Mittwoch, Oktober 02, 2013

„Die zehn wichtigsten theologischen Bücher. Die ultimativ subjektive Rangliste.“



Meine amerikanischen Freunde lieben sie, die „Ranglisten“ für alles und jenes und so ist es nicht verwunderlich, dass es sie für alles Mögliche gibt, auch für theologische Bücher. Davon habe ich mich jetzt inspirieren lassen und habe mal die zehn für mich wichtigsten theologischen Bücher aufgeschrieben. Gar nicht so einfach muss ich zugeben. Dabei war mir wichtig, dass ein Buch immer in eine bestimmte biographische Situation hinein wirkt, deshalb war für mich die Frage, wie stark und wie lange mich dieses Buch geprägt und/oder begleitet hat. Mit manch einem Buch habe ich theologisch vielleicht heute sogar „gebrochen“, doch hat es mich trotzdem über Jahre beeinflusst und beschäftigt. Manche Bücher habe ich (zuerst) in Englisch gelesen, dann schreibe ich den deutschen Titel noch dazu (wenn es ihn denn gibt).
Meine ultimativ subjektive Rangliste des theologischen Buchs:
  1. Bonhoeffer „Nachfolge“: Vielleicht das einflussreichste theologische Buch in meinem Leben. Kein Buch habe ich häufiger gelesen, keines vielleicht weniger in meinem Leben umgesetzt. Eine Lebensaufgabe. Ich lese weiter....
  2. David Bosch ‚Transforming Mission’ (Mission im Wandel): Als ich das Buch zum ersten Mal las, habe ich nachts meine Frau geweckt und ihr daraus vorgelesen. Für mich eines der wichtigsten und besten theologischen Büchern der letzten Jahrzehnte. Darüber hinaus ein Prophetisches. Schon 1991 beschreibt Bosch das, was heute mit „missional“ oder „emerging church“ beschrieben wird.
  3. Paul Schütz: „Das Mysterium der Geschichte. Von der Anwesenheit des Heilenden in der Zeit.“ Paul Schütz gehört zu den unterschätzen Denken des 20. Jahrhunderts. Im Grunde hätte ich alle seine Werke hier nennen können, aber „Das Mysterium der Geschichte“ war das Erste, was ich gelesen habe. Sprachmächtig. Anders, durchaus umstritten.
  4. Hans-Walter Wolf „Anthropologie des Alten Testaments“: Im Studium mein wichtigstes Buch zum Verständnis des ATs. Hat mir neue (theologische) Welten erschlossen. Danach machte Hebräisch lernen richtig Spaß...
  5. Thomas von Kempen „Nachfolge Christi“ Das Buch hat mir mein Mentor mal mit den Worten „Lies davon jeden Tag eines der kurzen Kapitel und es wird dein Leben verändern“ gegeben. Hat bei mir etwas gedauert, aber habe es vier Jahre lang (fast) täglich gelesen.
  6. Karl Barth: Beim Lesen habe ich mich wie Kapitän Ahab gefühlt und habe am Ende den „Kampf“ mit dem „weißen Wal“ verloren. Trotzdem: Ein prägendes Erlebnis und auch heute noch eine Quelle der Inspiration. Obwohl ich heute Brunner recht geben würde! J Und die ‚Tambacher Rede’ finde ich nach wie vor unschlagbar...
  7. Jürgen Moltmann: Was mich zuerst an Moltmann fasziniert hat, war mehr seine Sprache als seine Theologie. Wenn Moltmann schreibt, ist dies würdevoll, demütig und gegenüber Gott und den Menschen. Moltmann zu lesen heißt für mich Lust am Glauben zu bekommen.
  8. McGrath: Der Weg der christlichen Theologie: Eine Einführung. Ein kluges theologisches Buch, nicht nur weil es einen komprimierten und kompetenten Überblick über die Theologiegeschichte gibt, sondern weil McGrath auch außerordentlich gut schreiben kann und der britische Humor auch in einem theologischen Fachbuch nicht zu kurz kommt, was in Deutschland undenkbar wäre. Beispiel: In der Einleitung zur Pneumatologie: „Der Heilige Geist ist das Aschenputtel der Trinität“
  9. NT Wright: Ich mag Tom und NT Wright, der Wissenschaftler und der Pfarrer, beide in einer Person, beide bedingungslos aneinandergekettet. „Überrascht von Hoffnung“ (von Tom) und „Das Neue Testament und das Volk Gottes“ (von NT) sind zwei großartige theologische Werke, die ihren Platz in der Theologiegeschichte finden werden.
  10. Lesslie Newbigin: „Den Griechen eine Torheit“ war eines der ersten Bücher zum Thema Kontextualisierung und hat mich schwer ins Nachdenken gebracht. Dieses kleine, aber feine Buch des anglikanischen Bischofs, der über Jahrzehnte in Indien lebte und dann sein England kaum mehr erkannte, ist nicht nur voll guter Theologie, sondern auch reich an Lebensweisheit.

