Dienstag, Dezember 24, 2013

„Der vierfache Ruf des Micha in unsere Zeit: Weihnachten 2013.“



Ruf 1: Der Friedefürst kommt – Die Hoffnung für die Welt – mitten in aller Dunkelheit.

Überall werden die Leute sagen: »Kommt, wir gehen auf den Berg des Herrn, zu dem Haus, in dem der Gott Jakobs wohnt! Er soll uns lehren, was recht ist; was er sagt, wollen wir tun!« Denn vom Zionsberg in Jerusalem wird der Herr sein Wort ausgehen lassen. Er weist mächtige Völker zurecht und schlichtet ihren Streit, bis hin in die fernsten Länder. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk. Jeder wird in Frieden bei seinen Feigenbäumen und Weinstöcken wohnen, niemand braucht sich mehr zu fürchten. Der Herr, der Herrscher der Welt, hat es gesagt. Micha 4,2-4

Ruf 2: Der Retter ist geboren, aus der Niedrigkeit zum Weltenherrscher, aus der Krippe mit Kraft, aus der Gefallenheit zum Friedefürst.

Doch dir, Betlehem im Gebiet der Sippe Efrat, lässt der Herr sagen: »So klein du bist unter den Städten in Juda, aus dir wird der künftige Herrscher über mein Volk Israel kommen. Sein Ursprung liegt in ferner Vergangenheit, in den Tagen der Urzeit.“ Der Herr gibt sein Volk den Feinden preis, bis eine Frau den erwarteten Sohn zur Welt bringt. Dann werden die Verschleppten, die noch am Leben sind, zu den anderen Israeliten zurückkehren. Im höchsten Auftrag des Herrn, seines Gottes, und mit der Kraft, die der Herr ihm gibt, wird er die Leute von Israel schützen und leiten. Sie werden in Sicherheit leben können, weil alle Völker der Erde seine Macht anerkennen. Er wird Frieden bringen und uns vor den Assyrern retten. Micha 5,1-4

Ruf 3: Der Friedefürst hat die Kraft zur Veränderung. Veränderung in uns, an uns, durch uns und zwischen uns. Frieden leben ist möglich.

Der Herr hat dich wissen lassen, Mensch, was gut ist und was er von dir erwartet: Halte dich an das Recht, sei menschlich zu deinen Mitmenschen und lebe in steter Verbindung mit deinem Gott! Micha 6,8

Ruf 4: Die eschatologische Hoffnung, die bei uns einkehrt hat die Kraft die Gegenwart zu verändern: Weihnachten hat begonnen.

Ich liege am Boden, aber ich stehe wieder auf; ich sitze im Dunkeln, aber der Herr ist mein Licht. Ich hatte gegen ihn gesündigt, deshalb bekam ich seinen Zorn zu spüren. Aber er wird mir auch wieder beistehen und mir zu meinem Recht verhelfen. Er wird mich aus dem Dunkel ins Licht führen; ich werde es erleben, dass er mich rettet. Micha 7,8


Allen ein gesegnetes und fröhliches Weihnachtsfest 2013!



Die Krippe haben Aimée & Lilly uns als Adventskalender gebastelt.

Mittwoch, Dezember 18, 2013

„Berufung: Der rote Faden deines Lebens. Part 4: Kleiner Glaube – großer Gott oder warum man seine Berufung kaum überhören kann."


„Gott beruft alle gleich und jeden besonders“, so könnte man die Berufungsgeschichten aus der Bibel treffend zusammenfassen. Dass Berufung ein wichtiges Thema für Gott und die Menschen ist, kann man daran erkennen, dass die Bibel voller Berufungsgeschichten steckt. Ich glaube, das liegt daran, dass Berufung in der Bibel stark auf der Beziehungsebene liegt und die tiefe Verbundenheit zwischen Gott und Mensch ausdrückt. Gott liebt den Menschen und möchte, dass es ihm gut geht, dass er sein Potenzial ausschöpft, und deshalb beruft er ihn. Wie dies geschieht, spielt in der Bibel eher eine untergeordnete Rolle, denn es geschieht immer auf unterschiedliche Art und Weise. Oft ist es so, dass der angerufene Mensch gar nicht richtig hört und sich nicht sicher ist, ob er dieses Rufen Gottes auch verstanden hat. Das hängt meist mit der Frage nach der eigenen Identität zusammen, der Wahrnehmung der eigenen Stärken und Schwächen und dem Persönlichkeitsprofil. Sehr menschlich? Durchaus, deshalb hat Gott auch sehr viel Geduld mit uns Menschen. Er traut ihnen scheinbar mehr zu als sie sich selbst.
Kann ich meine Berufung überhören?
„Gott beruft jeden besonders, und jeder versteht es.“ Viele Menschen, mit denen ich beim Thema Berufung zu tun habe, haben Angst, sie könnten den Ruf Gottes für ihr Leben überhören. Diese Angst ist verständlich und sie ist sicher begründet in einer Urangst des Menschen, das Entscheidende zu verpassen. Aber interessanterweise spielt die Tatsache, dass Menschen Gottes Berufung nicht hören oder sie missverstehen, kaum eine Rolle in der Bibel. Ja, es ist geradezu umgekehrt: Die angesprochenen Menschen verstehen Gott (in seiner ganz unterschiedlichen Art), sind sich allerdings nicht sicher, ob sie diesen Ruf überhaupt annehmen wollen oder können. Manche laufen vor ihrer Berufung sogar einfach davon, wie der Prophet Jona. Der aber doch von Gott eingeholt wurde. Daraus lässt sich schließen, dass wir ganz beruhigt sein können: Wir werden Gottes Berufung für unser Leben schon verstehen, auch wenn Gott nicht immer auf die Art und Weise beruft, wie wir es uns vorstellen.
Im Rückblick ist man schlauer – auch in der Bibel
Manchen Menschen in der Bibel war sehr klar, was ihre Berufung bedeutet (z. B. den Propheten), anderen gar nicht (z. B. Abraham oder im Neuen Testament den Jüngern Jesu). Sie sind einfach dem Ruf Gottes gefolgt und haben erst im Rückblick verstanden, was Gott mit ihnen vorhatte, was ihre Berufung überhaupt war. Wieder andere sind in ihre Berufung reingewachsen (David oder Josef) und ihnen wurde erst mitten im Leben klar, was Gott mit ihnen vorhat. Anderen wurde zwar gesagt, was ihre Berufung ist, aber sie haben erst viel später verstanden, was das eigentlich für ihr Leben bedeutet (z. B. Petrus). Das klingt zwar nicht so, wie wir es uns manchmal vorstellen (Mythos: „Schrift am Himmel“), zeigt aber noch einmal deutlich, dass es nicht um die „sieben Schritte zur perfekten Berufung ohne Anstrengung“ geht, sondern um dein Leben und deine Geschichte mit Gott. Auch im Neuen Testament waren die Berufungsgeschichten nicht die reinen Erfolgsgeschichten, denn Jesus hat seine Nachfolger ganz schön herausgefordert, als er sie aus ihrem Alltag, ihrem Beruf, ja sogar aus ihren Familien herausrief. Damit waren einige überfordert, was ich ehrlicherweise auch gut verstehen kann. Aber es war für viele auch der Anfang eines wunderbaren Lebens mit Jesus, dem Sohn Gottes, wie beispielsweise für den Fischer Petrus (Lukas 5,1-11) oder den Zolleinnehmer Levi (Lukas 5,27-32). Dabei wird klar, dass Berufung für die beiden etwas mit Nachfolge zu tun hat, und ich glaube, dass dies bis heute so ist. Jesus beruft uns zuallererst in seine Nachfolge (und die ist herausfordernd genug), und dann in eine besondere Aufgabe (die wir dann erkennen können). Dazu traute er damals den Jüngern mehr zu als sie sich selbst. Und genauso geht er auch mit uns um: Er traut uns eine Menge zu und will uns auch die Befähigung dazu geben. Dazu hat er uns neben unserer Persönlichkeit und unseren natürlichen Gaben auch den Heiligen Geist gegeben, der uns auf übernatürliche Art und Weise begaben will (1. Korinther 12,3-11). Dabei sind wir nicht alleine, sondern Gott gebraucht dabei oftmals die Menschen um uns herum. Wir sind ein Teil einer größeren Gemeinschaft, einer größeren Geschichte Gottes, dem Leib Christi (1. Korinther 12,12-31; Römer 12,3-8). Das zu wissen, entspannt ungemein, genauso, dass ihn bisher alle, die er berufen hat, auch verstanden haben, auch wenn es bei manchen etwas länger gedauert hat.


