werden können.
Dafür müssen wir uns aber zunächst von jeglichem Objektivismus in der Offenbarung und Erkenntnis befreien.

sönke hat gesagt…

Lieber Hans-Christian,

ich sagte: "Die Bibel ZEIGT die Anwendung des Evangeliums in einer bestimmten geschichtlichen Situation".

Das ist schon etwas anderes, als es zu ihrer Wesensbestimmung zu machen ("sie IST..").

Ansonsten nehme ich zur Kenntnis, dass wir einfach unterschiedliche Auffassungen haben.
Die gute Nachricht ist ja, dass wir sie auch behalten dürfen!

Als schwierig empfinde ich einfach manchmal, mit welcher Selbstverständlichkeit Du Deine Position als die "wahre", "orthodoxe" o.ä. bezeichnest..und abweichende Ansichten damit schnell in den Verdacht geraten, dem Evangelium "untreu" zu sein.

Vielleicht als letzten Beitrag noch eine Formulierung aus der - Dir sicher bekannten - Barmer Theologischen Erklärung von 1934, die sich ganz exakt mit meiner Auffassung deckt.

[Ehrlich gesagt stand sie bisher nicht in Verdacht, die "wahre evangelische Position" verwässert zu haben.]

Vielleicht vermag sie zu verdeutlichen, dass wir hier nicht einfach nur ahnungslosen Unsinn schreiben:

"Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben."

So sieht es aus.
Einen schönen Ostermontag noch! ;)

Tobias Faix hat gesagt…

In der Persönlichkeitsforschung würde man jetzt wahrscheinlich positiv sagen: "Hans-Christian sieht sich stärker als seine Umwelt". Natürlich hast du Recht, daran hatte ich keinen Zweifel, aber ich hatte gehofft, wenn auch nur für einen kleinen Augenblick, dass du dich auf die dir unterlegene Umwelt kurz einlässt, aber das war wohl vergebens. Anyway, vielleicht schaffst du es mal, mit viel Gnade und Phantasie, dir vorzustellen, dass deine festen Kategorien evtl., unter bestimmten Umständen, ganz vielleicht, nicht die einzig Wahren und Richtigen sind und nicht gleichzusetzen mit Gott selbst. Was könnte dann passieren....

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Sönke, Tobias, wer a priori, allein aus der Tatsache, dass die Bibel von menschlichen Autoren innerhalb geschichtlicher Epochen verfasst wurde, den Schluss zieht, dass sie nicht Gottes inspiriertes, vollmächtiges, ewig gültiges Wort ist, der verkennt die weitere Folgerung, dass dann die gesamte Offenbarung, wie wir sie in der Bibel vorfinden, sowohl die Aufzeichnung des Heilsgeschens, als auch die Deutung desselben, von menschlicher Schwäche und Sünde verfälscht und somit unverlässlich wird.
Mit anderen Worten: Es bleibt nichts übrig, worauf wir unser Heil gründen können.
Sönke, die Barmer Erklärung hatte gewiss ihre Bedeutung für die Bekennende Kirche in der NS-Zeit, war jedoch kein Zeugnis protestantischer Orthodoxie. Meine Einschätzung der Theologie Karl Barths habe ich schon des öfteren erwähnt.
Immerhin heißt es in Punkt 3 aber auch:
"Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen."

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ich muss ergänzen: Der postmoderne Mensch ist natürlich nicht nur Rationlist, er ist gleichzeitig Irrationalist – Determinist und gleichzeitig Indeterminist. Er sieht seine Vernunft als letztendlichen Bezugspunkt jeder Aussage und weiß gleichzeitig, dass er keine Erklärung für das Dasein und das Universum finden wird, weil es keine gibt. Er sieht sich in ein Meer des unendlichen Nichts "geworfen" und sieht genau darin seine Freiheit begründet.
Autonomie ist sein unverhandelbares Gut.
Dem muss ein modernes Evangeliumsverständnis Rechnung tragen. Glaube muss weniger als ein Glauben an etwas, als vielmehr als ein Glaube "mit Christus", dem Anfänger und Vollender bzw. Urgrund des Glauben definiert werden. In diesem Glauben finden wir zu uns selbst, zu unserem wahren Sein. Wir kommen in Berührung, werden eins mit dem Urgrund des Seins, Gott. Gott ist Liebe, Liebe ist Gott. Christus ist auferstanden, um das ein für allemal klar zu machen. Diese Liebe umfasst alle Menschen aller Zeiten, das ganze Universum: Das ist die "bessere Geschichte", wie Rob Bell sie treffend nennt.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ich fasse zusammen: Um den Bedürfnissen des postmodernen Menschen gerecht zu werden, müssen wir:

(1) weg vom Mythos, hin zum existentiellen Bibelverständnis,

(2) weg vom objektivistischen, hin zum subjektivistischen Glaubensverständnis,

(3) weg vom individuellen und partikularistischen, hin zum universellen Heilsverständnis.

