Montag, April 14, 2014

„Wir sind von den Russen auf die Knie gezwungen worden.“ Drei Fragen an Johannes Reimer zur Lage der Christen in der Ukraine.“


TF: Du bist gestern aus der Ukraine gekommen, wo warst du dort und was hast du dort gemacht?
JR: Ich war zum einen in Kiew und zum anderen habe ich auf einer christlichen Konferenz zum Thema „Versöhnung“ gesprochen, ca. 150km von Kiew entfernt. Eigentlich war das Thema „Versöhnung“ für Gemeinden und Kirchen geplant, aber die politischen Veränderungen haben es sehr aktuell gemacht.
TF: Wie schätzen die Christen, mit denen du gesprochen hast, die aktuelle Lage ein?
JF: Es ist interessant, wie die Lage in der Ukraine die Christen aus unterschiedlichen Denominationen zusammen führt. Egal ob Christen aus der griechisch-katholischen Kirche, Protestanten, Orthodoxen, Baptisten oder Pfingstler, viele kommen zusammen, um für ihr Land zu beten. Auf dem Maidan Platz stehen Dutzende Zelte, in denen sie sich zum Gebet für ihr Land treffen. Aber es gibt auch ganz praktische Hilfen wie Essenspakete für die schlecht ausgerüstete ukrainische Armee oder es werden muslimische Flüchtlinge aus der Krim (Krimtataren) aufgenommen. Der jetzige Präsident der Ukraine (Oleksandr Turchynov) ist  selbst Baptist und hat den wegweisenden Satz gesagt: „Wir sind von den Russen auf die Knie gezwungen worden“. Die Menschen auf dem Maidan Platz glauben an ihre Ukraine und haben eher Angst vor Freischärlern als vor ethnischen Konflikten. Interessanterweise herrscht eine große Skepsis gegenüber den westlichen Mächten und Europa. Viele wissen nicht, ob das Interesse der EU ehrlich ist oder nur geopolitischer Natur. Das macht die Lage für viele nicht einfacher.
TF: Gibt es aktuelle Gebetsanliegen?
JR: Als erstes sicherlich der schwelende Konflikt in der Ostukraine. Es soll und darf nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen, das ist  ein zentrales Anliegen, dass wir uns ihrem Friedensgebet anschließen. Das zweite ist, dass der ökumenische Geist und die Einheit der Christen anhalten. Bisherige Gemeindegräben werden durch die Not überwunden und zersplitterte Kirchen finden wieder zusammen, das ist eine sehr wertvolle Erfahrung. Viele Christen sehen darin eine große Chance einer geistlichen Erneuerung für das Land.

für aktuelle Informationen, der Zeitblog zur Ukraine.


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