Dienstag, September 04, 2012

"Was ist Gesellschaftstransformation Part 3: Die theologische Dimension"

Wenn wir von Transformation reden, dann gehen wir davon aus, dass der dreieinige Gott der Urheber allen Handelns ist und seine missio Dei (Gottes Mission/Sendung)das handelnde Subjekt in der Geschichte darstellt. Transformation beschreibt die verschiedenen Dimensionen dieses Handeln hier auf Erden, sei im persönlich-individuellen Bereich, im sozialen, politischen, kulturellen, ökologischen, theologischen oder sozio-strukturellen. Gott spricht durch sein Heilshandeln in diese Welt und verändert diese. Sein ganzheitliches Heil zeigt sich dabei in der Wiederherstellung von Beziehungen (in der Spannung von gegenwärtig & eschatologisch) und umfasst die ganze Schöpfung und den ganzen Menschen.In dieser Gemeinschaft der Christen wirkt Gottes heilende Kraft der Veränderung (durch den Heiligen Geist). Darin sehen wir die biblischen Botschaft, dass die versöhnende Kraft Christi eine zentrale Rolle für diese Welt spielt. Diese Botschaft soll für uns und unsere Lebenswelt nicht ohne Folgen bleiben. Da unser Leben in vielfacher Weise mit Anderen verwoben und vernetzt ist, gewinnt die heilende Versöhnung Christi in und durch uns eine lebendige Gestalt, die tatsächliche Veränderungen mit sich bringt. Bei aller "Schwerkraft" des Alltags und allem "Gefallen" sein, bricht die Herrlichkeit Gottes auf die unterschiedlichste Art und Weise durch und sucht und schafft Gerechtigkeit.

Kommentare:

Tim A. hat gesagt…

Das Wort 'Schöpfungserhaltung' greift aus meiner Sicht ein wenig zu kurz. Nicht nur ökologisch erhaltendes Handeln ist in meinen Augen ein Ergebnis des 'Einklinkens' in die Missio Dei- ich sehe definitiv auch eine Verbindung zwischen dem crator spiritus und kreativem Handeln. Aber mir fällt dazu auch kein passender Begriff ein (falls doch irgendwann, schreibe ich ein Buch :-D )

Anonym hat gesagt…

creator spiritus sollte das heißen... nicht crator

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Zunächst meine volle Zustimmung zum Posting, Tobias.

Zur Ergänzung:

Gott vollzieht die Verkündigung der von ihm allein gewirkten und gestifteten frohen Botschaft vom Heil in Christus so, dass zwar die Sendung durch ihn allein autorisiert, sie aber nur in der konkreten Sendung von Menschen durch Menschen und in der Umkehr von Menschen aufgrund der Predigt von gesandten Menschen zum Tragen kommt.

Paulus formuliert das in Röm 10,14-17 folgendermaßen:
„Wie sollen sie denn den anrufen, an den sie nicht gläubig geworden sind? Wie aber sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber sollen sie hören ohne einen Verkündiger? Wie aber sollen sie verkündigen, wenn sie nicht gesandt werden? …“

Zur Anrufung Gottes ist der Glaube nötig, zum Glauben ist das Hören nötig, zum Hören die „Verkündigung“ und zur Verkündigung die Sendung.

Leider wurde der Begriff „Missio Dei" häufig als kaum definiertes Schlagwort missbraucht, so wird z. B. auf der 3. und 4. Generalversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (New Dehli 1961, Uppsala 1968) ‚Missio Dei‘ zum Ausdruck für eine ganz neue Missionskonzeption, in der die klassische Evangeliumsverkündigung bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielte.
In Uppsala wurde die Humanisierung der Welt als Inbegriff der Missio Dei gesehen.

Tobias Faix hat gesagt…

@Tim: Absolut richtig, ich habe beim Schreiben am längsten bei diesem Wort nachgedacht und innegehalten, da es auch die Frage nach sozialen Strukturen beinhaltet, aber mir ist auch nichts optimales eingefallen, ich warte jetzt auf dein Buch! :)

Tobias Faix hat gesagt…

@christian: Na, vielleicht sollten wir jetzt mal mit einem Glas Sekt anstoßen, bevor wir wieder anfangen zu diskutieren! :)

Hans-Christian Beese hat gesagt…

Champagner!

Im Ernst: Die evangelikalen Kirchen sind in ihrer exklusiven Sorge um Seelengewinnung nur allzu oft in einen anti-biblischen Individualismus verfallen, während der Modernismus, indem er das stellvertretende Sühneopfer außen vor lässt, zur Gerechtigkeit der Pharisäer zurückgekehrt ist und versucht, das Königreich durch menschliche Anstrengung und menschliche Gerechtigkeit aufzurichten und folglich in seiner Konzeption dieses Königreichs menschen-zentriert ist.
Das Ziel und der Sinn der Geschichte liegt, gemäß dem christlichen Theismus, nicht innerhalb der Geschichte selbst, sondern in dem Gott der Geschichte.
Dieser Gott der Geschichte hat das Königreich Gottes als den klimaktischen Höhepunkt der Geschichte gesetzt.