(4) weg von der protestantischen Bekenntnistheologie, hin zur pro-me-Theologie,

(5) weg vom statischen, konzeptionellen, "scholastischen" Denken von Chalcedon, hin zum dynamischen, "heraklitischen" Prozessdenken

(6) weg vom starren, historischen, hin zum zeitübergreifenden Geschichtsdenken.

Fällt euch noch was ein?

Tobias Faix hat gesagt…

schon der erste Satz ist und bleibt falsch, aber ich gebe es auf....

Hans-Christian Beese hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ich bin erfreut, dass der erste Satz falsch ist!
Das bedeutet, dass du an der Historizität des biblischen Berichts von der Schöpfung, von Adams Sündenfall und dem Sühneopfer Christi für die Sünden Einzelner, sowie von dem historischen Übergang vom Zorn Gottes zur Gnade festhältst.

sönke hat gesagt…

"Sönke, Tobias, wer .. den Schluss zieht, dass [die Bibel] nicht Gottes inspiriertes, vollmächtiges, ewig gültiges Wort ist, der verkennt die weitere Folgerung, dass dann die gesamte Offenbarung, wie wir sie in der Bibel vorfinden .. von menschlicher Schwäche und Sünde verfälscht und somit unverlässlich wird.
Mit anderen Worten: Es bleibt nichts übrig, worauf wir unser Heil gründen können."

Auch wenn es vermutlich nicht beabsichtigt war:

Ich habe selten einen Satz von einem bekennenden Christen gelesen, der die Person Jesu und sein Erlösungswerk für uns derart geringschätzt!

Meinst Du das wirklich ernst?

Wenn die Bibel nicht Gottes irrtumsloses Wort ist, ist damit seine Offenbarung in Jesus hinfällig - oder zumindest nicht vollgültig??

Gott sei Dank ist das nicht wahr!

Es bleibt es dabei:

Jesu Erlösung ist und bleibt der tragende Grund für jeden Menschen, der sich ihm anvertraut!

Und das völlig unabhängig davon, ob es überhaupt so etwas wie eine Bibel gibt!
Auch wenn wir keine einzige "heilige Schrift" hätten, wäre Jesu Erlösungswerk trotzdem vollkommen und ein für allemal gültig!

Ich bin zwar froh, dass wir NICHT nur mündliche Überlieferung haben, denn dann hätten wir heute noch ganz andere Probleme - aber die Bedeutung Jesu derart an die Bibel zu binden, finde ich wirklich schlimm!

Was das mit 1.Kor. 3,11 zu tun haben soll, kann ich nicht mehr erkennen.

Nur nebenbei:

Den heutigen "Normalzustand" [für westliche Christen!!], jederzeit eine Bibel griff- und lesebereit zu haben, gab es über die Jahrhunderte nur für die Minderheit aller Christen:

Entweder weil das mündliche Wort eine weit größere Bedeutung hatte und es noch gar keine "Bibeln" im heutigen Sinn gab(die ersten Jahrhunderte) oder weil sie weitgehend den Eliten vorbehalten blieb und sich das geschriebene Wort erst langsam seinen Siegeszug antrat (Mittelalter und auch noch darüber hinaus).

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Lieber Sönke,
Gott-sei-Dank, ist es wahr, denn Gott-sei-Dank haben wir sein irrtumsloses, vollmächtiges Wort, die Bibel, die uns verbindlich und verlässlich davon in Kenntnis setzt.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s. das Mittelalter wird nicht zuletzt deshalb "finsteres Mittelalter" oder "dark ages" genannt, weil die römische Kirche dem Volk die Bibel vorenthalten hat. Die Reformation des 16. Jhds. begann mit der Übersetzung der Bibel in die Landessprachen (Luther, Zwingli, Wyclif, Olivétan etc.).

