Samstag, November 15, 2014

„„Wenn Jugendliche über ihren Glauben reden wollen und Mitarbeitende der kommunalen und kirchlichen Jugendarbeit darüber diskutieren“




„Atemlos gelangweilt von der Spaßkultur und Erlebnisgesellschaft wenden sich die Menschen zunehmend der Sinnfrage des Lebens zu. Die Zukunft wird zunehmend der Sinnorientierung gehören – realisiert in der Formel: Von der Flucht in die Sinne zur Suche nach Sinn. Die Sinnorientierung wird zur wichtigsten Ressource der Zukunft und zu einer großen Herausforderung der Wirtschaft werden.“
Horst W. Opaschowski

Diese Woche war ich in Minden und in Solingen und habe mit kirchlichen und  kommunalen Vertretern über das Thema Jugendarbeit diskutiert. Die städtische und kirchliche Arbeit mit Jugendlichen wird an vielen Orten mühsamer, weil es die außerschulischen Angebote schwieriger machen, da die Ganztagsschulen mehr Zeit der Jugendlichen in Anspruch nehmen und zum anderen die Jugendlichen durch Globalisierung und Digitalisierung immer mehr von den vorherigen Generationen abgrenzen. Dies wird vor allem durch die Sprache deutlich, vor allem, wenn es um Fragen des Glaubens geht. Der Traditionsabbruch wird deutlich spürbar, so dass viele von einer „Leerstelle des Glaubens“ reden, wenn es um jugendliche Spiritualität geht. Unsere empirica Studie „Spiritualität von Jugendlichen“ hat aber etwas anderes ergeben. Jugendliche können und wollen über ihren Glauben reden, nur nicht mit jedem und wenn, dann in ‚sicheren Räumen’. Jugendliche suchen nach sinnstiftenden Glauben, fühlen sich aber oftmals unsicher und suchen vertraute Gesprächspartner mit denen sie ihre Erfahrungen, Sehnsüchte und Zweifel teilen können. Diese finden sie nicht immer in kirchlicher Jugendarbeit, weil diese sich die Tendenz hat in zwei Richtungen zu gehen, die einen die auf alles eine Antwort haben, obwohl sie die Fragen der Jugendlichen dabei kaum wahrgenommen haben und die anderen, die ihr Angebot so niederschwellig anbieten, dass die Jugendlichen kaum merken können, dass es überhaupt ein Glaubensangebot gibt. In Minden und Solingen haben wir gemeinsam versucht darüber zu diskutieren, wie Jugendarbeit zuerst Jugendliche mit ihrem Glauben ernst nehmen kann. Das war sehr spannend und ich habe mich gefreut, dass es viele spannende Ideen, Ansätze und Möglichkeiten gibt mit Jugendlichen zu arbeiten, statt wieder nur Programme für Jugendliche zu planen. Und ich bin immer wieder begeistert wie viele ehrenamtliche Mitarbeitende sich für die Arbeit mit Jugendlichen einsetzen. Die neuen spirituellen Aufbrüche der Jugendlichen sollten wir nicht der Wirtschaft überlassen..
Ansatzpunkte in der Jugendarbeit vor Ort können dabei sein:
Den Glauben der Jugendlichen ernst nehmen (Stichwort Jugendtheologie)
Gemeinschaft als zentraler Wert umsetzen
Sichere Räume anbieten (eigene Gestaltungsmöglichkeiten geben)
Semantik: Die eigene Sprachfähigkeit (der Jugendlichen) entdecken
Gebet: auf der Suche nach transzendenten Erfahrungen