Samstag, Dezember 07, 2013

„Heute werden wir tanzen und singen. Zum Tod von Nelson Mandela.“




Vor ein paar Wochen stand ich noch am „MandelaHouse“ in Soweto und machte mich im „Apartheidmuseum“ auf Spurensuche dieses großen Mannes, habe mir von einem ehemaligen Pastor und Weggefährten den Widerstand der letzten 50 Jahre erklären lassen und verschiedene historische Stätten besucht. Jetzt ist Mandela tot. Die Welt trauert zu Recht um einen besonderen Menschen und es lohnt sich die vielen historischen Zeugnisse in den Nachrufen zu lesen, um zu verstehen, was er für sein Land geleistet hat. Ich habe Mandela immer durch meine südafrikanischen Freunde kennengelernt. Seit ich 2000 zum ersten Mal nach Südafrika kam wurde mir deutlich, was für eine hohe Identitätsfigur er für (fast) alle Menschen in Südafrika ist, unabhängig ihrer Herkunft oder Hautfarbe. Für manche deutsche Gläubige scheint dies schon wieder ein Problem zu sein, so wurde ich die letzten Tage mehrfach darauf angesprochen, dass Mandela ja „kein Gott sei“, diese „Heldenverehrung doch schon zweifelhaft“ sei und „ob er überhaupt richtig gläubig“ sei? An diesen Äußerungen wird ein zentraler Punkt des Glaubens sehr schön sichtbar: Die geistliche Haltung. Während Mandela 27 Jahre unschuldig in Haft war, viele Freunde von ihm ermordet wurden, ein ganzes Land, auch „im Namen Gottes“, unterdrückt und tausende von Schwarzen hingerichtet wurden, war er doch nicht auf Rache aus, sondern lebte und predigte Versöhnung. Und er machte sich auf einen der schwersten Wege durchzubuchstabieren, die Bergpredigt Jesu mit „Liebe deine Feinde“ leben. Dadurch bewahrte er sein Land vor einem Bürgerkrieg und wurde, bei allen Herausforderungen und Schwierigkeiten,  zum Versöhner und Hoffnungsträger bis heute. Er selbst nahm sich dabei nicht so wichtig, wusste, dass er auch Fehler machte und zweifelte auch an dem was er tat. Es geht nicht darum, ihn nicht zu kritisieren oder um Heldenverehrung oder gar Glorifizierung, sondern es geht darum von seiner Haltung zu lernen. Und genau diese Haltung vermisse ich bei so manchem, der sich leichtfertig und überheblich äußert, der seine Wahrheit mal schnell und lieblos in den Raum stellt. Jesus hat mal gesagt, dass seine Nachfolger an der Liebe erkannt werden (Joh 13,35), daran möchte ich mich messen lassen. Viele Freunde aus Südafrika drücken ihre Trauer in diesen Tagen mit Tanzen und Singen aus, weil die Hoffnung Gottes sich mitten in ihrer Trauer zeigt. Die Veränderung geht weiter und der Weg bleibt steinig und schwer. Doch ich möchte weiter lernen...

