Mittwoch, Dezember 31, 2014

"Warum die Jahreslosung 2015 nichts mit christlicher Sozialromantik zu tun hat. Herausfordernde Gedanken für ein mutiges Miteinander im neuen Jahr."





Eine tolle Jahreslosung, keine Frage: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. (Röm 15,7) Das singt man gerne und vergibt auch seiner/m Schwester/Bruder in der Sitzreihe vor einem bereitwillig, wenn es um eine unterschiedliche Sichtweise von Musikstilen oder der richtigen Bekleidung für den Gottesdienst geht. Aber wie ist das, wenn es über die ‚emotionale Befindlichkeiten’ einer gut bürgerlichen Gemeinde hinausgeht? Im Kontext der Jahreslosung von Römer 14 und 15 geht es Paulus um das Zusammenleben der Gemeinde und der Umgang mit einer der großen theologischen Streitfragen des 1. Jahrhunderts zwischen Judenchristen und Heidenchristen mit der Frage, ob das mosaische Gesetz für alle weiter bindend ist (zum Beispiel in Speisevorschriften oder dem Sabbatgebot, auch in 1. Kor 8-10; Gal 4, Eph 5; Apg 15). Paulus regiert auf diesen Streit klar und schreibt: „Denn im Reich Gottes geht es nicht um Fragen des Essens und Trinkens, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: Gerechtigkeit, Frieden und Freude.“ Aber er weiß auch, dass es für Einzelne zur Sünde werden kann und dass deshalb die Starken (die zum Beispiel Götzenopferfleisch essen können) auf die Schwachen (für die das Essen von Götzenopferfleisch zur Sünde wird) Rücksicht nehmen sollen. Mit diesem Hintergrund geht es dann auch in Kapitel 15 (und die Fragen werden nicht einfacher) um Mission und nicht zuletzt um die Verfolgungssituation der ersten Gemeinden. Also sehr ernsthafte und existenzielle Themen der Gemeinde in Rom und der gesamten damaligen Christenheit. In diesem Kontext geht es nun um die gegenseitige Annahme der Christen, damals und auch heute. Es geht um die Schwestern und Brüder, die mir ernsthafte Mühe machen, mich um meinen Schlaf bringen und denen ich manchmal am liebsten das Christsein absprechen würde. Und das macht es so herausfordernd. Unser Glaube ist sichtbar, erkennbar und verletzlich, auch gerade durch innerhalb einer christliche Gemeinschaft. Dies war für mich im Jahr 2014, in dem wir die Ergebnisse unserer Studie ‚Warumich nicht mehr glaube’ veröffentlichten, besonders schmerzlich zu erleben. Denn dort haben wir mit Christinnen und Christen gesprochen, die oftmals genau von dieser Gemeinschaft verletzt, ausgegrenzt und ausgestoßen wurden. Sie haben dieses ‚angenommen sein’ nicht erlebt, weil sie angeblich ‚zu viel gezweifelt haben’, ‚moralisch falsch gelebt’ oder eine theologisch nicht ‚annehmbare Position’ vertreten haben. Und ich war oft sprachlos über das, was mitten unter uns, in unseren Kirchen und Gemeinden, lautlos von statten geht. Der von mir sehr geschätzte amerikanische Autor und Journalist Philip Yancey hat dazu gerade ein Interview (zu seinem neuen Buch) gegeben, in dem er das aufgreift und den Christen vorwirft in ihrem Umgang und ihrer Rhetorik oft gnadenlos zu sein. Oder wie eine Interviewte anmerkte: „Christen sind nicht, was sie singen.“ Von Gnade reden und sie leben, sind oftmals zwei Paar Schuhe. Für andere kann ich das oftmals leicht erkennen, aber Paulus ruft gerade mir zu, dass dieser Text mir gilt im Umgang mit genau diesen Geschwistern, die ich so schwierig finde. Dies wird auch klar, wenn wir uns das Ziel der Jahreslosung anschauen: Die (neu entstandene) Gemeinschaft soll Gott loben, das ‚wie’ ist begründend zu verstehen, erst durch die Annahme Christi können wir die anderen annehmen. Dies wird auch durch die beiden ‚Schlüsselwörter’ deutlich: ‚nehmt einander an’ ist ein Imperativ und ‚wie Christus euch angenommen’ hat ist ein  Indikativ. Diese scheinbaren Kleinigkeiten machen aber einen riesigen Unterschied aus, denn durch das angenommen sein durch Christus (Singular, Aorist: eine Form, die es im Deutschen so gar nicht gibt und die kein Anfang und kein Ende hat) entsteht der Anspruch, die anderen anzunehmen (Plural, Präsens; jemanden bei sich aufnehmen, durchaus ganz praktisch in seinem Haus). Dadurch wird klar, wenn alle durch Christus angenommen sind und einen gemeinsamen Leib bilden (1. Kor 12, Röm 12), können sich die einzelnen Glieder, auch in ihrer Unterschiedlichkeit, annehmen. Es geht hier also nicht um einen Harmonisierungsversuch, sondern um eine theologische Klärung für grundsätzliche Unterschiede, die damals auch über Jahrzehnte nicht gelöst wurden. Theologische ‚Wahrheiten’ und Liebe sind keine Gegensätze, sondern bedingen sich. Die Liebe Gottes ist dabei für Paulus kein ‚Hilfsverb’, sondern eine eigene ernst zu nehmende Kategorie (Röm 13; 1. Kor 13) die, wie die oben genannten Gerechtigkeit, Frieden und Freude vom Heiligen Geist Veränderungsprozesse bewirken, die sich gerade im Bezug auf unser soziales Miteinander zeigen, wie die Frucht des Geistes in Gal 5,22+23 zeigt (Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung). Lauter empirisch erlebbare Erkennungszeichen von Christen. Dies sollte uns Mut geben, bei unterschiedlichen Meinungen nicht gleich Grundsatzfragen zu stellen und nach der ‚objektiven Wahrheit’ zu suchen und Geschwistern den Glauben abzusprechen. Wir kommen alle aus derselben Gnade, das sollten wir nicht vergessen. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Und wie hat Christus uns angenommen? Er hat dich angenommen – Indikativ. Punkt. Seine Gnade hat keine Grenze. Seine Liebe gilt allen Menschen gleich, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder ihrer sexuellen Identität. Jesus hat sich den Menschen immer zugewandt, den Reichen, den Armen, den Verletzten, den Kranken, den Sündern oder den Gerechten. Jesus bietet Versöhnung und Veränderung an, dabei sind seine Gnade und Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit keine Gegensätze, sondern gehören zusammen. Kein punktuelles Erleben, sondern ein lebenslanger Prozess aus dem wir leben und aus dem die Annahme unter uns erst erwächst. Die Jahreslosung spiegelt eine christliche Haltung wider, die Christus in uns hineinlegt und die wir in dieser Welt leben sollen. Das will ich erleben und leben und das ist meine Hoffnung für das Jahr 2015, für mich und für uns, auf das die Welt erkenne, dass wir Gottes Kinder sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten Start ins Jahr 2015!



