Mittwoch, Dezember 24, 2014

„Die Nacht ist vorgedrungen – und der Morgenstern ist schon zu sehn. Weihnachtsgedanken 2014.“



Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

Dieses von Jochen Klepper (1903–1942) geschriebene Gedicht und von Johannes Petzold vertonte Adventslied passt nach meinem Empfinden gut zum diesjährigen Weihnachtsfest – sowohl zum eigentlichen Geschehen als auch zur aktuellen politischen Lage in dieser Welt.
Für viele Menschen war das Jahr 2014 ein „dunkles Jahr“ in ihrem Leben, allein weil sie in den falschen Regionen dieser Welt wohnten (Nigeria, Syrien, Ukraine, Liberia etc.) oder den falsche Glaubensrichtung hatten (und hier seinen sowohl Christen als auch Muslime genannt) oder eben beides. Viele in Deutschland haben im Vergleich dazu -bei allem individuellen Erleben- ein gutes Jahr gehabt. Und dennoch steigt die Unzufriedenheit und viele Menschen gehen auf die Straße um gegen Überfremdung und Islamisierung zu demonstrieren. Da stockt mir manchmal der Atem und ich versuche diese Geschehnisse zusammenzubringen, was mir aber nur schwerlich gelingt.
Und da, mitten hinein, in alle Dunkelheit, scheint der Morgenstern – Christus. Hinein mitten in den Nordirak und Dresden bis in das Mikrosystem der eigenen Familie.
Hoffnung – auf Gerechtigkeit mitten in der Ungerechtigkeit; auf Hilfe mitten in der Hilflosigkeit; auf Gnade in gnadenlosen Zeiten.
Der Morgenstern – aufgegangen um in die Dunkelheit zu leuchten, steht er da, zwischen Himmel und Erde. Schon ist sein Leuchten zu sehen und verwandelt mit seinem Licht die Gegenwart und doch ist er noch nicht völlig aufgegangen, ist vieles auf Erden noch dunkel und leer, aber die Nacht weicht zurück.
Weihnachten spiegelt dies in wunderbarer Weise wieder, der Stern weist den Weg hin zum Stall, zum Christuskind. Und dort, in Dunkelheit und Armut ist der Heiland geboren, der Morgenstern, um uns den Weg zu weisen mitten durch diese Welt. Dort im Dunkeln wohnt Gott, bei den Tieren, bei den Ausländern, bei den Verfolgten, den Armen und Ausgestoßenen. Nicht im grellen Scheinwerferlicht und der großen Bühne, vielleicht nicht mal auf mancher Kirchenbühne. Deshalb sollten wir uns auch an diesem Weihnachten nicht blenden lassen von falschen Lichtern, sondern nach dem wahren Morgenstern Ausschau halten.
In diesem Sinn wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein wegweisendes Weihnachtsfest.
Herzlich Tobias


Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Jochen Klepper, 1937



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