Mittwoch, November 27, 2013

„Berufung: Der rote Faden deines Lebens. Part 3: Unterschied zwischen einem gelingenden und einem erfolgreichen Leben“

Die Frage nach der eigenen Berufung führt meines Erachtens nicht zwangsläufig zu einem erfolgreicheren Leben. Auch wenn uns die Konsumgesellschaft immer wieder einflüstert, dass wir „better, faster, bigger, more“ werden müssen. Nein, beim Thema Berufung geht es um ein gelingendes Leben und das ist meiner Meinung ein fundamentaler Unterschied. Erfolg misst sich immer an anderen. Wer erfolgreich ist, möchte besser sein als der Andere, überflügelt den Anderen und grenzt sich somit immer weiter ab. Dies führt zu einem ständigen Vergleichen, einem Wettbewerb, der der eigenen Berufung oftmals im Wege steht, da man seine Kraft und seine Zeit diesem Wettbewerb widmet und nicht der Frage, ob man in seiner Berufung auch tatsächlich lebt. Ein gelingendes Leben steht im Einklang mit dem, was man selbst ist und werden kann und was Gott in einen hineingelegt hat, was seine Pläne für das eigene Leben sind. Wenn ich das weiß und innere Sicherheit und Balance für das eigene Leben finde, dann geht es nicht mehr in erster Linie um den Vergleich und den Erfolg, weil diese Maßstäbe plötzlich zweitrangig werden. Ein gelingendes Leben möchte die unterschiedlichen guten und herausfordernden Dinge des Lebens integrieren. Dies ist für die Frage der Berufung sehr wichtig und wird uns in diesem Buch auch wiederholt beschäftigen. Es geht oftmals nicht darum, gegen bestimmte negative Eigenschaften, Ereignisse oder Situationen anzukämpfen, um besser und erfolgreicher zu werden, sondern darum, sie ins eigene Leben zu integrieren. Ich möchte gar nicht behaupten, dass ein gelingendes Leben nicht auch er- folgreich sein kann. Dies ist durchaus möglich, aber es passiert, wenn überhaupt, dann eher nebenbei. Das Streben nach Erfolg ist nicht die Antriebsfeder. So viele Menschen ordnen ihr ganzes Leben dem eigenen Erfolg unter und merken gar nicht, dass sie an ihrer eigentlichen Berufung vorbei leben. Dazu kommt, dass auch die Gesellschaft uns von allen Seiten zuruft, es gehe um den eigenen Erfolg und jeder müsse sich um sich selbst kümmern, wenn er oder sie nicht zu kurz kommen wolle. Sich die innere Freiheit zu nehmen, um sich von den äußeren Umständen nicht gefangen nehmen zu lassen, ist für mich eine permanente Herausforderung. Ich stecke da mitten drin und merke, wie schwer mir das immer wieder fällt.  Der Geigenbauer Martin Schleske schreibt in seinem Buch Der Klang davon, wie die wunderbaren Klangfarben einer Geige entstehen. Neben der Fähigkeit, das Instrument virtuos zu spielen, kommt es sehr darauf an, wie die Geige gebaut wurde. Um einen perfekten Klang zu bekommen, braucht es dabei den richtigen Resonanzkörper, der aus verschiedenen Wechselspielen besteht, nämlich die eigentlichen gegensätzlichen Kräfte von Spannung und Bewegung. Das Wechselspiel der beide Gegensätze bildet die Resonanzen in der Geige, was dann die wunderbare Klangfarbe erzeugt. Martin Schleske überträgt dieses Bild auf unser menschliches Leben und unsere Hoffnung auf ein gelingendes und erfülltes Leben. Nicht der Erfolg und das Streben danach bringt unser Leben zum Klingen, sondern die Gegensätze, die unser Leben oftmals ausmachen. Dazu gehören auch Niederlagen, Stillstand und die Frage, für wen ich eine Erfüllung sein kann. So schreibt er:
„Wer ein erfülltes Leben sucht, hat keine andere Wahl, als zu fragen, was sich durch ihn erfüllen soll. Das ist wohl das Wesen des Glücks und entspricht darin der Arbeitsweise des Geigenbauers im Umgang mit dem Holz. Der Klang des Lebens wird im Faserverlauf des menschlichen Herzens erfüllt – und nicht daran vorbei.“
Ich merke, dass es sich lohnt zu unterscheiden, ob ich auf ein erfolgreiches oder gelingendes Leben setzen möchte. Und ich möchte lernen, das umzusetzen, bevor ich zu viel Zeit und Kraft für etwas Falsches eingesetzt habe. Sonst könnte es mir gehen wie denjenigen, von denen der Schriftsteller und Forscher Joseph Campbell einmal treffend schrieb:
„Während unserer ersten 35 oder 40 Lebensjahre haben wir uns be- müht, eine lange Treppe hinaufzusteigen, um den ersten Stock eines Gebäudes zu erreichen. Sind wir endlich unter dem Dach, stellen wir fest, dass wir uns im Gebäude geirrt haben.“

Die Suche nach der eigenen Berufung für ein gelingendes Leben möchte uns dabei helfen, im richtigen Gebäude die Treppe des Lebens zu erklimmen.

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