Montag, Dezember 29, 2014

"Theology of Joy - Mit Freude die Welt verändern"

Zum Weihnachtsfest 2014 hat das Yale Center for Faith & Culture mit der Veröffentlichung einiger Videos ein halbjähriges Forschungsprojekt 'Theology of Joy' beendet. Es bestand aus verschiedenen Tagungen in denen das Thema aus unterschiedlichsten Blickwinkeln von Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt unter die Lupe genommen wurden. Herausgekommen ist eine sehr interessante Dokumentation eines bislang unterbelichteten Themas. Etwas salopp könnte man sagen: Mit Freude die Welt verändern. Hier ein Beispiel einer Tagung mit sehr interessanten Beiträgen:
How can a theology of joy become a transformative theological movement?
A theology of joy that envisions joy as the summit of human well-being has the power to transform lives and communities; indeed, this is the Christian and Jewish hope. What does it look like for theological ideas to take on the energy and impact of social and religious movements? What are the dynamics of transformative academic and social/cultural movements, how are they related, and what, if anything, can we do to support, prompt, facilitate, and further such movements? What is the role of seminaries, universities, churches, denominations, and people of faith? Finally, how can we tell if a theological movement is succeeding?
Leider sind nicht alle Beiträge online, deshalb hier stellvertretend ein 'Einstiegsgespräch' über das Thema von den von mir sehr geschätzten Theologen NT Wright und Miroslav Volf:

Mittwoch, Dezember 24, 2014

„Die Nacht ist vorgedrungen – und der Morgenstern ist schon zu sehn. Weihnachtsgedanken 2014.“



Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

Dieses von Jochen Klepper (1903–1942) geschriebene Gedicht und von Johannes Petzold vertonte Adventslied passt nach meinem Empfinden gut zum diesjährigen Weihnachtsfest – sowohl zum eigentlichen Geschehen als auch zur aktuellen politischen Lage in dieser Welt.
Für viele Menschen war das Jahr 2014 ein „dunkles Jahr“ in ihrem Leben, allein weil sie in den falschen Regionen dieser Welt wohnten (Nigeria, Syrien, Ukraine, Liberia etc.) oder den falsche Glaubensrichtung hatten (und hier seinen sowohl Christen als auch Muslime genannt) oder eben beides. Viele in Deutschland haben im Vergleich dazu -bei allem individuellen Erleben- ein gutes Jahr gehabt. Und dennoch steigt die Unzufriedenheit und viele Menschen gehen auf die Straße um gegen Überfremdung und Islamisierung zu demonstrieren. Da stockt mir manchmal der Atem und ich versuche diese Geschehnisse zusammenzubringen, was mir aber nur schwerlich gelingt.
Und da, mitten hinein, in alle Dunkelheit, scheint der Morgenstern – Christus. Hinein mitten in den Nordirak und Dresden bis in das Mikrosystem der eigenen Familie.
Hoffnung – auf Gerechtigkeit mitten in der Ungerechtigkeit; auf Hilfe mitten in der Hilflosigkeit; auf Gnade in gnadenlosen Zeiten.
Der Morgenstern – aufgegangen um in die Dunkelheit zu leuchten, steht er da, zwischen Himmel und Erde. Schon ist sein Leuchten zu sehen und verwandelt mit seinem Licht die Gegenwart und doch ist er noch nicht völlig aufgegangen, ist vieles auf Erden noch dunkel und leer, aber die Nacht weicht zurück.
Weihnachten spiegelt dies in wunderbarer Weise wieder, der Stern weist den Weg hin zum Stall, zum Christuskind. Und dort, in Dunkelheit und Armut ist der Heiland geboren, der Morgenstern, um uns den Weg zu weisen mitten durch diese Welt. Dort im Dunkeln wohnt Gott, bei den Tieren, bei den Ausländern, bei den Verfolgten, den Armen und Ausgestoßenen. Nicht im grellen Scheinwerferlicht und der großen Bühne, vielleicht nicht mal auf mancher Kirchenbühne. Deshalb sollten wir uns auch an diesem Weihnachten nicht blenden lassen von falschen Lichtern, sondern nach dem wahren Morgenstern Ausschau halten.
In diesem Sinn wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein wegweisendes Weihnachtsfest.
Herzlich Tobias


Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Jochen Klepper, 1937



Freitag, Dezember 19, 2014

„Kirche ist immer Kirche mit Anderen. Gedanken über eine ‚Theologie der Inklusion’. Part 4: Gemeinde als Ort gelebter Inklusion“

 

Was auf der einen Seite für Christinnen und Christen in Kirchen und Gemeinden selbstverständlich sein sollte, weil klassische Exklusionsgründe (Gal 3,28: Mann/Frau, arm/reich, Einheimischer/Fremder) durch Christus überwunden wurden, ist auf der anderen Seite immer noch problematisch, weil wir immer noch mit beiden Beinen mitten in dieser gefallenen Welt stehen. Inklusion muss aber genau diese Spannung aushalten, da sie sich auf der einen Seite für die Würde und die Rechte aller Menschen einsetzt, auf der anderen Seite aber durch Inklusion nicht das Paradies auf Erden geschaffen wird. Gerade weil es um unterschiedliche und gefallene Menschen geht, gehört aus christlicher Sicht das Thema Versöhnung zur Grundhaltung jeglicher Inklusionsdebatte. Dabei geht es nicht um eine billige „Gleichmacherei“, sondern um die zentrale Frage einer neuen Gemeinschaft. Wenn wir im Neuen Testament vom Gedanken der ‚Inklusion’ reden wollen, dann ist dies kein Individualgeschehen, sondern eingebettet in die neue Gemeinschaft, die Christus durch Kreuz und Auferstehung gestiftet hat. Der Theologe Miroslav Volf zitiert dazu seinen Lehrer Jürgen Moltmann (Volf 2012:23):
„Am Kreuz Christi ist diese Liebe (d.h. die Liebe Gottes) für die anderen da, für Sünder – die widerstrebenden – Feinde. Die gegenseitige Selbsthingabe aneinander innerhalb der Trinität erweist sich in Christi Selbsthingabe in einer Welt, die im Widerspruch zu Gott steht; und dieses Sich-Verschenken bezieht alle, die an ihn glauben, in das ewige Leben der göttlichen Liebe ein“ (Moltmann1991:137).
Gott leidet in Christus am Kreuz für alle Ausgrenzungen und öffnet so erst die Tür zu dieser neuen Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen. Die Selbsthingabe Christi feiern wir im Abendmahl, in dem diese neue Gemeinschaft hier auf Erden schon sichtbar wird. Hier kommen beide Punkte zusammen, denn in Taufe und Abendmahl erinnern sich die Nachfolgerinnen und Nachfolger Christi an ihre Ebenbildlichkeit Gottes und feiern dann die Teilhabe an der neuen Gemeinschaft und dem Leib Christi (1. Kor 11, 21.24). Durch ihn erleben wir eine Transformation unseres Denken und Handelns (Röm 12, 2) und können so die neue Gemeinschaft miteinander leben. Dies zeigt sich auch in dem von Paulus immer wieder bemühten Bild des Leibes (Röm 12; 1. Kor 12), in dem alle gleichwertig zusammen gehören, aber jeder verschiedene Aufgaben hat, 1. Kor 12, 12-31:
„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte er deshalb nicht Glied des Leibes sein? Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte es deshalb nicht Glied des Leibes sein? Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat. Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib? Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer. Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten; und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und bei den unanständigen achten wir besonders auf Anstand; denn die anständigen brauchen’s nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.“