Mein geschätzter Kollege von der UNISA Dr. Reggie Nel hat einen kurzen Nachruf für Nelson Mandela geschrieben, der sehr lesenswert ist:

„He was a frail human being like all of us, often misunderstood, vilified for decades, incarcerated for what he stood for, yet he remained true to the calling articulated in these words: "I have fought against white domination, and I have fought against black domination. I have cherished the ideal of a democratic and free society in which all persons will live together in harmony with equal opportunities. It is an ideal which I hope to live for, and to see realised. But my Lord, if needs be, it is an ideal for which I am prepared to die." (Nelson Rolihlahla Mandela, Rivonia Trial, 1964). Tata Madiba, in humility before God, you have run the race, fought the fight. There were times when we didn't agree with you, couldn't reach out a hand like you did- was bitterly dissapointed in the decisions you made, but we could never not be challenged by your commitment and humanity (ubuntu). May your legacy live on everywhere in the world. May we carry within ourselves this torch of hope in humility and commitment. May God raise up a new generation of this caliber. May your cherished ideal remain a beacon of hope.“

Hier der Nachruf seines Freundes Erzbischof Desmond Tutu.

Dienstag, Dezember 03, 2013

„Spiritualität & Begegnung. Eindrücke vom Emergent Forum 2013.“










Am Wochenende fand das diesjährige Emergent Forum in Berlin statt. Es stand unter dem spannenden Thema „Spiritualität & Begegnung“ und hat großen Spaß gemacht. Unterteilt wurde das ganze Wochenende von einem ‚HerZschlag’, der vier Mal am Tag alles unterbracht und 30min in die Stille und in das Psalmgebet einführte. Ich merkte, dass mir die Zeit zu Beginn des Wochenendes schwer viel auszuhalten und ich am Ende die Stille genoss. Neben einem interaktiven Gottesdienst und spannenden Workshops, wurde das Thema Spiritualität auch theoretisch aufgenommen, Sandra Bils führte in diesen sperrigen Begriff gut ein, sowohl kirchengeschichtlich (von Augustinus über Frauenmystik bis zu Luther) als auch in die aktuelle Diskussion, aus der ökumenischen Diskussionspapier ‚Gemeinsam für das Leben’:

„Missionarische Spiritualität hat eine dynamische Transformationskraft,
die durch das geistliche Engagement von Menschen in der Lage ist, die Welt durch die Gnade Gottes zu verwandeln.“

Interessant wurde es auch als Madeleine Delbrêl ‚Fahrradspiritualität’ vorgestellt wurde. Die mir bisher unbekannte Französin hat herausfordernde und alltagstaugliche Gedanken zum Thema Spiritualität. Sie muss dynamisch sein, nach vorne gehen und doch die Balance halten:

„Immer weiter!“, sagst du zu uns in allen Kurven des Evangeliums. Um die Richtung auf dich zu behalten, müssen wir immer weitergehen, selbst wenn unsere Trägheit verweilen möchte. Du hast dir für uns ein seltsames Gleichgewicht ausgedacht, ein Gleichgewicht, in das man nicht hineinkommt und das man nicht halten kann, es sei denn in der Bewegung, im schwungvollen Voran. Es ist wie mit einem Fahrrad, das sich nur gerade hält, wenn es fährt; es lehnt schief an der Wand, bis man es zwischen die Beine nimmt und davonbraust.“

Hier der ganze Vortrag.

Der zweite Teil des Themas, Begegnung, kam auch nicht zu kurz, viele Gespräche mit alten Bekannten und bereichende Begegnungen mit neuen Leuten. Ich bin immer wieder begeistert, wie viele tolle Christen es gibt. Ich durfte wieder viel lernen.

Besonders war auch der Ort. Die Refo Kirche Moabit haben wir als Projekt von unseremStudienprogramm Gesellschaftstransformation jahrlang begleitet und es ist toll, was daraus geworden ist. Vor ein paar Jahren noch eine leerstehende Kirche, jetzt eine lebendige Kirche im Kiez. Hoffnungsträger.




Mittwoch, November 27, 2013

„Berufung: Der rote Faden deines Lebens. Part 3: Unterschied zwischen einem gelingenden und einem erfolgreichen Leben“

Die Frage nach der eigenen Berufung führt meines Erachtens nicht zwangsläufig zu einem erfolgreicheren Leben. Auch wenn uns die Konsumgesellschaft immer wieder einflüstert, dass wir „better, faster, bigger, more“ werden müssen. Nein, beim Thema Berufung geht es um ein gelingendes Leben und das ist meiner Meinung ein fundamentaler Unterschied. Erfolg misst sich immer an anderen. Wer erfolgreich ist, möchte besser sein als der Andere, überflügelt den Anderen und grenzt sich somit immer weiter ab. Dies führt zu einem ständigen Vergleichen, einem Wettbewerb, der der eigenen Berufung oftmals im Wege steht, da man seine Kraft und seine Zeit diesem Wettbewerb widmet und nicht der Frage, ob man in seiner Berufung auch tatsächlich lebt. Ein gelingendes Leben steht im Einklang mit dem, was man selbst ist und werden kann und was Gott in einen hineingelegt hat, was seine Pläne für das eigene Leben sind. Wenn ich das weiß und innere Sicherheit und Balance für das eigene Leben finde, dann geht es nicht mehr in erster Linie um den Vergleich und den Erfolg, weil diese Maßstäbe plötzlich zweitrangig werden. Ein gelingendes Leben möchte die unterschiedlichen guten und herausfordernden Dinge des Lebens integrieren. Dies ist für die Frage der Berufung sehr wichtig und wird uns in diesem Buch auch wiederholt beschäftigen. Es geht oftmals nicht darum, gegen bestimmte negative Eigenschaften, Ereignisse oder Situationen anzukämpfen, um besser und erfolgreicher zu werden, sondern darum, sie ins eigene Leben zu integrieren. Ich möchte gar nicht behaupten, dass ein gelingendes Leben nicht auch er- folgreich sein kann. Dies ist durchaus möglich, aber es passiert, wenn überhaupt, dann eher nebenbei. Das Streben nach Erfolg ist nicht die Antriebsfeder. So viele Menschen ordnen ihr ganzes Leben dem eigenen Erfolg unter und merken gar nicht, dass sie an ihrer eigentlichen Berufung vorbei leben. Dazu kommt, dass auch die Gesellschaft uns von allen Seiten zuruft, es gehe um den eigenen Erfolg und jeder müsse sich um sich selbst kümmern, wenn er oder sie nicht zu kurz kommen wolle. Sich die innere Freiheit zu nehmen, um sich von den äußeren Umständen nicht gefangen nehmen zu lassen, ist für mich eine permanente Herausforderung. Ich stecke da mitten drin und merke, wie schwer mir das immer wieder fällt.  Der Geigenbauer Martin Schleske schreibt in seinem Buch Der Klang davon, wie die wunderbaren Klangfarben einer Geige entstehen. Neben der Fähigkeit, das Instrument virtuos zu spielen, kommt es sehr darauf an, wie die Geige gebaut wurde. Um einen perfekten Klang zu bekommen, braucht es dabei den richtigen Resonanzkörper, der aus verschiedenen Wechselspielen besteht, nämlich die eigentlichen gegensätzlichen Kräfte von Spannung und Bewegung. Das Wechselspiel der beide Gegensätze bildet die Resonanzen in der Geige, was dann die wunderbare Klangfarbe erzeugt. Martin Schleske überträgt dieses Bild auf unser menschliches Leben und unsere Hoffnung auf ein gelingendes und erfülltes Leben. Nicht der Erfolg und das Streben danach bringt unser Leben zum Klingen, sondern die Gegensätze, die unser Leben oftmals ausmachen. Dazu gehören auch Niederlagen, Stillstand und die Frage, für wen ich eine Erfüllung sein kann. So schreibt er:
„Wer ein erfülltes Leben sucht, hat keine andere Wahl, als zu fragen, was sich durch ihn erfüllen soll. Das ist wohl das Wesen des Glücks und entspricht darin der Arbeitsweise des Geigenbauers im Umgang mit dem Holz. Der Klang des Lebens wird im Faserverlauf des menschlichen Herzens erfüllt – und nicht daran vorbei.“
Ich merke, dass es sich lohnt zu unterscheiden, ob ich auf ein erfolgreiches oder gelingendes Leben setzen möchte. Und ich möchte lernen, das umzusetzen, bevor ich zu viel Zeit und Kraft für etwas Falsches eingesetzt habe. Sonst könnte es mir gehen wie denjenigen, von denen der Schriftsteller und Forscher Joseph Campbell einmal treffend schrieb:
„Während unserer ersten 35 oder 40 Lebensjahre haben wir uns be- müht, eine lange Treppe hinaufzusteigen, um den ersten Stock eines Gebäudes zu erreichen. Sind wir endlich unter dem Dach, stellen wir fest, dass wir uns im Gebäude geirrt haben.“

