Samstag, Juni 23, 2012

„Jesusmuslime – wenn Muslime an Jesus glauben“



Der letzte Blogeintrag hat eine interessante Diskussion losgetreten, was gemeinsame Gottesdienste zwischen Christen und Muslimen betrifft, bzw. was im religiösen Dialog möglich ist und was nicht. Während der Diskussion musste ich an einen Freund denken der als christlicher Entwicklungshelfer in Nordafrika arbeitet und mir von einer Erweckung unter Berbern erzählt hat. Zehntausende haben auf unterschiedliche Weise zum Glauben an Jesus gefunden, das Besondere ist, dass sie trotzdem in ihrer muslimischen Religion bleiben. Dies hört sich erstmals  irritierend und fast unmöglich an, aber in der Praxis gibt es dies und offensichtlich nicht nur bei den Berbern sondern in viele Muslimen Staaten Afrikas und Asiens. In der Missionswissenschaft werden diese Menschen „Jesusmuslime“ genannt und es gibt eine große Diskussion ob sie jetzt Christen sind oder Musilime und ob das überhaupt so geht. Der Amerikaner John Travis hat einen interessanten Ansatz entwicklet, in dem er dieses Phänomen systematisch einordnet. Wie jede Kategorisierung hat dies Vor und Nachteile, aber es hilft, sich einen Überblick zu machen. Travis führt sechs Kategorien ein, die von C1 bis C6 gehen. Wobei das C für "Christ-centred communities" steht.  Dabei steht C1 für das am weitesten an die christliche Welt  und C5 für das am weitesten an die islamische Kultur adoptierte Modell. Die C1 Konvertiten aus dem Islam nennen sich bewusst Christen, die C5 lehnen es ab Christen genannt zu werden und bezeichnen sich als Muslime, die Jesus nachfolgen.
Hier ein kurzer Überblick: (nach Reimer, GBFE Jahrbuch 2011)
Die C1 Gemeinschaft der MBBs (Muslim Background Believers) orientiert sich an ihren christlichen Vorbildern und benutzt sogar die Sprache der Missionare (oft Englisch).
C2 bedient sich bewusst der Sprache des Volkes aus dem die Konvertiten gewonnen wurden. Im Inhalt und Form stellen aber beide Modelle eine weitgehende Adaption an christliche Vorbilder dar.
C3 nutzt dagegen auch religiös-neutrale Formen der Kultur für die Gestaltung des religiösen Lebens der MBB. Allerdings wird dabei jede Form, die an die islamische Verehrung Gottes erinnert, vermieden. Hier werden nur eindeutig als kulturell eingestuften Formen übernommen.
Die C4 Gemeinden gehen einen Schritt weiter und übernehmen auch religiöse Symbole und die Sprache des Islam. So werden islamische Begriffe für Gott (Allah), Moses (Musa), Jesus (Isa), oder Gebet (Salat), das Neue Testament (Injil), u.a., bewusst übernommen. Feste, wie Ramadan werden gefeiert. Rituale (zB Beschneidung, oder Beerdigungsformen), die Gebetshaltung usw. werden in die Glaubenspraxis der Christen integriert. Allerdings distanzieren sich die C4 MBBs deutlich vom Islam. Sie verstehen sich eindeutig als Christen, auch wenn sie gegebenenfalls den Begriff selbst vermeiden würden.
Die C5 MBBs verstehen sich dagegen als "messianische Muslime" oder "Jesusmuslime". Sie bleiben bewusst in der islamischen Gemeinschaft, besuchen die Moschee und nehmen an den meisten muslimischen religiösen Handlungen teil, es sei denn diese wiedersprechen eindeutig der von den C5 angenommenen biblischen Wahrheit. Man spricht bei C5 auch von einer "Insider-Bewegung" und da, wo diese Gemeinden ihre besonderen Treffen abhalten von einer "Isa Moschee".
Die C6 schließlich leben viele MBBs im tiefen Untergrund und können sich in keinster Weise zu ihrem Glauben an Jesus bekennen ohne zugleich ihr Leben zu gefährden. Travis spricht an dieser Stelle von den C6 Gemeinden. 
Man kann sich auch mal einen Spaß machen und die eigene Gemeinde in diese Kategorisierung einordnen...

Sonntag, Juni 17, 2012

„Dürfen Muslime und Christen zusammen Gottesdienst feiern?“


„Vor Kohle sind wir alle gleich und vor Gott?“

Schon im Vorfeld gab es eine große Diskussion um den heute ausgestrahlten ZDF Fernsehgottesdienst aus der baptistischen Friedenskirche in Kamp-Lintfort. Zum 100jährigen Bergbaujubiläum feierten Christen und Muslime zusammen einen Gottesdienst. Dies stieg vor allem bei konservativen Christen auf viel Widerspruch, von Religionsvermischung und Verharmlosung des Islam war da die Rede. Ich habe den Gottesdienst anders wahrgenommen, er ist ein toller und eindrucksvoller Beweis, dass es nicht nur eine ideologisierende Auseinandersetzung der Religionen gibt, sondern das tatsächlich ein religiöser Dialog möglich ist. Danke.

Hier der Fernsehgottesdienst in der ZDF Mediathek.

Hier ein Interview mit Pastor André Carouge im DeutschlandradioKultur.

Bericht bei evangelisch.de mit interessanter Diskussion.