Samstag, Dezember 07, 2013

„Heute werden wir tanzen und singen. Zum Tod von Nelson Mandela.“




Vor ein paar Wochen stand ich noch am „MandelaHouse“ in Soweto und machte mich im „Apartheidmuseum“ auf Spurensuche dieses großen Mannes, habe mir von einem ehemaligen Pastor und Weggefährten den Widerstand der letzten 50 Jahre erklären lassen und verschiedene historische Stätten besucht. Jetzt ist Mandela tot. Die Welt trauert zu Recht um einen besonderen Menschen und es lohnt sich die vielen historischen Zeugnisse in den Nachrufen zu lesen, um zu verstehen, was er für sein Land geleistet hat. Ich habe Mandela immer durch meine südafrikanischen Freunde kennengelernt. Seit ich 2000 zum ersten Mal nach Südafrika kam wurde mir deutlich, was für eine hohe Identitätsfigur er für (fast) alle Menschen in Südafrika ist, unabhängig ihrer Herkunft oder Hautfarbe. Für manche deutsche Gläubige scheint dies schon wieder ein Problem zu sein, so wurde ich die letzten Tage mehrfach darauf angesprochen, dass Mandela ja „kein Gott sei“, diese „Heldenverehrung doch schon zweifelhaft“ sei und „ob er überhaupt richtig gläubig“ sei? An diesen Äußerungen wird ein zentraler Punkt des Glaubens sehr schön sichtbar: Die geistliche Haltung. Während Mandela 27 Jahre unschuldig in Haft war, viele Freunde von ihm ermordet wurden, ein ganzes Land, auch „im Namen Gottes“, unterdrückt und tausende von Schwarzen hingerichtet wurden, war er doch nicht auf Rache aus, sondern lebte und predigte Versöhnung. Und er machte sich auf einen der schwersten Wege durchzubuchstabieren, die Bergpredigt Jesu mit „Liebe deine Feinde“ leben. Dadurch bewahrte er sein Land vor einem Bürgerkrieg und wurde, bei allen Herausforderungen und Schwierigkeiten,  zum Versöhner und Hoffnungsträger bis heute. Er selbst nahm sich dabei nicht so wichtig, wusste, dass er auch Fehler machte und zweifelte auch an dem was er tat. Es geht nicht darum, ihn nicht zu kritisieren oder um Heldenverehrung oder gar Glorifizierung, sondern es geht darum von seiner Haltung zu lernen. Und genau diese Haltung vermisse ich bei so manchem, der sich leichtfertig und überheblich äußert, der seine Wahrheit mal schnell und lieblos in den Raum stellt. Jesus hat mal gesagt, dass seine Nachfolger an der Liebe erkannt werden (Joh 13,35), daran möchte ich mich messen lassen. Viele Freunde aus Südafrika drücken ihre Trauer in diesen Tagen mit Tanzen und Singen aus, weil die Hoffnung Gottes sich mitten in ihrer Trauer zeigt. Die Veränderung geht weiter und der Weg bleibt steinig und schwer. Doch ich möchte weiter lernen...

Mein geschätzter Kollege von der UNISA Dr. Reggie Nel hat einen kurzen Nachruf für Nelson Mandela geschrieben, der sehr lesenswert ist:

„He was a frail human being like all of us, often misunderstood, vilified for decades, incarcerated for what he stood for, yet he remained true to the calling articulated in these words: "I have fought against white domination, and I have fought against black domination. I have cherished the ideal of a democratic and free society in which all persons will live together in harmony with equal opportunities. It is an ideal which I hope to live for, and to see realised. But my Lord, if needs be, it is an ideal for which I am prepared to die." (Nelson Rolihlahla Mandela, Rivonia Trial, 1964). Tata Madiba, in humility before God, you have run the race, fought the fight. There were times when we didn't agree with you, couldn't reach out a hand like you did- was bitterly dissapointed in the decisions you made, but we could never not be challenged by your commitment and humanity (ubuntu). May your legacy live on everywhere in the world. May we carry within ourselves this torch of hope in humility and commitment. May God raise up a new generation of this caliber. May your cherished ideal remain a beacon of hope.“

Hier der Nachruf seines Freundes Erzbischof Desmond Tutu.