Die Suche nach der eigenen Berufung für ein gelingendes Leben möchte uns dabei helfen, im richtigen Gebäude die Treppe des Lebens zu erklimmen.

Montag, November 18, 2013

„Von Antihelden & Lieblingskindern. Mein musikalisches Ereignis 2013"



Ihr nennt uns Traurige
Kranke, Behinderte
Versehrte
Vom Leben Abservierte

Wir sind die Lieblingskinder Gottes
Auch wenn uns viele nicht verstehn
Teil eines göttlichen Komplottes
Dessen Gesänge uns umwehn


Die Single „Lieblingskinder Gottes“ ist schon draußen und am kommenden Samstag ist die große Releaseparty von dem Geheimtipp 2013: ‚Gofi Müller & die Blasting Clowns’ mit ihrem Album „Neue Helden“. Ich habe seit dem Wochenende eine Vorabversion des Albums  und ich muss sagen, dass mich seit langem nichts mehr so mitgerissen, angesprochen und eingegroovt hat, wie diese CD. Eingängiger Indierock mit Texten, die klingen als würde Funny van Dannen sich in Anbetung versuchen. Großartig. Da hat der studierte Literaturwissenschaftler Gofi Müller sich nicht lumpen lassen und lässt einem bei so manchem Text nachdenklich zurück. So, dass im Hause Faix nicht nur mitgesungen wird, sondern es heiße Diskussionen über „Traurige, Kranke, Behinderte und Versehrte“ gibt und warum ausgerechnet bei denen Gottes Zukunft liegen soll. Gofi Müller verkörpert in Text und Musik den Antihelden so perfekt, dass er aufpassen muss, dass er nicht selbst ganz schnell zum Neuen Helden wird. Aber nicht nur textlich hat diese Scheibe einiges zu bieten, auch musikalisch ist sie erstklassig geworden. Manu Steinhoff (auch Bass), hat dem Ganzen einen fetten Sound gegeben und auch bei den Musikern hat Gofi Müller nicht gegeizt und die Profis Andie Mette (Gitarre), Benny Steinhoff (Keyboard) & Martin Denzin (Schlagzeug) um sich gescharrt, so dass es nicht verwunderlich ist, dass fast  jedes Lied eine musikalische Perle ist. Besonders hervorzuheben sind die fantastischen Bläser, die selbst so Bewegungsmuffel wie mich aus den Sitzen reißen. Also, wer es sich leisten kann, Samstag ist in Marburg Releaseparty und wer sich die Scheibe da nicht holt, bitte hier bestellen. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk kann es dieses Jahr nicht geben.

Alles wissenswerte über die Band gibt es hier!
Rein hören? Hier.


Donnerstag, November 14, 2013

"Berufung: Der rote Faden deines Lebens. Part 2"


Ich freue mich über die ersten sehr positiven Reaktionen und Rezensionen zum Berufungsbuch und möchte heute mit einem fatalen Missverständnis aufräumen, das behauptet, dass Berufung immer etwas großes und besonderes und göttliches sein muss. Die Schrift an der Wand, die Zeichen am Himmel, die Stimme Gottes aus dem Nichts. Das Schlimme dabei ist, dass manch einer vor lauter warten auf die besondere Berufung, seine eigentliche Berufung verpasst. Ja, dann mit dem ganzen Thema abschließt. Wie sagte mir gestern Abend ein Freund: „Berufung, das hat doch nichts mit meinem Leben zu tun. Berufen werden die Besonderen, ich bin ein ganz normaler Mensch.“ Irrtum, es gibt für Gott keine normalen Menschen – nur besondere! Wenn wir nach unserer Berufung fragen, findet dies in lauter Spannungsfeldern statt, mitten in unserem Leben, in denen sich Gott zeigt. Fünf möchte ich kurz beschreiben:
Spannungsfeld 1: 
  • Berufung aus mir: Berufung hat etwas mit meiner Identität, meinen Gaben, meiner Biografie zu tun.
  • Berufung zu mir: Bei Berufung ruft mir jemand etwas zu. Berufung ist auch etwas von außen, Gott ruft in mein Leben hinein.

