Freitag, April 18, 2014

„Noldes Kreuzigung - farbenfroh und ausdrucksstark“



Emil Nolde (1867-1956) gehört sicherlich zu den faszinierenden Malern des 20. Jahrhunderts. Seine farbenprächtige, expressionistische Ausdrucksweise hat ganze Generationen geprägt.
Eines seiner Hauptwerke ist der neunteilige Bilderzyklus „Das Leben Christi“, was um das Jahr 1911/12 auf der Insel Alsen entstand. „Die Kreuzigung“ ist dabei das Herzstück und mit den Maßen 220,5 x 193,5 cm ist es das größte Gemälde, das je Nolde geschaffen hat. Nolde war von Kindheit auf religiös und war fasziniert vor allem von religiösen Gefühlen und „unwiderstehliche Verlangen nach Darstellung von tiefer Geistlichkeit, Religion und Innigkeit“. Auch das Malen selbst war für Nolde ein religiöser Akt, den er beschreibt wie im Wahn: „Ich malte und malte, kaum wissend, ob es Tag oder Nacht sei, ob ich Mensch oder Maler nur war.“ Aber gerade seine religiösen Bilder stießen nicht nur auf Gegenliebe, sondern wurden wegen ihrer farbigen Ausdrucksstärke als blasphemisch bezeichnet und später im Dritten Reich verboten (entartete Kunst) und dies, obwohl Nolte selbst Antisemit und Mitglied der NSDAP war.
Das Werk Noldes ist momentan im Frankfurter Museum Städel zu sehen und lohnt sich sehr.
„Die Kreuzigung“ ist ein wunderbares Bild für eine Meditation am heutigen Karfreitag. Christus, der am Kreuz die Welt umarmt, erniedrigt sich selbst – bis zum Tod, dem Tod am Kreuz:

Er, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen. Aber er erniedrigte sich ´noch mehr`: Im Gehorsam gegenüber Gott nahm er sogar den Tod auf sich; er starb am Kreuz ´wie ein Verbrecher`. Deshalb hat Gott ihn auch so unvergleichlich hoch erhöht und hat ihm ´als Ehrentitel` den Namen gegeben, der bedeutender ist als jeder andere Name. Und weil Jesus diesen Namen trägt, werden sich einmal alle vor ihm auf die Knie werfen, alle, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind. Alle werden anerkennen, dass Jesus Christus der Herr ist, und werden damit Gott, dem Vater, die Ehre geben.

Montag, April 14, 2014

„Wir sind von den Russen auf die Knie gezwungen worden.“ Drei Fragen an Johannes Reimer zur Lage der Christen in der Ukraine.“


TF: Du bist gestern aus der Ukraine gekommen, wo warst du dort und was hast du dort gemacht?
JR: Ich war zum einen in Kiew und zum anderen habe ich auf einer christlichen Konferenz zum Thema „Versöhnung“ gesprochen, ca. 150km von Kiew entfernt. Eigentlich war das Thema „Versöhnung“ für Gemeinden und Kirchen geplant, aber die politischen Veränderungen haben es sehr aktuell gemacht.
TF: Wie schätzen die Christen, mit denen du gesprochen hast, die aktuelle Lage ein?
JF: Es ist interessant, wie die Lage in der Ukraine die Christen aus unterschiedlichen Denominationen zusammen führt. Egal ob Christen aus der griechisch-katholischen Kirche, Protestanten, Orthodoxen, Baptisten oder Pfingstler, viele kommen zusammen, um für ihr Land zu beten. Auf dem Maidan Platz stehen Dutzende Zelte, in denen sie sich zum Gebet für ihr Land treffen. Aber es gibt auch ganz praktische Hilfen wie Essenspakete für die schlecht ausgerüstete ukrainische Armee oder es werden muslimische Flüchtlinge aus der Krim (Krimtataren) aufgenommen. Der jetzige Präsident der Ukraine (Oleksandr Turchynov) ist  selbst Baptist und hat den wegweisenden Satz gesagt: „Wir sind von den Russen auf die Knie gezwungen worden“. Die Menschen auf dem Maidan Platz glauben an ihre Ukraine und haben eher Angst vor Freischärlern als vor ethnischen Konflikten. Interessanterweise herrscht eine große Skepsis gegenüber den westlichen Mächten und Europa. Viele wissen nicht, ob das Interesse der EU ehrlich ist oder nur geopolitischer Natur. Das macht die Lage für viele nicht einfacher.
TF: Gibt es aktuelle Gebetsanliegen?
JR: Als erstes sicherlich der schwelende Konflikt in der Ostukraine. Es soll und darf nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen, das ist  ein zentrales Anliegen, dass wir uns ihrem Friedensgebet anschließen. Das zweite ist, dass der ökumenische Geist und die Einheit der Christen anhalten. Bisherige Gemeindegräben werden durch die Not überwunden und zersplitterte Kirchen finden wieder zusammen, das ist eine sehr wertvolle Erfahrung. Viele Christen sehen darin eine große Chance einer geistlichen Erneuerung für das Land.

für aktuelle Informationen, der Zeitblog zur Ukraine.