Samstag, März 16, 2013

"Glauben zwischen politischem Pluralismus und religiösem Exklusivismus"







Der zweite Tag unserer Marburger Studientage Gesellschaftstransformation ist vorbei und ich bin dankbar und inspiriert nach Hause gekommen. Miroslav Volf hat das Thema vom gestrigen Tag aufgenommen und konsequent weitergeführt, indem er sagte, dass der biblisch-theologische Auftrag des christlichen Glaubens in einem Wort zusammenzufassen ist: Versöhnung. Vier Stichworte umschreiben diesen zentralen Begriff seiner Meinung dabei:
  1. 1.     Erinnern: Sich richtig zu erinnern: Jede Versöhnung startet mit der richtigen Erinnerung, falsche und verzerrte Erinnerungsbilder schaden oder hindern Versöhnung.
  2. 2.     Vergebung: Vergebung ist eine Geschenk, dass man dem Gegenüber macht. Wie gehen wir mit dem Geschenk um? Öffnen? Ablehnen?
  3. 3.     Umkehr: Oder auch Buße ist das drittes Element: Mir tut es leid, mit Mund und Herz dem Anderen zeigen, dass der eingeschlagene Weg zu verändern ist. Eigene Schuld anerkennen, wenn nötig sogar öffentlich...
  4. 4.     Wiedergutmachung: Würde, die in Frage gestellt wurde kann so wieder hergestellt werden.

Diese Elemente sind wichtig, dass der Prozess der Versöhnung vorankommt und dies ist eine wichtige Rolle für die öffentliche Wirkung des Evangeliums. Aber wie sieht das in einer zunehmend pluralistischen Welt aus? Volf nennt zuerst zwei Grundvoraussetzung, die wichtig sind:
  1. 1.     Religionsfreiheit als allen Glaubens in der Öffentlichkeit, dafür stehen auch Christen ein, egal für welche Religion.
  2. 2.     Die „Goldene Regel“ (Mt 7,12): Daraus leiten sich die Verhaltensregel unseres Lebens ab. Liebe Gott und deinen Nächsten wird in der goldenen Regel zusammengefasst.

Beides gilt für alle zu jeder Zeit. Jesus sagt: In allem was du tust, behandle die Menschen so, wie du von ihnen behandelst werden willst. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen, zum einen ein politischer Pluralismus den wir in der westlichen Welt als gesellschaftliche Form anerkennen müssen und der für die Freiheit von Religionen und Weltanschauungen eintritt und ein religiöser Exklusivismus, der die eigene Religionsüberzeugung vertritt. Dabei betont Volf, dass gerade zu Beginn des Christentums der christliche Glaube immer aus den „Rändern“ der Gesellschaft kam und so einen großen Einfluss haben konnte, ohne sich in der „Machtfalle“ zwischen Religion und Macht zu verstricken. Um aber zwischen politischem Pluralismus und religiösem Exklusivismus leben zu können, muss die Frage der eigenen (religiösen) Identität geklärt sein. Jede Identität braucht dabei Grenzen (was sie auch wieder exklusiv macht) und ist dabei herausgefordert nicht ausgrenzend zu sein. Dies ist ein feiner Balanceakt, der immer wieder überprüft werden müsse. Orientieren können wir uns dabei an Christus, wenn er die Mitte unserer Identität ist, dann ist unsere Identität auch immer offen für andere.
Nach diesem Vortrag gab es eine Menge zu diskutieren und Volf stellte sich geduldig allen Fragen, die aus dem Publikum gestellt wurden. Am Nachmittag gab es wieder zwölf vertiefendes Seminare und abgeschlossen wurden die Studientage mit einem Diskussionspanal, in dem es darum ging, die vielen aufgeworfenen Fragen und Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Dies taten neben Volf auf exzellente Weise Dagmar Begemann, Harald Sommerfeld und Johannes Reimer. Ihre reflektierte Praxiserfahrung war nicht nur mutmachend, sondern half auch, das Gehörte noch mal neu einzuordnen.
Umrahmt wurden die Studientage musikalisch von der MBS Band und Mischa Marin (stadtklangfluss), was den Tagen eine tolle musikalische Note und inhaltliche Vertiefung gab. Danke.
Danke, an alle Beteiligten dieser Studientage, von den Referentinnen und Referenten, den Ausstellern und Praxisbeispielen, den Partnern des Studientags und den Studierenden des mbs, die durch ihren Einsatz das Ganze erst möglich gemacht haben.


Bilder von: timjudi photography, Danke!