Kommentare:

Günter hat gesagt…

Danke für den Post.

Ein weiterer sehr lesenswerter Post zu Mandela von Nick Baines, ein anglikanischer Bischof:

http://nickbaines.wordpress.com/2013/12/06/nelson-mandelas-long-walk-to-freedom/

Anonym hat gesagt…

OK, wenn Tutu sein Freund war, sagt das ja einiges :-)
Ich denke, es hat wenig mit "Liebe" zu tun, wenn man einen ehemaligen Kommunisten, der gut 156 Anschläge auf das Leben anderer Leute mit zu verantworten hat, (terroristische Akte), lobt - jemanden, der wohl zeit seines Lebens Atheist geblieben ist. Sorry, aber damit werden wir doch von den Medien manipuliert, die uns vorschreiben, wen wir zu loben haben, um wen wir trauern müssen, und wen wir am besten (wegen nicht-linker nicht-sozialistischer Haltung) am besten gleich vergessen sollten. Gruss, Roderich

Anonym hat gesagt…

Noch etwas: Problem in der Argumentation, Atheisten wie Mandela heiligzusprechen, ist:
1.) es kommt nicht auf Glauben, sondern auf 'Taten' an.
2.) Die Taten beurteilt man am besten anhand von einem undefinierten Massstab, ganz weit gemaess 'Liebe', und was Liebe ist, definiert man dann selber (wobei man das dann nicht konkret expliziert).
Gruss, Roderich

Tobias Faix hat gesagt…

@Roderich: Wer da wohl von den Medien manipuliert wurde? ;)

Deine Kommentare spiegeln genau das wider, was ich in meinem blog versuchte zu beschreiben. Anyway, wer gläubig ist oder war überlasse ich zumindest mal Gott...

Matthias hat gesagt…

Mainstream

Tobias Faix hat gesagt…

Matthias: Sorry, aber du warst noch nie in Südafrika, oder? Hast noch nie als "Mainstream" unter einer "Minderheit" im Gefängnis gesessen, oder? Ich bin mir nicht sicher, ob du verstehst, um was es hier geht....

Matthias hat gesagt…

Hallo Tobiad,

naja, insitinktiv würde ich schon denken, dass ich weiß, worum es hier geht: Ein Mensch wird von der breiten Masse gelobt und geehrt!
Wenn man so die breiten Medien anschaut, dann muss er ein großer Mann gewesen sein.
Mir wird bei sowas schlichtweg immer etwas unwohl - der "neue Welterlöser" wird sicher ähnliche Populariät haben, wie ein Nelson Mandela. Von der Bibel her ist ein solch grandioser Abschied nicht unbedingt ein Markenzeichen.
Das Desmond Tutu, ein guter Bekannter vom Dalai Lama, auch ein guter Freund vom Herrn Mandela war macht die Sache nicht besser.

Tobias Faix hat gesagt…

naja, die meiste Zeit seines Lebens war Mandela kein "Mainstream", sondern isoliert, verfolgt und gefangen, aber alleine diese Tatsache macht ihm ebenso so wenig zu einem Christen wie der Jubel der Massen am Ende seines Lebens. Er selbst von sich sagt ja, dass ihm der Glaube an Gott die Kraft zur Veränderung gab und was andere über ihn sagen, kann man ihm ja nur bedingt zum Vorwurf machen...

Paul hat gesagt…

Es ist klar das du Jesus nicht nachfolgst, du bist schon laengst abgeschnitten worden (feils du je den Heiligen Geist hattes). Verehrst einen gottlosen Menschen, welcher Jesus Christus gehasst hat. Was fuer ein Narr du geworden bist. Auch du wirst noch dein Verderben ernten, so wie Mandela.

Tobias Faix hat gesagt…

Lieber Paul,
als bibeltreuer Christ solltest du wissen, dass man nicht leichtfertig Andere richten soll (Mt 7,1; Rö 2,1; 1. Kor 4,5 etc.). Wenn man sich dein Blog so anschaut, dann wird es im Himmel wohl viel Platz geben, denn außer dir werden es wohl wenige schaffen. Du traust Gott wohl nicht sehr viel zu...