Spannungsfeld 2:
  • Allgemeine Berufung: Jeder Mensch ist von Gott geschaffen und geliebt und Gott hat sich bei jedem etwas gedacht, deshalb sind alle grundsätzlich berufen, weil sie gewollt und geplant sind.
  • Besondere Berufung: Für jeden Menschen gibt es darüber hinaus auch eine besondere Berufung.

Spannungsfeld 3:
  • Kollektive Berufung: Manchmal gibt es Berufungen für ein Ehepaar, eine Familie oder eine Gruppe von Menschen.
  • Individuelle Berufung: Berufung ist auch etwas für mein individuelles Leben, was meinem Leben Richtung und Sicherheit gibt.

Spannungsfeld 4:
  • Prozesshafte Berufung: Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Berufung ein lebenslanger Prozess ist. Im griechischen Text des Neuen Testaments gibt es dafür auch zwei Ausdrücke, wenn es darum geht Zeit zu beschreiben. Für einen Zeitabschnitt oder die Beschreibung eines Prozesses in einem Zeitraum steht das Wort chronos.
  • Punktuelle Berufung: Für einen konkreten Zeitpunkt steht dort das Wort kairos. Berufung geschieht zu einem bestimmten von Gott geführten Zeitpunkt, der ein ganzes Leben prägen kann.

Spannungsfeld 5:
  • Berufung durch eine Gemeinschaft: Um seine Berufung zu finden, ist eine Gemeinschaft etwas sehr Wertvolles. Menschen können einen begleiten oder auch Berufungen aussprechen. Auf alle Fälle helfen sie dabei, die eigene Berufung zu finden.
  • Berufung für eine Gemeinschaft: Meine Berufung ist nicht nur für mich selbst da, sondern wenn ich meine Berufung finde, wird dies auch Auswirkungen für die Menschen um mich herum haben. Mit meiner Berufung diene ich den Menschen um mich herum.


Wenn ich über Berufung nachdenke, dann geschieht es meist zwischen diesen Spannungsfeldern und genau dies macht es so spannend....
Illustration: Matthias Gieselmann
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Dienstag, November 05, 2013

„Menschenhandel, Sklaverei und was Christen tun können.“




Vor ein paar Wochen habe ich ein paar statistische Rahmenzahlen zum Themenkomplex Menschenhandel und Sklavereigepostet. Heute war im Rahmen der unseres mbs studienprogramms ein Themenabend zu genau diesem Thema. Dietmar Roller und Daniel Rentschler von IJM (InternationalJustice Mission) haben den Abend inhaltlich verantwortet und von ihrer Arbeit erzählt. Dietmar Roller begann mit einem kurzen Bericht über Indien, Zwangsprostitution und der Chancen für Opfer und Möglichkeiten gegen Menschenhändler und Zuhälter vorzugehen. Danach begann Daniel Rentschler mit einer Reflexion von Amos 3-5 und fragte die Anwesenden, warum Gott damals in Israel die Gottesdienste ablehnte: „Ich kenne eure Vergehen, eure zahllosen Verbrechen! Ihr beutet die Armen aus und verlangt von ihnen hohe Abgaben an Korn. Ihr verfolgt ehrbare Bürger, nehmt Bestechungsgelder an und verweigert den Schutzlosen ihr Recht.“ Von dort aus zog Rentschler eine rote Linie vom Alten zum Neuen Testament und zeigte daran auf, dass Gott Gerechtigkeit liebt und Ungerechtigkeit auf Erden hasst. Was aber heißt das? Was können wir denn tun gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt? Sollen wir es abschaffen? Aktuell: 27 Millionen Sklaven; 18 Milliarden Euro Umsatz mit Zwangsprostitution (allein in den Niedriglohnländern); schätzungsweise jedes Jahr werden eine Millionen Kinder neu versklavt. Rentschler plädierte dafür sich nicht von diesen Zahlen zurückzuschrecken, sich weder schocken noch sich entmutigen zu lassen, sondern den Auftrag Gottes ernst zu nehmen und in Gebet und kleinen Schritten voranzugehen. Dabei sei für die Betroffenen individuelle Hilfe und auch strukturelle Veränderung wichtig. Bei der Arbeit IJM werden dabei vier Punkte beachtet und bearbeitet: 1. Befreiung von Opfern (durch verdeckte Ermittler, die örtlichen Polizei etc.), 2. Überführung von Tätern (juristische und öffentliche Verurteilung), 3. Nachversorgung der Opfer (Therapien, alternative Berufsausbildung etc.) und 4. Strukturelle Prävention (verbesserte Gesetzgebungen etc.). Untersuchungen zeigen, dass wenn diese vier Punkte konsequent mit den örtlichen Behörden und Rechtsprechung durchgesetzt werden, geht Sklaverei und Zwangsprostitution bis 78% zurück. Aber es ist ein langer und oftmals mühseliger Weg mit vielen Rückschlägen und immer wieder neu auftretenden Herausforderungen. IJM hat sich dabei besonders auf die juristischen Auseinandersetzungen gewidmet um strukturelle Ungerechtigkeiten anzugehen und Gerichtsverhandlungen gegen illegalen Menschenhandel und Landnahme durchzusetzen, strenger Rechtssprechungen gegen Zwangsprostitution durchzubringen etc. Vielleicht sind dies kleine Lichtstrahlen in einer dunklen Welt, aber es ist ein Licht, dass die Dunkelheit durchbricht, es ist das Licht Gottes, das hineinstrahlt mitten in alle Ungerechtigkeit.
Was können Christen jetzt tun? Beten, informieren, aufklären, unterstützen. Hier noch neuen Punkte, die IJM konkret vorschlägt um zu helfen. Wer Interesse hat sich darin schulen zu lassen, kann „Botschafter“ für die Arbeit von IJM werden.