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s. du kannst nicht erkennen, was 1. Kor. 3,11 damit zu tun hat? Nun, das will ich dir gern verraten: Allein Gottes vollmächtiges, verbindliches Wort, die Schrift, verrät uns, wer dieser "Grund" oder "Eckstein" ist:

"Darum steht in der Schrift: 'Siehe da, ich lege einen auserwählten, köstlichen Eckstein in Zion; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden.'" (1Petr. 2,6)
Lernst du das aus der Natur? Oder sagt es dir vielleicht dein "gesunder Menschenverstand"?

sönke hat gesagt…

Nein, im Normalfall sag(t)en das die Prediger!

Wenn den ersten Christen das mündliche Wort reichte, dann würde es für uns also nicht reichen??

Seltsame Logik.

Luther schrieb noch 1522:

"Es [das AT]
trägt doch allein den Namen "Heilige Schrift", und "Evanglium" sollte eigentlich nicht Schrift, sondern mündliches Wort sein (!), das die Schrift zu uns hin brächte, wie es Christus und die Apostel getan haben."

Aber ich mag jetzt glaub ich auch nicht mehr..

Ich werde Dich nicht überzeugen, und Du mich nicht.

Einen schönen Abend noch! ;)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s.
Du kennst sicher das berühmte Zitat David Livingstones, als er in höchster Gefahr immer wieder Mt. 28,20 las, um sich Trost und Mut zu holen:

"It is the word of a gentleman of the most strict and sacred honour, so there's an end of it!"

Ein Gentleman und sein Wort sind quasi identisch, sie stehen und fallen miteinander.

(ich hoffe, die Worterkennung "isclays gnerverv" soll mir nicht sagen, dass ihr allmählich von mir genervt seid;-))

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Luther sagt aber in dem von dir zitierten Wort nichts über die Authenzität, Wortwörtlichkeit und Verlässlichkeit des AT und des Evangeliums, sondern nur, dass es ursprünglich aus dem Munde, nicht aus dem Schreibgriffel Gotes kam.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

... verknüpft mit der expliziten Anweisung an einzelne Autoren, "diese Worte zu schreiben".

"Und der HERR sprach zu Mose: Schreib diese Worte: denn nach diesen Worten habe ich mit dir und mit Israel einen Bund gemacht."

"Und du, Daniel, verbirg diese Worte und versiegle diese Schrift bis auf die Letzte Zeit."

"Der HERR aber antwortet mir (Habakuk )und spricht: Schreib das Gesicht und male es auf eine Tafel."

usw.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

"Wenn den ersten Christen das mündliche Wort reichte, dann würde es für uns also nicht reichen??
Seltsame Logik." (Sönke)

Die seltsame Logik ist diesmal ganz auf deiner Seite: Woher haben es denn die Prediger? Von anderen Predigern, o.k. Und die wieder von anderen.
Hast du nie früher auf einem Kindergeburtstag Flüsterpost gespielt? Da kamen sehr merkwürdige Dinge am Ende heraus. Und nun rechne das mal hoch auf zweitausend Jahre Flüsterpost! Ich möchte nicht wissen, wie die Botschaft heute lauten würde, wenn Gott nicht durch seinen Heiligen Geist und seine Vorsehung dafür gesorgt hätte, dass sie verbindlich und vollmächtig für alle Zeiten schriftlich fixiert worden wäre!

Tobias Faix hat gesagt…

Aber um mal wieder eine Gemeinsamkeit herauszustellen: Die Bibel als Gottes Wort und deine Worte sind nicht gleichzusetzen. Alles was du sagst bleibt menschlich, die Bibel dagegen ist das inspirierte Wort...

Hans-Christian Beese hat gesagt…

das will ich wohl hoffen.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Lieber Tobias,

als ich gestern abend meine Bloggespräche des Tages gedanklich rekapitulierte, kam mir die leicht kritische Bemerkung deines „Persönlichkeitsforschers“ in den Sinn: „Hans-Christian sieht sich stärker als seine Umwelt“.

Eine erstaunliche Aussage für Christen, die laut Lk. 10,3 „wie Lämmer mitten unter die Wölfe“ gesandt sind und als Gottes Kinder, „unsträflich mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlecht leben, unter welchem sie scheinen als Lichter in der Welt“.

Was, wenn wir schwächer wären als unsere Umwelt?

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Tobias, ich bin leider immer noch nicht ganz sicher, ob ich dich richtig verstehe:
Sollen wir unser gedankliches, bewusstseinsmäßiges Eingebundensein in das Denken unserer Zeit
(a) als etwas Positives sehen, dem wir in vollem Umfang gerecht werden dürfen und sollten.
(b) als etwas Negatives sehen, von dem wir versuchen sollten frei zu werden.
(c) als etwas deterministisch Gegebenes sehen, aus dem es gar kein Entrinnen gibt und mit dem wir leben und aus dem wir das Bestmögliche machen sollten?

