Freitag, Dezember 21, 2012

"Nachgefragt (#3) bei Detlef Kühlein: Erfolgsstory bibletunes: Die Bibel im Ohr“




Toby: 10.000 Menschen hören regelmäßig bibletunes und es werden immer mehr, du gehörst zu den Top Ten der meistgehörten iTunesPodcast (Religion & Spiritualität) – eine echte Erfolgsgeschichte, wie kam es dazu?
Detlef: Das war eine Inspiration von oben! Ich hatte 2005 im icf-zürich schon mal einen Podcast zum Jakobusbrief produziert. Das hat damals voll eingeschlagen! Viele fingen wieder an, sich mit der Bibel zu beschäftigen. Ehepaare und ganze Familien versammelten sich vor dem Computer, um die Bibel und ein paar Impulse dazu zu hören. Das hat mich dazu bewegt, im Mai 2010 den Bibelpodcast bibletunes zu erfinden und täglich für eine Portion Bibel zu sorgen.

Warum ist es wichtig die Bibel zu hören?
Ganz einfach, weil immer weniger Menschen die Bibel lesen. Ich bin der Meinung, dass wir heute neue Wege gehen müssen, um den Menschen einen Zugang zur Bibel zu ermöglichen. Und genau das tue ich! Ob jung oder alt, ob reich oder arm … alle laufen mit einem Kopfhörer rum oder sitzen im Zug, im Bus, im Zug oder im Auto und hören … deswegen gibt es jetzt "die Bibel im Ohr".

Welche Bücher kamen schon dran und wie kann ich sie hören?
Über 500 Episoden aus sechs verschiedenen Büchern (von Genesis über die Psalmen bis zur Apostelgeschichte) sind Tag für Tag in den Ohren von Menschen aus 84 Ländern! Via iTunes abonnieren oder RSS-Feed oder facebook. Die meisten hören über bibletunes.de direkt via Player!

Was ist für 2013 geplant?
Wir gehen nun wieder in unsere Winterpause. Vom 24.12 bis zum 6.1.13 läuft kein Podcast auf bibletunes. Am Montag, den 7.1.13 hören wir uns wieder mit neuen Episoden aus dem Buch Prediger. Nach dem Buch Prediger – wahrscheinlich Anfang März - wird es mit dem Glaubenshelden Josua weitergehen in der Geschichte Israels! Ein spannendes Buch mit vielen Herausforderungen und Ermutigungen – da ist alles drin, was das Leben mit Gott ausmacht. Danach werden wir mit dem Jakobusbrief sehr praktischen Fragen des Glaubens an Gott auf den Grund gehen.

Danke für das Gespräch.
Mehr von Detlef Kühlein gibt es auf seiner Homepage.

Montag, Dezember 17, 2012

„Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung“ von Maria Magnis




Ich lese gerade von Esther Maria Magnis „Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung“. Nach dem Vorabdruck in der Zeit und einigen euphorischen Rezensionen habe ich mich am Anfang etwas schwer getan die autobiographische Geschichte der Esther Maria Magnis begeisternd zu folgen. Eine junge Frau erzählt rückblickend ihre Kind- und Jugendzeit, die stark von einem katholischen Elternhaus geprägt wurde. In dieser religiösen Auseinandersetzung des Erwachsenwerdens gibt es zwei schwere Schicksalsschläge, zum einen stirbt ihr Vater und später ihr Bruder. Zwischen den biographischen Berichten gibt es zunehmend religiöse Auseinandersetzungen mit ihrem geprägten Gottesbild. Diese Auseinandersetzungen begeistern mich dann doch zusehends und geben dem Buch, dank Magnis kraftvoller und erdiger Sprache, einen ungeahnten drive. Das Ganze erinnert ein wenig an die Auseinandersetzung und Suche zur „zweiten Naivität“, wie der der französische Philosoph Paul Ricoeur es genannt hat (damals als Reaktion auf Bultmann). Mit zunehmender intellektueller Infragestellung geprägter Bilder und Rituale und mit den konfrontierten Wirklichkeitserlebnissen, kommt der eigene „Kinderglaube“ ins Schwanken (und fällt): Glauben - Krise - Kritik - und die spirituelle Suche beginnt. Magnis Auseinandersetzung damit ist schonungslos, kraftvoll und ehrlich. Aber es ist auch eine Anklageschrift gegen ein laues und alles erklärendes Gottesbild der Moderne. Eine lohnende Lektüre und ein kraftvolles Plädoyer für den Glauben, das viel Stoff zum Nachdenken in sich birgt. Hier ein Ausschnitt:
"Aber ich glaube eben nicht daran, dass Gott bloß ein abstrakter, unsichtbarer, ätherischer Gedanke ist, eine nackte, bodenlos wabernde Wahrheit, die, wenn überhaupt, nur mit dem Geist eines Menschen zaghafte Berührungen eingeht, die sich nur für die reine Vernunft interessiert. Für das Klare, Saubere. Daran glaube ich nicht. Denn ich komme aus keinem unschuldigen Land. Ich bin nicht mit einem sauberen Kaiserschnitt in die Welt geholt worden, sondern auf diese ziemlich gestörte, natürliche Art mit Tränen, Schweiß und Blut, und ich habe als Kind den Mohn auf den Feldern meiner Heimat nicht nur betrachtet, ich habe nach ihm gegriffen, ihn zwischen Hand und Lenkrad gequetscht und versucht, ihn zu besitzen. Und die Schweine, die hier geschlachtet wurden, habe ich gegessen. Meine Gebete waren nie ein Geflüster von Wind zu Wind, von meinem reinen Seelchen zu seiner reinen Klarheit. Meine Gebete waren randvoll mit Erde, mit Freude und Achselschweiß und Leid und Stuss und Langeweile. Ich glaube nicht an den göttlichen Funken in mir, der glitzernd aus der dunklen Welt heraus zum großen Licht hinbetet und dahin befreit werden will und sich wünscht, endlich erlöst zu sein von allem, was berührt werden kann. Ich gehöre zur berührbaren Wirklichkeit. Und dass durch die Wirklichkeit ein Riss geht, dass die Wirklichkeit dieser Welt auch ganz schön geschrottet und pervers ist, das kann ich nicht ändern. Auch nicht, indem ich mich von ihr distanziere. Ich gehöre dazu. Und mit dieser Einsicht endete mein Alleingang im Glauben. Denn ich verstand, dass mein Spatzenhirn nicht ausreichte, um Gott ganz neu und klar und reinzudenken und eine vollkommen saubere neue Glaubensweise zu entwickeln"
aus: "Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung." Von Esther Maria Magnis, Seite 202ff

Ein Beitrag der Autorin im Deutschlandradio.