„Lernt Gutes zu tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!“ Jesaja 1,17

Die mbs3 des Vortrags kommt die nächsten Tage unter http://www.gesellschaftstransformation.de/downloads.html zu finden.


Wer ist IJM?
IJM Deutschland e.V. ist der deutsche Zweig der internationalen Menschenrechtsorganisation International Justice Mission (IJM), die sich in zwölf Partnerländern für die Rechte der Opfer von Sklaverei, Menschenhandel, Zwangsprostitution und anderen Formen gewaltsamer Unterdrückung einsetzt. Dazu arbeiten weltweit mehr als 500 Mitarbeiter als Anwälte, verdeckte Ermittler und Sozialarbeiter mit lokalen Behörden, um Betroffene zu befreien, Nachsorge zu vermitteln, Täter zu überführen und die Funktionsfähigkeit von Rechtssystemen zu fördern.

Freitag, November 01, 2013

„Die Bibel verstehen und neue Gottesdienstformen ausprobieren – neues aus der emergenten Buchmanufaktur“




 Diese Woche sind zwei neue, inspirierende Bücher in unserer Reihe „einfach emergent“ erschienen. Kurz, knapp und informativ greifen sie zwei wichtige Themenfelder aus dem emergenten Dialog im deutschsprachigen Raum auf. In „Wie die Bibel Sinn macht. Ein altesBuch neu kennenlernen“ beschäftigt sich Dominik Sikinger mit seinem Lieblingsbuch, der Bibel. In einem „Drama in fünf Akten“ erzählt er spannend die heilsgeschichtlichen Linien der großen Geschichte Gottes mit den Menschen nach. Ein schönes Buch, um das Buch der Bücher wieder neu zu entdecken. Ein ganzes Autorenteam rund um die Kubik-Gemeinschaft Karlsruhe haben ihre geistlichen Erfahrungen und Experimente unter dem Titel „Geistlicher Rhythmus und kreative Gottesdienstformen“ in Band 4 der Reihe veröffentlicht. Daniel Ehniss, Mirjam Holzmüller, Hannegret Lindner, Denis Holzmüller beschreiben ganz praktisch wie sie in Zeiten von gesellschaftlichen Umbrüchen, ganz ohne Denkverbote, ihre Spiritualität gemeinsam leben wollen. Ein Buch voller Ideen, Anwendungsbeispiele und Kreativtechniken, das dazu ermutigt, neue Dinge im eigenen Umfeld auszuprobieren. Dazu haben sie eine tolle Homepage erstellt, die parallel zum Buch zu gebrauchen ist.
Beide Bücher sind beim Francke Verlag Marburg herausgekommen und kosten 5,95€.

Montag, Oktober 28, 2013

„Berufung: Der rote Faden deines Lebens. Part 1“



„Es geht im Wesentlichen darum, dass ich mich selbst verstehe, dass ich sehe, was Gott wirklich will, dass ich es tue; es geht darum eine Wahrheit zu finden, die für mich gilt, die Vorstellung zu finden, für die ich leben und sterben kann.“
Sören Kierkegaard

Vor ein paar Wochen ist mein neues Buch ‚Logbuch Berufung’ herausgekommen und ich möchte das Erscheinen des Buches mit einer kleinen ‚Blogreihe’ begleiten. Dies hat mehrere Gründe, zum einen hat mich selbst das Thema ‚Berufung’ wieder ganz neu gepackt und ich habe längst noch nicht alle Gedanken fertig bzw. ins Buch packen können und zum anderen wünsche ich mir zu manchen Themen eine anregende Diskussion. Als ich vor ein paar Monaten was zum Thema „VeränderteZeiten – veränderte Berufung“ schrieb, haben mir die Kommentare und Mails dazu sehr geholfen.
Berufung ist ein vieldeutiger und auch umstrittener Begriff, dem ich auf die Spur kommen möchte. Die lateinische Übersetzung lautet „vocatio“ und bedeutet, dass Gott jemanden für einen bestimmten Dienst oder eine Aufgabe beruft. Mittlerweile wird der Begriff Berufung oft von diesem spirituellen Ursprung losgelöst gesehen und als „innere Stimme“ verstanden. Manche sprechen von einer Lebensaufgabe, und Berufung wird dann im Zusammenhang mit dem eigenen Beruf gesehen (der eigene Beruf als Berufung). Mir gefällt diese ursprüngliche Bedeutung natürlich gut und dass bei der Suche nach der eigenen Berufung Gott eine Rolle spielt. Deshalb sehe ich den einzelnen Menschen mit seiner Biografie, seinen Begabungen und seinem ganzen Sein als etwas Wichtiges an, in dem schon viel von dem liegt, was wir später als Berufung erkennen werden. Jede Berufung ist dabei einzigartig und wird von verschiedenen Einflüssen geprägt. So gab es durch alle Zeiten der Geschichte Berufungen, aber sie waren nicht immer gleich. In allen Phasen des Lebens gibt es besondere Fragen, auch an die Berufung. Jede Persönlichkeit spricht auf bestimmte Sprachen der Berufung an. Jede Biografie ist durch das eigene soziale Umfeld geprägt, von der Ursprungsfamilie bis zum jeweiligen Milieu, aus dem man kommt. In all das ruft und wirkt Gott hinein. Davon gehe ich in aus. Dass Berufung nicht nur etwas Innerweltliches, Emotionales oder Psychologisches ist, sondern dass es einen Gott außerhalb unserer Lebenswelt gibt, der aber genau in diese eingreifen kann. Dies ist von entscheidender Wichtigkeit, da die Deutung von ein und dem selbem Ereignis dadurch kaum unterschiedlicher sein könnte. Zwei Personen erleben eine ähnliche Geschichte, beispielsweise, dass sie von einer Krankheit geheilt worden sind. Die eine Person glaubte an Gott und hat für die Heilung gebetet und sieht diese jetzt als ein Wunder Gottes in ihrem Leben an. Die andere Person glaubt nicht an Gott, hat auch nicht gebetet und ist jetzt dankbar, dass sie zu den wenigen gehört, die plötzlich wider Erwarten gesund geworden sind. Zugespitzt könnte man in verschiedenen Situationen fragen: „Zufall oder Gott?“ und jede Person muss die Antwort selbst geben. Sicher ist nur, dass wir alle von einem Weltbild ausgehen, welches uns geprägt hat und uns leitet und mit dessen Hilfe wir die verschiedenen Lebensfragen beantworten werden, auch die Frage nach unserer Berufung. In vielen Gesprächen als Pastor, Mentor oder Lehrer ist mir klar geworden, dass diese Prägungen nicht nur das eigene Verständnis von Berufung prägen, sondern dadurch auch die Berufung selbst. Das ist spannend und allein deshalb lohnt es sich über das eigene Berufungsverständnis und die eigene Berufung nachzudenken....