Hier werden Einheit, Gleichwertigkeit und Verschiedenheit christologisch begründet und als Kennzeichen der christlichen Gemeinschaft beschrieben. Merz beschreibt dies: „In Jesus Christus ‚inkludiert’ Gott in unüberbietbarer Weise selbst, vereint die Menschen im Versöhnungsgeschehen, was die spezifische Eigenheit der Inklusion aus christlicher bzw. theologischer Perspektive begründet“ (Merz 2014:94). Oder wie Anne Krauss es treffend zusammenfasst: „Inklusion geschieht in der Gleichheit aller Menschen als Gottes Geschöpfe und in der Gleichheit aller Menschen als ‚geschädigte Schöpfung’“ (Krauss 2010:426). Dies zeigt sich gerade in einer gelebten Gemeinschaft wie Paulus sie im ‚Leib-Glied-Beispiel’ aufgreift, in der eben nicht alle gleich gemacht werden und auch nicht die gleichen Aufgaben haben, aber alle die gleiche Wertigkeit besitzen und eine ihnen zugewiesene Aufgabe haben. Ja, nur in einer inklusiven Gemeinschaft findet jede und jeder den richtigen Platz. Wolfhard Schweiker führt das weiter, wenn er schreibt: „Die Gemeinschaft wird als eine organische Einheit betrachtet, die keine Aussonderung, Abspaltung oder Stigmatisierung verträgt. Wird ein Glied verletzt, wirkt es sich auf den ganzen Körper aus: ‚Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit’ (V.16). So entsteht Solidarität in der Verschiedenheit“ (Schweiker 2011:5).

Samstag, Dezember 13, 2014

„Helft uns, einen Schutzraum aufzubauen, in dem wir überleben können.“ Drei Fragen an Dietmar Roller zur Christenverfolgung im Nordirak und Syrien.


In unserem letzten Modul unseres Studienprogramms Development Studies & Transformation war Vorsitzende von Dietmar Roller, der Vorsitzende von IJM Deutschland zu Gast, er kam direkt aus dem Nordirak und ich hatte die Möglichkeit ihn nach seinen Eindrücken zu befragen, da zur Zeit immer mehr Falschmeldungen im Umlauf sind.
Faix: Es wird in der letzten Zeit viel über Christenverfolgung gesprochen, das Thema ist in allen Medien und trotzdem wissen wir eigentlich wenig über Christenverfolgung. Jetzt warst du letzte Woche im Nordirak. Kannst du uns von der Lage erzählen, wie du sie erlebt hast?
Roller: Gerne. Wobei ich das schon erst einmal einordnen will. Also, es gibt nicht nur Christenverfolgung, es gibt generell große Verfolgungen von Minderheiten, von religiösen Minderheiten, und der Irak ist das beste Beispiel dafür, da gibt es eben nicht nur Christenverfolgung. Da werden muslimische Schiiten verfolgt, da werden Jesiden massiv verfolgt, und das nochmal in einer ganz anderen Art und Weise und einer ganz anderen Intensität als die Christen. Trotzdem bleibt natürlich, dass die Christen unheimlich leiden in der Situation, weil sie sozusagen aus ihren letzten angestammten Gebieten vertrieben wurden, und das ist ein sehr, sehr schmerzhafter Prozess.
Faix: Was hast du im Nordirak erlebt?
Roller: Ganze Regionen im Nordirak sind gerade auf der Flucht, und die Menschen sind gezeichnet von der Brutalität, die sie erlebt haben. Wobei die Christen da, im Verhältnis zu den Jesiden, noch ein bisschen geschont wurden. Der IS hat vor den Schriftreligionen noch eine gewisse Hemmung, aber bei den Jesiden gab es furchtbare Vergewaltigungen, ja sogar systematische Vergewaltigungen und systematischen Terror. So müssen viele der Mädchen, die dort vergewaltigt und verkauft worden sind, ihre Eltern anrufen und ihnen erzählen, was mit ihnen täglich geschieht, nur um weiter Angst und Terror zu verbreiten. Und den Christen ist die Angst ins Gesicht geschrieben, und der Schock alles zurücklassen zu müssen, aber auch die Brutalität, die täglich ausgeübt wird, ist schonungslos. Ich habe mit Menschen geredet, die alles verloren haben, deren Familien regelrecht abgeschlachtet wurden, die jetzt auf der Flucht sind und nicht wissen, wie es überhaupt weiter geht. Und das mit einer so kalten Brutalität, das ist schon schockierend. Und das macht einen eigentlich auch sprachlos, und dann kommen einem nur noch die Tränen in so einer Situation. Weil es einfach so brutal ist.
Faix: Was würdest du denn von der westlichen Welt erwarten?
Roller: Naja, was würden denn die Christen und die Jesiden von der westlichen Welt erwarten? Ich meine, ich habe mit vielen gesprochen, die sagen: „Helft uns, einen Schutzraum aufzubauen, in dem wir überleben können. Das ist das einzige, was hilft, ansonsten gehen wir hier weg und kommen zu euch.“ Das ist eine ganz klare Aussage, das erwarten die Menschen: konkrete Hilfe. Wir können und müssen helfen, können die Menschen nicht im Nichts stehen lassen, sondern haben da auch eine Aufgabe als Deutsche, als Christen, hier Solidarität zu üben. Und ich denke, wenn es darum geht, Asylanten aufzunehmen, dann sollte man den Menschen, die aus so einer harten Verfolgung herauskommen, den Vorzug geben. Wir sollten klar Stellung beziehen und unsere Regierung ermutigen, den verfolgten Menschen im Irak einen Schutzraum zu bieten, und dann sollten wir so viele wie möglich aufnehmen und sie willkommen heißen hier mitten unter uns.
Viele Christen haben es verlernt, politisch aktiv zu sein und zu handeln. Wir haben uns in unsere eigenen Nischen zurückgezogen, und so machen wir uns mitschuldig an unseren eigenen Geschwistern. Wir müssen lernen, unseren Glauben öffentlich zu leben und für die Schwächsten einzustehen.
Faix: Danke für das Interview.

