Montag, August 25, 2014

„Sommerlektüre Part 1: Stoner. Puristische Chronologie eines Vergessenen.“




Wenn ein Roman fast 50 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung (1965) wiederentdeckt und dann zu einem weltweiten Besteller wird, dann hat man es ohne Zweifel mit einem besonderen Buch zu tun. JohnWilliams heißt der vergessene Autor, seines Zeichens Dozent für Literaturwissenschaft und Autor einer Hand voll Romane und Gedichtbände. Nicht sonderlich erfolgreich in seinem Leben und Streben nach Anerkennung im damaligen Literaturbetrieb. Und jetzt dieser Durchbruch mit ‚Stoner’, lange nach seinem Tod. William Stoner ist die Hauptfigur dieses feinen Romans in dem es eigentlich um nichts anderes geht als um das Leben dieses stoischen Mannes, der sein Schicksal so ruhig zu ertragen weiß, wie Williams es chronologisch und leise portraitiert. Von der Geburt auf einer einsamen Farm, über sein „Berufungserlebnis“ zum Literaturstudium in der Columbia University (Massachusetts), von der er seit seines Lebens nicht mehr loskommt, bis zu seinem Tod. 40 Jahre lehrte der gute Stoner dort und erlebt alles im Leben Wichtige: Liebe, Leidenschaft, Verrat, Krieg, Tod und Freundschaft. Und John Williams beschreibt dies mit jener lakonischen Ruhe, fast Gleichgültigkeit, Präzision und Hingabe, in der auch sein Romanheld das Leben hinzunehmen scheint. Natürlich ist es kein autobiographischer Roman, doch scheint Williams zumindest einiges seines Lebens (und seiner vier Ehen) in die Figur Stoner hineingelegt zu haben. Der Roman beginnt Ende des 19. Jahrhunderts und lebt und überlebt zwei Weltkriege, die aber nicht mehr als eine düstere Kulisse für William Stoner darstellen. Er selbst scheint das Leben gar nicht so recht zu begreifen und wird von einem seiner Professoren regelrecht zur Literatur gezwungen, um dann seine Liebe zu englischen Sprache zu erkennen und für immer die elterliche Farm hinter sich zu lassen. So bleibt er 40 Jahre auf der Universität, an der er studierte und ironischer Weise am letzten Tag zum ordentlichen Professor ernannt wird. Dazwischen liegt eine unglückliche Ehe, eine leidenschaftliche Affäre und der Einblick in ein universitäres Leben Anfang des Jahrhunderts. Williams ist mit ‚Stoner’ zweifelsohne ein großer Roman gelungen, der gerade durch seine sprachlichen Unaufdringlichkeit und Distanziertheit einen langsamen aber unaufhörlichen Sog aufbaut, der einem nicht mehr loslässt, bis man die letzte Seite aufgesogen und verschlungen hat.

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