Freitag, Oktober 18, 2013

„Unverkäuflich! Oder doch nur ein gutes Geschäft?“




  • 29,8 Millionen Menschen arbeiten gegenwärtig unter Sklavenbedingungen (Walk Free, 2013)
  • Etwa 880.000 Menschen in Europa werden unter Zwang festgehalten, über 270.000 von ihnen sexuell ausgebeutet (ILO, 2012)
  • mindestens 10 000 Sklaven werden in Deutschland gehalten 


Heute ist der „Europäische Tag gegen Menschenhandel“, ein gegenwärtig immer noch verdrängtes Thema mitten unter uns. So sagt beispielsweise Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender von IJM: "Der Kampf gegen Menschenhandel hat bislang kaum Priorität in Gesellschaft und Politik". Und er hat Recht, denn Deutschland hat die EU-Richtlinie gegen Menschenhandel nicht umgesetzt. Vielleicht eine neue Chance in der kommenden großen Koalition? Unterdessen blüht das Geschäft von dem wir alle profitieren, in Form von billigen Arbeitskräften. Während in Deutschland die meisten Sklaven im Bereich der Prostitution gehalten werden, arbeiten weltweit 2/3 der Sklaven in Bereichen wie Landwirtschaft, Pflege, Hotelgewerbe oder der Schlachtindustrie. Geschätzte 32 Milliarden US-Dollar Umsatz (ILO, 2012) werden mit Sklavenhandel weltweit erzielt und dies nicht nur in Indien, sondern auch in Europa und in Deutschland.
Immer mehr Christinnen und Christen engagieren sich gegen Menschenhandel und Sklaverei und setzen sich ein für Menschenwürde, denn jeder Mensch ist im Angesicht Gottes geschaffen worden und hat spiegelt unabhängig von seiner Herkunft und seines Standes Gottes Ebenbildlichkeit wider.


Samstag, Oktober 12, 2013

"Spiritualität: Rhythmus & Begegnung"




Wie schon angekündigt, hier noch ein paar mehr Informationen zum diesjährigen EmergentForum mit dem spannenden und aktuellen Thema Spiritualität. Ich freue mich schon sehr auf die unterschiedlichen Begegnungen mit inspirierenden Menschen. Dazu findet das Ganze in Berlin Moabit (Reformationskirche) statt, ein Projekt, dass wir in unserem Studienprogramm Gesellschaftstransformation begleitet haben.
Spiritualität ist der Herzschlag eines lebendigen christlichen Glaubens. Doch was genau geht vor sich, wenn wir etwas Spirituelles erleben? Welchen Rhythmus zwischen Anspannung und Entspannung, Gemeinschaft und Einsamkeit, traditionellen und spontanen Glaubensäußerungen empfinden wir als belebend? Auf dem diesjährigen Forum öffnen und gestalten wir einen Raum, um über das Wesen und die verschiedenen Aspekte und Formen christlicher Spiritualität ins Gespräch zu kommen.
Der Freitagabend beginnt mit Begegnungen in verschiedenen Facetten. Wir feiern einen sinnlichen Gottesdienst mit dem Konvent an der Reformationskirche und werden musikalisch unterstützt von der Band Roemer Collective.
 Samstag und Sonntag ist „Rhythmus“ Programm. Es wechseln sich gemeinschaftliche liturgische Phasen mit Zeitfenstern ab, in denen jede/r verschiedenste interaktive Angebote nutzen kann, um sich individuell sowie im Dialog mit anderen mit spirituellen Fragen auseinanderzusetzen. Die vielfältigen Gedanken, Anregungen und Erkenntnisse werden wir zwischendurch immer wieder bündeln, um noch tiefer gemeinsam zu erkunden, was wir unter Spiritualität verstehen und wie wir diese im Alltag und den Gemeinden (er-)leben (können).
Das Forum beginnt am Freitag um 20.15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Reformationskirche (REFO) und endet am Sonntag um 13.00 Uhr. Der Check-In ist am Freitag Abend ab 19.00 Uhr geöffnet.
Ort
REFO Moabit  - Kirche im Kiez e.V.
- Konvent an der Reformationskirche -
Beusselstraße 35 / Ecke Wiclefstraße
10551 Berlin
Kosten
Wir wollen das Forum kostendeckend durchführen, dazu müsste es für jeden 65,00 Euro kosten. Das ist unser Standardpreis. Da jedoch nicht jeder gleich viel Geld zum Leben hat und das Geld der Teilnahme am Forum nicht im Weg stehen soll, haben wir uns ein paar weitere Preise ausgedacht. Für alle, die mit weniger Geld auskommen müssen, gibt es einen ermäßigten Preis von 45,00 Euro. Diejenigen die etwas mehr Geld zur Verfügung haben und damit andere unterstützen können, haben die Möglichkeit den politischen Preis zu wählen und bezahlen dann 75,00 Euro.
Ihr könnt bei der Anmeldung euren bevorzugten Preis auswählen. Wir hoffen, auf diese Weise jedem die Teilnahme zu ermöglichen und gleichzeitig kostendeckend zu arbeiten. Falls es dir nicht möglich ist, einen dieser Preise zu bezahlen, melde dich über unser Kontaktformular, dann schauen wir gemeinsam nach einer Lösung.
Im Preis ist das Essen für Samstagabend und das Frühstück am Sonntagmorgen enthalten. Es wird auch vegetarisches Essen geben. Für die übrigen Mahlzeiten ist jeder selbst verantwortlich.
Bezahlt wird übrigens in bar direkt auf dem Forum.
Kinder sind natürlich wieder frei.
Übernachtung
Die Übernachtung muss auch in diesem Jahr selbst organisiert werden. In der Nähe des Gemeindehauses gibt es eine Vielzahl von Übernachtungsmöglichkeiten. Wenn du Interesse hast mit Schlafsack und Isomatte am Veranstaltungsort zu schlafen, kannst du dies bei der Anmeldung angeben.
Anmeldung hier

