Freitag, Januar 31, 2014

„Warum ich nicht mehr glaube.“




"Ich habe lange überlegt, wie meine Familie reagieren wird. Und um ganz ehrlich zu sein: Ich hatte mir das leichter vorgestellt. Also, ich hätte nie gedacht, dass die Beziehung zu meiner Frau so beschädigt werden könnte. Und noch weniger dachte ich von meinen Eltern, dass sie mich ab diesem Moment so anders sehen würden. Das waren schon gravierende Auswirkungen. Eigentlich dachte ich, dass es zwei, drei schwere Monate geben wird, aber dann ginge alles weiter. Aber das war nicht der Fall." Nicolo

„Christen reden von Freiheit. Gott und Glaube machen frei, aber gleichzeitig stellen sie so viele Regeln und Gesetze auf, die man alle einhalten muss, weil man sonst nicht mehr bei Gott ist.“ Claudia


So der Titel des neuen Buches, was heute frisch aus der Druckerei angeliefert wurde. Zwei Jahre habe ich mit meinen Kollegen Tobias Künkler und Martin Hofmann am Institut empirica über das Thema ‚Dekonversion’ (Entkehrung) geforscht. Wir haben dafür verschiedene Studien ausgewertet, selbst eine Onlinestudie durchgeführt und 15 Interviews mit jungen Erwachsenen gemacht, die von sich sagten, dass sie sich entkehrt haben. Dabei sind wir vielen spannenden Fragen nachgegangen wie: Was haben Leute erlebt, denen, auf welche Art auch immer, der Glauben abhandengekommen ist? Was erhoffen sie sich, wenn sie sich bewusst von Gott und ihrem Glauben abwenden? Wer begleitet sie dabei? Was sagen ihre Familien und Freunde? Wie reagieren ihre Kirchen und Gemeinden? Diese und weitere Fragen beschäftigten uns, als wir anfingen, uns diesem Thema zu nähern. Die Ergebnisse liegen jetzt in Buchform vor und sind sehr herausfordernd. Ich selbst muss sagen, dass mich eine Studie noch nie so sehr bewegt hat und ich selbst noch viele Fragen habe. Wir (als Team) haben uns diesem komplexen und emotionalen Thema vorsichtig angenähert und es von verschiedenen Seiten beleuchtet. Manches von dem, was wir herausgefunden haben, ist nicht leicht zu verdauen. Wir stießen auf teils unbegreifliche Schicksale, verstörendes (Nicht-)Handeln Gottes, zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten von Glaubensgeschwister uvm. Trotzdem sind wir davon überzeugt, dass es sich nicht nur lohnt, sondern dass es in gewissem Maße sogar unsere Verantwortung als Christen ist, uns mit diesem sensiblen Thema auseinanderzusetzen und als Einzelne wie als Gemeinschaften davon zu lernen. Es lohnt sich also in dieses Buch reinzulesen. Wer sich dafür interessiert, kann es hier bestellen. Herausgekommen ist es beim SCM Brockhaus Verlag, der das ganze Projekt unterstützt und begleitet und uns immer unsere Forschunsgfreiheit gegeben hat. Danke.

Leseprobe mit dem ersten Kapitel, einem Vorwort von Paul M Zulehner und dem Inhaltsverzeichnis gibt es hier.



"Fast jeder, der in missionarischer Jugendarbeit engagiert ist, kennt den Schmerz: Junge Menschen finden zum Glauben, aber eines nahen oder fernen Tages verlieren sie den Anschluss, wenden sich ab und lösen sich aus der Gemeinschaft. Die neue Marburger Studie hilft, solche jungen Menschen besser zu verstehen und zu achten. Sie hilft aber auch, Verkündigung, Seelsorge und Leitung in unseren Gemeinden kritisch zu überprüfen, inwiefern sie einen mündigen und widerstandsfähigen Glauben fördern – oder ihm im Weg stehen."

Prof. Dr. Michael Herbst, Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald

Donnerstag, Januar 30, 2014

„Bibeln für den Bundestag“





In Zeiten, in denen viel über unsere Politiker gemeckert wird, hat die Micha-Initiative heute ein positives Signal gesetzt und allen 631 Abgeordneten eine Ausgabe der ‚Gerechtigkeitsbibel’ zukommen lassen. Eine tolle Aktion, die von vielen Politikern toll aufgenommen wurde. Leider konnte ich an der öffentlichen Übergabe nicht persönlich dabei sein. Aber Abgeordnete der verschiedenen Fraktionen waren da und Bundestagspräsident Lammert (CDU) sprach neben und Gregor Gysi (Linkspartei), Frank Heinrich (CDU) und Kerstin Griese (SPD) ein Grußwort. Gysi, der zwar selbst kein Christ ist, aber den christlichen Glauben  und die Bibel nach eigenem bekunden sehr schätzt (besonders die Bergpredigt), betonte: „Wenn wir nicht den Einfluss der Kirchen und der Religion hätten, gäbe es keine allgemein verbindliche Norm.“ Na dann: Viel Spaß beim Lesen!
(Bilder: pro)



Montag, Januar 27, 2014

„Keine Toleranz der Intoleranz. Oder: Das schwarze Loch der Menschheitsgeschichte“


„Das Kind schwieg, während die Erwachsenen mit den Worten starben: Es lebe die Freiheit. Weil nun das Kind viel leichter war als die Erwachsenen, röchelte es noch lange. Wiesel hörte eine Stimme hinter sich: Wo ist nun Gott?  Und er fährt fort: „Eine Stimme in mir sagte: Dort. Er hängt am Galgen“. „An diesem Abend schmeckte die Suppe nach Leichnam“. Aus Elie Wiesels Auschwitzroman „Die Nacht“

„Seid auf der Hut  vor Leuten, deren Theologie vor und nach Auschwitz dieselbe ist.“ Johann Baptist Metz

Heute sind der offizielle „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“ und auch der „Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts“ (es ist der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz). Und es ist gut und wichtig, inne zu halten und der Geschichte und deren Opfer zu gedenken. Vor allem Juden, aber auch Kommunisten, Zeugen Jehovas, oppositionelle Priester und Pastoren, Sinti, Roma und Homosexuelle wurden auf grausamste und unbarmherzigste Weise hingerichtet. Auschwitz ist ein Mahnmal, tief eingebrannt in unsere Geschichte. Ein DenkTag an die Vergangenheit, aber auch für die Gegenwart und die Zukunft. Nicht nur wegen des laufenden NSU Prozesses, sondern auch wegen der immer wieder sich latent einschleichender Intoleranz gegenüber jüdischen Mitbewohnern und Minderheiten in Deutschland. Wehret den Anfängen, jeden Tag neu, nicht nur heute, auch morgen...


Der Auschwitzprozess zum Nachhören und Nachlesen.
Der Deutschlandfunk über „Keine Toleranz der Interoleranz“.