Natürlich gab es da noch CS Lewis oder den unwiderstehlichen Chesterton, Yoder oder Volf oder Sider oder oder Boff oder Nouwen...
Aber ich wollte mich mal auf einen Top 10 reduzieren und das sind sie nun. Zu jedem der Bücher könnte ich eine Geschichte erzählen, aber dafür ist ein Blog nicht so geeignet. Aber welche Bücher dich geprägt haben, dafür ist Raum und Platz...
Also nächstes kommen dann Romane, philosophische Bücher und mal sehen....


Sonntag, September 29, 2013

„Lauter Gewinner! Ein Kurzbericht über den Fairen Markt Marburg.“







Das kleine Mädchen hält sich fest an der Hand ihrer Mutter und zieht diese mit festem Griff zum ‚Glückrad’. „Kann ich da was gewinnen?“ fragt sie mit neugierigem Blick und schaut schon lächelnd auf die leckeren Schokosachen direkt vor ihr. Die nette Studentin am Glücksrad bejaht die Frage des Mädchens und diese setzt sofort mit einem festen Ruck das Glücksrad in Bewegung. Die Mutter schaut interessiert über dieses hinweg und fragt: „Was machen sie hier eigentlich?“. Auf diese Frage wartet die Studentin schon und fängt an über die Vorteile des fairen Handels zu sprechen, während die Tochter hoffnungsvoll auf das sich drehende Glücksrad schaut.
Solche Szenen haben sich letzten Sonntag auf dem Fairen Markt Marburg den ganzen Tag abgespielt und die Informationen, die die wartende Mutter bekommen hat, haben sich etwa so angehört: Immer mehr Marburgerinnen und Marburger achten beim Einkaufen auf ihr Konsumverhalten, sie wollen keine Produkte mehr kaufen, die von Kinderhand (momentan müssen 168 Millionen Kinder weltweit arbeiten) oder unter katastrophalen Bedingungen hergestellt werden. Aber es ist gar nicht so einfach sein Einkaufsverhalten umzustellen, wenn man nicht nur faire Schokolade und fairen Kaffee einkaufen möchte. Wo bekomme ich fair gehandelte T-Shirts? Und gibt es auch getrocknete Mangos? Wie ein Mann am Sonntag nachfragte. All dies kann man seit einem Jahr auf der Homepage: www.marburg-fairbinden.de bequem von zuhause nachschauen. Die gesuchten Produkte können in ein auf der Homepage befindliches Suchfeld eingetragen werden und dann erscheinen zum einen alle Marburger Geschäfte, die diese Produkte vertreiben und auch noch die Siegel, mit dem die Produkte ausgezeichnet sind, damit die Verbraucher auch sicher sein können, dass sie fair gehandelt wurden. Eine einfache und tolle Sache. Auf der Homepage gibt es dann noch eine ganze Menge mehr Informationen rund um den fairen Handel, die ehrenamtlich von Bürgerinnen und Bürgern Marburgs zusammengestellt wurde.
Das Mädchen am Glücksrad gewann übrigens ein faires Überraschungsei und zog zufrieden mit ihrer Mutter weiter.