Dietmar Roller ist Vorstandsvorsitzender von IJM (International Justice Mission), einer international tätigen gemeinnützigen christlichen Nichtregierungsorganisation (NRO/NGO), die sich den Opfern schwerster Menschenrechtsverletzungen in Entwicklungs- und Schwellenländern widmet.


Donnerstag, Dezember 11, 2014

Mittwoch, Dezember 03, 2014

„Kirche ist immer Kirche mit Anderen. Gedanken über eine ‚Theologie der Inklusion’. Part 3: Identität und Anderssein"


Heute ist der "internationale Tag für Menschen mit Behinderungen", ein guter Grund meine kleine Gedankenreihe zum Thema "Theologie der Inklusion" weiterzuführen.
In Part 1 und 2 habe ich versucht die Grundlagen eines theologisch verstandenen Inklusionsbegriffs zu reflektieren, den ich jetzt im neutestamentlichen Kontext anschauen möchte. Dabei möchte ich besonders auf das Buch von Miroslav Volf und sein wegweisendes Buch "Von der Ausgrenzung zur Umarmung" verweisen, aus dem ich einige Gedanken entliehen habe. Die am häufigsten gebrauchte neutestamentliche Metapher für das Volk Gottes ist der Leib Christi. In dem einen Leib Christi leben in einem komplexen Zusammenspiel sehr unterschiedliche Glieder, nämlich Juden und Griechen, Männern und Frauen, Sklaven und Freie. In Christus sind sie eins an dem Leib, also gleich würdig, und doch bleiben sie unterschiedlich in ihren Aufgaben. Volf beschreibt dies folgendermaßen:
„Der Geist löscht die körperlichen Unterschiede nicht aus, sondern er ermöglicht den Zugang zum einen Leib Christi für Menschen mit solchen Unterschieden zu gleichen Bedingungen. Was der Geist auslöscht (oder wenigstens lockert), ist die stabile und sozial konstruierte Wechselbeziehung von Unterschieden und sozialen Rollen. Die Gaben des Geistes werden ungeachtet dieser Unterschiede gegeben“ (Volf 2012:55).
In einer Gemeinschaft seinen Platz zu finden unabhängig von seiner Herkunft ist ein christliches Identitätsmerkmal, das auf die Ebenbildlichkeit Gottes zurückgeht. Alle Menschen haben denselben Wert und dieselbe Würde unabhängig von ihrem Tun und können somit Teil des Leibes Christi werden.
Ein großes Missverständnis in der aktuellen Inklusionsdebatte besteht aber darin, daraus zu schließen, dass alle Menschen das Recht haben alles gleich tun zu können oder zu müssen. Dieser „Zwang zur Inklusion“ wird aber weder der Ebenbildlichkeit Gottes in seiner Vielfalt, noch dem Bild des Leibes Christi gerecht. Wer denkt, dass Inklusion alle Grenzen aufhebt, wird den Menschen nicht gerecht und wird am Ende einen neuen Exklusivismus hervorbringen. Volf beschreibt dies folgendermaßen:
„Schmähe alle Grenzen, bezeichne jede dezidierte Identität als Unterdrückung, hefte das Schild ‚Exklusion’ auf jede dauerhafte Differenz – und du hast zielloses Treiben statt klarsichtigem Handeln, wahllose Aktivität statt moralischem Engagement und Verantwortlichkeit, langfristig Leichenstarre statt des Tanzes der Freiheit“ (Volf 2012:76).
Würde und Vielfalt schließen sich nicht aus, im Gegenteil, sie bedingen sich sogar. Paulus spricht nicht von einer Auflösung der Identität oder davon, dass es keine kulturellen Unterschiede mehr gibt oder die Geschlechtlichkeit aufgehoben wird, sondern sieht Unterschiede in ihrem geschöpflichen Platz und ihrer Ebenbildlichkeit in Gott selbst als wertvoll an. Die Schöpfung am Anfang der Menschheitsgeschichte kannte schon eine Vielfalt und eine Harmonie. Im Schöpfungsprozess (Gen 1+2) wird von Gott geordnet und differenziert, aber nicht ausgeschlossen. Differenzierung besteht in einem relational verstandenen ‚Trennen und Binden’ von Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht, Meer und Land etc. Alles hat seinen Platz und ergibt zusammen ein wunderbar funktionierendes Ganzes. Durch den Sündenfall ist vieles durcheinandergekommen und hat sich in den einzelnen Beziehungsebenen entfremdet (Gott – Mensch; Mensch – Mensch; Mensch – sich selbst und Mensch - Natur), doch beschreibt uns die Bibel die große Geschichte Gottes, der diese Beziehungsebenen wieder herstellt. Durch Tod und Auferstehung Christi gehen wir ein in die neue Schöpfung Gottes, die zwar auf Erden noch nicht vollendet ist, aber uns einen hoffnungsvollen Vorgeschmack auf das gibt, was da kommt (2.Kor 5,17). Noch einmal Volf, der dies wunderbar auf den Punkt bringt:
„Wir sind, wer wir sind, nicht weil wir von den anderen neben uns unterschieden sind, sondern weil wir sowohl unterschieden als auch verbunden sind, verschiedenartig und verwandt. Die Grenzen, die unsere Identität ausmachen, sind sowohl Barrieren als auch Brücken“ (Volf 2012:78).

Es geht also beim Thema Inklusion nicht um eine Gleichmacherei aller Menschen, sondern um eine differierende Gleichwürdigkeit. Eine gesunde Identitätsentwicklung braucht auch Abgrenzungsmechanismen, die Unterschiedlichkeiten (in Gaben, Aufgaben und Platz) deutlich machen und Vielfalt befürworten. Der biblische Ort dies einzuüben ist die Gemeinde.

Freitag, November 28, 2014

"Der Mentoring-Kongress am 18. April 2015"

Der Mentoring-Kongress

Samstag, 18. April 2015 — Marburg

Von 10–17 Uhr laden wir ein, Mentoring in seinen unterschiedlichen Facetten kennenzulernen, seinem Geheimnis und Reichtum auf die Spur zu kommen. Menschen, die bereits im Mentoring tätig sind, möchten wir neue Impulse geben und dazu beitragen, dass ein Netzwerk für MentorInnen entsteht.
2 Vorträge  ·  8 Workshops  ·  Best Practices  ·  Interviews  ·  Aktionsfläche
Denn Mentoring...