Hans-Christian Beese hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Tobias Faix hat gesagt…

Zu dem "Persönlichkeitsstatement" und das passt auch gut zu deinem letzten Post, es geht darum, dass es Menschen gibt die von ihrer Kernpersönlichkeit sich stärker als ihre Umwelt sehen und andere eher schwächer. Dies ist eine sehr grobe Einteilung und natürlich entwickeln sich Menschen im Laufe des Lebens (hoffentlich) weiter und macht ganz unterschiedliche Erfahrungen. Das gilt für Christinnen und Christen genauso wie für alle andere Menschen, was für sie dazu kommt, ist dass durch den Heiligen Geist es für Christinnen und Christen eine besondere Charakterentwicklung gibt (oder geben sollte). Von daher ist es eine Mischung aus a), b) und c)! :)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Salomonische Antwort! Doch, wie so häufig bei "salomonischen" Antworten, lassen sie in erster Linie den Antworter weise aussehen, lassen aber die eigentlichen Fragen offen.
In diesem speziellen Fall:
Wie deterministisch ist unser Eingebundensein in unsere Epoche, unseren Kulturkreis? Sollte es einen Fokus geben, der uns aus diesem Determinismus heraushebt? Gibt es einen solchen Fokus?
Weshalb kommen Menschen desselben Kulturkreises und derselben Epoche, mit ähnlicher Biographie, zu völlig unterschiedlichen gedanklichen Ausrichtungen? Was prägt die Menschen wirklich? Oder sind das nur abstrakte, unpersönliche dialektische Gesetzmäßigkeiten, die mehr oder weniger mit Zufall oder Kontingenz zu begründen sind?

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Hat schon jemand den Gedanken geäußert, dass ihr eine Art hermeneutischen Darwinismus betreibt, in dem Leute wie ich bestenfalls als komorische Quastenflosser toleriert werden?
Es gibt dabei einen selbsterfüllenden Faktor: Schaut euch mal die Nachttisch-, Schreibtisch-, oder Gelesen-Listen an: Da finden sich fast ausschließlich Wright, Volf, Willard, Bell, McLaren &Co.
Da man nicht nur ist, was man liest, sondern auch liest, was man ist, hat dieser einseitige Input drastisch beschleunigende Wirkung auf die hermeneutische Evolution.

Tobias Faix hat gesagt…

naja, Augustinus, Thomas von Aquin, Luther, Calivin, Zinzendorf, Barth etc. habe ich ja a) während dem Studium gelesen, b) in meiner Bibliothek stehen und c) verwende ich teilweise in meinem Unterricht...

Und, sie schreiben auch nichts mehr neues....:)

Hans-Christian Beese hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hans-Christian Beese hat gesagt…

Das können sie ja auch nicht;-) Die reformierte Theologie entwickelt sich aber insofern weiter, als dass sie apologetisch auf Zeitströmungen und Philosophien reagiert. Apologetik nach Kant konnte nicht dieselbe sein wie vor Kant, geschweige denn, eine Apologetik, welche die liberale Entwicklung des 19. Jhds., die Entmythologisierung Bultmanns, die "neo-orthodoxe", dialektische Theologie Barths, sowie aller, die danach kamen und "über Bultmann und Barth hinaus" gehen wollten, berücksichtigt.
Die reformierte Theologie bleibt ihrer Hermeneutik treu, wird jedoch immer präziser und artikulierter, immer konsequenter "reformiert" in der apologetischen Darlegung ihres Glaubens.

p.s. ich wollte eigentlich das Vorrecht des 100sten Kommentar dir überlassen, doch ich hatte einen sinnentstellenden Tippfehler übersehen :-(

Tobias Faix hat gesagt…

Genau, wichtiger Punkt: Es sind nämlich drei "Player", die reformierte Theologie, die Person die sie heute anwendet und die apologetische Spitze! Daraus wird dann noch mal was viertes! Wenn man die Bibel noch dazu nimmt, dann sogar etwas sechstes, das Ganze hat also eine gewisse Dynamik....

