Donnerstag, April 05, 2012

„Spiritualität von Jugendlichen: Zusammenfassung der Ergebnisse“




„Doch, es gibt auf alle Fälle einen übernatürlichen Gott, der irgendwie da ist. Den kann ich auch spüren, obwohl ich nicht weiß, wie er genau ist.“
Nathalie, 18 Jahre

 
Die neue Jugendstudie der Kirche Westfalen nimmt Jugendliche im Alter von 14-19 Jahren im Einzugsgebiet der Evangelischen Kirche von Westfalen in den Blick und lässt sie zum Thema Glaube selbst zu Wort kommen. 47 Jugendliche haben in Einzel- und Gruppeninterviews von ihrem Glauben erzählt und davon, was ihnen in ihrem Alltag Sinn gibt, was für eine Bedeutung die Kirche für sie hat und wer Gott für sie ist. Aus den Antworten wurde ein quantitativer Fragebogen entwickelt, der flächendeckend von über 1300 Jugendlichen in ev. Schulen, Freizeiten, offenen Jugendarbeiten und Jugendkreisen ausgefüllt wurde. Ein zentrales Ergebnis ist, dass Jugendliche über ihren Glauben reden wollen und können. Allerdings haben Jugendliche ihren ganz eigenen Glauben, der sich vom christlich-konfessionell geprägten Glaube der Kirche weit entfernt hat. Glaube ist in erster Linie Glaube an Beziehungen, die dem eigenen Leben Sinn geben und erst an zweiter Stelle kommt ein transzendenter Glaube für die Jugendlichen dazu. Dabei sind die befragten Jugendlichen offen über ihren Glauben zu reden und suchen spirituelle Erfahrungen wie beispielsweise das Gebet, aber da Glaube für sehr privat ist, meiden sie große Veranstaltungen und suchen sichere Räume in denen sie über ihre Art von Glaube reden können.

Vorwort von Udo Bußmann, Landesjugendpfarrer der EKvW
Zusammenfassung der Ergebnisse


Montag, April 02, 2012

„Brauchen wir eine Kindertheologie?“



In der letzten Woche hatten wir von der GBFE Forschungstage und Prof. Dr. Nico Botha von der UNISA hielt eine spannende Vorlesung zur Frage, ob wir eine „Kindertheologie“ brauchen. Es ging ihm nicht darum, dass unsere Kindergottesdienstes oder Jungscharen besser werden, auch nicht darum, jedes Vierteljahr einen tollen Familiengottesdienst zu machen, sondern ein theologisches Umdenken, was Kinder und Gemeinde überhaupt an geht! In wie weit werden Kinder in vielen Kirchen und Gemeinden nur als eine Randgruppe gesehen, die ein, wenn auch gutes, Extraprogramm bekommen? Botha fragte nach, ob viele Gemeinden sich nicht um ihr geistliches Potenzial bringen, weil sie Kinder in ihrer Gotteserkenntnis nicht ernst nehmen. Ich fand diese Gedanken sehr interessant und herausfordernd, ohne gleich eine Lösung parat zu haben, aber ich merke in meiner eigenen Arbeit mit Kindern in den verschiedenen Gemeinden, in denen ich schon war, dass Kinder gerade im Gottesdienst oft wie Fremdkörper wirken und Erwachsene wie Kinder froh sind, wenn sie ihr extra Programm haben. In Deutschland gibt es zur Frage der „Kindertheologie“ einige interessante Ansätze von Mirjam Zimmermann und Martina Blasberg-Kuhnke (in Österreich vom Schweizer Anton Bucher). Was sich in der Pädagogik unter dem Stichwort des „kompetenten Kindes“ durchgesetzt, fordert jetzt die Theologie heraus: Den Glauben von Kindern ernst nehmen und sie nicht nur als zu Belehrende zu sehen, sondern auch als Lehrende, als Vorbilder im Glauben. Die Grundlage dabei ist, dass jede Entwicklungsstufe des Glauben etwas Wichtiges zu geben hat. Es geht also nicht nur um eine Theologie für Kinder (die absolut wichtig ist), sondern auch um eine Theologie der Kinder (die eigene Erfahrungen und Reflexionen haben) und mit Kindern (gemeinsame Suchen nach Fragen und Antworten des Glaubens). Schöne Herausforderungen...