... hat in den letzten Jahren in vielen Kirchen und Gemeinden an Bedeutung gewonnen wenn es darum geht, Mitarbeitende in ihrem glauben zu begleiten und in ihrer Persönlichkeit zu prägen. in einer zeit, in der es viele Unsicherheiten gibt, bietet Mentoring einen sicheren und vertrauensvollen raum der Begegnung, so dass besonders junge Menschen tiefgreifend und nachhaltig – und mit ihnen ganze Gemeinden und Werke – verändert werden.

... richtet sich an alle, die sich für Mentoring interessieren. er lädt ein, Mentoring in seinen unterschiedlichen Facetten kennenzulernen, seinem Geheimnis und Reichtum auf die  Spur zu kommen. Menschen, die bereits im Mentoring tätig sind, möchte er neue Impulse geben und dazu beitragen, dass ein Netzwerk für Mentorinnen entsteht. 

Ich freue mich schon sehr auf den Tag, da Top Leute kommen werden, es viel Interaktion- und Vernetzungsmöglichkeiten gibt und der letzte Mentoringkongress schon echt Klasse war. 

Mehr Infos zum Programm, Ablauf, ReferentInnen etc. bekommst du hier.
Anmeldung: hier


Donnerstag, November 20, 2014

„Das Evangelium den Armen."


In den letzten Wochen habe ich mit großem Interesse das Buch „Das Evangelium den Armen“ gelesen. Es besteht aus drei großen Teilen, einem ausführlichen ersten Teil, der sich dem Thema exegetisch, theologisch und historisch nähert (acht Beiträge auf 210 Seiten) und zwei kürzeren praktischen Teilen „Impulse für die Welt (vier Beiträge auf 40 Seiten) und „Praxisberichten“ (vier Beiträge auf 60 Seiten). Hier wird schon deutlich, worauf der Hauptaugenmerk des Buches liegt: Es soll ein in der Theologie der Pfingstbewegung bisher zu kurz gekommenes Thema systematisch aufarbeiten. Dabei wird schon bei der Auswahl der siebzehn Autorinnen und Autoren deutlich, dass sich die Herausgeber (vom Forum Theologie & Gemeinde des BFP, vertreten durch das Vorwort von Marcel Redling) bemühten, kein rein eurozentrisches Bild zu zeichnen, sondern den globalen gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen (so gibt es beispielsweise Beiträge aus Argentinien, USA, Ghana).
Die Pfingstbewegung stellt weltweit die momentan am stärksten wachsende christliche Denomination dar und bildet mit ca. 500 Millionen Mitgliedern eine der größten Kirchen. Erstaunlich ist, dass der größte Wachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern Südamerikas und Afrikas stattfindet, in der Armut und Reichtum besonders hart aufeinanderprallen. Oftmals geht damit auch die theologische Kritik einher, die der pfingstlerischen Theologie Triumphalismus und Wohlstandevangelium vorwirft. Auch dagegen wehrt sich dieser Band, genauso wie gegen eine dispensationalistische Eschatologie, die als hermeneutischer Nährboden für die eben benannte Kritik gilt. Besonders die historischen Beiträge des Buches wollen aufzeigen, dass es schon immer eine „soziale Linie“ innerhalb der Pfingstbewegung gab, die besonders Professor Vondey gut herausarbeitet (23-50), in dem er aufzeigt, dass das soziale Engagement vieler pfingsterlischen Basisgemeinden sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart enorm ist und sich in praktischen Bildungsprogrammen, Beteiligung an politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und einer sozialen Ethik zeigen. So kommt Vondey auch zu dem Ergebnis, dass die Pfingstbewegung unter einer großen theologischen und gesellschaftlichen Spannung steht und sich durch eine „Mehrdeutigkeit“ auszeichnet, die er, etwas schmeichelhaft, als ‚plurale Identität’ bezeichnet. Es folgen verschiedene Beiträge, die nun verschiedene Teile dieser Spannung und Mehrdeutigkeit aufnehmen und genauer untersuchen, wie beispielsweise der Umgang mit Schulden (77-94), Diakonie und Heilung (125-144) oder Netzwerke von Gerechtigkeit (145-196) oder Armut und Lebensstil (145-180). Ein besonders hervorzuhebender und auch thematisch typischer Beitrag stammt von Matthias Wenk, der sich mit dem Thema „Der Heilige Geist als Solidarität Gottes mit den Bedrängten und Ausgestoßenen“ (95-121) beschäftigt. Wenk nimmt das zentrale Identitätsmerkmal ‚Heiliger Geist’ der pfingstlerischen Theologie auf und führt es aber nicht in eine persönliche, individualistische Verengung und zur persönlichen Vereinnahmung des eigenen Wohles, sondern zeigt anhand des Lukasevangeliums und der Theologie des Paulus, dass die Sozialethik ein zentraler und wesentlicher Teil der Mission des Geistes Gottes auf Erden ist, die sich in Wort und Tat, individuell und strukturell im Jetzt und Noch Nicht zeigt. So kommt er zu dem Schluss: „Alle Mission ist gleichzeitig auch aktive Versöhnungsarbeit und erlebbare Demonstration der heilsstiftenden und einenden Kraft Gottes. Sie gründet sich in der Selbsthingabe Gottes an diese Welt, die der Leib Christi seinerseits in gelebter Solidarität gegenüber dem Fremden, Andersartigen und Schwachen zum Ausdruck bringt. Gerade darin ist sie unverkennbares Zeichen des kommenden Reiches Gottes. Sowohl nach der paulinischen als auch gemäß der lukanischen Pneumatologie wird Mission in der Vollmacht durch den Geist um die Dimension der Solidarität erweitert. Besonders die Pfingstgemeinden der westlichen Hemisphäre werden diese Erweiterung brauchen, wenn sie glaubwürdig missionarisch und sozialethisch handeln wollen. Dort, wo ihre Umgebung im Hier und Heute nicht schon eine heilvolle Transformation erlebt, sind sie aufgerufen, in die Zerrissenheit menschlicher Existenzen hineinzutreten und diese Nöte durch die Kraft des Geistes auszuhalten und mitzutragen ... Denn Solidarität in der Kraft des Geistes bedeutet auch, sich für diejenigen einzusetzen, die sich nicht für sich selbst einsetzen können.“ (120) Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Untermauert werden diese Einsichten durch theologische Reflexionen aus aller Welt und Praxisbeispielen aus Deutschland. Diese zeigen auf, dass gute theologische Arbeit auch gute Früchte hervorbringt und motivieren, die eigene Glaubens- und Gemeindepraxis zu hinterfragen. Gerade in einem „satten westlichen Christentum“ sollen und müssen wir auf unsere internationalen Geschwister hören und uns als reiche Geschwister fragen lassen, wie einseitig westlich kontextualisiert unser Evangeliumsverständnis geworden ist. So haben mich die einzelnen Beiträge sowohl theologisch, persönlich als auch ekklesiologisch herausgefordert und zum Nachdenken gebracht. Kann man von einem theologischen Buch mehr verlangen?
Die Beiträge insgesamt sind, wie bei vielen Sammelbänden vom Anspruch und Niveau sehr unterschiedlich, überzeugen aber von ihrer Gesamtkomposition und dem Gesamtbild, was einem als Leser/in am Ende bleibt. Was man dem Buch gewünscht hätte, wäre ein professionelles Lektorat, das dem Buch beispielsweise eine einheitliche Gliederung gegeben hätte, so gibt es konsequent durchgegliederte Beiträge (wie von Johannes Stephens) und welche, die überhaupt nicht gegliedert wurden (wie von Ray Mayhew), so dass man 35 Seiten ohne jegliche Unterbrechung lesen muss, was es doch anstrengend macht.
Insgesamt ist das Buch aber gut und leicht lesbar und so für jede Frau und jeden Mann in der Gemeinde empfehlenswert. Es bleibt am Ende die Hoffnung und der Wunsch, dass dieses Buch viele Leserinnen und Leser auch außerhalb der Pfingstbewegung findet, die sich mit den herausfordernden theologischen Aussagen auseinandersetzen, damit die Transformation des Geistes Gottes mitten unter uns sichtbar werde.