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Mittwoch, Oktober 02, 2013

„Die zehn wichtigsten theologischen Bücher. Die ultimativ subjektive Rangliste.“



Meine amerikanischen Freunde lieben sie, die „Ranglisten“ für alles und jenes und so ist es nicht verwunderlich, dass es sie für alles Mögliche gibt, auch für theologische Bücher. Davon habe ich mich jetzt inspirieren lassen und habe mal die zehn für mich wichtigsten theologischen Bücher aufgeschrieben. Gar nicht so einfach muss ich zugeben. Dabei war mir wichtig, dass ein Buch immer in eine bestimmte biographische Situation hinein wirkt, deshalb war für mich die Frage, wie stark und wie lange mich dieses Buch geprägt und/oder begleitet hat. Mit manch einem Buch habe ich theologisch vielleicht heute sogar „gebrochen“, doch hat es mich trotzdem über Jahre beeinflusst und beschäftigt. Manche Bücher habe ich (zuerst) in Englisch gelesen, dann schreibe ich den deutschen Titel noch dazu (wenn es ihn denn gibt).
Meine ultimativ subjektive Rangliste des theologischen Buchs:
  1. Bonhoeffer „Nachfolge“: Vielleicht das einflussreichste theologische Buch in meinem Leben. Kein Buch habe ich häufiger gelesen, keines vielleicht weniger in meinem Leben umgesetzt. Eine Lebensaufgabe. Ich lese weiter....
  2. David Bosch ‚Transforming Mission’ (Mission im Wandel): Als ich das Buch zum ersten Mal las, habe ich nachts meine Frau geweckt und ihr daraus vorgelesen. Für mich eines der wichtigsten und besten theologischen Büchern der letzten Jahrzehnte. Darüber hinaus ein Prophetisches. Schon 1991 beschreibt Bosch das, was heute mit „missional“ oder „emerging church“ beschrieben wird.
  3. Paul Schütz: „Das Mysterium der Geschichte. Von der Anwesenheit des Heilenden in der Zeit.“ Paul Schütz gehört zu den unterschätzen Denken des 20. Jahrhunderts. Im Grunde hätte ich alle seine Werke hier nennen können, aber „Das Mysterium der Geschichte“ war das Erste, was ich gelesen habe. Sprachmächtig. Anders, durchaus umstritten.
  4. Hans-Walter Wolf „Anthropologie des Alten Testaments“: Im Studium mein wichtigstes Buch zum Verständnis des ATs. Hat mir neue (theologische) Welten erschlossen. Danach machte Hebräisch lernen richtig Spaß...
  5. Thomas von Kempen „Nachfolge Christi“ Das Buch hat mir mein Mentor mal mit den Worten „Lies davon jeden Tag eines der kurzen Kapitel und es wird dein Leben verändern“ gegeben. Hat bei mir etwas gedauert, aber habe es vier Jahre lang (fast) täglich gelesen.
  6. Karl Barth: Beim Lesen habe ich mich wie Kapitän Ahab gefühlt und habe am Ende den „Kampf“ mit dem „weißen Wal“ verloren. Trotzdem: Ein prägendes Erlebnis und auch heute noch eine Quelle der Inspiration. Obwohl ich heute Brunner recht geben würde! J Und die ‚Tambacher Rede’ finde ich nach wie vor unschlagbar...
  7. Jürgen Moltmann: Was mich zuerst an Moltmann fasziniert hat, war mehr seine Sprache als seine Theologie. Wenn Moltmann schreibt, ist dies würdevoll, demütig und gegenüber Gott und den Menschen. Moltmann zu lesen heißt für mich Lust am Glauben zu bekommen.
  8. McGrath: Der Weg der christlichen Theologie: Eine Einführung. Ein kluges theologisches Buch, nicht nur weil es einen komprimierten und kompetenten Überblick über die Theologiegeschichte gibt, sondern weil McGrath auch außerordentlich gut schreiben kann und der britische Humor auch in einem theologischen Fachbuch nicht zu kurz kommt, was in Deutschland undenkbar wäre. Beispiel: In der Einleitung zur Pneumatologie: „Der Heilige Geist ist das Aschenputtel der Trinität“
  9. NT Wright: Ich mag Tom und NT Wright, der Wissenschaftler und der Pfarrer, beide in einer Person, beide bedingungslos aneinandergekettet. „Überrascht von Hoffnung“ (von Tom) und „Das Neue Testament und das Volk Gottes“ (von NT) sind zwei großartige theologische Werke, die ihren Platz in der Theologiegeschichte finden werden.
  10. Lesslie Newbigin: „Den Griechen eine Torheit“ war eines der ersten Bücher zum Thema Kontextualisierung und hat mich schwer ins Nachdenken gebracht. Dieses kleine, aber feine Buch des anglikanischen Bischofs, der über Jahrzehnte in Indien lebte und dann sein England kaum mehr erkannte, ist nicht nur voll guter Theologie, sondern auch reich an Lebensweisheit.

Natürlich gab es da noch CS Lewis oder den unwiderstehlichen Chesterton, Yoder oder Volf oder Sider oder oder Boff oder Nouwen...
Aber ich wollte mich mal auf einen Top 10 reduzieren und das sind sie nun. Zu jedem der Bücher könnte ich eine Geschichte erzählen, aber dafür ist ein Blog nicht so geeignet. Aber welche Bücher dich geprägt haben, dafür ist Raum und Platz...
Also nächstes kommen dann Romane, philosophische Bücher und mal sehen....