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ja, aber der Punkt, den ich versuchte herauszustellen, ist, dass es sich um ein und dasselbe Hermeneutikverständnis handelt, das schon Calvin, Augustinus, die frühkirchlichen Konzilien und Paulus hatten. Da wird nicht dauernd den Zeiterfordernissen und den neusten Vorgaben der Philosophie und der Wissenschaft entsprechend nachgebessert. Was ich in einem Thread schrieb: Um das Dach zu reparieren, müssen wir nicht die Fundamente ausgraben.
Ziel ist, dss nicht etwas zweites, drittes oder sechstes daraus wird, sondern Ziel ist, bei dem einen, einzigen Evangelium zu bleiben. Und genau dafür braucht die Kirchengeschichte eine immer präzisere Apologetik, auch immer präzisere Grundsatzschriften, wie Bekenntnissen, Katechismen etc., die ja samt und sonders als Reaktionen auf Irrlehren entstanden, welche wiederum samt und sonders etwas mit dem Wesen der Trinität und ihrer einzelnen Personen, sowie ihrer Stellung zueinder und ihrem Verhältnis untereinander zu tun hatten.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s.
habe ich dir eigentlich schon mal für deine faire Moderation gedankt?
Ich weiß das zu schätzen, zumal ich gerade aus dem prominenten Blog eines deiner Kollegen verbannt wurde (passiert mir immer wieder).
Manche Blogger entwickeln wahre Blogwartmentalität:-(

Tobias Faix hat gesagt…

Ja, ich verstehe schon was du meinst und ich denke auch, dass es Dinge gibt die sich durch die Bibel und die Geschichte wie ein roter Faden durchziehen. Aber zu sagen, dass bspw. Calvin oder Luther ohne Philosophie (Denkströmungen, Erkenntnistheorien etc.) ausgekommen sind, halte ich für etwas naiv. Ich kann sie nur im Kontext ihrer Zeit richtig verstehen. Das ist ja gerade das Besondere, dass sich Gott durch den Kontext uns Menschen offenbart...

Zum P.S. Naja, also einfach ist es nicht immer, aber das bin ich ja auch nicht! ;)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

„Das ist ja gerade das Besondere, dass sich Gott durch den Kontext uns Menschen offenbart...“ (Tobias)

Formulierungen mögen kontextlich sein, Erkenntnisansätze nicht. Da gibt’s nichts Neues unter der Sonne. Selbst Kant hat nichts originär Neues erfunden. Er hat nur den subjektiven epistemologischen Ansatz der alten Griechen in nie da gewesener Konsequenz und Radikalität ausformuliert.

Jedes nicht-christliche Denken geht letzen Endes von der Autonomie des menschlichen Geistes aus. Dagegen steht von Anfang an das biblische Denken als etwas ganz Besonderes (weil Offenbartes), das konsequent von der Geschöpflichkeit und somit Abhängigkeit des Menschen ausgeht. Das ist die Frontlinie, die sich bis heute durch die gesamte Geistesgeschichte zieht: nämlich die Frage: Wer ist der Fokuspunkt allen Denkens, Gott oder der Mensch?

sönke hat gesagt…

Dass Gott der "Fokuspunkt" allen Denkens ist, ist doch unter Christen vollkommen unbestrittten!

Überhaupt nicht unbestritten ist dagegen der bibeltreue Anspruch, diesen Fokus alleingültig zu repräsentieren.

Im Gegenteil:

Die gesamte nichtfundamentalistische christliche Theologie ist sich einig, dass dies in entscheidenden Punkten [etwa: Unterordnung der Autorität der Bibel unter die Autorität Jesu] eben nicht der Fall ist.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

"Unterordnung der Autorität der Bibel unter die Autorität Jesu"

Wo sieht denn da die "nicht-fundamentalisische" Theologie Autoritätskonflikte?

nächste Frage: Wo gibt es außerbiblische Zeugnisse der Autorität von Jesus Christus?

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Sönke, Jesus hat keine Gelegenheit versäumt, eben nicht seine Autorität gegen diejenige der Schrift zu setzen, sondern, im Gegenteil die göttliche Autorität und ewige Gültigkeit der Schrift zu unterstreichen:

„Es muss alles erfüllet werden, was von mir geschrieben ist im Gesetz Moses, in den Propheten und in den Psalmen.“

„Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde.“

„Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.“

„Es ist aber leichter, dass Himmel und Erde vergehen, denn dass ein Tüttel am Gesetz falle.“

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Und in Zusammenhang mit der Vollmacht seiner eigenen Briefe schreibt Paulus von der Waffenrüstung, die

„mächtig durch Gott [ist] zur Zerstörung von Festungen, so dass wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich wider die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus.“
(2Kor. 10,4-5; Schlachter 1951)

sönke hat gesagt…

Es geht nicht um Autoritätsonflikte, sondern um den ganz grundlegenden Unterschied zwischen einer Person und einem Buch [eigentlich: vielen Büchern!].