Samstag, November 15, 2014

„„Wenn Jugendliche über ihren Glauben reden wollen und Mitarbeitende der kommunalen und kirchlichen Jugendarbeit darüber diskutieren“




„Atemlos gelangweilt von der Spaßkultur und Erlebnisgesellschaft wenden sich die Menschen zunehmend der Sinnfrage des Lebens zu. Die Zukunft wird zunehmend der Sinnorientierung gehören – realisiert in der Formel: Von der Flucht in die Sinne zur Suche nach Sinn. Die Sinnorientierung wird zur wichtigsten Ressource der Zukunft und zu einer großen Herausforderung der Wirtschaft werden.“
Horst W. Opaschowski

Diese Woche war ich in Minden und in Solingen und habe mit kirchlichen und  kommunalen Vertretern über das Thema Jugendarbeit diskutiert. Die städtische und kirchliche Arbeit mit Jugendlichen wird an vielen Orten mühsamer, weil es die außerschulischen Angebote schwieriger machen, da die Ganztagsschulen mehr Zeit der Jugendlichen in Anspruch nehmen und zum anderen die Jugendlichen durch Globalisierung und Digitalisierung immer mehr von den vorherigen Generationen abgrenzen. Dies wird vor allem durch die Sprache deutlich, vor allem, wenn es um Fragen des Glaubens geht. Der Traditionsabbruch wird deutlich spürbar, so dass viele von einer „Leerstelle des Glaubens“ reden, wenn es um jugendliche Spiritualität geht. Unsere empirica Studie „Spiritualität von Jugendlichen“ hat aber etwas anderes ergeben. Jugendliche können und wollen über ihren Glauben reden, nur nicht mit jedem und wenn, dann in ‚sicheren Räumen’. Jugendliche suchen nach sinnstiftenden Glauben, fühlen sich aber oftmals unsicher und suchen vertraute Gesprächspartner mit denen sie ihre Erfahrungen, Sehnsüchte und Zweifel teilen können. Diese finden sie nicht immer in kirchlicher Jugendarbeit, weil diese sich die Tendenz hat in zwei Richtungen zu gehen, die einen die auf alles eine Antwort haben, obwohl sie die Fragen der Jugendlichen dabei kaum wahrgenommen haben und die anderen, die ihr Angebot so niederschwellig anbieten, dass die Jugendlichen kaum merken können, dass es überhaupt ein Glaubensangebot gibt. In Minden und Solingen haben wir gemeinsam versucht darüber zu diskutieren, wie Jugendarbeit zuerst Jugendliche mit ihrem Glauben ernst nehmen kann. Das war sehr spannend und ich habe mich gefreut, dass es viele spannende Ideen, Ansätze und Möglichkeiten gibt mit Jugendlichen zu arbeiten, statt wieder nur Programme für Jugendliche zu planen. Und ich bin immer wieder begeistert wie viele ehrenamtliche Mitarbeitende sich für die Arbeit mit Jugendlichen einsetzen. Die neuen spirituellen Aufbrüche der Jugendlichen sollten wir nicht der Wirtschaft überlassen..
Ansatzpunkte in der Jugendarbeit vor Ort können dabei sein:
Den Glauben der Jugendlichen ernst nehmen (Stichwort Jugendtheologie)
Gemeinschaft als zentraler Wert umsetzen
Sichere Räume anbieten (eigene Gestaltungsmöglichkeiten geben)
Semantik: Die eigene Sprachfähigkeit (der Jugendlichen) entdecken
Gebet: auf der Suche nach transzendenten Erfahrungen


Freitag, November 07, 2014

8. Studientag Gesellschaftstransformation: "GottesSehnsucht: Neue Ausdrucksformen des Glaubens"



Nach den Umfragen der letzten Jahre glaubt fast jeder zweite Deutsche an etwas Übernatürliches und sucht nach eigenen Gotteserfahrungen. Vielleicht lässt sich die ‚lutherische Frage’ nach einem ‚gnädigen Gott‘ heute am besten mit der Frage: "Was gibt mir Sinn und hilft mir, mein Leben zu gestalten?" beantworten. Dabei werden von den sinnsuchenden Menschen sehr unterschiedliche Angebote wahrgenommen und der eigene Glaube wird oftmals individuell nach subjektiven Erfahrungen zusammengestellt. Man könnte meinen, dass in einer solchen Situation Kirchen und Gemeinden voll sein sollten, sind sie doch spezialisiert darauf, die Sinnfragen der Menschen zu beantworten. Aber dies ist offensichtlich nicht der Fall. Deshalb wollen wir an diesem Tag fragen, wonach Menschen heute suchen, damit Sie sich mit ihren Fragen und Sehnsüchten willkommen und angenommen fühlen. Wie können Gottesbegegnungen heute aussehen? Wie kommen wir heute mit Menschen über den Glauben ins Gespräch? Um diese und andere Fragen wird es am 8. Marburger Studientag Gesellschaftstransformation gehen.
Top Referentinnen und Referenten
Am 14. Februar 2015 findet der 8. Studientag Gesellschaftstransformation mit dem Thema: "Neue Ausdrucksformen des Glaubens" statt. Hochkarätig Referentinnen und Referenten wie Paul Zulehner (Uni Wien), Christina Brudereck (e/motion), Frank Heinrich (MdB), Johannes Reimer (UNISA), Daniel Schneider (WDR), Cris Zimmerman (Cafe Awake), Sandra Bils & Maria Hermann (Kirche2), Thorsten Riewesell (Jumpers), Steve Volke (Compassion) und vielen mehr beleuchten wichtige Fragen des Christsein und der Gemeindearbeit praxisnah und kompetent. Daneben gibt es wieder eine inspirierende Fachausstellung und viele Praxisbeispiele.

