Montag, Mai 28, 2012

„Pfingsten und die Frage, was Gemeinde noch mal war?“





Pfingsten wird ja gerne als der „Geburtstag der Gemeinde“ verstanden. Die Ausgießung des Geistes und die daraus Entstehung der Ortsgemeinde in Jerusalem. Aber was macht eine Gemeinde eigentlich zu einer Gemeinde. An dem diesjährigen Pfingstfest war ich an zwei Orten, die mir noch mal gezeigt haben, wie unterschiedlich dies wahrgenommen wird und wie aktuell diese Frage heute wieder geworden ist. Irgendwie war diese Frage über viele Jahre relativ klar zu beantworten und wurde in den letzten Jahren auf ganz unterschiedlichen Ebenen neu aufgebrochen.
Der erste Ort war das Kloster Volkenroda, das für mich für Gemeinschaft und Verbindlichkeit, aber auch Ästhetik und Offenheit steht. Diese Attribute nehme ich bei vielen Jungen Christen wahr, wenn es um die Frage nach Gemeinde geht und viele wünschen sich eine verbindliche Gemeinschaft, die über das Maß an „normaler“ Ortsgemeinde hinausgeht. Das finde ich sehr interessant und zeigt, dass dieses Thema gerade in der neuen Generation einen neuen Aufschwung erlebt. Der zweite Ort war der Besuch der Wartburg. Luthers Verständnis von Gemeinde lässt sich kompakt im Augsburger Bekenntnis, Artikel 7 nachlesen und positionierte sich gegen die katholische Ekklesiologie: "Es wird auch gelehrt, dass alle Zeit musse ein heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Glaubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakrament lauts des Evangelii gereicht werden". Hier finden sich alle wesentlichen Elemente der Kirche nach reformatorischem Verständnis: Sie ist heilig. Sie ist christlich. Sie wird alle Zeit bleiben. Aber gerade letzteres wird heute immer wieder in Frage gestellt. Das ekklesiologische Erdbeben der Reformation ist längst verebbt, aber es lassen sich neue Vorbeben messen, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Das neue Verständnis sieht als wesentliche Elemente das wir heilig sind, denn wir sind die Gemeinde. Das so genannte missionale Verständnis sucht neue Ausdrucksformen von Gemeinde, die sich nicht mehr so stark abgrenzt durch ihre Institution und Tradition und mehr durch Identifikation und das Sein Gemeinde im Kontext des Reiches Gottes sieht. Dadurch entstehen viele neue Gemeinschaften und die Frage ist, was macht eigentlich eine Gemeinde aus oder ab wann ist eine Gemeinde denn überhaupt Gemeinde. Braucht es eine konfessionelle Anbindung oder reicht eine Gruppe gleichgesinnter in einem Cafe? Welche Elemente müssen vorkommen (Abendmahl, Taufe, Mitgliedschaft etc.) oder sind dies Dinge, die sich erst im Laufe der Zeit sowieso entwickeln werden. An Pfingsten hat alles mit dem Wirken des Geistes Gottes angefangen, vielleicht ein guter Punkt, egal wie alt oder neu eine Gemeinde gerade ist.

Kommentare:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

(NHC II,3,45) Der Glaube empfängt, die Liebe gibt. Niemand wird ohne den Glauben empfangen können. Niemand wird ohne Liebe geben können. Daher, damit wir nun empfangen, glauben wir. Damit wir lieben, geben wir. Denn wenn jemand nicht aus Liebe gibt, hat er keinen Nutzen von dem, was er gegeben hat.

Dieses Gleichnis gibt Auskunft darüber, was im eigentlichen Sinn unter "christlich" zu verstehen ist. Der Sinn wird verständlich, wenn man weiß, was hier "in Liebe gegeben" und "im Glauben empfangen" werden soll: zinslose (genauer: Urzins-freie) Kredite. Mit anderen Worten: heute gibt es keine Christen mehr! Im Gegenteil – nach urchristlichem Verständnis sind die heutigen "Christen" die schlimmsten Heiden, die diese Welt je gesehen hat:

(NHC II,3,4) Ein heidnischer Mensch pflegt nicht zu sterben, denn er hat gar nicht erst gelebt, so daß er sterben könnte. Wer zum Glauben an die Wahrheit gekommen ist, hat das Leben gefunden. Und dieser schwebt in Gefahr zu sterben, denn er ist lebendig.

Die "heidnischen Menschen" sind deshalb Heiden, weil sie gegeneinander leben und noch nicht wissen, wie sie als zivilisierte Kulturmenschen miteinander leben können. Ein "lebendiger Mensch" ist jemand, der seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdient und für diese Arbeit auch einen gerechten Lohn bekommt. Ein "toter Mensch" ist dagegen jemand, der selbst nichts mehr leistet (außer seinen Besitz zu verwalten) und von der Arbeit anderer lebt. Heute würden wir ihn als "Kapitalist" bezeichnen. Und die Kapitalrendite des Kapitalisten (nicht zu verwechseln mit dem Unternehmerlohn) ist jenes Geld, welches dem Arbeiter letztlich von seinem Lohn abgezogen wird. Deshalb leben die Heiden gegeneinander: Jeder Heide ist bestrebt auf Kosten anderer zu leben, damit andere nicht auf seine Kosten leben!

Die Urchristen hatten Jesus immerhin schon soweit verstanden, dass der Zins (Geld- und Sachkapitalzins) zwangsläufig zu Massenarmut und Krieg führt, und so übten sie sich in der Kunst, sich gegenseitig zinslose Kredite auf freiwilliger Basis zu geben. Allein das ist praktische Nächstenliebe, allein dadurch erlangten die ersten Urchristen-Gemeinden einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil gegenüber der sie umgebenden, ausbeuterischen Welt (das damalige Römische Reich), und allein deshalb wurden die Urchristen auch verfolgt. Wen interessiert es wirklich, wer an welche Götter glaubt oder nicht glaubt? Wenn aber viele Menschen damit beginnen, sich gegenseitig zinslose Kredite zu geben, dann ist das ein Angriff auf den Kapitalismus, der aus der Sicht der Reichen und Mächtigen (Zinsprofiteure) mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt unterdrückt werden muss! Allerdings hatten die Urchristen Jesus noch nicht ganz verstanden, und deshalb mussten sie scheitern:

http://www.deweles.de/willkommen/apokalypse.html

Hans-Christian Beese hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hans-Christian Beese hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.