Freitag, Mai 30, 2014

"Wann ist ein Christ ein Christ? Und wer darf das entscheiden?"






Letztes Wochenende war ich mit meinen beiden Kollegen (Tobias Künkler und Martin Hofmann) auf einer kleinen Lesetour mit unserem Buch „Warum ich nicht mehr glaube“. In drei Tagen vom Westen über die Mitte in den wilden Süden, das war zum einen sehr aufregend und zum anderen auch sehr intensiv und emotional. Die Abende waren so aufgebaut, dass wir die wichtigsten Ergebnisse präsentiert haben, eine Entkehrungsgeschichte gelesen und dann gemeinsam mit den Leuten diskutiert haben. Das eigentlich herausfordernde kam aber meist danach, auf allen Lesungen waren auch Menschen, die eine Entkehrungsgeschichte hinter sich hatten und, ermutigt durch das Buch, jetzt über ihre Erfahrungen reden wollen. Ehemalige Pastoren bspw. erzählten von ihren Zweifeln und wie sie plötzlich nicht mehr predigen konnten. Aber es gab auch andere Geschichten, eine Frau erzählte, wie sie nicht mehr glauben konnte und wie ihre beiden besten Freundinnen zu ihr standen und sie fünf Jahre in ihrem Unglauben begleiteten, bis sie plötzlich wieder Hoffnung hatte und jetzt wieder langsam anfängt mit Gott. Aber es gab auch immer mal wieder eine Frage bzw. Anmerkung, die mir in den letzten Wochen häufiger gestellt wurde: „Die waren doch alle nie richtig bekehrt!“ Ein Satz, wie ein Urteil. Und die Argumentation dahinter ist nicht gerade besser: „Wenn die richtig bekehrt wären, dann könnten sie sich nicht entkehren!“ Auch ein paar angefügte Bibelverse machen es meines Erachtens nicht glaubwürdiger, denn bei der Frage geht es vielleicht gar nicht so sehr darum, ob sie Recht haben, wer will das auf Erden beantworten? Sondern um die Haltung dahinter. Es ist genau die Haltung, die einige im Buch Interviewten in ihrem Entschluss sich zu entkehren bestätigt hat. Wer entscheidet das, wann ein Mensch glaubt, wenn der Glaube ein Geschenk ist? Ab wann kann oder darf ich mich Christ nennen? Im Moment meiner Entscheidung? Und wer urteilt darüber? Menschen oder Gott? Viele Fragen und weil diese nicht so einfach und immer klar zu beantworten sind, haben wir im Buch die Meinung der Interviewten ernst genommen. Wenn sie gesagt haben, dass sie sich für ein Leben mit Gott entschieden und (im Durchschnitt 23 Jahre) mit ihm gelebt haben, in der Gemeinde haupt- oder ehrenamtlich mitgearbeitet haben, ja, dann haben wir ihnen einfach geglaubt.

Ein ausführliches Interview über das Buch gibt es hier.
Eine weitere Lesung und Diskussion gibt es am 4. Juni in Marburg im Christus-Treff.

Sonntag, Mai 25, 2014

"Die Würde ist unantastbar und bedarf dennoch des Schutzes"


Heute war Europawahl und ich empfand den Wahlkampf zäh und habe mich über die Intransparenz bei den Verhandlungen über das neue Freihandelsabkommen zwischen EU und USA geärgert, die den wichtigen demokratischen Prozess für ein geeintes Europa konterkariert.  Dass es auch anders geht zeigt die Rede von Dr. Navid Kermani zur Feierstunde zu „65 Jahre Grundgesetz" die er am 23.05.2014 im deutschen Bundestag hielt. Ein Lehrstück an Demokratieverständnis und eine Pflichtlektüre für uns alle. Danke.

Hier zum Nachlesen.