Freitag, Oktober 31, 2014

„Gibt es für die Gnade Gottes eine Grenze? Ein paar Gedanken zum Reformationsfest mit Nadia Bolz-Weber“


Welcome to House for All Sinners and Saints. We will disappoint you.
If they choose to leave when we don’t meet their expectations, they won’t get to see how the grace of God can come in and fill the holes left by our community’s failure, and that’s just too beautiful and too real to miss.

Ich lese gerade die Autobiographie „Pastrix“ von Nadia Bolz-Weber, lutherische Pastorin der Gemeinde „House for All Sinners and Saints“ in Denver (USA). Die zentrale Frage, die sich durch das Leben und die Gemeinde von Bolz-Weber und somit auch durch das ganze Buch zieht ist: Gibt es für die Gnade Gottes eine Grenze? Natürlich ist die Antwort eines jeden auch nur angehauchten deutschen Protestanten: „sola gratia – allein durch die Gnade“. Und erstaunlicher Weise berufen sich da sowohl die konservativsten wie auch die liberalsten Christinnen und Christen drauf. Schnell ist es gesungen: „allein deine Gnade genügt“, aber stimmt das wirklich? Bolz-Weber geht dabei einen Schritt weiter, sie versucht Luther und seine Erkenntnis so wörtlich wie möglich zu nehmen und öffnet ihre Kirchentüren für alle. Was daran jetzt Besonderes ist? Darf nicht jeder in Deutschland in jede Kirche kommen? Ja, aber es ist nicht jeder willkommen! Klingt hart, ist aber oft so. Vielleicht nicht am Anfang, aber dann erwartet die durchschnittliche Gemeinde doch, dass die Gnade endlich mal anfängt zu wirken und die Person sich endlich zu einer/m guten Christen/in entwickelt. Was aber, wenn die Banker, Punker oder Obdachlosen so bleiben wie sie sind? Sich anders entwickeln als erwartet? Bolz-Weber heißt alle „Heilige und Sünder“ herzlich willkommen, unabhängig ihrer Herkunft, ihres Standes und ihrer sexuellen Identität. Das ist sehr herausfordernd für die Gemeinde, denn jede und jeder zieht Grenzen und die komplette Inklusion (siehe Part 1 und Part 2) ist nicht möglich. Deshalb sagt Bolz-Weber auch gleich: „Wir werden dich enttäuschen“, es geht nicht um das „Paradies auf Erden“, sondern um Annahme und Gnade. Und das ist das Herausfordernde an diesem Buch, dass ich ständig darüber nachdenke, wo meine geprägten und gelebten Grenzen der Gnade sind? Wo diese Grenzen biblisch berechtigt und wo kulturell geerbt sind? Heute, am Reformationstag, ist ein guter Tag über die Gnade Gottes nachzudenken...

Luther read that we are saved by grace and not through our “works,” and when he read that he realized he had been lied to. He had been told that the only way to be “right with God” was for the Roman Catholic Church to make you that way. The church told him just what he had to do: confess to a priest, do penance in the form of prayer, give money to build fancy churches, and loads of other made-up stuff. If you want to know what sparked the Protestant reformation, it was the fact that Martin Luther stopped buying lies about God and the church.
When Luther finally understood grace, there was no going back.


Dienstag, Oktober 28, 2014

„Kirche ist immer Kirche mit Anderen. Gedanken über eine ‚Theologie der Inklusion’. Part 2: Ebenbildlichkeit als theologische Grundlage“

Wenn es um eine theologische Fragestellung zum Thema Inklusion geht, muss natürlich zuerst festgestellt werden, dass es weder das Wort Inklusion noch die dazugehörigen pädagogischen oder soziologischen Konzepte in der Bibel gab. Deshalb möchte ich mich auf den Weg machen, um a) nach der ähnlichen Mustern zu suchen und, b) zur fragen, wo Exklusionen und Inklusionen in der Bibel vorkommen und wie diese ge- bzw. bewertet werden und c) ob es so etwas wie eine „inklusive Haltung“ gibt. Die anthropologische Frage ist die nach der Würde des Menschen, dies ist auch für alle weiteren Fragestellungen entscheidend. Die inhaltliche (theologische) Begründung der Menschenwürde und der daraus folgenden Menschenrechte geht dabei auf das alttestamentliche Verständnis der ‚Imago Dei' zurück, der Ebenbildlichkeit des Menschen gegenüber Gott in der Schöpfung (Gen 1, 26+27). Gott schafft den Menschen nach seinem Bilde und verschafft ihm und ihr dadurch, unabhängig von seinem/ihrem Tun, einen absoluten und universalen Wert und eine Teilhabe an Vernunft und Macht, die der Mensch als Gestaltungsauftrag auf der Erde nutzen soll. Für den Tübinger Theologen Jürgen Moltmann ist dies die Grundlage und der Kernbegriff seiner Anthropologie und er ergänzt, dass der Mensch nicht nur Repräsentant und Abglanz von Gottes Herrlichkeit ist, sondern damit auch eine Erscheinungsweise Gottes selbst, so schreibt er: „Nicht ein Fürst, sondern der Mensch, Mann und Frau gleichermaßen, alle Menschen und jeder Mensch ist Bild, Stellvertreter, Beauftragter und Abglanz Gottes“ (Moltmann 1985:224). Zur Geschichte des Menschen gehört aber auch der Sündenfall (Gen 3), durch den der Mensch in all seinen/ihren Beziehungsebenen gestört und entfremdet wurde von sich selbst, Gott und der ganzen Schöpfung. Trotzdem nennt der Psalmschreiber David den Menschen „mit Herrlichkeit gekrönt“ und „ein wenig niedriger gemacht als Gott selbst“ (Psalm 8). Diese Aussage zieht sich durch das ganze Alte und Neue Testament (Ps. 106, 20; Röm. 1, 23; Eph. 4, 24;  Kol. 3, 10). Der Mensch steht bei aller Gefallenheit in einer unauflöslichen Beziehung zu seinem Schöpfer und in einer großen Geschichte der Wiederherstellung dieser Beziehung. Im Neuen Testament wird die Ebenbildlichkeit Gottes besonders in der Ebenbildlichkeit Christi deutlich. In Christus können wir Menschen Gott wieder neu erkennen und uns selbst widerspiegeln in seiner Herrlichkeit. Dies hat aber nicht nur Auswirkungen für die eigene Wahrnehmung, sondern kommt auch allen anderen Menschen zugute (Röm 9,28; 2. Kor 4,4; Kol 1,15, Gal 3,28). Durch die Rechtfertigung des Sünders/der Sünderin entfaltet sich die Würde unabhängig von seiner/ihrer Beschaffenheit und Leistung und dies in all seiner/ihrer Fehlbarkeit. Die Ebenbildlichkeit des Menschen besteht also keinesfalls nur im grundsätzlich Guten des Menschen, sondern auch in seiner/ihrer Unvollkommenheit. Der Dresdener Professor für theologische Ethik Ulf Liedke stellt deshalb fest, dass dies beispielsweise auch für Menschen mit Behinderungen bzw. Einschränkung gilt (Liedke 2011:83-84). Die Würde und die Rechte eines Menschen sind also nicht abhängig von Status, Geschlecht, Behinderung oder Herkunft. Jede und jeder hat das Recht Teil einer Gemeinschaft zu sein und sich dort mit seinem/ihrem ganzen Sein, seinen/ihren Gaben und Aufgaben einzubringen, um so Bild, Stellvertreter, Beauftragter und Abglanz Gottes zu sein. Und doch muss auch darauf hinweisen, dass die eschatologische Dimension der Wiederkunft Christi eine zentrale Hoffnung ist, in der erst die Ebenbildlichkeit des Menschen durch die Gnade Christi wieder ganz hergestellt wird. Bis dahin spiegelt Inklusion eine Haltung der Würde und Gnade gegenüber allen Menschen wider und ist doch nur eingeschränkt lebbar. Aber in dieser Spannung, können wir doch erahnen, dass diese eschatologische Hoffnung unser Handeln und Denken schon heute verändert. Dies scheint mir für den Themenkomplex Inklusion von großer Bedeutung zu sein. Was auf der einen Seite für Christinnen und Christen in den Kirchen und Gemeinden selbstverständlich sein sollte, weil klassische Exklusionsgründe (Galater 3,28: Mann/Frau, arm/reich, Einheimischer/Fremder) durch Christus überwunden werden, ist auf der anderen Seite immer noch ein problematisch (sowohl in als auch außerhalb der Gemeinden), weil wir immer noch mit beiden Beinen mitten in dieser gefallenen Welt stehen. Inklusion muss aber genau diese Spannung aushalten, da sie sich auf der einen Seite für die Würde und die Rechte aller Menschen einsetzt und auf der anderen Seite wird durch Inklusion nicht das Paradies auf Erden geschaffen. Gerade weil es um unterschiedliche und gefallene Menschen geht, gehört aus christlicher Sicht das Thema Versöhnung zur Grundhaltung jeglicher Inklusionsdebatten.

