Montag, Februar 25, 2013

„Kaffee, Kirchen & Kontraste. Kleine Einblicke in ein großartiges Land.“









Hatte die Gelegenheit die letzten Tage in Addis Ababa zu verbringen, was schön, herausfordernd und intensiv zugleich war. Wir hatten zwei Ziele für unsere Reise, zum einen haben wir ein Studienprogramm Development Studies (Child Development Training & Research Center) in Addis angeschaut und mit dem Kollegium über eine evtl. Zusammenarbeit beratschlagt und zum anderen haben wir verschiedene Projekte von Compassion besucht. Zuerst muss ich sagen, dass mich das Land Äthiopien und seine Menschen begeistert hat. Im einzigen Land Afrikas, das nie unter einer Kolonialmacht stand, ticken die Uhren im wahrsten Sinn anders. Wie im Neuen Testament werden ab sechs Uhr morgens die Stunden gezählt, so dass bspw. 12:00h Mittags sechs Uhr ist (die sechste Stunde nach Sonnenaufgang). Das kann zu schönen Missverständnissen führen, wenn man dann noch mitbekommt, dass man das Jahr 2005 schreibt und dass gleichzeitig der Muezzin zum Gebet ruft und mit Lautsprechern die täglichen orthodoxen Gottesdienste stundenlang nach draußen übertragen werden, dann ist man angekommen in einem faszinierenden und kontrastreichen Land. Ich hatte ja nur einen kleinen Einblick in die vielfältige und traditionsreiche Kultur des Landes, aber in den unterschiedlichsten Begegnungen ist mir die Würde, die die Menschen in sich tragen aufgefallen und dass ich dies gar nicht an objektiven Kriterien fest machen könnte. Viele Menschen leben dabei in großer Armut, und doch herrscht in und um Addis Ababa eine große Aufbruchstimmung, die sich in der Hoffnung der Menschen und in tausenden Rohbauten zeigt, die an fast jeder Ecke entstehen. In vielen Begegnungen und Gesprächen durfte ich sehr viel lernen, vor allem wie in Gemeinden gesellschaftliche Verantwortung und lebendiges Gemeindeleben untrennbar voneinander zu sehen sind. Gerade das Thema community development ist in allen Gemeinden (auch dank der Hilfe von Compassion) eine Selbstverständlichkeit und führt dazu, dass die Gottesdienste voll sind, weil die Menschen merken, dass Christsein mit ihrem Alltagsleben zu tun hat (da hat das Wort Ganzheitlichkeit eine ganz neue Bedeutung bekommen). Dabei geht es nicht um eine Aufdringlichkeit, sondern um ein echtes Miteinander. So hat mich sehr beeindruckt, dass durch die Regierung in jeder Region die drei großen religiösen Gemeinschaften (Orthodoxe, Muslime und Evangelische/Evangelikale) in neutralen Räumen zur Begegnung verpflichtet werden. Diese Gespräche und Begegnungen verändern viel, auch wenn noch bei weitem nicht alles spannungsfrei ist. Überhaupt dreht sich vieles um Begegnung und Gemeinschaft und natürlich um Kaffee. Mit (nicht immer) traditionell am Feuer gerösteten und frisch gebrühtem Kaffee sitzt man zusammen und diskutiert über Gott und die Welt. Aber in mancher Wellblechhüte ist mir dieser dann doch im Halse stecken geblieben, da das Leben sehr schwer zu ertragen ist, wenn bspw. eine fünfköpfige Familie samt Großmutter in ein paar Quadratmetern Lehm und Wellblech wohnen. Mit der Familie dazu sitzen und sich ihre Geschichte anzuhören, ihre Herausforderungen im Alltag, ihre Hoffnungen in die Zukunft, das war schon sehr intensiv und ich habe viele „Hausaufgaben“ mitbekommen.

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