Interessant auch, dass die Stellen, die Du bemühst, vom irdischen Jesus stammen.

In welchem Verhältnis der AUFERSTANDENE Jesus und die Schrift stehen, wird leider nie reflektiert.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Meinst du damit, Christus hätte seine Meinung zwischenzeitlich geändert?

Der auferstandene, in den Himmel aufgefahrene Christus, sagt das gleiche:

"Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte; und was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es zu den Gemeinden in Asien: gen Ephesus und gen Smyrna und gen Pergamus und gen Thyatira und gen Sardes und gen Philadelphia und gen Laodizea.

Immerhin lautet der vorletzte Satz der Bibel:

"Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil von Holz des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben ist."

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Offenbarung 15,3:

Sie "sangen das Lied Mose's, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sprachen: Groß und wundersam sind deine Werke, HERR, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Heiden!"

Kontinuität ist das Motto!

sönke hat gesagt…

Nein, er hat seine Meinung nicht geändert:

"Ihr habt gehört, dass gesagt ist: .., ich aber sage euch!" (Matth. 5)



Und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden ;)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Jesus erläutert dem Volk den geistlichen Charakter des Gesetzes: nicht nur äußerliche Sünde, sondern bereits eine falsche Gesinnung ist eine Übertretung des Gesetzes. Das ist nichts Neues, denn das Gesetz war von Anfang an so gemeint, nur die Leute hatten es falsch verstanden.

Daniel hat gesagt…

"Jedes nicht-christliche Denken geht letzen Endes von der Autonomie des menschlichen Geistes aus."

Erzähl das mal Leuten wie Foucault, Derrida, Lacan,... und in allerjüngster Zeit den Neurowissenschaftlern. Schon bei Freud ist ja, wenn mich mein gefährliches Halbwissen nicht täuscht, der menschliche Geist alles andere als autonom. Weitere Beispiele ließen sich vermutlich ohne weiteres finden (Marx? Heidegger?)...

Da scheint mir also doch einiges an Ideengeschichte und Erkenntnistheorie der vergangenen 200 Jahre ausgeblendet zu sein...
Aber ist ja vielleicht logisch, wenn seit Calvin (oder den alten Griechen?) nichts Neues mehr kam. ;-) Aber wie konnte dann Calvin etwas Neues schaffen?

Ich bin mir übrigens nicht so sicher, ob es überhaupt Erkenntnisansätze jenseits kontextlicher Formulierungen geben kann...

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Letzten Endes läuft es auf diese Alternative hinaus.
Die Abhängigkeit von Kontingenz und abstrakten, inhaltsleeren Strukturen (Lacan), von "unumgänglich kontingenten Kräfteverhältnissen" (Foucault), das Geworfensein, Hinausgehaltensein ins Nichts (Heidegger), schränkt die Autonomie des Menschen nicht ein, sondern begründet sie.
Der menschliche Geist, umgeben von Zufall, uninterpretierten Fakten und abstrakten Gesetzmäßigkeiten, ist Ausschlag gebender Faktor der Bestimmung dessen was möglich ist und maßt sich damit die Stellung an, die Gott gebührt.

Calvin war Re-formator. Er sah seine Aufgabe darin, die Gemeinde wieder zum ursprünglichen Bibelverständnis, wie er es bei Paulus vorfand, zurückzuführen. So gesehen hat er nichts "Neues" hinzugefügt. Sein Maßstab war einzig und allein die Bibel. Das ist es, was ich mit "analoger" Erkenntnis meinte: Gottes Gedanken gewissermaßen, skaliert auf die geschöpfliche Ebene, nach-denken.

Tobias Faix hat gesagt…

Also Paulus und Calvin gleichzusetzen ist jetzt doch sehr mutig! Jetzt fehlt nur noch, dass du die Institutio in den Kanon einreihst...

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Paulus ist der Standard, und Calvin derjenige, der die Gemeinde zum Standard, den er vorfand, zurückführte.

Daniel hat gesagt…

Wie kann Calvin etwas bei Paulus vorfinden? Der war zur Zeit Calvins immerhin schon ca. 1500 Jahre tot. Und, bei aller Liebe, der Leichenfledderei wollte ich den guten Calvin dann doch nicht bezichtigen.

