Freitag, Oktober 31, 2014

„Gibt es für die Gnade Gottes eine Grenze? Ein paar Gedanken zum Reformationsfest mit Nadia Bolz-Weber“


Welcome to House for All Sinners and Saints. We will disappoint you.
If they choose to leave when we don’t meet their expectations, they won’t get to see how the grace of God can come in and fill the holes left by our community’s failure, and that’s just too beautiful and too real to miss.

Ich lese gerade die Autobiographie „Pastrix“ von Nadia Bolz-Weber, lutherische Pastorin der Gemeinde „House for All Sinners and Saints“ in Denver (USA). Die zentrale Frage, die sich durch das Leben und die Gemeinde von Bolz-Weber und somit auch durch das ganze Buch zieht ist: Gibt es für die Gnade Gottes eine Grenze? Natürlich ist die Antwort eines jeden auch nur angehauchten deutschen Protestanten: „sola gratia – allein durch die Gnade“. Und erstaunlicher Weise berufen sich da sowohl die konservativsten wie auch die liberalsten Christinnen und Christen drauf. Schnell ist es gesungen: „allein deine Gnade genügt“, aber stimmt das wirklich? Bolz-Weber geht dabei einen Schritt weiter, sie versucht Luther und seine Erkenntnis so wörtlich wie möglich zu nehmen und öffnet ihre Kirchentüren für alle. Was daran jetzt Besonderes ist? Darf nicht jeder in Deutschland in jede Kirche kommen? Ja, aber es ist nicht jeder willkommen! Klingt hart, ist aber oft so. Vielleicht nicht am Anfang, aber dann erwartet die durchschnittliche Gemeinde doch, dass die Gnade endlich mal anfängt zu wirken und die Person sich endlich zu einer/m guten Christen/in entwickelt. Was aber, wenn die Banker, Punker oder Obdachlosen so bleiben wie sie sind? Sich anders entwickeln als erwartet? Bolz-Weber heißt alle „Heilige und Sünder“ herzlich willkommen, unabhängig ihrer Herkunft, ihres Standes und ihrer sexuellen Identität. Das ist sehr herausfordernd für die Gemeinde, denn jede und jeder zieht Grenzen und die komplette Inklusion (siehe Part 1 und Part 2) ist nicht möglich. Deshalb sagt Bolz-Weber auch gleich: „Wir werden dich enttäuschen“, es geht nicht um das „Paradies auf Erden“, sondern um Annahme und Gnade. Und das ist das Herausfordernde an diesem Buch, dass ich ständig darüber nachdenke, wo meine geprägten und gelebten Grenzen der Gnade sind? Wo diese Grenzen biblisch berechtigt und wo kulturell geerbt sind? Heute, am Reformationstag, ist ein guter Tag über die Gnade Gottes nachzudenken...

Luther read that we are saved by grace and not through our “works,” and when he read that he realized he had been lied to. He had been told that the only way to be “right with God” was for the Roman Catholic Church to make you that way. The church told him just what he had to do: confess to a priest, do penance in the form of prayer, give money to build fancy churches, and loads of other made-up stuff. If you want to know what sparked the Protestant reformation, it was the fact that Martin Luther stopped buying lies about God and the church.
When Luther finally understood grace, there was no going back.


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