Sonntag, Juli 07, 2013

„Das Christentum ist nicht die religiöse Wattierung eines bürgerlichen Lebens - Fulbert Steffensky zum 80sten.“




Heute feiert der ehemalige Benediktinermönch Fulbert Steffensky seinen 80sten Geburtstag und dies ist doch einen Eintrag wert. Der Ehemann von Dorothee Sölle gehört zu den Menschen, die mich durch ihre Schriften immer wieder begeistern und berühren. Bücher wie ‚Schwarzbrot-Spiritualität’, ‚Der Schatz im Acker’ oder ‚Gewagter Glaube’ sind lesenswert und horizonterweiternd (alle erschienen im Radius Verlag). Es ist geht bei Steffensky nicht nur darum was er sagt und schreibt, sondern auch wie er es sagt und schriebt. Seine Sprache hat immer etwas von „sanfter Poesie“ und ist gerade deshalb eindringlich und präzise.
Lange stand er im Schatten seiner prominenten Ehefrau Dorothee Sölle und nicht viele sagten, dass beide wie „Feuer und Wasser“ waren. Während die Prophetin Sölle, sich mit der Gegenwart auseinandersetze, beschreiben seine Worte eher die leise Hoffnung der Zukunft. Beides brauchen wir. Heute denke ich aber an ihn und danke ihm, für seine leise und eindringliche Stimme.

Hier ein Textausschnitt:

„Die zweite Aufgabe hängt mit der ersten, Gott zu loben, zusammen. Unsere Spiritualität ist nicht eine des luftleeren Raumes. Sie ist nicht eine Frage religiöser Techniken, die unabhängig wäre davon, wofür ein Mensch steht, welche Optionen er hat. Beten kann man, wenn man weiß, wofür man betet. Die Spiritualität der Kirche ist zu allererst ihre Aufmerksamkeit auf die Gesichter der Menschen; auf ihre Leiden, auf ihr Glück. Spiritualität ist die Erkenntnis der Augen Christi in den Augen des hungernden Kindes, der gequälten Frauen, der Menschen, die aus allen Sicherungen herausgefallen sind. Diese Spiritualität lehrt also Fragen stellen: Wer leidet? Warum leider er? Wer macht Leiden? Das Christentum ist nicht die religiöse Wattierung eines bürgerlichen Lebens, zu dem es so oft geworden ist. Gerechtigkeit, Erbarmen und Gotteserkenntnis sind untrennbar miteinander verbunden.“
‚Schwarzbrot-Spiritualität’, 63


'Es ist schön, mehrere Heimaten zu haben'. Der WDR portraitiert Fulbert Steffensky.