Donnerstag, Juli 18, 2013

„Der letzte Held. Zum 95. Geburtstag von Nelson Mandela.“



Die Welt gratuliert und verneigt sich heute vor Nelson Mandela und das zu Recht. Seine Leben steht für Versöhnung und sein gewaltloser Widerstand hat ein ganzes Land verändert und geprägt. 1944 begann sein Kampf gegen den Rassismus und gegen die Apartheid, 27 Jahre saß er im Gefängnis, erst 1990 wurde Nelson Mandela freigelassen und vier Jahre später wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt.
‚Madiba’, wie Mandela in seiner Heimat genannt wird, steht wie keine andere Person des Landes für das ‚neue Südafrika’ und hält die so großen Gegensätze des Landes immer noch zusammen. Ich bin jedes Jahr in Südafrika und habe Mandela natürlich nie persönlich getroffen, aber egal mit wem ich gesprochen habe, alle reden mit Respekt, Ehrfurcht und Stolz von ihrem ‚Madiba’, er ist die Identifikationsfigur und das, obwohl er sich seit Jahren aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat. Aber wenn man sich mit seinem Leben beschäftigt, dann wird man angesteckt von dem Mut und dem Demut dieses Mannes, dem auch diese Worte unangenehm wären und der heute im Kreis seiner Familie sein indisches Lieblingsessen zu sich nimmt. Das ist natürlich ok, wer wird einem 95jährigen denn so was noch absprechen, aber wenn es so was wie einen ‚Helden’ für mich heute noch gibt, dann ist es Nelson Mandela, bei dem Glaubensmut, Charakterstärke und Willenskraft auf einzigartige Weise zusammen kommen. Der nach 27 Jahren Haft, Folter und Gefängnis als Versöhnter seine Zelle verlässt und für sein Volk und sein Land kämpft.

I am working now with the same people who threw me into jail, persecuted my wife, hounded my children from one school to the other... and I am one of those who was saing: „Let us forget the past, and think of the present“.

At the end, reconciliation is a spiritual process, which requires more than just a legal framework. I has to happen in the hearts ans minds of people.

Aus: Nelson Madela, by Himself


Schöne Aktion zum Geburtstag ist die in Südafrika begonnene und mittlerweile weltweite Aktion ‚67min Gutes tun’, nach dem Vorbild Mandelas, der 67 Jahre politisch aktiv war, setzt man sich an diesem Tag 67 Minuten für das Allgemeinwohl ein.

Für Nachteulen gibt es heute den sehenswerten Film: "Die Mandela Verschwörung".

Montag, Juli 15, 2013

„Wir brauchen eure Hilfe nicht! Oder: Warum Fairtrade mehr ist als einkaufen."



Ich bin auf einer internationalen Konferenz und es geht um das Thema Entwicklungszusammenarbeit & Mission. Es gibt viel zu tun, wichtige Leute treffen, Vorträge hören und Seminare halten. Alles läuft zufriedenstellend. Die Leute sind interessiert und die Rednerinnen und Redner berichten aus ihrem jeweiligen Kontext Interessantes zum Thema. Dann steht plötzlich in einer Podiumsdiskussion ein junger Mann auf, er stellt sich als Joseph vor, kommt aus dem Kongo und setzt sich für die Versöhnungsarbeit zwischen den ethnischen Gruppen seines Volkes ein. Er spricht klar und sein Blick richtet sich vor allem an die Europäer im Raum: „Wir brauchen eure Hilfe nicht.“ Stille. Dann redet er weiter und erzählt von seinem Land, der Schönheit, den Menschen, den Bodenschätzen und den Zukunftsmöglichkeiten. Aber auch von den Problemen und den zahllosen Versuchen des Westens dem Land und den Menschen zu helfen. Sie wollen aber keine Hilfe mehr vom Westen, keine Missionare und auch kein Geld. Pause. Eine zögerliche Frage aus dem Publikum: Was sie denn wollen? Und Joseph erzählt von seinen Vorstellungen: „Wir wollen mit euch zusammenarbeiten, wir wollen, dass wir uns gegenseitig kennen lernen und überlegen, was wir uns zu geben haben, was wir voneinander lernen können: Eine Partnerschaft auf Augenhöhe“. Joseph hebt seine Hände hoch und erklärt den erstaunten Zuhörern anschaulich die Gesten des Gebens und des Empfangens. Dann reicht er seinem Nachbarn die Hände, beide schauen sich an – auf Augenhöhe. Joseph lacht, er spürt wohl die Unsicherheit und erzählt von der Möglichkeit des fairen Handels als eine dieser Partnerschaften, die sicher nicht alle Probleme löst, aber langfristig faire Handelsbedingungen schaffen, für die für Arbeiter und Arbeiterinnen Mindestlöhne garantierten sowie verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die fairen Preise decken die Produktionskosten und helfen Armut strukturell zu überwinden. Ausbeuterische Kinderarbeit und gesundheitsschädliche Praktiken sind verboten. Dazu gibt es Fairtrade-Prämie, die Investitionen in soziale Projekte, wie Schulen, medizinische Versorgung oder Bildung ermöglichen. Joseph setzt sich und es beginnt eine anregende Diskussion wie die Anregungen ernst genommen und umsetzen werden können, um mehr Dialog, Respekt und Transparenz in die Handelspartnerschaft zu bringen.
Die Konferenz liegt mittlerweile schon ein paar Monate zurück, aber Josephs Worte klingen immer noch nach und helfen mir in der ‚Schwerkraft des Alltags’ die Notwendigkeit des fairen Handels nicht zu vergessen. Und dies ist nur eine Möglichkeit sich gegenseitig zu helfen. Ich bin Joseph dankbar für seine offnen Worte und merke, dass ich noch viel lernen darf...