Freitag, Juni 20, 2014

„Berufung, Identität und etwas Ironie oder was wir von Paulus lernen können“


Als Beispiel möchte ich die Berufung des Paulus nehmen. Allerdings ist sie meiner Meinung nach viel interessanter als manchmal beschrieben wird und hat nichts mit dem Namensspiel „vom Saulus vom Paulus“ zu tun. Dass sie in der Bibel eine sehr wichtige Rolle spielt, erkennt man ziemlich schnell. In der Ausführlichkeit und der Genauigkeit mit der Lukas die Perikope erzählt, kann man erkennen, welche Wichtigkeit dahinter steckt. Dieses entscheidende Ereignis will Lukas so genau wie möglich beschreiben und tut dies insgesamt drei Mal. So kommt die Berufungsgeschichte dreimal in der Apostelgeschichte (9,1ff; 22,4ff; 26,9ff) und einmal im Galaterbrief (Gal.1,16f) vor. Dazu wird sie noch einige Male angedeutet oder erwähnt, ohne ausführlich erzählt zu werden. Und die Berufung von Paulus ist nicht nur eine verrückte Geschichte, sondern auch voller Ironie:

·  Gott sucht sich den größten seiner Verfolger aus, um ihn zu seinem wichtigsten Mann zu machen!
·      Da wird so vieles völlig auf den Kopf gestellt. Da begegnet einer Jesus und plötzlich ändert sich die Richtung seines Lebens komplett.
·   Der Herrschende muss blind an die Hand genommen werden, wie ein kleines Kind wird er geführt
·      Der Verfolger soll in Zukunft selbst verfolgt werden und leiden
·     Der, der die Christen verfolgt und ihnen Angst macht, braucht sie, damit er wieder sehen kann
·   Die Christen, die sich ängstlich versteckt haben, legen ihrem ärgsten Verfolger die Hände zur Heilung auf, damit er wieder gesund wird.
Die Bibel ist schon voller ambivalenter Geschichten und Gott hat definitiv Humor! Und auf den ersten Blick könnte man fast meinen, dass es eine Musterberufung war und eine dieser 180° Berufungen. Aber wenn man genau hinschaut, ist dies nur zum Teil richtig.

Was hat Paulus vor seiner Berufung ausgemacht?
1)    Er war Theologe und Lehrer (Hatte die damaligen besten Lehrer: Gamaliel)
2)   Er ging strategisch vor (um seine Ziele alle zu erreichen)
3)    Er war ein „Eiferer“, voller Leidenschaft (und freute sich sogar über den Tod von Menschen)
4)   Er nutzte die Kontakte und seine Stellung (für die Verfolgung)
Was hat Paulus nach seiner Berufung ausgemacht?
1)    Er war Theologe und Lehrer (War selbst einer der besten Lehrer)
2)   Er ging strategisch vor (Gemeindebau bis an die Grenzen der damaligen Welt)
3)    Er war ein „Eiferer“, voller Leidenschaft (er scheute weder Tod noch Leben - wurde verfolgt, gesteinigt und am Ende getötet)
Er nutzte die Kontakte und seine Stellung (seine „doppelte Staatsbürgerschaft“)

Die Richtung seiner Arbeit hat sich geändert, aber Gott hat vieles was Paulus ausgemacht hat vor seiner Berufung auch nach seiner Berufung benutzt. Dann muss noch eine Anmerkung gemacht werden: Nach seiner Berufung war Paulus war erst mal 14 Jahre lang weg von der Bildfläche (Tarsus) und wir wissen nicht genau, was er dort machte, aber er wuchs im Glauben, in seiner Persönlichkeit und erst dann holte ihn Barnabas nach Antiochia und er wurde mit ihm zusammen auserwählt und ausgesandt (Gal 2,1).

Mehr zum Themenkomplex Berufung gibt es hier.