Aber im Ernst: Was Calvin vorgefunden haben mag, waren Formulierungen. Und die hast du ja selbst als kontextlich eingeräumt.
Meinen Hinweis zum Zusammenhang von Erkenntnis und Formulierung hast du ja auch geflissentlich ignoriert...

Und auch zum (hermeneutischen) Prozess des "Vorfindens" selbst ließe sich vermutlich noch viel sagen.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Ich habe leider den starken Eindruck, dass du jetzt die Sachlage unnötig verkomplizierst, indem du nach Art der Sophisten einzele, ansonsten klare Begriffe vernebelst.
Wenn du meinst, wir könnten in Zeugnissen der Vergangenheit nichts Verwertbares "vorfinden", dann frage ich mich, wovon wir hier reden. Das gesamte Zeugnis von Jesus Christus ist 2000 Jahre alt.
Hast du Wittgenstein gelesen? Er war der Sprachphilosoph. In Anlenung an ihn hat es sogar eine Sprachtheologie gegeben. Die Linguistizität des Seins, von der Fuchs und Ebeling sprechen, scheint ein neues (oder doch kein so neues?) Mittel zu sein, durch welches sie, die modernen Theologen, sich mit den modernen Philosophen und modernen Wissenschaftlern verbünden, um die Wahrheit dessen zu unterdrücken, was der Christus der Bibel sagt.
Der Christus der Heiligen Schrift identifiziert sich selbst als wahrer Gott und wahrer Mensch. Wenn er sagt, er und der Vater seien eins, so impliziert dies eine Lichtungsgeschichte in genau umgekehrter Reihenfolge von derjenigen Heideggers. Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Alle Werke Gottes manifestieren klar und deutlich seine Gegenwart. Nach dem Ebenbild Gottes erschaffen, kennt der Mensch natürlicherweise Gott (Römer 1). Alles andere kennt er nur deshalb, weil er zuvor Gott kennt. Alle Fakten in der Geschichte des Universums und der Menschheit sind, was sie sind, letzten Endes aufgrund des Planes Gottes. Das Böse in der Welt existiert, in der letzten Analyse, weil der Mensch am Anfang der Geschichte mutwillig Gott den Gehorsam verweigerte und weiterhin den Willen Gottes, wie er sich in der von ihm erschaffenen Welt zeigt, missachtet. Wegen dieser Sünde ist der Mensch Gottes Zorn unterworfen. Jesus Christus, Gottes und des Menschen Sohn, starb für sündige Menschen, damit sie von der Sünde frei werden und in und mit dem auferstandenen Christus leben. Der Heilige Geist vollendet dieses Werk des dreieinen Gottes, indem er sündige Menschen neu erschafft und erlöst, indem er in ihren Herzen Glauben bewirkt, so dass sie die Gnade,die ihnen von Gott in Christus gegeben wurde, annehmen.
Das ist in groben Zügen die Botschaft der Schrift insgesmt, und des NT im Besonderen.
Der Satan setzt alles daran, sündige Menschen zu inspirieren, genau diese Botschaft zu unterdrücken. Die effektivste Weise, dies zu tun, sie neu zu interpretieren, damit sie harmlos und unschädlich wird.
(to be continued)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

(cont.)
Moderne Wissenschaft, moderne Philosophie und moderne Theologie tun dies mittels einer Epistemologie, in welcher die Offenbarung Gottes an den Menschen in eine Offenbarung vom Menschen an sich selbst verwandelt wird. In ihrem Bemühen, wahrhaft wissenschaftlich und philosophisch zu sein, verwebt die moderne Theologie jedes Wort in ein Muster von Offenbarung und Antwort, das der Bauchrednerei gleichkommt.
Die Neue Hermeneutik ist, wie gesagt, die gegenwärtig populärste Methode, die Bedeutung des Jesus Christus zu re-interpretieren, um sie für den natürlichen Menschen vollends akzeptabel zu machen.

Daniel hat gesagt…

Hmm... mag ja sein, dass ich die Dinge "verkompliziere". Ob das nun "unnötig" ist, liegt vermutlich wiederum im Auge des Betrachters... :-)

Ich habe auch nirgends gesagt, dass wir in Zeugnissen der Vergangenheit nichts Verwertbares finden können - ganz im Gegenteil. Ich sage nur, dass sich nicht immer schon "von selbst versteht", was wir da finden...