Freitag, März 15, 2013

"Von bedingungsloser Liebe in einer pluralistischen Welt"






Der erste Tag der 6. MarburgerStudientage Gesellschaftstranformation ist vorbei und es war so spannend und bereichend wie erhofft. Der Yale Professor Miroslav Volf hat vor allem zum Thema Versöhnung im Kontext einer pluralistischen Welt gesprochen. Im ersten Grundsatzreferat sprach Volf von der Bedingungslosigkeit der Liebe Gottes als trinitarisch-theologische Grundvoraussetzung für den Glauben und für jegliche Versöhnungsarbeit in der Klammer zwischen umarmender Liebe Gottes (Lk 15) und Heiligkeit Gottes (Ex 3). Sehr herausfordernd war das Seminar zum Thema „Allah“ in dem es um die Frage ging, ob Christen und Muslime den selben Gott haben. Neben dem sehr kompakten Einführungsvortrag, gab es eine Ausführliche Diskussion. Spannend. Daneben gab es noch zwölf weitere tolle Seminare, Best Practice Beispiele eine interaktive Installation zu „Von der Ausgrenzung zur Umarmung“(von Lee Fischer) und zum Abschluss des ersten Tages sprach Volf noch einmal zum Thema Versöhnung. Eine Möglichkeit des christlichen Glaubens Konflikte zu überbrücken ist die Metapher der Umarmung. Sie kommt aus dem Bild des „verlorenen Sohnes“ und dem Kreuz Christi, in dem Jesus seine Arme ausbreitet um die Welt zu umarmen. In vier Schritten erklärte Volf wie dies praktisch aussehen kann. Sehr inspirierend.
Ein ereignisreicher Tag mit Aussicht auf mehr...

Bilder von timjudi photography, Danke!

Mittwoch, März 13, 2013

"Die Gewinner sind...."

So, vielen Dank für alle die bei der Verlosung der zehn "Ikeabücher" mitgemacht haben. Da fast 50 Leute mitgemachten, haben Aimée & Lilly (unter nicht notarieller Aufsicht) aus allen Beteiligten die zehn Gewinner ausgelost. Hier sind sie:

1. Matthias
2. Claudia
3. Gerhard
4. Moritz
5. Rebi Edel
6. Christoph Bartels
7. Ein besorgter Schriftgelehrter
8. Dän Klein
9. IWe
10. fm

Von den Personen 5-10 bräuchte ich noch die Adresse, bitte mailen. Danke!
Danke auch für die vielen kreativen Antworten. Die Mehrheit geht übrigens davon aus, dass Jesus NICHT bei Ikea kaufen würde!  :)

Montag, März 11, 2013

„Alltagsstakkato: Mit Kinder und ohne Mutter.“


6:10h aufstehen, Frühstück und Schulbrot richten, Kinder für die Schule fertig machen, aufräumen, Gebet, Unterricht, Sitzung, Sitzung, Mittagessen richten, erstes Kind kommt heulend von der Schule, gestützt, verarzten, zweite Kind kommt von der Schule, bei den Hausaufgaben begleiten (Kind braucht allein für Deutsch 90min), Stimmung mies, Englisch lernen mit dem einen Kind, Stimmung schlechter, da morgen Englischarbeit, Französisch lernen mit dem zweiten Kind, Vater kann kein Französisch, Stimmung noch schlechter, da morgen Französischarbeit, kurz weg: Sitzung, zurück, Englisch wiederholen mit dem einem Kind, Stimmung hellt sich auf, 10 Mails beantworten, anders Kind zum Orchester fahren, das Nötigste einkaufen, heim zum anderen Kind: Englisch Vokabeln wiederholen (Kind kann sich divorced nicht merken und merkt dazu an: „Warum muss ich das wissen, ihr lasst euch doch eh nicht scheiden!“ Vater lässt sich davon überzeugen und schmeißt die Vokabel raus), Erfolgserlebnisse zu verzeichnen, Stimmung steigt, Abendessen richten, Kind vom Orchester abholen, Abendessen, Kinder helfen freiwillig und OHNE Aufforderung beim Abräumen, Vater fragt ungläubig, ob alles o.k. ist, Kind merkt an: „Wenn die Mama nicht da ist, muss man dir schon ein bisschen helfen!“, Stimmung ist blendend, Vater macht den Fehler die Stimmung auszunutzen und fordert die Kinder freundlich auf, ihr Zimmer aufzuräumen, Stimmung sinkt schlagartig, Vater „zwingt“ die Kinder ihr Zimmer aufzuräumen, ein Kind überlegt das Jugendamt zu rufen, Kind räumt (unter Protest) auf und verzichtet auf den Anruf, Schulsachen richten, Kinder werden ins Bett gebracht (singen, beten, rauszögern), Vater setzt sich auf Sofa und „schnauft erstmal durch“, Kinder rufen aus dem Kinderzimmer, Vater ruft zurück, die Kinder vermissen die Mama, der Vater auch, Unterricht vorbereiten für den nächsten Tag, die Mutter ruft an, Vater erwähnt, dass sie doch fehlt, letzte Mails beantworten, 22:10h fertig für heute.

P.S. Respekt für alle Alleinerziehenden, die ihr das jeden Tag macht und nicht nur ein paar Tage....