Freitag, November 30, 2012

"Von der Ausgrenzung zur Umarmung" von Miroslav Volf


Über manche Bücher freut man sich beim Erscheinen besonders, weil sie für einen selbst etwas Besonderes sind. So ging es mir heute als ich „Von der Ausgrenzung zurUmarmung“ von Miroslav Volf in den Händen hielt. Als ich das Buch vor einigen Jahren auf englisch las, hat es einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen und ich habe das große Thema "Versöhnung und Identität" klarer gesehen und verstanden. Jetzt ist das Buch in der Edition Emergent auf deutsch erschienen (in einer klasse Übersetzung von Peter Aschoff) und ich kann es allen empfehlen, die sich mit dem Thema beschäftigen und etwas "tiefer graben" wollen.

Aus der Einleitung:



Wenn ein Buch 16 Jahren nach Erscheinen übersetzt wird, muss es triftige Gründe geben. Für das vorliegende Buch gibt es gleich mehrere, so wurde es von der populären US Zeitschrift „Christianity Today“ zu den wichtigsten 100 Büchern des 20. Jahrhunderts gewählt und gewann 2002 den mit 200.000 $ dotierten „Grawemeyer Award in Religion“. Der britische Theologe N T Wright würdigte das Buch in dem er sagte: „Von der Ausgrenzung zur Umarmung“ von Miroslav Volf ist ohne Zweifel das beste theologische Buch, das ich in den letzten 20 Jahren gelesen habe“, und der Tübinger Theologe Jürgen Moltmann sagt über das Buch, dass er „in diesen Tagen keine bessere Theologie gelesen habe“. Warum? Weil es eine lebendige Theologie ist, denn der gebürtige Kroate Volf schreibt ein Versöhnungsbuch als einer, der eigentlich allen Grund hatte, Versöhnung zu verweigern. Seine bitteren Kriegerlebnisse im ehemaligen Jugoslawien haben ihn geprägt und sein Weg der Versöhnung ist in diesem Buch nachzulesen. Volf nimmt dabei seine Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in eine Welt voller Konflikte und fordert sie heraus diesen nicht auszuweichen, nein im Gegenteil ihnen zu begegnen, sie aufzunehmen und Versöhnung als Prozess einer christlichen Identität zu leben. Und das nicht nur auf der persönlichen Ebene wie Familie, Gemeinde und am Arbeitsplatz, sondern auch im gesellschaftlichen Kontext – fünf Jahre vor dem 11. September 2001, vor den Kriegen in Afghanistan und dem Irak, vor der Finanzkrise, vor dem dem arabischen Frühling und was sonst noch an regionalen und globalen Konflikten unsere Welt bis auf diesen Tag in ständige Zerreißproben stürzt. Damals wurde diese Auseinandersetzung mit ethnischen und sozialen Brandherden, ihrer soziologischen Einschätzung und den philosophischen Hintergründen schon als wichtig empfunden. 

Live wird Volf übrigens am 15.+16. 2013 März in Marburg zu hören sein.

Montag, November 26, 2012

"Sich von Bonhoeffer herausfordern lassen..."


Lese zur Zeit (mal wieder) Bonhoeffers „Nachfolge“ und bin (mal wieder) begeistert und bewegt. In einer immer mehr auf Konsum ausgerichteten Spiritualität tut es gut, sich von Bonhoeffers Worten herausfordern zu lassen, zum Beispiel seine Unterscheidung von „billiger und teurer Gnade“. Freudiger Enthusiasmus ohne tätiges Engagement führt zur „billigen Gnade“, wie Bonhoeffer es sagen würde und dann schreibt er:
Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost. Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe als christliche Gottesidee.
Teuer ist die Gnade, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft, teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet, Gnade ist sie, weil sie ihm so das Leben erst schenkt, teuer ist sie, weil sie die Sünde verdammt, Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt.
(Aus: Nachfolge, Seite 29ff)

Dazu passt diese Strophe aus dem letzten Gedicht Bonhoeffers, das er kurz vor seiner Hinrichtung schrieb:
Nicht das Beliebige, sondern
das Rechte tun und wagen
nicht im Möglichen schweben,
das Wirkliche tapfer ergreifen
nicht in der Flucht der Gedanken,
allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern
hinaus in den Sturm des Geschehens,
nur von Gottes Gebot
und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist
jauchzend empfangen.

(Aus: Stationen auf dem Weg zu Freiheit)