Donnerstag, Januar 23, 2014

„Die Auferstehung des Sohnes Gottes“



 „If God raised Jesus Christ from the dead, all the rest is basically rock’n’roll.“ 
NT Wright

Frisch von der Druckerei auf meinen Schreibtisch: Der dritte Band von NT Wrights großartiger Reihe „Ursprünge des Christentums und die Frage nach Gott“. Jetzt also: „Die Auferstehung des Sohnes Gottes“. Ursprünglich als Abschlusskapitel von Jesus und der Sieg Gottes gedacht, wurde es von Wright nach und nach so sehr erweitert, dass es jenes Buch mittlerweile an Volumen übertrifft (1036 Seiten auf feinstem Papier gedruckt). Und das Thema hat es in sich: „Auferstehung“. Schon Paulus machte damals alles an der Auferstehung Christi fest, wenn er schrieb: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ (1Kor 15,14) Es geht also um viel für uns Christen und deshalb lohnt es sich Wright auf seiner beeindruckenden Reise zu folgen. Es sind dabei vor allem drei Bereiche, über die er uns in diesem Werk umfassend informiert: 
  1. So wird gründlich philologisch und historisch untersucht, was in der antiken Welt unter den Begriffen „auferstehen“ und „Auferstehung“ verstanden wurde. Dies wird nicht nur auf dem Hintergrund des Alten Testaments betrachtet, sondern auch auf dem anderer antiker Literatur. Allein schon seine nahezu umfassende Darstellung von Tod- und Jenseitsvorstellungen von den alten Ägyptern über die Griechen hin zu Juden und Römern machen dieses Buch zu einer Fundgrube für alle Interessierten. 
  2. Die neuere Diskussion der letzten beiden Jahrhunderte wird ebenso umfassend beleuchtet. Gerade wer im theologischen „Betrieb“ – in dem man aufgrund mancher Begriffsverwirrungen gerade bei diesem Thema schnell den Überblick verliert – mitreden möchte, erhält hier wertvolle Hinweise. 
  3. Nicht zuletzt unterzieht Wright alle Stellen, in denen das Thema der Auferstehung auftaucht, einer gründlichen Exegese. Das ist nicht nur eine Hilfe für diejenigen, die über die entsprechenden Stellen nachdenken, sondern verhilft auch zu einem umfassenden Gesamtbild dessen, was Paulus und andere Christen der frühen Kirche mit der Auferstehung verbanden.

Wrights Buch bildet damit so etwas wie den krönenden (vorläufigen) Abschluss von Das Neue Testament und das Volk Gottes und Jesusund der Sieg Gottes – bevor er sich in einem weiteren Band dem ApostelPaulus und seiner Theologie zuwendet, was im Englischen gerade erschienen ist - über 1700 Seiten, na dann...

Dienstag, Januar 21, 2014

„Das Übernatürliche im Natürlichen entdecken. Von Büschen und Brombeeren.“


Was die einen vehement verneinen, macht für die anderen den entscheidenden Unterschied: Der Glaube an eine weitere Dimension, die über die profane Wirklichkeit hinausgeht. Die Dimension des dreieinigen Gottes, der durch seinen Heiligen Geist hier auf Erden wirkt und das auf ganz unterschiedliche und unabhängige Weise. Diese Wirkweise zu identifizieren ist durchaus herausfordernd und wird mitunter (auch unter Christen) kontrovers diskutiert, da menschliche und geistgewirktes oftmals Hand in Hand gehen. Die Grundfrage bleibt aber unbenommen: Will und kann ich diese Dimension des Übernatürlichen überhaupt sehen und wahrnehmen? Und sie macht den Unterschied in der Wahrnehmung und Interpretation des Erlebten. Eine schöne Geschichte dazu steht in 2.Mose 3,2-8 in der Mose auf Gott im brennenden Dornbusch trifft. Etwas, was in der Wüste nichts Ungewöhnliches war, doch bei längerem Hinsehen wurde für Mose doch eine weitere Dimension sichtbar, der Busch verbrannte nämlich nicht. In der rabbinischen Auslegungstradition spielt dies eine große Rolle, Mose brauchte Zeit das Übernatürliche im Natürlichen zu entdecken. Gott offenbart sich ausgerechnet in der Niedrigkeit eines Dornbusches und lässt ihn doch nicht verbrennen. So wie sein Volk in der Niedrigkeit Ägyptens lebt und doch nicht zugrunde geht. Mose hat diesen Gott erkannt und es hat im wahrsten Sinne des Wortes die Schuhe ausgezogen, weil er die heilige Präsenz Gottes erkannte. Die Frage dabei ist: Was nehme  ich wahr? Was erkenne ich? Mose erkennt Gott im brennenden Dornbusch. Andere sehen vielleicht nichts. Einen brennenden Busch. Gehen weiter. Oder pflücken Brombeeren, wie die englische Dichterin Elizabeth Barrett Browning  in einem ihrer Gedichte so schön beschreibt.

And every common bush afire with God;
But only he who sees, takes off his shoes,
The rest sit round it and pluck blackberries,
And daub their natural faces unaware
More and more from the first similitude.

Elizabeth Barrett Browning  (1806–1861)