Samstag, Oktober 25, 2014

„Kirche ist immer Kirche mit Anderen. Gedanken über eine ‚Theologie der Inklusion’. Part 1: Streitbare Begriffe“



In den letzten Monaten habe ich mich verstärkt mit dem Thema Inklusion beschäftigt. Ein Thema, das in der Pädagogik momentan heiß diskutiert wird und viele Emotionen hervorruft. Als Theologe interessiert ich mich neben dieser spannenden Debatte natürlich für die Frage, wie die Bibel dieses Thema sieht, ja wie es theologisch einzuordnen ist. Und das ist mehr als spannend, deshalb möchte ich in den nächsten Wochen immer Mal wieder ein paar meiner Gedanken dazu posten. Dazu kommt, dass das Thema in den letzten Wochen durch die Flüchtlingsthematik neu an Aktualität gewonnen hat. Denn wenn wir von Inklusion reden, dann geht es vor allem um die Ausgrenzung von unterschiedlichen Minderheiten und ihr (fehlendes) Recht auf ein gleichberechtigtes Miteinander in der Gesellschaft. Darum geht es beim Thema Inklusion auch immer implizit um das Thema Exklusion, also, wer in der Gesellschaft ausgegrenzt wird, aus welchen Gründen auch immer. Exklusion beschreibt dabei die Menschen, die für die Gesellschaft überflüssig sind und die deshalb keinen regulären Platz bekommen (gerade in der systemischen Sicht von Luhmann wird das Thema Inklusion erst durch die sichtbare Exklusion deutlich). Oftmals hat dies mit den großen Themen Geld, Arbeit, Status oder auch der Frage nach der Nützlichkeit zu tun. Deshalb spricht der britische Soziologe Anthony Giddens von einer „doppelte Exklusion“, nämlich eine Selbstabgrenzung der „herrschenden Eliten“ und eine mehr oder weniger gewollte Aus- bzw. Abgrenzung der unteren Schichten nach oben. Hillman definiert daran anschließend Inklusion aus soziologischer Sicht: „Inklusion bezeichnet als soziologischer Begriff die Einbeziehung von Gesellschaftsangehörigen in soziale Gebilde, in gesellschaftliche Funktionsbereiche und in die jeweils umfassende Gesamtgesellschaft.“ (Hillmann 2007:377) Mir ist klar, dass der Inklusionsbegriff in der heutigen Diskussion in Deutschland schwerpunktmäßig im Bereich der Sonderpädagogik (Arbeit mit Menschen mit Behinderungen) und der Schulpädagogik verwendet wird, deshalb möchte ich zu Beginn möchte die wichtigsten Begriffe aus dem allgemeinen pädagogischen Diskurs kurz darstellen, da es besonders um die zentralen Begriffe Integration und Inklusion immer wieder Missverständnisse gibt:
  • „Exklusion“: Ausschluss von Minderheiten aus der Gesellschaft
  • „Segregation“: Absonderung von Minderheiten vom Rest der Gesellschaft
  • „Integration“: Anpassung an und langsamer Einbezug von gesellschaftlichen Minderheiten in die gesellschaftlichen Mehrheit
  • „Inklusion“: Teilhabe von Minderheiten durch strukturelle, gesellschaftliche und persönliche Veränderungen alle Beteiligter

Besonders die Begrifflichkeiten Inklusion und Integration stehen im Mittelpunkt der Diskussion (stehen beide Begriffe gegeneinander oder ist das eine nur eine Weiterentwicklung des anderen oder meinen beide eigentlich doch dasselbe?) und müssen deshalb mit bedacht verstanden und beschrieben werden. Was sich jedoch schon jetzt sagen lässt, es gibt nicht das eine Wunderkonzept, sondern es geht die Beschäftigung mit dem Thema. „Inklusion“ hat immer auch mit eigenen Veränderungsprozessen zu tun. Deshalb auch in der Überschrift ein abgewandeltes Bonhoefferzitat, der im Kontext von „Kirche und Armut“ sagte: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“, ich würde das für eine ‚Theologie der Inklusion’ erweitern und sagen: „Kirche ist immer Kirche mit Anderen“.