Montag, Juni 10, 2013

„Das Buzzwort ‚Ganzheitlichkeit‘ endlich mal mit Leben füllen! Part 2: Das Kreuz.“



Das ganzheitliche Verständnis von Befreiung und Heil wie wir es im Exodus gesehen haben erfährt durch Kreuz und Auferstehung eine neue Dimension. Das Kreuz bedeutet die Versöhnung für Sünde, Ungerechtigkeit und Gewalt auf dieser Welt. Am Kreuz wird der Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen, indem Christus das Prinzip der Vergeltung außer Kraft setzt. Dieser paradoxe Triumph des Kreuzes durch Hingabe und Gehorsam gibt uns Christen eine Kraft im Alltag, die sich in vierfacher Weise zeigt: 1. Das Kreuz Christi - Kraft durch Vergebung; 2. Das Kreuz Christi - Kraft durch Liebe; 3. Das Kreuz Christi - Kraft durch Schwäche und 4. Das Kreuz Christi - Kraft durch die Begegnung. Die Überwindung des Bösen und des Todes als Erlösungswerk zeigt sich in alle Beziehungsebenen auswirkt (Röm 5,6). Die vom Kreuz ausgehende Kraft lässt sich nun auch wieder in die verschiedenen Aspekte von Erlösung, Befreiung und Transformation aufteilen.
1.   Politische Aspekte: Das Kreuz als öffentlicher Akt, der in die politische Situation des 1. Jahrhunderts hinwirkte und die Geschichte veränderte. Das von Christus ausgehende Reich Gottes wirkt mitten in die politische Ordnung hinein und beginnt diese zu verändern (Apg 5,17-42; 8,1-3).
2.   Soziale Aspekte: Durch das Versöhnungswerk am Kreuz ist der Kreislauf der Gewalt durchbrochen und ein neues Miteinander Menschen möglich (Röm 15,7).
3.   Ökonomische Aspekte: Das Kreuz stellt die ökonomischen Vorstellungen von Menschen und gesellschaftlichen Strukturen und Mächten auf den Kopf, indem das Schwache den Sieg erringt und die Schwachen und Armen eine besondere Stellung bekommen (1. Kor 4,7).
4.   Kulturelle Aspekte: Das Erinnerungsfest Passah bekommt als kulturelles Erbe eine neue inhaltliche Bedeutung (Hebräer 8-10).
5.   Ethische Aspekte: Mit dem Kreuz beginnt eine neue Sozialethik als Friedenszeichen der Nachfolgenden Christi. Vergebung und Versöhnung sind die Spuren, die vom Kreuz ausgehen und das Handeln bestimmen (2. Kor 5,18-19).
6.   Ethnische Aspekte: Die Grenze des Heils zwischen Juden und Heiden wurde durch das Kreuz weiter geführt und ein neues universales Gottesvolk gegründet. Waren es im AT in erster Linie die Fremden, die aufgenommen wurden und die Proselyten die ins Volk integriert wurden, so wird durch den Kreuzestod Jesu ein neuer Weg ins Gottesvolk frei gemacht. (Gal 3,28).
7.   Ökologische Aspekte: Versöhnung der ganzen Schöpfung – die kosmische Aspekte. Die ganze Schöpfung sehnt sich nach Gerechtigkeit und Wiederherstellung. (Röm 8,18-25).
8.   Emanzipatorische Aspekte: Das Kreuz befreit den Menschen aus seiner sündigen Abhängigkeit und lässt ihn in eine neue Aspekte der Wiederherstellung kommen (1. Kor 3,17).
9.   Theologische Aspekte: Die Gnade Gottes ist durch den Kreuzestod für alle Menschen gleichermaßen empfangbar und macht keinerlei Unterschiede (Kol 1,15-23; Röm 8,18-25).
Das Wesen Gottes ist Liebe, die sich mitteilen möchte. Daher ist Gott in seinem Wesen missionarisch. Im Kommen Jesu auf die Erde wird die missio Dei offensichtlich. Mit seinem Leben gibt Jesu sich für andere hin. Er löst das Problem der menschlichen Ichbezogenheit, der Sünde und der Trennung von Gott. Er liefert in seiner Botschaft eine ganzheitliche Antwort auf die durch die Sünde betroffenen Aspekte menschliches Leben, in der physischen, sozialen, rationalen, geistlichen, gesundheitlichen, politischen und wirtschaftlichen Welt.

Ausführlich setze ich mich damit in dem Aufsatz: „Exodus, Jubeljahr, Kreuz und die Gemeinde heute – Biblische Aspekte der Befreiung, Erlösung und Transformation“ auseinander. Erschienen in dem Band: „Die verändernde Kraft des Evangeliums“.