Und warum für deinen Calvin einfachste Grundsätze von Hermeneutik und Epistemologie nicht gegolten haben sollen, alle anderen aber mit Blindheit geschlagen sind, konntest du mir leider noch nicht plausibel machen.

Bei kritischen Anfragen verfällst du in selbstreferentielle Calvin-Monologe. Da fragt man sich, wer hier der Bauchredner ist. :-)

Aber sollte ich dir deshalb gleich Autismus vorwerfen, so wie du mir Sophismus vorwirfst? Ist doch eigentlich nicht das Niveau, auf dem hier bisher diskutiert wurde, oder? Denn eigentlich habe ich hier viel gelernt. Und dazu hast du ja nicht unwesentlich beigetragen. :-)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Warum "für Calvin einfachste Grundsätze von Hermeneutik und Epistemologie nicht gegolten haben sollen ..." [Daniel]

Weil diese Grundsätze von der nicht-christlichen Philosophie aufgestellt wurden.
Er setzt dagegen andere Grundsätze, die er in der Bibel, namentlich bei Paulus findet.
Der erste (!) Satz der Institutio lautet:

"All unsere Weisheit, sofern sie wirklich den Namen Weisheit verdient und wahr und zuverlässig ist, umfasst im Grunde eigentlich zweierlei: die Erkenntnis Gottes und unsere Selbsterkenntnis. Diese beiden aber hängen vielfältig zusammen, und darum ist es nun doch nicht so einfach zu sagen, welche denn an erster Stelle steht und die andere aus sich heraus bewirkt."

Nicht-christliche Philosophie, besonders nach Kant, geht vom epistemologischen Subjekt aus.
Der menschliche Verstand erschafft sich – umgeben von einer Realität reiner Kontingenz – eine kohärente, allumfassende "Parallelwirklichkeit", die aber keinen Bezug zu einer objektiven Realität haben darf, die ja von Zufallsmächten bestimmt ist.
Moderne Theologen haben dieses Konzept übernommen und kommunizieren mit Hilfe dieser selbsterschaffenen Konzepte einer "gläubigen Vernunft"..
Da ihnen jedoch bewusst ist, dass alles, was wir in solcher Weise erdenken, ein Produkt unserer Gedanken ist und dass daher ein Gott, den wir denken, nicht der Gott sein kann, sondern nur eine Art Götze, lösen sie dieses Dilemma durch vollkommene Korrelation von Rationalismus und Irrationalismus: Der Gott, den wir ersinnen und den wir kennen, korrelat zu dem Gott, von dem wir nichts wissen und nichts wissen können.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Daniel, ich selbst führe diese Unterhaltungen auch hauptsächlich, um dazu zu lernen;-) Nichts hilft einem so gut, die Gedanken des anderen kennenzulernen, wie eine gute Kontroverse.

Hans-Christian Beese hat gesagt…

p.s.
… dem entsprechend bedaure ich jedesmal aufrichtig, wenn meine Äußerungen als persönliche Angriffe verstanden werden. Ich sehe diese Unterhaltung als freundschaftlichen Austausch.

Daniel hat gesagt…

Ah, Calvin ist also eine Art Übermensch, der sich seine eigenen Kategorien schafft. Das erklärt einiges. Damit erübrigt sich aber für mich auch die Diskussion, da ich als Normalsterblicher an diesem Nimbus natürlich nicht zu kratzen vermag...

Und nein, ich war nicht persönlich getroffen. Der Hinweis auf die Sophisten schien mir jedoch ein wenig konstruktives Ablenkungsmanöver zu sein...

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Nein, Calvin ist niemandes unfehlbarer Papst. Sein Name steht nur für eine bestimmte Theologie, die er akzentuierter als andere zum Ausdruck brachte. Sein Name ist somit zu einem Kürzel für ein System von Gedanken geworden, das mit anderen Systemen von Gedanken konkurriert.
Und soweit ich mich entsinne, ist der Satz aus der Institutio bisher das einzige Calvin-Zitat, das ich bemüht habe.
Also lass uns doch bitte nicht an dem einen oder anderen Namen hängen bleiben, sondern weiter das Thema diskutieren!

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Der niederländische Theologe Gerrit Cornelis Berkouwer hat Theologie, für die fast alle Aspekte irrelevant sind, die nicht entweder mit Seelsorge, oder mit Weltverbesserung zu tun haben, "Bedürfnistheologie" genannt.

Hans-Christian Beese hat gesagt…
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